Shadeworks Interview

Im Underground zu wühlen, das hat schon manchmal was von einem Grubenarbeiter, der sich mit ´ner Menge Geröll und Schotter im Dunkeln rumschlagen muß. Doch dann kommt der Moment, an dem die Mühen mehr als belohnt werden, wenn man urplötzlich inmitten der Ödnis sich einem Juwel gegenübersieht, das für all die fruchtlosen Stunden entschädigt. SHADEWORKS mit einem Juwel zu vergleichen, ist mit Sicherheit nicht vermessen, denn was Nicolas Arnaud mit seinem Soloprojekt auf “Sooty Limbs” zum besten gibt, schillert an allen Ecken und besticht durch einen inneren musikalischen Glanz, der gerade in seiner Unaufdringlichkeit so wunderschön ist.

Nach dieser etwas hochtrabenden Einleitung sollte zunächst mal die profane Frage nach den Anfängen von SHADEWORKS zum Zuge kommen.
Nicolas: Nun, ich begann mit meinen Soloaufnahmen ’98 unter dem Namen Icy Winds At Dusk. Ein erstes Demo folgte auf dem Fuß. Es trug den Namen "Endless Snowfields", was perfekt zu der Kälte paßt, die die vier Songs auf dem Tape
ausstrahlten. Es gab keine Texte, nur pure Atmosphäre. Ich merkte aber, daß dies nicht das war, was ich brauchte, so daß ich Icy Winds als eine Band aufzog und unter dem Namen Shadeworks den von Icy Winds At Dusk beschrittenen Weg
weiterging. Ich weiß, das klingt alles ein wenig verwirrend, aber so liefen die Dinge nunmal. Mit meinem zweiten Demo "Light Hiding In 8-D Architectures" überschritt ich erstmals Genregrenzen und betrat eine Welt voller Wirrnis, obwohl ich mit einem Fuß auch noch im Metalbereich blieb. Ich erhielt gute Kritiken, machte aber nicht mehr als 250 Exemplare, da mir der Sinn schon wieder nach etwas Neuem stand. Im April 2001 war es dann an der Zeit, "Sooty Limbs", die bei euch besprochene Demo-CD, aufzunehmen.

Wo würdest Du Deine Haupteinflüsse sehen?
N.: Unbewußt bin ich sicherlich von vielen Dingen beeinflußt. Für gewöhnlich höre ich sehr viel Musik, ich beschäftige mich aber auch mit unkonventionellen Gedankengängen und Träumen. Es würde mir sehr schwerfallen, da festzumachen, was davon Einfluß auf meine Musik hat und was nicht. Aber ich denke mal,
daß Du ein paar Bandnamen hören möchtest…Ich mag Beyond Twilight, Anathema, Cales, Dimmu Borgir, Forgotten Silence, Demimonde, Pain Of Salvation, Ark, Esperanto, Opeth, Katatonia, Arcturus, Dream Theater, Explorer’s Club, Paradise Lost, Shadow Gallery, Braindance und so weiter sehr gerne…

Shadeworks ist Dein Soloprojekt. Hast Du jemals in Betracht gezogen, andere Musiker, mal von Deiner Gastsängerin Fae abgesehen, in die Band aufzunehmen? Oder behältst Du lieber die vollständige kreative Kontrolle?
N.: Ein paar weitere Gastmusiker wären klasse, aber bei Shadeworks ist mir die komplette Kontrolle sehr wichtig. Das ist letztlich auch der Grund dafür, warum ich das ursprüngliche Projekt in zwei Teile gesplittet habe. Jetzt spiele ich meinen eigenen Kram und bin nebenbei auch noch Drummer bei Icy Winds.

Wo siehst Du die größten Fortschritte, die Du gegenüber Deinen älteren Aufnahmen gemacht hast?
N.: Ich glaube nicht, daß es da eine besonders auffällige Sache gibt, die sich speziell verändert hat. Meine Musik ist einfach besser geworden. Ich habe auch mit einem 16-Spur-Gerät diesmal aufgenommen, nicht mehr mit einem 8-Spur-Teil. Auf den Gesang habe ich etwas mehr Zeit und Mühe investiert diesmal, mein Equipment ist professioneller und die aktuellen Songs sind meiner Meinung nach eingängiger.

Das erste Shadeworks-Demo habe ich leider bislang noch nicht gehört…wie würdest Du die Musik darauf beschreiben? Ist darauf schon die für "Sooty Limbs"
so charakteristische stilistische Ausrichtung bemerkbar?

N.: Es fällt mir schwer, das genau zu beantworten. "Lights…" war vielleicht noch ein wenig zu elitär ausgerichtet. Letzten Endes sollten das jedoch die Hörer entscheiden, oder? Ich werde versuchen, einige der Tracks von
"Lights…" auf meine Website zum Runterladen draufstellen, wenn ich endlich dazu komme, sie in Angriff zu nehmen. Dann können Du und all meine vielen Fans :-) sich ein eigenes Bild machen.

Wie entstand die Idee, hochtechnische Musikalität, die an Progressive Metal erinnert, mit der düsteren Atmosphäre des Gothic Metals zu verbinden?
N.: Ist meine Musik wirklich so technisch? Wäre mir dieses Talents gar nicht bewußt gewesen…Wie dem auch sei, ich bin sowohl ein Fan von Gothic/Athmospheric Metal wie auch von Prog Metal. Das sind meine favorisierten Stilrichtungen, auch wenn ich anderen Spielarten ebenfalls nicht abgeneigt bin. Eine
Grundidee steckt da gar nicht dahinter, ich begann einfach zu spielen und die Richtung kam dabei völlig natürlich zustande. Eine eigene Stilrichtung habe ich damit meiner Meinung nach nicht kreiert.

Du darfst mich blind nennen, aber was genau soll das Artwork darstellen?
N.: Das ist eine Nahaufnahme meines Hinterteils, hehe, das sollte die Verkäufe beim weiblichen Publikum in die Höhe schnellen lassen…Naja, man könnte es aber auch für das Gesicht einer aus Stroh gefertigten Hexenpuppe halten…

Ähnlich zweideutig :-) sind auch die Lyrics gehalten…
N.: Sie drehen sich alle um Dualität. Zwei Menschen, zwei Welten, und wie sie interagieren. Ich halte das für eine sehr interessante Thematik, da sie einem hilft, herauszufinden, wer man wirklich ist. Der erste Song "Sooty Limbs"
– zugleich der Titeltrack – schildert die Gefühle eines Menschen in einer einzigartigen Dimension. Der Song selbst hat eine recht dunkle Stimmung, ist aber zugleich sehr lebhaft und eingängig, was bei einem Opener auch wichtig ist. "Blind Healing" ist äußerst heavy gehalten, da es um die finstersten Gefühle geht, die man im Herzen tragen kann: das Verletzen anderer, um sich selbst wohlzufühlen – dieser bösen Seite muß man sich stellen. "Terra" ist die
Fortsetzung von "Blind Healing" und ziemlich verrückt. Die Verse bestehen aus nichts anderem als einzelnen Worten, die die dunkle Seite in unseren Gehirnen
hervorrufen. Mir gefällt daran die Originalität, obwohl ich weiß, daß dieses Konzept von außen nicht so leicht zu akzeptieren ist. Der Schlußtrack ist "Silky Birds". Der Song stellt eine Art Erlösung dar, die Licht und Dunkelheit miteinander vereint. Er wird von zarten Klaviermelodien und eingängigen
Gitarrenmelodien dominiert. Ich sehe ihn aber nicht als Ballade an, eher als die Ruhe, die auf einen Sturm folgt.

Siehst Du Dich auch von Bildern, Literatur etc. beeinflußt?
N.: Nun, wie gesagt fühle ich mich von so ziemlich allem um mich rum beeinflußt, seien es Bücher, Filme, was ich sehe, rieche usw. Shadeworks ist eine tief in mir verwurzelte Angelegenheit. Ich bin gewissermaßen ein Filter, bei dem man zwar hören kann, was herauskommt; was jedoch zuvor hineinkam, ist nicht
komplett nachzuvollziehen. Sicher, ich schätze einige Künstler außerhalb der Musik sehr, aber es wären zum einen zu viele, um sie alle aufzuzählen, zum anderen wäre es für Außenstehende wohl schwer, die Verbindung zu Shadeworks
herzustellen, da ich Dir einige sehr ungewöhnliche Personen nennen würde. Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war das neueste von Amlie Nothomb. Sie entwickelt darin die selbe Thematik wie ich bei Shadeworks: Dualität. Sie ist wundervoll! Was Filme angeht…Mir gefielen "Pay It Forward", "The Cell", "Sixth Sense" und ein paar andere…

Wie wurde "Sooty Limbs" allgemein von der Presse etc. aufgenommen? Hast Du auch Labels bemustert?
N.: Die Reaktionen von Fans und Medien waren großartig und sind es immer noch. Ich hatte nicht derart viele coole Reaktionen erwartet. Mit Labels bin ich dennoch noch nicht in Kontakt getreten. Ich bereite gerade einen ausführlichen Pressespiegel vor, damit sie die vielen verschiedenen wundervollen Reviews
sehen können, die Shadeworks bekommen hat. Sollte niemand Interesse an einer Zusammenarbeit haben, werde ich mein eigenes Label gründen und dort sowohl Shadeworks als auch Icy Winds herausbringen. Die nötigen Beziehungen dazu habe
ich…

Was bedeutet der Bandname Shadeworks für Dich? Wieso hast Du ihn gewählt?
N.: Shadeworks war in gewisser Hinsicht ein für mein Projekt vorbestimmter Name, da es gleichzeitig etwas Obskures und etwas Modernes beinhaltet. Mir gefällt auch das Bild, das durch den Schatten entsteht, da er ein sehr mystisches Element, eine irgendwie unreale Präsenz in einer realen Welt ist.

Wie hast Du Deine Gastsängerin Fae kennengelernt? Hat sie ihre Gesangslinien mitgestaltet oder sang sie lediglich nach, was Du ihr vorgesetzt hast?
N.: 1998 suchte ich nach einer Gastsängerin. Ich veröffentlichte ein paar Kleinanzeigen, woraufhin sie mich anrief. Ich beschloß, mit ihr zu arbeiten, und ging nochmals in mich, was genau ich vorhatte, woraufhin ich mich entschloß, sowohl meine Projekte als auch eine neue Band mit ihr zu starten. Bei Shadeworks folgt sie zumeist meinen Vorgaben, bei Icy Winds hingegen sind die
Texte und Gesangslinien ihre Aufgabe, so daß wir da zusammenarbeiten.

Kam Dir schon in den Sinn, die Songs live aufzuführen? Was könnte man von einer Shadeworks-Show erwarten?
N.: Du wirst es gemerkt haben, daß zwischen Shadeworks und Icy Winds eine starke Verbindung besteht, also wäre es sicher möglich, einige meiner Songs mit der Band aufzuführen. Aber ich weiß noch nicht, was die Zukunft bringen wird.

Wie lange spielst Du schon Gitarre? Wieviel übst Du?
N.: Im Moment komme ich gar nicht zum Üben, da ich damit beschäftigt bin, die Onlineversion meines Magazins Beyond ins Netz zu stellen, was sehr zeitraubend ist. Sobald das aber hinter mir ist, werde ich mich wieder an die Drums
und die Gitarre setzen und neue Songs schreiben. Gitarrespielen habe ich mir vor fünf, sechs Jahren selbst beigebracht, ebenso Schlagzeug, Keyboards und Bass. Das heißt, ich hatte mal ein paar Unterrichtsstunden am Schlagzeug, aber nicht sehr ernsthaft. Woran ich besonders im Hinblick auf das nächste Shadeworks-Album feilen möchte, ist mein Gesang, und mein Heimstudio sollte ich auch
mal verbessern…

Wie gehst Du beim Songwriting für Shadeworks vor?
N.: Die Lieder kommen gleich Erbrochenem aus meinem Innern hervor. Ich muß einen inneren Druck verspüren, woraufhin alles auf einmal hervorbricht, sogar die Texte. Ist das nicht wundervoll? Im Moment fehlt mir dieses Gefühl, aber
ich bin mir sicher, daß im kommenden Jahr sich das ändern wird. Ich bin jedenfalls nicht der Typ, der mühselig Riff um Riff aneinanderkleistert. Ich beginne für gewöhnlich mit einer sehr genauen Idee. Die Hälfte einer neuen Komposition ist immer schon im meinem Kopf vorgeschrieben, könnte man sagen. Dann entwickle ich die Strukturen und schreibe Texte, die zu den Gesangslinien passen…Daher kommt wohl die Homogenität bei Shadeworks.

Wie ist es denn derzeit um die Musikszene in Belgien bestellt? Viel hört man ja nicht gerade von Landsmännern von Dir…
N.: Ich lebe in Brüssel, und da ist gar nix los. Traurig, aber wahr. Es gibt zwar immer ein paar Bands tief im Untergrund, aber davon abgesehen geschieht nichts. Das ist auch der Grund dafür, daß mir mein Heimatland alles andere als gefällt. Wir haben zwar ein paar bekanntere Bands wie Enthroned, Ancient
Rites oder Agathocles, aber die gehören zu der ganz extremen Szene. Die Metalszene ist ansonsten tot, woran sicher die belgischen Musiker schuld sind, da sie einfach nicht an sich glauben…aber ich glaube an mich!

Wie sieht der größte Traum aus, den Du im Bezug auf Shadeworks hegst?
N.: Ein komplettes Konzept, das viele Leute erreicht, das wäre großartig. Außerdem würde ich beim Aufnehmen gerne mal von einem fähigen Engineer unterstützt werden, das wäre fantastisch. Ich wurde schon immer von so ultra-abgefahrenen Bands wie Magma magisch angezogen…

In "Hamlet" schrieb Shakespeare, daß es im Himmel und auf Erden mehr Dinge gibt, als sie die Philosophie je erträumen kann. Ist das etwas, mit dem Du Dich identifizieren kannst, oder würdest Du Dich eher als analytisch und praktisch bezeichnen?
N.: Ich hasse es, wenn Menschen zuviel reden. Und genau das tun die meisten Philosophen. Ich selbst bin ein äußerst stiller Mensch. Ich antworte auf Fragen, die andere Leute mich fragen, aber ich bin ansonsten sehr auf mein inneres Selbst fixiert, was zwar vielleicht paradox klingt, einem aber wirklich hilft zu verstehen, wer man ist und in welcher Welt man lebt. Das ist aber nur meine Einstellung, ich bin nicht die Ausgeburt der Weisheit.

Was dürfen wir demnächst von Shadeworks so alles noch erwarten?
N.: Auf alle Fälle ein Album! Das werde ich aber erst dann veröffentlichen, wenn ich mir ganz sicher bin, daß es an allen Ecken und Enden knallt. Außerdem sollte ich bald eine Website aufgezogen haben, das ist momentan alles, was konkret geplant ist.

Irgendwelche beschließenden Worte?
N.: Danke für den Platz, den ihr meinen Ausführungen zur Verfügung gestellt habt. Ich hoffe, die Leute werden dieses Interview lesen, meine "Sooty Limbs"-Demo-CD für 5$/5 Euro kaufen…und wer weiß, vielleicht werde ich dann reich
und berühmt dank euch! Ich werde euch bei Gelegenheit dann in mein Schloß einladen und euch im Swimmingpool erwarten!
Kontakt: Nicolas Arnaud, 22 rue Reniers, 1090 Jette, Belgien,
anicolas777@lycos.com

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*