Eclipse Interview

Mit “Dorsacharms Venomous Colours” meldeten sich die Polen ECLIPSE mit einem wahren Paukenschlag schwarzmetallischer Tonkunst zu Wort. Bombastische Arrangements und überzeugende Klassikkenntnisse hoben dieses Debüt von den vielen Dilettanten ab, die sich schnell mal auf ein Keyboard lümmeln und dann glauben die Musik erfunden zu haben. Daß dabei auch die Brutalität und Aggressivität nicht auf der Strecke blieben macht die Scheibe zu einem zukünftigen Klassiker. Grund genug die beiden Musikern Chors und Daamrs ins Kreuzverhör zu nehmen.

Zuerst galt es zu klären, ob Eclipse tatsächlich nur eine Zwei-Mann-Band sind.
CHORS: Ja, wir sind wirklich nur zu zweit. Wir suchen zwar ständig nach Mitstreitern, aber meistens stellt sich heraus, daß zusätzliche Musiker kein Vorteil für uns sind. Sie werfen uns in unserer Entwicklung zurück. Deshalb haben wir uns immer nach kurzer Zeit wieder von ihnen getrennt. Daamr und ich haben nun mal Eclipse gegründet und sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Für unser neues Album suchen wir zwar auch wieder Hilfskräfte, aber zuerst werden wir erst einmal die Songs komponieren.

In dieser Minimalbesetzung sind Liveauftritte aber ein Ding der Unmöglichkeit.
DAAMRS: Zur Zeit spielen wir nicht live, aber mit einer größeren Mannschaft haben wir schon ein paar Auftritte erledigt. Es wird auch in Zukunft kein Problem mit Konzerten geben, selbst wenn wir zu zweit bleiben.

Eclipse stammen bekanntlich aus dem Heimatland des Papstes..
C: Wir kommen beide aus Katowice. Das ist eine der größten Industriestädte Polens und liegt im Süden des Landes.

Aber nun endlich zum überragenden Album ‘Dorsacharms Venomous Colours’.
D: Dorsacharms… ist unser erstes offizielles Werk. Wir haben aber auch noch ältere Songs in der Hinterhand, die sicher auf einem unserer nächsten Alben auftauchen werden. Leider konnten wir sie noch nicht aufnehmen, aber sie sind es sicher wert gehört zu werden.
C: Nachdem wir ‘Dorsacharms’ fertiggestellt hatten, versendeten wir es an unzählige Labels. Wir bekamen einige vielversprechende Angebote, von denen uns das von Blackend nach reiflicher Überlegung am besten erschien. Sie werden nach ‘Dorsacharms’ auch noch unsere nächsten drei Alben herausbringen.

Den außergewöhnlichen Titel wollten die beiden nicht erklären.
C: Wir wollten mit dem Titel und auch den Lyrics nichts Besonderes ausdrücken. Sie haben nur eine persönliche Bedeutung für uns. Jeder kann sich jedoch seinen eigenen Reim darauf machen. Die Leute sollen in sich gehen, um Gedanken und Gefühle zu entwickeln, wenn sie einen Sinn in unserem Werk suchen.
D: Ein spezielles Textkonzept gibt es nicht. ‘Dorsacharms…’ ist die Vorstellung der Band und steckt vorerst einmal das musikalische Gebiet ab, auf dem wir uns bewegen wollen. Beim nächsten Album werden wir aber mehr Gewicht auf die Texte legen.

Meine Vergleiche mit den frühen Dimmu Borgir und Emperor nahmen die beiden relativ gelassen auf. Die von mir georteten Gothic-Anleihen konnten sie jedoch nicht bestätigen.
C: Es ist eigentlich lustig, wie unsere Musik von den Fans empfunden wird. Wir wurden schon oft mit diesen beiden Bands verglichen. Zuerst waren wir sehr überrascht, da uns weder Dimmu Borgir noch Emperor wirklich direkt beeinflußt haben. Es war nie unser Ziel ihnen hinterher zu laufen. Was Gothic anbelangt muß ich sagen, daß uns diese Musikrichtung nie inspiriert hat. Ich habe diese Sounds nie gemocht. Was wir geschaffen haben, war alles in uns. So einfach ist das!

Lästigerweise fragte ich aber trotzdem nach den Lieblingsalben von Emperor und Dimmu Borgir.
C: Von Dimmu Borgir scheint ‘Stormblast’ das beste Album zu sein. Auch das letzte Album ist ganz gut geworden. Bei Emperor kann ich wirklich keine Reihung machen. Jedes ihrer Alben ist perfekt, obwohl sie sich in keinster Weise ähneln. Es ist großartig, wie sie sich weiterentwickeln ohne ihre früheren Errungenschaften zu verleugnen. Man könnte das mit einer Mauer vergleichen, die durch zusätzliche Steine immer stärker und höher gebaut wird. Das ist das eigentliche Phänomen Emperors.

Am meisten haben mich die klassischen Parts überzeugt, die mich auf eine fundierte Ausbildung tippen ließen.
D: Wir haben aber nie Unterricht gehabt und verlassen uns ausschließlich auf unsere eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten. Viele Leute finden unsere klassischen Parts interessant. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß sie sich vom normalen Standard abheben. Wir haben uns an keinerlei Regeln beim Komponieren gehalten, sondern wollten lediglich alle möglichen Emotionen in Musik fassen. Das ist eigentlich auch die Basis unserer Musik. Vivaldi ist mein Lieblingskomponist, weil seine Werke viele emotionale Facetten widerspiegeln. Chors wiederum mag Prokofiev wegen der originellen Atmosphäre seiner Musik.

An einer symphonischen Umsetzung mit einem richtigen Orchester hätten die beiden nichts auszusetzen.
C: Das könnte wunderbar werden. Jede Band, die Keyboards einsetzen muß, träumt davon. Ein Orchester kann durch nichts ersetzt werden. Wenn man eine mystische Atmosphäre erzeugen will, dann führt kein Weg an einem professionellen Orchester vorbei. Keyboards geben einem in gewisser Weise aber auch die Möglichkeit die Mystik der Orchesterinstrumente zu fühlen.
D: Wir haben selbst schon versucht, auf den verschiedensten Instrumenten zu spielen, bevorzugen aber immer noch Gitarren. Kein anderes Instrument kann einen derart aggressiven Sound erzeugen, und Aggression ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Eclipse!

Die polnische Metal-Szene schwingt sich gerade in ungeahnte Höhen auf. Eigentlich kann man fast schon davon sprechen, daß hier das nächste große europäische Zentrum neben den skandinavischen Ländern entsteht.
C: Wir hatten schon früher eine sehr starke Szene in Polen. Es gab immer schon gute Bands, eigentlich so lange ich mich zurückerinnern kann. Sie mußten aber leider gegen das Vorurteil ankämpfen, daß nichts Gutes aus Polen kommen kann. Wahrscheinlich war das so, weil es riesige Anzahl von Bands aus Amerika, Schweden, Norwegen und Deutschland gab. Ich weiß es nicht genau. Zur Zeit ist der Markt sehr groß, und so rücken vermehrt auch polnische Bands ins internationale Rampenlicht. Heute scheint es auch nicht so wichtig zu sein, woher eine Band kommt. Die Musik allein steht im Vordergrund. Das ist sehr gut so! Ob sich Polen jedoch zum nächsten großen Metal-Zentrum Europas mausert, wird die Zeit zeigen.

Wenn es denn wirklich passiert, dann werden Eclipse sicher einen großen Verdienst daran haben. Hoffentlich kommt bald der Nachfolger von ‘Dorsacharms Venomous Colours’ denn er wird die Hebung des Stellenwerts Polens sicher beschleunigen.

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