MGŁA, Furia, Blaze of Perdition, Mordhell am 12.10.2012 in Berlin (K17)

Osteuropa ist seit langem ein Garant für gekonnten Black Metal und dominiert, besonders live, immer wieder Festivals und Konzerte. Und die Berliner Konzertveranstalter Triple Six sind wiederum dafür bekannt genau solche Bands zu einen der wenigen Auftritte in Deutschland zu bringen. Letzten Freitag war es dann wieder soweit: MGŁA, Furia, Blaze of Perdition sowie Mordhell sollten sich im K17 die Ehre geben.


Mordhell


Insbesondere an Furia hatte ich dabei hohe Erwartungen – sofern Sie ihre Musik auch Live adäquat darbieten können. Die erste Band, Mordhell, verpasste ich jobbedingt prompt. Laut Aussage einiger Besucher habe ich aber nichts Aufregendes verpasst. Apropos Besucher – mit ca. 200 Besuchern wurde wieder der Berliner „Standard“ erfüllt. Immer noch bekommt die Szene ihren Arsch für guten Black Metal nur selten hoch und eine Stimmung wie auf Konzerten Osteuropas mag sich meistens schon gar nicht einstellen. Insbesondere für die Veranstalter, welche sich teuer in Hallen einmieten müssen, sind solche Besucherzahlen undankbar.

Doch zurück zum Konzert. Pünktlich zur zweiten Band Blaze of Perdition hatte ich mein Bier in der Hand und die Ohren bereit. Blaze of Perdition sollen angeblich letztes Jahr auf dem Under the Black Sun Festival sehr überzeugt haben – in Berlin hatten Sie aber definitiv Anlaufschwierigkeiten. Zu sehr waren neuere Songs und das Auftreten der Band im „BM Standard“ verhaftet. Doch nachdem die Band einige alte Klassiker, welche eindeutig Mayhem Anleihen haben, anspielte wurde die Stimmung besser; insbesondere die Midtempo Parts konnten dabei überzeugen wie auch wenn die beiden Sänger sich in den Stimmlagen abwechselten. Der letzte Song war dann ein echtes Highlight, besonders in den Refrain Parts: Hier kam was eine Stimmung wie in Metallicas Creeping Death auf, natürlich auf Black Metal gewendet.



Blaze Of Perdition


Nach ein paar weiteren Bieren und Gesprächen mit alten Freunden kamen dann Furia auf die Bühne. Auf Platte hatte mich die Band mit ihrem sehr eigenen, teils chaotisch, teils hochkomplexen Black Metal immer begeistert. Insbesondere mit dem 2010 Opus Halny hat die Band mich endgültig für sich gewonnen und neue Standards in Sachen „Avantgarde“ und experimentellem Black Metal gesetzt. Und Furia konnte auch live in Berlin sofort überzeugen! Wurde am Anfang noch mehr aus der Schublade „Old School Black Metal“ hervorgekramt änderte die Band gekonnt Stück für Stück die Stimmung ihrer Musik. Ohne es wirklich wahrzunehmen waberten dann dann nach einigen Minuten Drone-artige Parts um die Ohren. Die Stimmung wurde depressiver und konnte mit der Melancholie von Bands wie Katatonia ohne weiteres mithalten.

In unerwarteten Momenten schlugen die Songs dann in rasenden Black Metal um, wobei sich Sänger Nihil mit der Variation der Stimme besonders hervortat. Von kaltem, kreischendem Gesang bis hin zu ambienten Einlagen oder wehklagendem Gekrächze fand sich alles in seinem Repertoire. Leider gab es am Rande wieder ein typisches Berlin-Problem: Von den gut 200 Gästen bewegten vielleicht zehn Leute ihren Kopf, 20 weitere nickten mit. Auch der Applaus nach den Songs wurde höchstens von 1/3 des Publikums getragen. Irgendwie scheint Berlin für viele Bands, insbesondere aus dem eher progressiven Black Metal Sektor, ein eher undankbares Pflaster zu sein. Mit Auszügen von dem Experimentallied Halny schloss Furia ihren Auftritt ab und hinterließ, jedenfalls bei mir, einen bleibenden Eindruck und depressiv anmutende Gedankenwelten.


Furia


Wieder wurde das Konzert für einen Umbau unterbrochen und man nutzte die Zeit für noch mehr Bier, einige weitere Gespräche sowie ein paar Zigaretten am Rande. Mittlerweile war das K17 an sich geöffnet und vor der Konzerthalle standen beinahe mehr Gäste denn auf dem Konzert selber. Schade, dass viele anscheinend wieder nicht den Eintrittspreis für ein Underground Konzert bezahlen wollen um dann einige Zeit später den dreifachen Preis für eine „In Black Metal Band“ hinzublättern. Die Erwartungshaltung an dem Auftritt von MGLA erschien extrem hoch zu sein im Publikum. Endlich kam so etwas wie echte Stimmung auf und ab den ersten Tönen wurde gebangt. MGLA haben in den letzten Jahren versucht einen eigenen Stil von Black Metal zu kreieren. Tief in dystopischen und Misanthropen Themenwelten verwurzelt erschuf die Band live eine Wand an aggressiven Black Metal, welcher sich aus den Boxen walzte. Anlehnungen an Arckanum, alten Darkthrone sowie Deathspell Omega wurden erkennbar, wobei MGLA jedoch eine eigene, sehr melodische und zielgerichtete Note einbauen. Insbesondere die Songs aus dem Album With Hearts Toward None wussten live sofort zu überzeugen.

Der Sänger M., bekannt auch durch seine zweite Band Kriegsmaschine, erschaffte mit seiner Stimme brachiale Klänge, welche durch die wuchtigen Gitarren sowie dem gekonnten Einsatz des Basses untermalt wurden. Hier zeigte sich erneut, dass polnische Black Metal Bands in der obersten Liga mitspielen und sich einige deutsche Gruppen davon eine Scheibe abschneiden könnten. Nach gefühlten Ewigkeiten, bei welchen ich meinen Kopf durch das Headbangen ordentlich malträtierte, kam MGLA zum krönenden Abschluss und zerstörte mit ihrem brachialen Sound auch die letzten Hörnerven.


MGLA


Abschießend sei gesagt, dass mir persönlich Furia am Besten gefallen hat, was aber auch an meiner Präferenz für komplexen und depressiven Black Metal liegt. MGLA konnten mich aber Live auch mehr als überzeugen und brachten dann in die Berliner K17 Halle so etwas wie Stimmung. Alles in allem ein ordentliches Konzert für Berliner Verhältnisse und ich hoffe, dass Triple Six bald mehr Black Metal aus Osteuropa wieder in Berlin auffahren wird.

Mehr zu den Bands:
Mordhell: http://www.reverbnation.com/mordhell
Blaze of Perdition: http://www.facebook.com/blazeofperdition
Furia: http://www.let-the-world-burn.org/
MGŁA: http://www.no-solace.com/

Fotos: www.starspawn.de / Endrew Stepan