The Scourger Interview

Metal 2006: Es gibt Hunderte an unentdeckten, hungrigen Bands. Schwer da durchzublicken! Wem leiht man bei den Newcomern einmal sein Ohr oder bei welchen lässt man es eventuell lieber bleiben? Das ist zugegebenermaßen schwer. Eine Band die es wirklich verdient hätte, mal „reinzuhören“ nennt sich The Scourger (deutsch: der Auspeitscher). Die Finnen starten mit ihrem gelungenen Mix aus Thrash- und gepflegten Death Metal mit ihrem ersten vollständigen Album ‚Blind Date With Violence’ im Moment richtig durch. Wer auf zwingende Gitarrenattacken a la Exodus oder At The Gates steht, sollte unbedingt in dieses glorreiche Debütalbum hereinhören! Allerdings: so völlig unbekannte Gestalten stehen einem letzten Endes doch nicht gegenüber. Es wird also Zeit, dass Jari Hurskainen, Sänger der Band und wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen:

Gratulation, euer neues Album ist gut! Es wirkt sehr aggressiv mit dem korrekten Mix an Melodien. Als Beispiel dafür würde ich den Song ‚Feast Of The Carnivore’ nennen. Wie wichtig ist euch dieser Mix bei The Scourger?

Danke. Eines unserer Ziele ist es, die Songs immer interessant zu gestalten und eine Balance zwischen Melodien und schierer Brutalität zu finden. Das ist definitiv ein großer Teil im The Scourger-Sound.

Bitte erzähle uns etwas über die Gründung eurer Band! Ich habe im Vorfeld dieses Interviews gelesen, dass ihr auch in anderen Bands wie The Wake, Gandalf oder Divine Decay gespielt habt oder das immer noch macht. Gibt es die erwähnten Bands denn noch? Mir zum Beispiel haben die zwei Scheiben von der Band The Wake sehr gut gefallen…

Da war Zeit und Platz für jede dieser Bands und ich denke, Interesse war nicht der Hauptgrund für deren Ende. Aktuell weiß ich nicht, wie genau sich die Situation bei The Wake darstellt, aber Gandalf ist Geschichte und Divine Decay liegt auf Eis. Gandalf kamen zum Ende, als sich viele kleine Sachen zusammenaddierten. Es war kein großes Drama, es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht und so entschloss sich Nalle Österman im April 2002 einfach die Band sterben zu lassen. Divine Decay ist eine Band die von Alec Hirst-Gee geleitet wird und er ist im Moment sehr mit Suburban Tribe beschäftigt. Aber vielleicht werden sie eines Tages wieder aktiv, das kann man jetzt nicht wissen…

Euer Label vergleicht eure Musik ein wenig mit Bands wie The Haunted, Kreator, Exodus, Testament… Ich denke damit müsst und könnt ihr leben. Auch weil ihr gut Slayer (‚Ghosts Of War’) und Testament (‚Over The Wall’) covert. Denkt ihr, es ist gut, mit diesen Bands verglichen zu werden oder ist das eher ein Handicap für euch?

Nun damit macht man sicher nichts falsch, denke ich. Diese Beschreibung gibt schließlich den Fans nur Hinweise darauf, welche Art von Metal wir spielen. Und natürlich spiegelt diese Art von Musik auch unsere eigenen musikalischen Favoriten wieder.

Die CD wurde in zwei verschiedenen Versionen veröffentlicht. Es gibt ‚Blind Date With Violence’ in einer Version, die neun Songs enthält und eine Version mit 16 Songs und vielen guten Bonussongs. Wieso das denn?

Die letztgenannte Version ist die weltweite Veröffentlichung, die auch ältere Sachen von uns als Bonustracks enthält. Die Neun-Song-Version wurde nur hier in Finnland veröffentlicht. Die andere ist für unsere neuen Fans und den Rest der Welt, habt Spaß daran! Diese Version enthält außerdem drei Live-Tracks vom Tuska-Festival 2006. Die Leute die uns bis jetzt live verpasst haben, bekommen so einen Eindruck davon, welch intensives Erlebnis ein Live-Gig von The Scourger ist!

Noch einmal kurz zu eurer musikalischen Beschreibung. Vielleicht ist es nicht so wichtig, aber ich höre auch viele Death-Metal-Elemente (aus der schwedischen
Götheburg-Schule). Und man kann das Album blind jedem Death-Metal-Head empfehlen! Habt ihr da Protest?!

Wir können damit leben. Wieso denn nicht? Diese beiden Stilarten sind so eng miteinander verwoben, dass ich denke, kein Death Metal-Fan wird schwer enttäuscht werden. Sie sind unsere Gäste…

Ihr habt bereits alle einige Jahre in finnischen Bands gespielt. So habt ihr sicher auch die finnische Metal-Szene beobachten können. Wieso ist Finnland solch ein
gutes Pflaster für Heavy Metal mit vielen guten Bands?

Vielleicht sind es die langen, kalten und dunklen Winter, die die rechte Art von Gefühlen entwickeln, um großartigen intensiven Heavy Metal zu erschaffen???

Euer Cover-Artwork ist interessant: Ein Mann mit einer langen Bullenpeitsche zerstört mehrere Wolkenkratzer. Soll das ein Sinnbild für den Niedergang der modernen Welt sein? Allerdings ist der Peitschenschwinger selbst mit einem Anzug inklusive Krawatte bekleidet. Wäre es nicht besser, wenn er dabei am Körper ein Slayer- oder Exodus-Shirt tragen würde?

Denkst du nicht, dafür wäre ein solches Band-Shirt nicht zu auffällig? Aber du denkst sicher, es wäre überzeugender dafür – nun ich denke da anders darüber. Für den Mann selbst ist es unwichtig, welche Kleidung er dabei trägt, er hat wichtigere Sachen zu tun…

Eure beiden Gitarristen schütteln sich die zauberhaften Gitarrenriffs und vor allem atemberaubende Gitarrensoli en masse aus den Ärmeln. Ich selbst bin ein großer Fan von guten Gitarrensolos in einem Lied. Denkt ihr genauso darüber?

Ja, beide Guys haben eine gute Vision davon, was sie da tun, da kann man sich nicht beklagen. Gitarrensolos sind ein großer Teil bei dieser Art von Musik und wir sind große
Anhänger davon.

Leider kenne ich eure Mini-CD ‚To The Slayground’ nicht. Klingt diese ähnlich wie euer neues Album? Ist diese in Europa überhaupt noch erhältlich?

Nein, die kannst du nur in Finnland bekommen. Dennoch, auf der neuen, weltweit veröffentlichten CD sind die Tracks ‚The Greediness’ und ‚Black Worms’ davon enthalten.
Der Stil darauf ist derselbe. Vielleicht hätte die Produktion etwas besser sein können.

Ihr habt gute Reaktionen von der Presse und von den Fans auf eure Veröffentlichung bis jetzt bekommen. Seid ihr ein wenig überrascht von den Reaktionen und dem Erfolg?

Das ist im Moment in der Tat gut und ermutigt uns so weiterzumachen, aber ich denke dieser Erfolg ist auch nur relativ. Nun: wir müssen uns daran erinnern, mit unseren Füßen fest auf den Boden zu bleiben, weil es immer noch gilt: Wie gewonnen – so zerronnen!

Diskografie:
To The Slayground Mini-CD
Hatehead (2-Track-CD-Single)
Blind Date With Violence (9-Track-CD)
Maximum Insanity (3-Track-CD-Single)
Blind Date With Violence (16-Track-CD)

Line-Up
Jari Hurskainen – Vocals
Timo “Stig Evil” Nyberg – Guitar
Jani “Thrashman” Luttinen – Guitar
Kimmo Kammonen – Bass
Seppo Tarvainen – Drums

www.thescourger.net