RAW Interview

Roh, dreckig, ruppig oder rabiat sind Attribute, die im Laufe des folgenden Interviews noch einige Male auftauchen werden und das zu Recht! Verkörpern und beschreiben sie doch RAW besser als lange Schwafeleien. „Moshpit“ heißt 20 x Fratzengeballer! Damit ihr aber zumindest wisst, wer Euch die Fresse poliert, habe ich Kontakt zu Sänger Phil aufgenommen.

Moin Phil, ich gehe davon aus, dass Euren wilden Haufen noch nicht jeder kennt. Deshalb erzähl uns doch zur Einleitung mal die wesentlichen Fakten zu RAW und eine typische Anekdote von Euch, so dass unsere Leser interessiert weiter lesen… ;-)

Moin, RAW kommen aus dem Rhein-Neckar Gebiet, sind fünf coole Dudes und machen fiesen Thrash Metal. Typische Anekdote? Ich glaub′, wir sind die betrunkenste Band, die je auf dem Waldpark Open Air gespielt hat, oder so…

Euer Bandname passt meiner Meinung nach optimal zu Eurem Sound. Dennoch war ich überrascht, heutzutage so einen “einfachen” und kurzen Bandnamen zu lesen. Zumal soweit ich das gesehen habe auch noch andere RAW′s ihr Unwesen treiben/getrieben haben. Was hat für Euch bei der Namenswahl den Ausschlag gegeben?

Wie du schon angemerkt hast, passt er eben perfekt zu unserem Stil. Roh, schnörkellos, direkt auf die Zwölf. Wie genau wir jetzt darauf gekommen sind weiß glaub′ ich niemand mehr. Aber uns fiel auch auf, dass in den letzten Jahren die meisten Bands übertriebene Namen die viel zu lang sind haben. Wer soll sich das alles merken? Deswegen wollten wir was kurzes, prägnantes, nur ein Wort.

Euer aktuellster Release “Moshpit” ist seit Ende letztem Jahr erhältlich und enthält satte 20 Tracks, die jedoch alle auf den Vorgänger-Demos bereits enthalten waren. Warum habt ihr Euch für diese Variante Compilation/teils Re-recording entschieden?

Naja, die anderen Releases waren halt eben nur Demos. Dementsprechend waren auch Produktion und Aufmachung nicht so aufwändig wie bei “Moshpit”. Für die Platte haben wir das erste Demo extra nochmal neu aufgenommen. Zum einen weil sich mein Gesangsstil doch deutlich verändert hatte und zum anderen weil wir ′nen Besetzungswechsel hatten.
Und dann haben wir noch Andy Classen dazu bringen können das Ganze zu mastern. Also sehen wir “Moshpit” nicht wirklich nur als Sammlung der Demos.

Ich könnte mir vorstellen, dass aktuell, wo thrashige, ruppige und ursprüngliche Mucke wieder gefragt ist und auch von den Medien gepusht wird, die Nachfrage nach Eurer CD bzw. die Reaktionen auch ganz gut sind. Liege ich da richtig oder wie seht ihr das?

Was die Reaktionen auf Konzerten angeht hast du da schon recht. Bisher war das Feedback vom Publikum immer sehr positiv. Und CD′s verkaufen wir auf Shows auch. Auch die Reviews die ich von unseren Releases gelesen hab′ waren bis auf ich glaub′ eine Ausnahme durch die Bank weg positiv.

Gibt es ggfs. auch schon Interesse von einem Label mit Euch zusammenzuarbeiten? Oder habt Ihr eh′ lieber die Fäden selbst in der Hand und macht Euer Ding?

Mit Labels ist es halt immer so ′ne Sache. Die wollen halt kein Geld ausgeben für Sachen bei denen sie nicht 100% wissen, dass sie die Kohle wieder rein kriegen. Cool wär′s natürlich schon für uns, weil wir uns dann um so Sachen wie Pressung keine Gedanken mehr machen müssten. Außerdem ist es immer gut, wenn man einen professionellen Vertrieb hat.

Bei aller Rohheit ist Eurer Musik deutlich anzuhören, dass ihr nicht erst seit gestern Musik macht. Ihr selbst schreibt, dass Ihr teilweise auf bis zu 12 Jahre Erfahrung zurückblicken könnt. Erzähl doch mal ein bisschen was über die Historie/den Werdegang der einzelnen Mitglieder. Wer hat wo gelärmt?

Jo, Rohheit und Dreckigkeit heißen ja nicht, dass man seine Instrumente nicht beherrscht, hahaha… Also ich hab′ zehn Jahre lang in der HC-Band Coming Down gesungen. Die Band hat sich relativ zeitgleich mit der Gründung von RAW aufgelöst (das eine hatte aber nichts mit dem anderen zu tun). Alex spielt außerdem bei der Death Metal-Band Tombthroat. Die gibt′s auch schon seit 14 Jahren. Dirk hat in diversen Punk und HC Bands gespielt. Die bekanntesten davon waren Mundo Muerto und Johnson Jackets schätze ich. Bei Johnson Jackets waren auch Mauro und George dabei.

Eure Stücke sind vor allem roh, direkt, kompromisslos und abgesehen von einzelnen, passenden Soli frei von überflüssigem Ballast. Ich könnte mir vorstellen, dass beim Schreiben neuer Songs, diese Marschrichtung als grobes Raster für Euch existiert. Bewegt Ihr Euch automatisch in diesem Rahmen oder kommt es schon mal vor, dass auch andere Ideen beim Proben entstehen, die dann aber für RAW als unpassend verworfen werden?

Ich hab′ das Gefühl, dass kommt automatisch. Wir nehmen uns nicht vor: So, wir machen jetzt ein Lied, dass besonders roh oder dreckig ist. Wir machen einfach das, was uns Spaß macht. Natürlich kommt′s auch vor, dass Ideen verworfen werden. Aber das liegt dann meistens daran, dass es einfach irgendwie nicht geil klingt ohne dass das jetzt zu kompliziert sein muss oder nicht zu unserem Stil passt.

Live stelle ich mir RAW als ziemlich intensives Erlebnis vor. Was kann man bei Euren Gigs erwarten?

Bist du schon mal verprügelt worden? So ungefähr is ′ne RAW-Show. Nur dass du dich hinterher besser fühlst.

Wie viel Zeit geht in einer normalen Woche für die Band drauf? Wie viel zeit bleibt noch für das “normale Fan-Sein”?

Wir proben einmal die Woche für zwei bis drei Stunden. Und dann kommen halt noch so Sachen wie Internetkontakte knüpfen und pflegen dazu, Gigs klarmachen und absprechen, sich um T-Shirts oder CDs kümmern. Vielleicht insgesamt nochmal so ein bis zwei Stunden die Woche.

Daran anschließend die Frage: Zieht ihr Euch selbst aktuelle Veröffentlichungen rein oder kommt nur gut Abgehangenes auf den Plattenteller bzw. in den CD-Player?

Dirk und Mauro machen das. Die erzählen mir häufig: Die neue Dingsbums is geil oder die neue Bumsdings is Scheiße. Ich persönlich bin da nicht so hinterher, obwohl es natürlich Releases gibt um die man nicht drumherum kommt. Aber ich hab mir z.B. noch nicht mal die letzte Slayer-Platte gekauft. Obwohl Slayer meine Lieblingsband ist, hahaha…

Euren vorletzten Release “The beastard” ziert ein ziemlich garstiges, Bier saufendes Monster das armen Bangern den Kopf abreißt. Ist das Euer Verständnis vom “Beastard”? Gibt′s eine Geschichte zu dieser Figur/dem Track?

Das Wort ist ′ne Mischung aus Beast und Bastard und in dem Lied geht′s um ′ne Figur, die aus der Hölle geschickt wurde, um in Menschengestalt Chaos und Zerstörung auf der Erde zu verbreiten. So ′ne Art Antichrist quasi. Aber Vorsicht, nicht alles zu ernst nehmen. Wir sind Atheisten, keine Satanisten!

“Moshpit” bildet in ähnlichem Zeichenstil einen etwas… äh… rabiateren Pit ab. Scheint so, als hättet Ihr Euren Haus- und Hofzeichner gefunden. Hat sich das so ergeben oder war die Entscheidung für die beiden gezeichneten Cover bewusst?

Die beiden Cover sind tatsächlich vom gleichen Künstler. Der Beastard war quasi ein Abfallprodukt das bei der Entstehung vom „Moshpit“-Cover anfiel. Da er aber so verdammt geil aussah und perfekt zum “Beastard” passte haben wir ihn trotzdem verwendet. Das „Moshpit“-Cover ist genau das was wir uns vorgestellt hatten und haben das auch so bei Matthias (Mottla-Art, http://mottla-art.deviantart.com) in Auftrag gegeben.

Ihr tragt anscheinend noch jeder einen “Künstlernamen” (Krawallex, Dirty Dirk, Powero Mauro, Gorgeous George & Ill Phil) – hat sich das im Laufe der Zeit bei jedem ergeben oder bewusster Teil von RAW?

Haha… Das mit den Künstlernamen war ich! Die hab ich damals als ich die Myspace-Seite gemacht hab′ erfunden. Keiner hat sich beschwert, also sind sie geblieben. Im „Moshpit“-Booklet stehen aber unsere normalen Vornamen.

Was fehlt noch? Was sollten unsere Leser abschließend noch wissen/erfahren?

METAL ist nicht tot! Kommt auf unsere Shows! THRAAASSHHH!!!!

www.myspace.de/fuckingraw