Einherjer Interview

Mit neuem (eigenen) Label und dem neuen Album “Norwegian Native Art“ sind die Nordmänner zurückgekehrt, um in unser Land einzufallen. In allerhöchster Verzückung ob des ausgefeilten Schlachtgetümmels und voller Respekt für die großartige Leistung, mußte mir sogleich Frode Glesnes Rede und Antwort stehen.

Was waren die Gründe, 1993 Einherjer zu formieren? Was kannst Du mir über die Zeit vor Einherjer erzählen? Hat irgendwer von Euch bereits in einer anderen Band gespielt?
Gerhard und ich hatten diese „Vision“ von einer Band, die anders klingen sollte, als alle anderen. Eine Band, welche die Atmosphäre und die machtvollen Gefühle transportieren sollte, die den Wikingern und der nordischen Mythologie innewohnt. Eine Band, welche die Intensität des Metal mit der Dramatik unseres kulturellen Erbes kombiniert. Es ist nicht nötig, über die Zeit vor Einherjer zu reden, da wir zu dieser Zeit  nichts von Bedeutung getan haben.

Im gleichen Jahr nahmt Ihr Euer erstes Demo „Aurora Borealis“ auf. Was kannst Du mir darüber berichten? Wie waren die Reaktionen? Wie hat es geklungen, und bist Du aus heutiger Sicht zufrieden damit?
„Aurora Borealis“ ist exakt so geworden, wie wir es uns gedacht hatten, es klang kein bißchen anders. Die Reaktionen waren extrem gut. Die meisten Leute scheinen es wegen seines dunklen Gefühls und seiner Originalität genossen zu haben. Der Sound ist OK, aber er könnte natürlich besser sein. Die offizielle Veröffentlichung von „Aurora Borealis“ war nicht allzu gut abgemischt. Wir machten einen schnellen raw-mix, direkt nach Beendigung der Aufnahmesessions, aber wir kehrten nie ins Studio zurück, um einen anständigen Mix zu kreieren. Ich weiß nicht, warum es damals so gelaufen ist, aber so ist es nuneinmal gewesen. Wenn ich heute darauf zurückblicke, und mir das Demo anhöre, muß ich immer wieder feststellen, daß ich mit der ganzen Sache sehr zufrieden bin. Wir haben immer noch zwei Songs von „Aurora“ in unserem Liveset, „Aurora Borealis“ und „De Sorte Sjøers Land“.

Ein Jahr später habt Ihr eine Seven Inch EP für Necromantic Gallery Prod./Damnation Distr. namens „Leve Vikingaanden“ herausgebracht. Kannst Du mir mehr darüber erzählen? Wie seid Ihr mit diesem Label in Kontakt gekommen?
Leve Vikingaanden wurde im selben Studio aufgenommen wie auch „Aurora Borealis“, ein kleines, beschissenes, lokales Studio. Die EP enthielt die Songs „Naar Hammeren Heves“ und „Naar Aftensolen Rinner“. Beide Songs wurden später nochmals im Grieghallen Studio aufgenommen, und für die „Far Far North“ EP verwandt. Wir kamen mit NGP/DD nach dem Release von „Aurora“ in Kontakt. Sie wollten unbedingt eine EP mit Einherjer herausbringen, womit wir natürlich einverstanden waren. Es wurden 1500 Kopien gepreßt, und heute ist die EP ein gesuchtes Sammlerstück. Wir selbst haben nur noch zwei oder drei Kopien…

Ihr habt dann einen Vertrag mit Necropolis Rec. unterschrieben, um „Aurora Borealis“ als MCD herauszubringen, danach seid Ihr dann aber zu Napalm Records gewechselt. War der Vertrag wirklich nur über diese MCD?
Ja, der Vertrag mit Necropolis war nur für den Release von „Aurora Borealis“ als MCD. Wir haben uns zwar über die Erweiterung des Vertrages für ein oder zwei Alben unterhalten, aber als wir das Angebot von Napalm Records bekamen, entschlossen wir uns, lieber dort zu unterzeichnen.

Kannst Du mir etwas darüber erzählen, warum Ihr lediglich „Dragons of the North“ über Napalm Records herausgebracht habt, und die „Far Far North“ MCD gecancelt habt? Der Vertrag lief doch über zwei Alben… Was waren die Gründe, Napalm Records zu verlassen?
Ja, es stimmt. Wir haben bei Napalm Records seinerzeit einen Vertrag über zwei Alben unterzeichnet. Kurz nach  „Dragons of the North“ hatten wir das Gefühl auf der Stelle zu treten. Wir waren der Meinung, die Dinge würden sich nicht schnell genug entwickeln, aber vielleicht waren wir damals nur zu anspruchsvoll. Es wurden jede Menge Versprechungen gemacht, aber nichts passierte. Als wir die „Far Far North“ MCD aufnahmen, war sie eigentlich als Single für unser zweites Album auf Napalm gedacht. Wie die Dinge nunmal so sind, traten zu diesem Zeitpunkt Century Media auf den Plan, und waren richtig scharf darauf, es selbst zu veröffentlichen. Das ist eine sehr delikate Angelegenheit, ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen. Ich persönlich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen was den Bruch mit Napalm Records angeht. Aber es ist nunmal passiert, es ist zu spät, es jetzt noch zu ändern….

Nach der Veröffentlichung von „Far Far North“ über Century Media brach die Band auseinander, und lediglich zwei Urmitglieder blieben zurück. Was waren die Gründe für diese extremen Auflösungserscheinungen?
Als wir das Angebot von Century Media bekamen, stellten wir dem Rest der Band ein Ultimatum: Einherjer 100% oder die Band verlassen. Wir wollten, daß jeder in der Band zu hundert Prozent auf das konzentriert ist, was wir tun. Unglücklicherweise (oder glücklicherweise aus heutiger Sicht) wurde Einherjer dann zu einer Zweimannband. Audun, Rune und Stein beschlossen, die Band zu verlassen.

„Odin Ows Ye All“ war ein großer Erfolg für die Band. Wie wichtig sind Deiner Meinung nach die Einflüsse der neuen Mitglieder auf dieses Album?
Ich würde es nicht wirklich einen großen Erfolg nennen. Ich denke das Resultat auf  „Odin Ows Ye All“ war sowohl für Century Media, als auch für die meisten Leute ein riesige Überraschung.  Wenn ich es mir heute anhöre, bin ich selbst ebenso überrascht. Es ist unsere einzige Veröffentlichung, mit der ich nicht hundertprozentig zufrieden bin. Ich denke nicht, daß man die neuen Mitglieder für das Resultat verantwortlich machen kann… Aus welchen Gründen auch immer, hatten Gerhard und ich seit Jahren diesen „Drang“ ein Heavy Metal Album zu machen, und mit Ragnars Vocals waren wir nun in der Lage, das zu verwirklichen. Er beherrschte genau die Art von cleanen Vocals, nach denen wir damals gesucht haben. Wenn ich mir das „Odin…“ Album heutzutage anhöre, mit etwas Abstand und größerer Nüchternheit, muß ich sagen, daß es nicht gerade einer unserer denkwürdigsten Momente war. „Norwegian Native Art“ ist ein wesentlich stärkeres Album und Ragnars Gesang roher, er ist wesentlich sicherer in seiner Gesamtperformance. Wenn man den Gesang auf „Norwegian Native Art“ und „Dragons…“ vergleicht, merkt man, daß der Unterschied nicht so riesig ist, wie viele behaupten. Ragnar ist ein sehr versierter Sänger und er hat bereits bei den Proben für unser nächstes Album bewiesen, daß die Roheit seiner Stimme sich noch wesentlich weiter entwickeln wird…

Nach „Odin Ows Ye All“ habt Ihr Century Media verlassen, und Euer eigenes Label Native North Records gegründet. Was waren die Gründe für diesen Schritt?
Der Bruch mit Century Media war ein ein stillschweigendes Übereinkommen beider Seiten. Wir waren mit der ganzen Situation bei Century Media nicht sonderlich glücklich, denn in unserem Tempo hätten wir den Vertrag erst im Alter von 40 erfüllt. Außerdem hatten Century Media wohl auch größere Erwartungen in uns gesetzt, was die Verkaufszahlen angeht. Nach der Unterzeichnung des Vertrages bei Century Media merkten wir ziemlich schnell, daß das eine wirklich schlechte Idee gewesen war. Century Media haben sehr viele Bands unter Vertrag, und können sich nicht hundertprozentig auf jede einzelne konzentrieren. Viele dieser Bands haben wesentlich größere Namen als Einherjer, und verkaufen auch wesentlich mehr CDs. Es ist also verständlich, daß Century Media sich diesen Bands mehr gewidmet haben, als uns. Ich denke, die Entscheidung ist das Beste für beide Seiten. Nach der Auflösung des Vertrages mit Century Media wollten wir nicht wieder durch einen langfristigen Vertrag gebunden werden, und die Veröffentlichungsrechte irgendwem für nichts und wieder nichts übertragen. Wir wollten die Rechte an unserem eigenen Material, und von jetzt an werden wir sie haben. Native North Records ermöglicht uns die volle Kontrolle über alles, was geschieht. In der Anfangsphase ist das ganze natürlich sehr teuer, aber im Gegenzug ziehen wir auch mehr heraus.

Habt Ihr die Aufnahmen  Century Media überhaupt angeboten?
Ja, wir schickten ihnen ein Demotape mit vier oder fünf Songs, aber es hatte anscheinend keinen kommerziellen Wert für sie. Es schien, als hätte sich die Sache bereits für sie erledigt.

Werdet Ihr in Zukunft auch andere Bands unter Vertrag nehmen, oder existiert das Label nur für Einherjer?
Wir haben das Label vorrangig gegründet, um Einherjer – Material zu veröffentlichen, aber wir merkten schnell, daß genügend Kapazitäten für weitere Bands vorhanden sind, wir haben neben Einherjer drei weitere Bands unter Vertrag genommen. Ulvhedin, eine norwegische Viking Metal Band. Sie werden im September im Grieghallen Studio ihr Debutalbum „Pagan Manifest“ aufnehmen. Arthemesia, eine finnische Black Metal Band. Sie haben Ihr Debutalbum „Devs-Iratvs“ bereits aufgenommen, und es wird im September veröffentlicht werden. Und dann noch Angelgrinder, eine Death/ Black Metal Band, die Gerhard und ich vor Jahren gegründet haben. Wir haben endlich die Zeit und Möglichkeit gefunden, das Album „The Grinding of Angels“ zu veröffentlichen.

Denkst Du, es ist noch genügend Platz für neue Labels vorhanden in der Szene? Gibt es nicht bereits zu viele?
Es ist immer Platz für ein ehrliches Label, das aufrichtig für die Interessen seiner Bands eintritt.

Was denkst Du über die Theorie, daß es in den nächsten zwei oder drei Jahren einen großen Zusammenbruch innerhalb der Szene geben wird, daß ein Großteil der Labels und Magazine augrund des Overkills an Veröffentlichungen und Touren verschwinden wird? Sind die Leute irgendwann übersättigt? Haben sie das Geld den ganzen Kram, der ihnen feilgeboten wird, überhaupt noch zu kaufen?
Ich halte nicht allzuviel von apokalyptischen Szenetheorien. Ich denke, daß die schwachen Bands, Labels und Magazine verschwinden werden, weil sie scheisse sind, nicht wegen eines Überangebotes an Touren und Releases. Ich denke, je mehr Qualitätsprodukte und Touren mit guten Bands es geben wird, desto größer wird das Publikum dafür werden.

Wie würdest Du den Begriff „Viking Metal“ definieren? Es gibt mittlerweile hunderte von Bands, die für sich in Anspruch nehmen Viking Metal zu spielen, und jede hat einen anderen Sound….
Für mich ist „Viking Metal“ Metal Musik mit einem lyrischen Konzept, das auf der nordischen Mythologie basiert.

Was bedeutet Dir der Begriff „Einherjer“, und warum habt Ihr ihn als Namen für die Band gewählt?
Einherjer ist das Leben eines Wikingers nach seinem Tode. Wenn ein Wikinger in der Schlacht fällt, wird er von den Walküren nach Walhalla gebracht, um der Armee der Einherjer beizutreten, und den Göttern in ihrem Kampf gegen die Riesen im Zeitalter des Ragnarok beizustehen. Wir wählten Einherjer als unseren Bandnamen, weil er einfach perfekt zu unseren musikalischen und lyrischen Ideen paßt.

Als wie gefährlich bewertest Du den Fakt, daß die Viking, Pagan und Black Metal Szene mehr und mehr von Faschisten und Neonazis mißbraucht wird? Denkst Du, es ist die logische Konsequenz aus der Beschäftigung mit nordischer Mythologie und Krieg?
Ich denke, das ist sehr gefährlich, egal wer die Szene mißbraucht. Die Szene wird immer mehr verwässsert.

Was denkst Du über die skandinavische Szene? Magst Du sie? Denkst Du, sie ist den anderen überlegen, wie Eternal Oath in dieser Ausgabe behaupten?
Ich denke nicht, daß irgend ein anderes Land solch eine überwältigende Anzahl an originellen Qualitätsbands vorweisen kann, wie Norwegen. Schweden ist ebenso großartig, es besteht kein Zweifel daran, daß die skandinavische Szene allgemein jeder anderen Szene auf der ganzen Welt überlegen ist.

Erzähle mir etwas über Eure musikalischen Einflüsse.
Wir haben ein sehr weitgefächertes Spektrum an Musik, die uns irgendwie beeinflußt. Alles von Bathory und Root über Emperor und Immortal, einige klassische Komponisten, straighter 80er Metal und 70er wie Rush und Jethro Tull.

Was können wir in Zukunft von Einherjer erwarten? Gibt es bereits irgendwelche speziellen Pläne für eine Tour, ein neues Album, ein Video, was auch immer?
Wir werden im September eine Tour durch Norwegen machen, und arbeiten derzeit daran, eine europäische Tour zu organisieren. Irgendwann wird es ein neues Album geben und das bereits versprochene Minialbum ebenso, aber wir haben beschlossen ein wenig zu warten, bevor wir mit den Aufnahmen beginnen.

Gibt es noch irgendetwas, daß Du dem Leser mitteilen willst? Last Words….
Danke für das Interview, Tim. Besucht unsere offizielle Homepage www.einherjer.com um die letzten News und Tourdaten zu erhalten.