Dwarrowdelf – Evenstar 5/6

Northern Silence Productions

Bewertung:             5/6 -> Mächtig!

Songs:                      7

Spieldauer:              45:00 Minuten

„Tolkien Epic Black Metal“…erst einmal ob der Beschreibung kurz zusammengezuckt, ob das wohl gut geht? Dann aber mutig wie die Zwerge aus den Minen von Moria den Silberling eingelegt und, soviel sei vorab schon verraten, eine absolut positive Überraschung erlebt!

Direkt der erste Track namens „Estel“ ist typisch für den weiteren Verlauf des Albums. Ein sehr epischer, melodischer Beginn inklusive kitschfreien, sich wunderbar einfügenden Keyboardteppichen wird durch harsches Growling gebrochen, welches in einen erhabenen choralartigen Klargesang übergeht, alles von wunderbar im Raum schwebenden Gitarrensoli begleitet. Der Song ist im absolut positiven Sinne sehr verträumt und ruft beim Zuhören Assoziationen mit der weiten Steppe Rohans und einer Tolkien’schen Reiterkohorte hervor.

Im weiteren Verlauf kommen deutlichere Heavy-Metal-Einflüsse zum Vorschein („Undomiel“), oft mit wirklich erstklassigen Gitarrensoli verbunden. Dann wiederum wird insbesondere beim Drumming mehr auf die Black-Metal-Tube gedrückt („In Pursuit of Ghosts“). Als Anspieltipp mag der dritte Track „For the Kingdom I Shall Claim“ dienen, der neben erwähnten erstklassigen Gitarren sowie sich wunderbar einfügenden Keyboards neben dem gelungenen Wechsel aus Klargesang und schön harschem Growling gar ein Pianosolo bietet und majestätisch in der Albummitte thront.

Hieran lassen sich gut die Pluspunkte und auch minimalen Unzulänglichkeiten von „Evenstar“ zusammenfassen: Die Atmosphäre ist wirklich einzigartig und in ihrer melodisch-angenehmen Melancholie sehr eigenständig, man hat wirklich das Gefühl, mal etwas Neues zu hören. Trotz kitschiger Elemente wie breit gefächerte Synthie-Teppiche und choralem Klargesang driftet das Album eben nie wirklich in den Kitsch ab, sondern bleibt stets eindeutig hörbar im melodischen Black Metal verortet. Die wirklich herausragende Gitarrenarbeit ist ein weiterer absoluter Pluspunkt. Einzig der Klargesang ist vereinzelt zu pathetisch geraten, wird in der Regel aber durch das Growling sinnvoll kontrastiert und somit als Gegenpol schlüssig für die Schaffung ebenjener eigenständigen Atmosphäre eingesetzt.

Manch Hörer mag die sich doch relativ stark ähnelnden Songs als weiteren Minuspunkt ansehen, allerdings zieht sich dadurch ein roter Faden durch ein absolut schlüssiges Album, welches mit einer Dreiviertelstunde genau die richtige Länge hat, um eben nicht in die langweilende Beliebigkeit abzudriften.

Mit dem knapp 8-minütigen „Return“ klingt das Album dann nach dieser Dreiviertelstunde noch einmal absolut episch aus und man hofft tatsächlich auf eine baldige Rückkehr in dieses musikalische Tolkien-Land. Well done, Mr. O’Dell!

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