Solitude Aeturnus Interview

Es ist nicht sicher, ob es so etwas wie die „Könige des Doom Metals“ gibt. Das ist zweifelsohne Geschmackssache und hängt auch von Medienpräsenz, erschaffenen Tonträgern, gelungenen Touren und ähnlichem mehr ab. Eine Band, die in diesem Genre seit Jahren ganz vorne mit dabei ist, ist sicher Solitude Aeturnus. Ein neues Lebenszeichen der Texaner ließ lange auf sich warten, nun liegt es mit dem Album „Alone“ endlich vor. Und erneut schafft es die Band mühelos endlos elegische, kraftvolle, einmalig ergreifende Heavyhymnen zu kreieren. Wenn einen, wie in diesem Falle die Musik so bewegt, dann muss das Kunst sein! Darüber und über andere interessante Sachen haben wir uns mit dem Gitarrist Steve Moseley ausgetauscht:

Willkommen zurück! Ich mag euer neues Album sehr. Es hat die richtige Balance zwischen Doom Metal und kraftvollem Heavy-/ Power Metal. Allerdings habe ich folgenden Eindruck – ihr versteckt eure besten Songs am Ende des neuen Albums! Natürlich ist das ganze Album wunderbar, aber die drei Stücke
‚Is There’, ‚Tomorrows Dead’ und ‚Essence Of Black’ sind drei melodische und gefühlvolle Meisterstücke. Kannst du diesen Eindruck nachvollziehen?

Dank dir für dein Kompliment. Wir versuchen die Songs immer ein wenig in der Reihenfolge zu variieren, wenn wir uns für die Reihenfolge auf dem Album entscheiden müssen. Was ich damit meine ist das: wir mögen es wirklich nicht die schnelleren Nummern auf dem Album aneinanderzureihen und danach dann die anderen langsamen, ultra-doomigen und schwerfälligen Nummern zum Schluss zu bringen. Wir versuchen und denken das Album als musikalische Reise, als eine Straße mit Bergen und Tälern zu gestalten. Der Hörer muss sich auf eine Erfahrung mit Höhen und Tiefen, gleichzeitig aber auch Kurven und geraden Strecken als Ganzes bei dem Album einstellen. Natürlich mag einem eine Anordnung oder auch die einzelnen Songs an sich jeweils mehr oder weniger zu gefallen. Wir sind da eher ein wenig wie Kinder – wir mögen sie einfach alle.
Einige können einfach durchaus mehr Spaß machen, sie zu spielen als andere. Aber darum geht es nicht, wenn wir die Songs auf dem Album aufstellen. Es geht mehr um das Gefühl als Ganzes an sich, das ist unsere einzige Absicht, die wir damit erzielen wollen.

Euer letztes Album ‚Adagio’ ist von 1998. Was habt ihr in der Zeit seitdem und heute getrieben? Hattet ihr euch gar aufgelöst, habt ihr nur pausiert? Zumindest kann ich mich nicht erinnern irgendwo gehört zu haben, dass ihr auch auflösen wolltet?! Habt ihr wirklich 8 Jahre gebraucht, um neue Songs zu schreiben?

Viele Sachen haben dazu beigetragen, warum so lange Zeit zwischen den Alben liegt. Die Hauptursache dafür war der Abgang unserer langjährigen Freunde, des Gitarristen Edgar Rivera und des Drummers John Convington. Ich möchte darüber nicht in zu lange Details ausschweifen, warum sie nun die Band verlassen haben. Es reicht aus, wenn ich sage, dass es eine Kombination aus persönlichen Problemen, familiären Begebenheiten und auch der Arbeit der Beteiligten war, die zum Ausstieg der Beiden beigetragen haben.
Beide stiegen als sehr gute Freunde von uns aus. Wir wünschen ihnen ein Maximum an Glück, bei allem was sie zukünftig tun mögen. Als Edgar ging, begann ich Gitarre anstelle von Bass zu spielen. Glücklicherweise war dies ein ziemlich gleitender Übergang für unseren zweiten Gitarristen (und Sänger) John Perez. Wir waren beide anfangs besorgt darüber, ob wir die musikalische Linie, für was die Band bisher stand, auch beibehalten können. Glücklicherweise passte meine unterschiedliche Art Musik zu schreiben und mein Gitarrensound ganz einfach zu Johns Art und gab uns so das Gefühl, dass die Band wenigstens intakt ist. Wir baten dann James Martin darum, bei uns die Position des Bassisten zu besetzen. Ich hatte bereits einige Jahre zuvor schon einmal mit ihm gearbeitet und er konnte sich ziemlich schnell bei uns integrieren. Danach erst konnten wir Steve Nichols an den Drums für uns gewinnen, welcher ebenfalls gut zu uns passte. James und Steve sind beide großartige Typen und es macht Freude mit ihnen zu arbeiten. Aber das ist jetzt nur die Kurzversion – kombiniert mit vielen Proben und Vorspielen, problematischen Arbeitsbedingungen in unseren Jobs, neue Songs zu schreiben, Ehescheidungen, Kinder bekommen, Sideprojekte, neuen Jobs, Shows spielen und das Leben im Generellen. So hast Du schnell 8 Jahre zusammen.

Ich habe mir eure Webseite angesehen. Die ist absolut repräsentativ und einfach und klar arrangiert. Kompliment! Aber warum fehlt bei der Diskografie euer neues Album? (Stand 26. 11. 2006)

Sorry, das wir das noch nicht mit auf Webseite gesetzt haben. Ich hoffe, das ist mittlerweile geschehen.

Nee, bis zum 23.12.2006 leider noch nicht.—
In all den Jahren, in denen ihr eure Musik spielt, vereint ihr zwei Teile in ihr: zum einen ‚normalen’ Heavy Metal und zum anderen typischen Doom Metal. Ich weiß natürlich, dass es nicht gut ist, in den jeweiligen Schubladen zu denken. Aber stellt genau dieses „Zwischen den Stühlen“-Sitzen nicht manchmal ein Problem für Solitude Aeturnus dar?

Du hast Recht, wir denken nicht in den jeweiligen musikalischen Schubladen. Wir möchten unsere Musik nicht kategorisieren. Wir schreiben einfach die Musik, die wir in unseren Köpfen hören. Wenn es entsprechend heavy oder doomy herauskommt und es sich gut für uns anfühlt, ist es in Ordnung – so lange es nur HEAVY ist. Diese Art von Metal zu komponieren war immer gut für uns seit all den Jahren. Unsere musikalischen Einflüsse oder wie man das nennen möge, variieren zwischen den Bandmitgliedern. Aber sie sind sich zwischen uns doch soweit ähnlich, dass sie unser Songwriting nicht differierend beeinflussen. Wir glauben daran, dass es im Leben viele großartige Ideen gibt, die man im Heavy Metal aufgreifen kann. Wir versuchen die besten davon auszusuchen, wenn wir diese aufnehmen, egal ob es Doom ist oder nicht.

Plant ihr eine Tour, um das Album ‚Alone’ vorzustellen?

Ich bin zuversichtlich, dass wir einige Shows in Europa 2007 spielen werden. Ich glaube, wir haben schon einen Termin für ein Konzert in Polen im Februar. Wir vermissen es nach der langen Zeit wieder in Europa zu spielen. Wenn das neue Jahr angebrochen ist, werden wir mehr dazu sagen können.

Ihr habt dieses Jahr am 08. 04.06 einen sehr speziellen, einzigartigen Gig beim Keep It True-Festival gespielt. Der war leider ohne euren Sänger Robert Lowe. Lass doch bitte das Ganze für uns noch einmal Revue passieren!

Ja, das stimmt. Robert konnte die Vereinigten Staaten nicht verlassen, da sein Pass nicht mehr gültig war. Leider haben uns unsere Behörden das zu spät mitgeteilt. Das Problem war natürlich lösbar. Robert konnte dann aber erst das nächste Flugzeug nehmen, dass einen Tag später als wir anderen hier in Deutschland ankam. Deshalb mussten wir unseren ersten Auftritt ohne ihn spielen.
Das war für uns ein unvergesslicher Abend. Wir wussten als erstes überhaupt nicht, was wir machen sollten. Wir dachten auch einen Moment daran, den Gig generell abzusagen,
weil Robert mit seinen Gesang den Sound unserer Band natürlich maßgeblich ausmacht. Aber wir realisierten auch, dass viele Leute auf unseren Auftritt warten. Damit war es eigentlich irgendwie zu spät, diesen abzusagen. Das Publikum wollte uns einfach sehen, egal wie. So fragten wir quasi in der letzten Minute Erico von Dantesco, Timmy von Doomshine und Gerrit von Dawn Of Winter, ob sie uns helfen würden (Alle diese Bands haben auch auf diesem Festival gespielt – Anm. d. Verf.). Wir hätten sowieso nicht gewusst, wie wir unseren Fans erklären sollten, dass wir da sind und spielen wollen, aber unglücklicherweise Robert nicht bei uns ist. Ich war erstaunt, wie dankbar und gelassen unser Publikum deshalb war. Viele Leute kamen gerade deswegen nach der Show zu uns und haben uns gedankt, dass wir den Auftritt nicht abgesagt hatten, wie viele andere Bands das sicher getan hätten. Sie dankten uns auch für diesen einmaligen Auftritt, sicher, dass sie so Solitude Aeturnus nie wieder sehen werden. Wir waren unendlich dankbar darüber, dass wir solche verständnisvolle enthusiastische Fans haben! Erico, Timmy und Gerrit haben großartig gesungen und die Songs mit ihrer eigenen speziellen Note versehen. Die Atmosphäre war einzigartig. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Wir sind sehr dankbar für ihre Bemühungen. Diese Show wird uns immer in Erinnerung bleiben, als Ereignis wie Freunde einen in schwierigen Situationen helfen können.

Solitude Aeturnus waren seit eurer Gründung stets auf vielen Samplern und CD-Compilations vertreten. Auffällig mehr, als vergleichsweise andere Bands. Nutzt ihr dieses um eure Arbeit zusätzlich vorzustellen? Beispielsweise habt ihr exzellent Dios „Shame On The Night“ und Iron Maidens „Hallowed Be Thy Name“ gecovert. Beide super. Was würdet ihr von folgenden Bands gerne einmal nachspielen, wenn ihr pro Band nur einen Song zur Wahl hättet:

The Scorpions: The Zoo
Judas Priest: Metal Gods

Wir benötigen keine Coversongs, um unsere Musik zu promoten. Wir spielen Coversongs einfach deswegen, weil wir gern Musik machen. Jeder kann uns einfach fragen, ob wir gern für eine Compilation, einen Tribute-Sampler oder ähnliches einen Songs beitragen möchten. In den ganzen Jahren hat jeder von uns in der Band schon hunderte Lieder von anderen Bands irgendwie nachgespielt. Wenn wir uns einen Coversong aussuchen, denken wir üblicherweise einfach nur an uns selbst und wie viel Spaß es machen wird, wenn wir diesen Song nachspielen. Es ist schön zu sehen, wenn andere Leute unsere Version mögen, wenn wir mal etwas in den ganzen Jahren nachgespielt haben.

Es ist gut, wenn man feststellt, dass eine Band die teilweise ein düstere, bedrohliche Stimmung erschafft, trotzdem Spaß an der Musik als solches hat und viele Dinge nicht verbiestert und eindimensional sieht. Ihr erschafft in euren Songs dennoch ein komplett einzigartiges Gefühl, dass ich hier vorsichtig und in Ermangelung einer besseren Beschreibung mit „Gänsehaut-Atmosphäre“
definieren möchte. Denkt ihr an dieses Gefühl, wenn ihr eure Songs komponiert oder ist das einfach ein natürlicher Prozess?

Das ist ein natürlicher Prozess. Es ist nicht so, dass wir versuchen, dieses Gefühl zu erreichen, wenn wir ihn komponieren oder ähnliches. Es fließt aus uns heraus und es muss sich gut anfühlen. Wenn es sich nicht gut anfühlt, arbeiten wir weiter an diesem Song bis es das tut. So einfach ist das.

Kannst Du uns etwas zu den Texten auf eurem Album ‚Alone’ erzählen?

Wie du sicher weißt, schreibt Robert Lowe die meisten Texte und hat das auch auf unserem Vorgängeralbum ‚Adagio’ getan. Robert singt in vielen Variationen über verschiedene Dinge, die den Tod und Spiritualität und einiges darüber hinaus betreffen.

So gesehen, gibt es erst einmal nichts weiter zu dieser kongenialen Heavy Metal-Band zu sagen. Verpasst bitte nicht dieses wunderbare Album!
Zum Abschluss hat uns Steve Moseley noch ein kräftiges

Stay Heavy,

mit auf den Weg gegeben. Dem ist nichts hinzuzufügen (was auch 2007 betrifft!).

Line-Up:

Robert Lowe – Vocals
John Perez – Guitar
Steve Moseley – Guitar
James Martin – Bass
Steve Nichols – Drums

Diskografie:

– Into The Depths Of Sorrow (1990)
– Beyond The Crimson Horizon (1992)
– Through The Darkest Hour (1994)
– Downfall (1996)
– Adagio (1998)
– Justice For All (2000,Re-Release des Debüts, LP only)
– Alone (2006)

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