Sear Bliss Interview

Sear Bliss sind seit mehr als einer Dekade nicht mehr aus der Black Metal-Szene wegzudenken, die sie mit starken Alben, wie dem zuletzt erschienenen “Glory And Perdition”, und einem ungewöhnlichen eigenen Sound bereichert haben. Dass die Ungarn nicht nur auf Platte eine gute Figur machen, sondern auch live eine Macht sind, haben sie beim Party.San erneut bewiesen, wo ich bereits einen kurzen Schwatz mit Sänger Andras hielt. Ein paar Wochen später kam dann per E-Mail und Telefon dieses Interview zustande, in dem sich der sympathische Budapester über die Geschichte der Band, die neue DVDs und natürlich zum Party.San-Auftritt äußerte.

Euren Auftritt beim Party.San war meiner Meinung einer der besten des Festivals, echt verdammt gut! Hast du mit so einem Erfolg gerechnet?
Es war unglaublich! Wir haben vor dem Festival ein paar Shows in Ungarn gespielt, aber das Party.San hat alles getoppt. Wir hatten dort eine tolle Zeit: professionelle Organisation, professioneller Sound und großartige Zuschauer. Wir hatten sehr viel Spass und waren wirklich etwas überrascht von dem Erfolg, den wir hatten. Unglaublich.

Weißt du noch, was dir durch den Kopf ging, als ihr auf der Bühne wart und gesehen habt, wie die  vielen Leute eure Musik genießen?
Es ist schwierig, das in Worte zu fassen. Es war unglaublich. Man bekommt nicht nur durch die Fans Energie, viel hängt natürlich auch vom Sound auf der Bühne ab. Schlechter Sound kann leicht die ganze Show kaputtmachen, vor allem, wenn er so schlecht ist, dass man sich selbst nicht hören kann. Bei unserer komplexen Musik ist das besonders fatal, das Zusammenspiel von hohem Tempo, Gitarren und der Trompete ist sehr schwierig. Beim Party.San war aber alles perfekt, sowohl das Publikum als auch der Sound. Deshalb war es für uns eine unglaubliche Erfahrung, die wir selten vorher hatten. Es gab uns viel Kraft, als wir sahen, wie die Fans ausgerastet sind und genauso, dass wir unsere eigene Musik in so guter Qualität hören können. Wir hatten einfach sehr viel Spass und haben das Party.San sehr genossen.

Bist du noch nervös, bevor du auf die Bühne gehst?
Nicht immer. Natürlich sind Shows wie das Party.San eine große Herausforderung, aber wir alle haben uns mittlerweile daran gewöhnt. Mir macht es mehr Spass als alles andere, obwohl ich immer noch weiß, wie nervös ich war, als ich das allererste Mal auf die Bühne musste. Das ist mehr als zehn Jahre her und mit der Zeit gewinnt man an Erfahrung und ist nicht mehr nervös. Jedenfalls ich nicht.
Ihr habt Mitte des Jahres eine kurze Europa-Tour mit Skyforger gespielt. Was sind deine Erinnerungen daran?
Erinnerungen? Ich kann mich an gar nichts erinnern *lacht*. Aber ernsthaft, es war toll, wir haben einige denkwürdige Momente erlebt. Mit zwei anderen Bands einen Nightliner zu teilen ist immer eine Herausforderung, aber sowohl die Jungs von Skyforger als auch von Salicious Gods sind wirklich cool, von daher war alles okay. Es war bereits das zweite Mal, dass wir mit Skyforger touren und wir hatten einige verrückte Parties. Auf unserer bald erscheinenden DVD kann man einige überraschende (und peinliche) Aufnahmen sehen *lacht*.

Werdet ihr 2006 wieder auf Tour kommen?
Das hoffe ich! Wir lieben das touren und live spielen und würden gerne sobald wie möglich wieder auf Tour gehen. Im November wenden wir einige Shows bei euch in Deutschland spielen, aber eine längere Tour wird erst nächstes Jahr möglich sein. Unsere DVD würden wir so auch am besten promoten können.

Wer wären dann eure Favoriten als Tourpartner?
Ich weiß nicht… Marduk waren sehr cool, als wir mit ihnen 1997 getourt sind. Es wäre super, noch einmal mit ihnen unterwegs zu sein. Eine so bekannte Band wie Marduk wäre uns am liebsten, da es uns Möglichkeiten eröffnen würde, die wir sonst nicht hätten, vor allem was die Größe der Clubs angeht. Deshalb wäre es auch unglaublich mit Satyricon zu touren. Ich könnte aber auch Arcturus, Dissection oder jede andere Band nennen, die wir mögen. Wir sind sehr bodenständige Typen und man kommt mit uns auf Tour gut aus *lacht*.

Kannst du dir auch eine Tour durch Osteuropa vorstellen?
Vorstellen kann ich mir das, auch wenn wir bisher noch keine gemacht haben, wir bekommen auch oft Anfragen von osteuropäischen Clubs. Wir werden sehen…

Um mal auf eure DVD zu kommen: ein US-Label hat vor einiger Zeit ein „official live“ bootleg auf DVD veröffentlicht. Seit ihr darüber glücklich? Hat es auch wenigstens etwas Aufmerksamkeit eingebracht?
Es ist nur eine limitierte Auflage mit schlechter Qualität und ohne jedes Extramaterial. Es ist für Sammler und wird uns kaum neue Fans bringen.

Deshalb arbeitet ihr an einer offiziellen DVD. Was wird darauf zu sehen sein?
Im Gegensatz zum Bootleg wird unsere DVD wirklich professionell aussehen und im 5.1-Sound sein.  Die erste Hälfte wird aus unserer Show zum 10-jährigen Geburtstag von Sear Bliss bestehen, die wir letztes Jahr in Budapest gespielt haben. Die andere Hälfte sind Interviews, Backstage-Aufnahmen, Studioaufnahmen etc. … Sehr viel gut gewählter Kram, inklusive einer Fotogalerie. Es wird eine sehr ausführliche DVD werden, die das Leben von Sear Bliss zusammenfasst. Wir sind mit der DVD bereits fertig und werden sie im Dezember veröffentlichen.

Wie viele Leute waren denn bei der Show?
Es waren so 600 Leute da, was ziemlich gut ist, obwohl wir Pech mit dem Termin hatten: zum einen war es Sonntag Nacht, zum anderen gab es genau an dem Abend schweren Eisregen, so dass die meisten Busse und Züge nicht fuhren, wegen der komplett vereisten Strassen und Schienen. Wenn man das berücksichtigt, war der Gig echt erfolgreich. Wir hatten eine ganz besondere Atmosphäre und es war toll, mit den ganzen Ex-Mitgliedern zu spielen, die wir alle eingeladen hatten. Wir spielen sowohl in Budapest als auch im Rest von Ungarn regelmäßig. Es gibt hier eine aktive Szene, die richtiggehend boomt.

Wie wichtig ist die DVD für euch, was denkst du?
Für unseren Ruf als Live-Band ist sie sehr wichtig. Da wir ein amerikanisches Label haben, fragen uns immer wieder Leute von dort, wann wir einmal in den USA spielen würden. Wir sind aber zu sehr Underground für eine US-Tour, so dass die einzige Möglichkeit für unsere Fans dort eine Live-DVD ist. Von daher ist es schon wichtig, dass die DVD veröffentlicht wird, aber nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Außerdem gibt es uns seit fast zwölf Jahren, da hat sich eine Menge Material angesammelt, das es wert war, auf einer DVD zu erscheinen.

Wo du gerade eure Geschichte ansprichst: weißt du noch, wann ihr begonnen habt, die Trompete zu eurem Sound hinzuzufügen? Ist es schwierig für euch, das Instrument einzubauen?
Schon ganz zu Beginn, als ich die Band gerade formte, wollte ich ein ganz besonderes Instrument, um etwas originelles in der Black Metal-Szene zu erschaffen. Gergely, ein Freund von mir, war Mitglied in einem Posaunenchor und lud uns (Sear Bliss) zu einem Konzert ein. Wir waren wirklich überrascht, wie kraftvoll der Sound der Posaunen war und ich hatte sofort den Gedanken, eine Trompete bei Sear Bliss einzubauen und war der Meinung, dass die perfekt zu uns passen würde. Ich lud Gergely also ein, mit uns zu proben. Das war 1994 und wir hatten gerade mal einen Song *lacht*. Zu diesem Song fing er einfach an zu spielen und hat einige wundervolle Melodien gespielt, die uns umgehauen haben. Da haben wir ihn eingeladen, Mitglied der Band zu werden. Wir sind nach ein paar Jahren auf Posaune umgestiegen, da sie einen volleren und tieferen Ton hat, was besser zum Black Metal unserer Art passt. Mittlerweile ist es auch nicht mehr schwierig für uns, die Posaune einzubauen, da wir seit zehn Jahren Übung darin haben und wir wissen, wie die Musik klingen soll, noch bevor wir sie schreiben.

Wie geht bei euch das Songs schreiben von statten?
Ich schreibe die Musik alleine zu Hause, es passiert nur selten, dass wir gemeinsam im Proberaum jammen und daraus ein Song entsteht. Normalerweise haben entweder ich oder der Gitarrist eine Idee und basteln daraus einen rohen Song. Den zeigen wir dann den anderen und versuchen einen kompletten Song daraus zu machen. Zuhause füge ich dann Keyboards und Text zu und das war’s. Ein Sear Bliss Song ist so geboren.

Seit ihr denn schon mit Songschreiben für den Nachfolger von „Glory And Perdition” beschäftigt?
Wir hatten mit der DVD viel zu tun, so dass wir noch nicht dazu kamen, neue Songs zu schreiben. Aber die DVD ist es auf jeden Fall wert gewesen, das Resultat ist einfach gut. Wir werden bald neue Songs schreiben, aber es gibt auch noch mein Nebenprojekt und am Re-Release der ersten drei Sear Bliss-CDs arbeiten wir auch noch. Es gibt also viel zu tun *lacht*.

Wie viel Zeit wendest du für Sear Bliss pro Woche auf, kannst du das einschätzen?
Verdammt viel *lacht*. Eigentlich könnte ich sagen, dass ich 24 Stunden an nichts anderes denke, egal was ich gerade tue. Sear Bliss ist mein Leben und wir proben sehr viel, spielen zu Hause, schreiben E-Mails, organisieren Dinge etc. Einfach verdammt viel. Für mich füllt Sear Bliss definitiv den meisten Teil des Tages aus.

Andras, ich danke dir für deine Zeit. Noch ein paar letzte Worte?
Thanks for the interview and support. A big hail to all those metalheads who came to see us at Party San. Cheers!

http://www.searbliss.hu/

http://www.myspace.com/searbliss