Fomento Interview

Überraschend weggeblasen hat mich das Debüt „Either caesars or nothing“ der Italiener FOMENTO – ein kräftiger Bastard aus Death Metal, Hardcore und Thrash. Da es neben den musikalischen Qualitäten noch einige Nebenkriegsschauplätze gibt, die es wert waren zu beleuchten, habe ich ein wenig mit Bassist Marco über Bruderschaften, Straßenkämpfe in Rom oder gutes Karma zur Live Premiere geplaudert.


Marco, Euer Album versprüht – nicht nur durch den Titel „Either caesers or nothing“ eine Art Alles-oder-Nichts-Einstellung. Ist das programmatisch für Fomento?
Abso-fucking-lutely! Die Art wie wir Dinge angehen funktioniert nur so. Wir trauern auch nicht großartig Dingen hinterher. Was immer wir auch tun: wir tun es zu 100%! Anders gesagt: Death or glory!

Wieso habt ihr drei lange Jahre benötigt, bis Euer erstes Album erschienen ist? Was ist in der Zwischenzeit bei Euch passiert?

Fomento wurden von meinem Bruder und mir Ende 2005 gegründet. Im Laufe der Zeit oder besser gesagt der nächsten Jahre haben wir zwei Gitarristen gefunden, die zu uns passen und bei uns eingestiegen sind. Im Sommer 2008 haben wir auf eigene Kappe eine CD aufgenommen und versucht ein Label zu finden. Weihnachten 2008 hat es damit dann auch geklappt – Du siehst, den Weihnachtsmann gibt es tatsächlich – und über Coroner Records ist dieses Album jetzt auch weltweit erhältlich. Zwischenzeitlich hat sich auch Einiges in unserem Line-Up getan und mit neuen Leuten können wir um so mehr rocken!

Kannst Du uns ein bisschen mehr zu Eurem Label Coroner Records, dass in Deutschland noch nicht so bekannt ist, erzählen?
Coroner ist ein junges aber sehr gut organisiertes, italienisches Label. Wir sind sehr glücklich zu ihren Bands zu gehören. Sie haben in uns investiert und reißen sich wirklich den Arsch dafür auf, dass unsere Musik weltweit gehört wird. Sie sind immer noch dabei großartige, moderne Metal Bands von überall her unter Vertrag zu nehmen. Das ist echt viel versprechend und zeigt, dass sie nichts aufhalten kann… haha…

Wieso ist eigentlich das Slayer-Cover „Raining blood“ nur online erhältlich und nicht als Bonus auf dem Album?
Gute Frage. Eigentlich war das als Bonus für den Japan-Release gedacht. Aber da die CD dort bisher noch nicht erschienen ist, haben wir gedacht es wäre cool, wenn unsere Fans ihn auf die Art zu hören bekommen.

Meiner Meinung nach ist Fomento eine Kombination aus Death Metal-Elementen und starken Hardcore-Einflüssen. Ich kann mich allerdings nicht entscheiden, welche Seite mehr dominiert. Wie siehst Du das bzw. kategorisierst Eure Musik?
Ich denke wir spielen hauptsächlich Thrash/Death mit starker Hardcore-Attitüde. Stell Dir einfach vor, Walls of Jericho oder Hatebreed spielen Misery Index-Tracks nach oder so… haha…

Es ist mehr als offensichtlich, dass Ihr „Emo-Core“ verabscheut: Anti-Emo-Merchandising, Splatter-Pics und ein Titel wie „Kill fashioncore“ spreche da eine deutliche Sprache und sind sicher nicht nur ein lustiges Image.
Unsere Kampagne gegen die so genannte „Emo-Comunity“ hat schon vor ein paar Jahren begonnen, als wir die ersten Riffs zu unserem Album geschrieben haben. Was uns echt auf den Sack geht, ist der blinde Gehorsam mit dem die Kids der maßgeschneiderten Propaganda folgen und sich eigentlich einen Scheiß um die Musik kümmern. Alles dreht sich nur um den Trend, den Haarschnitt, ein trauriges Erscheinungsbild, Eyeliner… Fuck it! Und es ist nicht nur ein Web-Krieg. Hier in Rom gab es schon den ein oder anderen Straßenkampf zwischen Emo-Schwuchteln und Metalheads. Rate mal, wer immer den Kürzeren zieht… hahaha…

In Euer Biographie wird der Eindruck erweckt, dass Fomento mehr als nur eine Band ist, fast eine Famile möchte man meinen, in der starke Werte eine große Rolle spielen. Zumindest ist das mein Versuch einer Interpretation, wenn ich über Begriffe wir „Bruderschaft“ stolpere oder die Art und Weise lese, wie Ihr Eure Band erklärt.
Das siehst Du schon richtig. Wenn man als Band das Bestmögliche erreichen willst, ist es wichtig das man gemeinsame Werte und Visionen teilt. Klar, wir lieben es zusammen Musik zu machen. Aber tut das am Ende nicht jeder Musiker? Darüber hinaus ist es unserer Meinung nach wichtig, dass sich in einer Band alle unter einander gut verstehen und befreundet sind sonst wird die Band früher oder später jämmerlich scheitern. Das ist der Grund, warum wir auch dieses „Brotherhood“-Ding so in den Vordergrund stellen.

Auf der anderen Seite sieht es so aus, als hättet Ihr 5 komplett unterschiedliche Hobbies (Videospiele, Schreiben, Malen, Schach, Webdesign…). Also ist Fomento am Ende nur der kleinste gemeinsame Nenner, bei dem Ihr Euch zum Musizieren trefft?
Klar hat jeder seine eigenen Interessen und Hobbies. Ich denke, das ist ganz normal. Wir sind aber alle gute Freunde und ziehen nach Proben oft auch noch gemeinsam los, um abzufeiern und Spass zu haben. Musik ist das, was uns alles verbindet und das wird sich auch nicht ändern.

Eine Sache, die ich bei Euren Interessen und Hobbies vermisst habe ist Fussball. Ich dachte immer – blödes Klischee ich weiß – das jeder Italiener fanatisch einen Klub unterstützt.
Ich bin tatsächlich kein großer Fussballfan und soweit ich weiß, haben die anderen auch kein großes Interesse daran. Vielleicht sind wir da einfach die Ausnahme… In den letzten Jahren ging es beim Fussball in Italien doch mehr um das Geschäft oder irgendwelchen Klatsch und Tratsch statt um den Sport selbst. Also, Scheiß drauf…

Euer erster Auftritt soll am 06.06.06 stattgefunden haben. Einfach nur ein Promo-Gag oder tatsächlich Eure Live-Premiere?
Doch, es ist wahr! Das war damals unser erster Gig. Wie Du siehst, ist das Karma auf unserer Seite, haha… Unsere Freunde von MotherStone haben uns damals zu dem Auftritt eingeladen und wir hatten eine Menge Spass. Alle unsere Kumpels waren da und hatten eine Riesenparty. Wir haben und auch nicht so oft verspielt… haha…

Marco, unsere heutige Gesellschaft ist sehr Ergebnis-orientiert, nicht nur im beruflichen Leben, sondern auch in anderen Bereichen: Wie effektiv kann ich meine Zeit verbringen? Welche Kontakte bringen mir welche Vorteile? Bezogen auf Fomento, eine Band mit intensivem Gebrauch diverser Networking-Plattformen und Tools, wie siehst Du das?
Ich schätze, das ist der Preis den wir zahlen müssen. Wenn man etwas erreichen will, muss man jeden möglichen Weg versuchen. Dank der modernen Networking-Tools haben wir alle die die Chance diese unglaublich starken Instrumente, die dazu auch noch kostenlos sind und unbegrenztes Potential haben, zu nutzen. Das ist schon ziemlich beeindruckend muss ich sagen. Das Problem dabei ist nur, dass viele Bands heutzutage annehmen, sie hätten es geschafft, nur weil sie eine coole MySpace-Seite und einige Twitter-Followers haben. Das ist bewiesenermaßen nicht genug, richtig? Vor 20 Jahren gab es noch kein Internet und Bands wussten trotzdem, was zu tun war um Aufmerksamkeit zu bekommen: Gute Songs schreiben, diese auch live spielen und das immer und immer wieder! Dieser (alte) Weg klingt für mich immer noch am besten…

Was bedeutet es Euch ca. 26.000 Kontakte auf MySpace zu haben?
MySpace hat entscheidende Bedeutung für uns! Das meiste von dem, was wir neben der Musik erreicht haben, ist dem Internet zu verdanken. 26.000 Kontakte zu haben ist cool dem geschuldet ist es für uns ein leichtes mit ein paar Klicks unsere Fans alles Wesentliche über uns wissen zu lassen. Aber wir wollen noch mehr erreichen! Aktuell kommen die nach Italien und den USA die meisten Fans übrigens aus Deutschland…

Eine politische Frage zum Schluss: Wenn man sich die politische Landschaft in Eurem Land im Allgemeinen und Euren Präsident Berlusconi im Speziellen anschaut, stellt man fest dass besonders Medien außerhalb von Italien ein oft kritischen und kontroversen Bild vermitteln. Wie siehst Du das?

Grundsätzlich sind wir nicht wirklich eine politische Band. Wir nehmen schon wahr, was in unserem Land passiert, aber wir haben keine Ambitionen wie z.B. Rage Against the Machine oder so. Ein Stück auf unserem Album heißt „The end of the republic“ was sich mit dem Thema auseinander setzt. Wir sprechen uns gegen jede Art von Interessenskonflikten aus, speziell in Bezug auf die Politik, wo es scheint, dass Regierungen sich nur um Wirtschaftsstabilität und Wohlbefinden kümmern, IHR Wohlbefinden…

Ok Marco, ich bin durch. Hast Du noch was loszuwerden?

Wir sind super-glücklich, dass Dir unser Album so gut gefällt und bedanken uns für die Möglichkeit das Interview zu geben. Wir hoffen, dass wir demnächst auch mal nach Deutschland kommen können, um ein paar Shows zu spielen. FOMENTO!

Bandhomepage: www.myspace.com/fomento
Labelhomepage: www.coronerrecords.net