Myrkskog Interview

Deathmachine“, das infernalische Death/Black Metal – Geschoß der Norweger Myrkskog hat sicherlich nicht nur mich auf Anhieb vom Stuhl geblasen. In steriler, fast maschinenhafter Atmosphäre tobt ein derartig von Krankhaftigkeit geplagter Orkan, daß allerortens nur staunende Gesichter zu erblicken waren. Also schickte ich einen Boten aus, der die Wetterlage erkunden sollte.

Die Gründung Myrkskogs datiert auf das Jahr 1993. Master V., Sänger und Bassist erzählt: “Die Situation war damals eine ganz andere als heute. Wir hatten eine gänzlich andere Einstellung. Wir waren mehr vom Black Metal gefangen, mit seinem Umfeld und dessen Effekten. Die musikalische Situation war auch eine andere. Wir spielten langsamere Musik als heute, mit viel Atmosphäre. Wir hatten ein wesentlich krasseres Auftreten als heute. Wir gründeten Myrkskog, weil wir extreme Musik machen wollten. Wir waren schon immer extrem, aber wie alles andere auch, entwickeln wir uns und machen von Zeit zu Zeit neuen Kram.“

1994 wurde die Band jedoch zunächst aufgrund interner Querelen auf Eis gelegt. 1995 reformierten sich Myrkskog, um noch härter anzugreifen, was das erste Demo “Ode til Norge“ zur Folge hatte. “Wir haben das Demo zu Hause aufgenommen, auf einem tragbaren 3 Tracker. Wir hatten ebenfalls einen Drumcomputer. Es war ein Low Budget Demo, das in aller Eile aufgenommen wurde, und enthielt drei Songs derbsten Metals. Dieses Demo hat die Grundlage für die heutige Entwicklung gelegt. Die Musik war extrem aggressiv und schnell, genauso wie wir es heute auch sind, jedoch wesentlich simpler im Aufbau. Wir haben es nie veröffentlicht, deshalb konnten wir leider auch keine großartigen Reaktionen bekommen. Ich glaube, es wurde nur an acht oder neun Personen verteilt, es ist also sehr rar. Vielleicht kann man es ja eines Tages für viel Geld verkaufen, wenn wir Rockstars werden….hehe.“

Es folgten die für viele Bands qualvolle, bis zur Zerreißprobe führenden, und offenbar unvermeidlichen Besetzungsänderungen, welche jahrelang für viel Wind innerhalb Myrkskogs sorgten. “Es braucht viel Zeit, um die richtigen Leute zu finden, sowohl vom musikalischen Aspekt her, als auch vom zwischenmenschlichen. Die Chemie muß einfach stimmen, wenn man eine Einheit bilden will. Man ist nicht automatisch eine Person, die in die Band paßt, nur weil man sein Instrument beherrscht. Man braucht die richtige Einstellung, den selben Humor, ja wir haben auch Humor…. und so weiter.“

1997 war man soweit komplett und konnte sich in die Aufnahmen zum Promotape “Apocalyptic Psychotica: The Murder Tape“ stürzen. “Wir haben es im Studio Akkerhaugen von Dezember 1997 bis Juni 1998 aufgenommen. Natürlich mit Unterbrechungen… Es enthielt auch Material des ersten Demos von 1995. Einiges darauf war also damals schon uralt. Der Unterschied zwischen dem ’Murder Tape’ und ’Deathmachine’ ist immens. Wir sind mittlerweile wesentlich Death Metal – orientierter und auch agressiver. Die Musik ist schneller, die Texte persönlicher und misanthropischer, und der gesamte musikalische Stil ist wesentlich ausgereifter. Die Reaktionen auf das Tape waren geteilt. Es war ein sehr langweiliges Demo, aber eben für ein Demo ganz OK. Soweit ich mich erinnere, bekamen wir acht oder neun Vertragsangebote von Labels aus der ganzen Welt. Das war wesentlich mehr, als wir erwartet hatten, aber natürlich sehr schmeichelhaft für uns.“
Zu diesen Labels gehörten auch Candlelight, bei denen die Band auch prompt unterschrieb, scheinen sie Myrkskog doch eine ernsthafte Perspektive zu bieten. “Es gibt immer Dinge, die man gerne ändern würde. Aber alles in allem sind wir mit der Art und Weise, in der Candlelight arbeiten, sehr zufrieden. Das einzige, was ich von ihnen erwarte, ist, daß sie ihr bestes geben und uns so gut promoten, wie sie nur können. Und wir werden im Gegenzug auch unser bestes geben. Wir werden gute Alben aufnehmen und wie Hölle verkaufen, hehe. So lange jeder sein bestes gibt, kann man nicht mehr verlangen.“ Nach dem Release des Tapes gab es jedoch ersteinmal wieder eine Besetzungsänderung, bevor man sich in die Aufnahmen zu neuem Material stürzen konnte…. “Ja, wir fanden Savant M als Gitarristen, und er war genau die Person, die wir brauchten. Er ist ein wirklich cooler Typ und hat verdammt viele Ideen, die er in Myrkskog einbringt. Ich denke, dieses Lineup ist das beste, das wir je hatten, und es wäre schön, wenn es so bleiben würde. Ich denke nicht, daß wir noch jemanden zusätzlich in die Band aufnehmen werden.“

Interessant wäre es sicherlich auch zu erfahren, wie Master V den Stil seiner Band selbst sieht, vollführen sie doch einen interessanten Spagat zwischen Death und Black Metal. “Normalerweise nennen wir unsere Musik einfach nur extremen Metal, wenn man uns fragt, wie wir unsere Musik bezeichnen würden. Wir machen weder Black Metal noch Death Metal, eher einen Hybriden aus beiden Stilen. Jedoch stehen die Death Metal Tendenzen mehr im Vordergrund als die Black Metal Elemente, denke ich.“ Und trotz bewährter Zutaten gehen Myrksog doch ihren eigenen Weg, was sich nicht zuletzt im eigenwilligen, klinischkalten Sound der Band niederschlägt. “Wir wollten uns dieses typischen Black Metal Sounds entledigen, und versuchten unseren eigenen Sound zu finden. Es ist schwer bei einen Debüt Release einen Sound zu finden, der sich wirklich von den anderen hervorhebt. Normalerweise braucht es einige Versuche und die damit verbundenen Fehlschläge, bis man seinen eigenen Sound gefunden hat.  Aber es scheint einige Leute zu geben, die es gleich beim ersten Versuch schaffen. Ich denke in gewisser Weise ist uns das gelungen. Wir würden den Sound natürlich gerne noch viel Myrkskogscher oder alternativer gestalten, aber fürs erste, denke ich, haben wir etwas geschaffen, auf das wir später aufbauen können.“

Angesprochen auf die heikle Frage der Notwendigkeit der Kategorisierung des Metal in unterschiedliche Genres bemerkt er: “ Wenn man Musik mit einem Etikett versieht, beziehungsweise sie in eine Kategorie einzuordnen versucht, legt man dem Geist zu enge Beschränkungen auf. Aber selbstverständlich ist es manchmal der einzige Weg eine Band und das Erscheinungsbild ihrer Musik zu beschreiben.“

Was bedeutet Master V Metal an und für sich, wie hat er zu klingen? “Er hat etwas erfrischendes, du kannst tun was immer du willst, du bist anders als der Rest und machst beschissen harte und brutale Musik. Das ist Metal. Das ist wie wahrer Metal zu klingen hat! Ich denke es gibt keine wirklich zutreffende Beschreibung, es gibt keinen allgemeingültigen Sound für Metal. Metal kann soundtechnisch vieles darstellen. Ich bevorzuge jedoch brutalen, schnellen und harten Death Metal, der dir das Gehirn aus dem Schädel bläst. Die besten Bands, die es derzeit gibt, sind Nile, Cryptopsy, Cannibal Corpse, Angel Corpse (RIP) usw. Diese Bands haben eine wahnsinnige Ausstrahlung.“

Jedoch will Master V sich nicht auf bestimmte musikalische Einflüsse festlegen. “Wir haben keine speziellen Einflüsse, was den musikalischen Entstehungsprozess angeht. Aber selbstverständlich wird man immer in gewisser Weise von dem beeinflußt und vorangetrieben, was man momentan hört. Wir sind vier Individuen, die alle Arten von Musik mögen, die Geschmäcker sind weit gefächert. Aber der Grundgedanke die härteste und groovieste Musik zu machen ist der größte Einfluß denke ich….“

Wie breit diese Einflüsse gefächert zu sein scheinen, läßt sich nicht zuletzt am etwas eigenwilligen Techno Remix am Ende des Albums erahnen, der im Gesamtkontext vollkommen aus dem Rahmen fällt. Die meisten Leute, denen ich diesen Remix vorspielte, haßten ihn. Sind wir vielleicht alle ignorant? „Ja, das wäre eine Möglichkeit. Wie ich bereits sagte, haben wir sehr breit gefächerte Musikgeschmäcker. Techno ist eines der Genres, die wir mögen. Dieser Typ von Metallized in Dänemark hat mich gefragt, ob es sich um ein Statement gegen Black Metal handeln würde, und ich dachte mir ’hey, was für ein riesiges Kompliment’ Es kann schon als ein Statement dieser Art gesehen werden, da die meisten von uns vom Standard Black Metal die Schnauze voll haben und der ganzen Szene, die sich darum gebildet hat. Es gibt natürlich einige Ausnahmen aber alles in allem ist Black Metal nur noch langweilig. Wir packten also diesen Remix auf das Album, weil wir dachten, das Album hätte eine zu kurze Spielzeit. Wir wollten mindestens vierzig Minuten Spielzeit haben, und als wir die Remixe des Hagalaz’ Runedance Albums gehört hatten, fragten wir sie und den Studiotechniker, ob sie nicht mit uns zusammenarbeiten wollten. Sie sind gute Freunde und sehr professionell in ihrer Arbeitsweise.“

Wenn man über Musik redet, muß man meist auch über die Texte sprechen, welche Myrkskog im Gegensatz zu manch anderen Bands der extremen musizierenden Zunft recht wichtig zu sein scheinen. „Selbstverständlich sind die Texte sehr wichtig. Es ist wie Alpha und Omega, schwarz und weiß, Yin und Yang. Es geht nicht ohne sie. Man kann keinen Death oder Black Metal spielen, ohne die nötigen Zutaten in seinen Texten zu haben. Das gehört zur Musik dazu. Die Texte auf Deathmachine sind sehr persönlich, jedenfalls die, welche ich geschrieben habe. Sie handeln vom Tod, Wahnsinn, Mord und so weiter. Aber ich möchte hier unterstreichen, daß die Texte der Interpretation des Hörers unterliegen. Ich möchte nicht zu sehr auf sie eingehen, das könnte die Vorstellungskraft und die Interpretation des Hörers beeinflussen. Die Texte können auf die vielfältigsten Arten interpretiert werden, also macht Euch Euer eigenes Bild davon! Zieht Euch daraus, was ihr herausziehen wollt!“

Die Tour welche die Band gerade zusammen mit solchen Größen wie Krisiun, Gorgoroth etc. absolviert hat, konnte Master V. nicht sonderlich fröhlich stimmen. “Sie war ein totales Desaster! Alles lief schief. Als wir gefragt wurden, ob wir diese Tour spielen wollten, war die Rede davon, daß wir an vierter Position spielen sollten, aber am Ende haben wir fast alle Shows eröffnen müssen. Wir haben keine Shirts bekommen, die lokalen Promoter schrieben Asphyx statt Myrkskog und noch vieles mehr! Es war eine verdammte Zeitverschwendung. Aber trotz all dieser “musikalischen“ Probleme hatten wir viel Spaß. Die meisten Leute waren ziemlich cool drauf, und wir haben eine Menge gesoffen und all das. So gesehen war es doch eine positive Erfahrung. Aber wir sind mehr als bereit, wieder auf Tour zu gehen. Solch kleine Zwischenfälle können uns nicht aufhalten!“

Gibt es eine Band, für die er sterben würde, wenn er die Möglichkeit bekäme, einen Gig mit ihnen zu spielen? “Es wäre der totale Wahnsinn mit Bands wie Metallica, Judas Priest, Marilyn Manson, Slayer oder Iron Maiden auf Tour zu gehen. Ich würde zwar nicht für sie sterben wollen, aber vielleicht einen Arm opfern… Diese Bands spielen vor riesigem Publikum, haben jede Menge Fans und sind der absolute Killer. Maiden sind vielleicht kein Killer…. aber gut!“

Kommen wir zum Schluß noch kurz zu den Zukunftsplänen der Band: “Es ist bereits ein neues Album geplant. Wir haben schon begonnen einige Songs zusammenzutragen und werden wohl Anfang nächsten Jahres ins Studio gehen, spätestens im Frühjahr. Mehr konkrete Pläne gibt es derzeit nicht. Es wäre cool, wenn wir für das nächste Album ein Video drehen könnten, aber das wird sich zeigen. Wir hoffen, daß wir in Zukunft noch viele Touren bestreiten können und auch auf einigen Festivals spielen können. Ich denke ihr werdet noch viel von uns hören.“
“We are the defenders of the Faith…. C ya on tour!“

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