Final Breath Interview

Wenn von Final Breath die Rede ist, hört man oft Begriffe wie „Newcomer” oder „neue deutsche Thrash-Hoffnung”. Dabei sind die Franken schon seit über 9 Jahren am werkeln. Neu und frisch eingetütet ist allerdings ein Deal mit dem Branchenriesen Nuclear Blast…

Sag mal, Heiko, biste froh, den Untergrund jetzt endlich hinter dir zu haben? Nach all den Jahren endlich über Grund…
Also ich weiß nicht. Es ist doch schon mal schwer, hier eine Grenze zu ziehen. Wo fängt denn der Untergrund an, und wo hört er auf? Ich sehe jetzt nicht, dass ich anhand des Labels gleich die großen Hallen fülle, wenn ich Konzerte spiele. Das ist bestimmt noch nicht der Fall. Aber sagen wir mal so, ich bin um jedes Teil Anerkennung, dass wir für die Musik kriegen, froh. Und solange ich die Anerkennung kriege, weil ich eben die Musik mache, die ich gerne machen will, ist mir das auch recht. Ich finde das okay, solange ich nicht anfangen muß, meine Musik irgendwem oder irgendwas anzupassen, um was damit zu erreichen.

Der Deal mit Nuclear Blast: die Früchte harter Arbeit oder Glück & Zufall? Überzeugt man die großen Plattenfirmen heutzutage noch mit Qualität oder braucht’s dazu doch eher Vitamin B?
Wenn man die Leute kennt, bringt das natürlich Vorteile mit sich, aber in unserem Fall kann ich sagen, dass das alles ohne Vitamin B abging. Ich würde jetzt sagen, da treffen zwei Punkte zu: harte Arbeit und Glück. Wir haben unsere aktuelle CD zum zweiten Mal quasi in Eigenregie aufgenommen und dafür auch einiges an Geld gelassen, weil die Produktion doch recht professionell geworden ist. Und wir haben auch sehr viel Zeit, Arbeit und Mühe in das Songwriting gesteckt. Im Endeffekt hat es etwa zwei Jahre gedauert von der Aufnahme bis hin zur Veröffentlichung. Inklusive Sängerwechsel und Labelsuche. Bis da was gekommen ist, das hat alles sehr viel Zeit gekostet hat. Aber natürlich war da auch Glück bei, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort waren.

Wer hat euch den bei Nuclear Blast entdeckt?
Im Grunde war es so, dass ich nach der letzten CD vom Andy Siry, AOR-Manager bei Nuclear Blast, angeschrieben wurde. Er hatte in einem Interview gelesen, dass wir an neuem Material arbeiten und gerade wieder am Aufnehmen waren. Er sagte, er wäre daran interessiert, und ich solle ihm doch mal was zuschicken. Das ist natürlich schon ‘ne gute Grundlage, weil er sich das, nachdem ich es ihm dann zugeschickt hatte, wohl auch angehört hat. Ich denke, oftmals gehen CD’s, die man blind irgendwo hinschickt, einfach unter. Gerade bei einem großem Label wie Nuclear Blast möchte ich nicht wissen, wie viele Demos und Tapes die am Tag kriegen. Wie genau der Andy Siry jetzt auf uns aufmerksam wurde, das wird sein Geheimnis bleiben. Er sagte dann, er würde uns gerne für Nuclear Blast unter Vertrag nehmen, nur müsse er halt einen günstigen Zeitpunkt abwarten, und so kam das alles dann zustande.

Wenn man das Rad der Geschichte ein wenig zurückdreht, sagen wir mal bis ins Jahr 1993…
Angefangen hat alles aus ‘ner Bierlaune heraus, wie bei vielen, denke ich. Wir waren damals oft zusammen unterwegs, Bier trinken, Musik hören. Irgendwie kam dann der Gedanke auf, wir müßten auch unseren Teil dazu beitragen, wenn wir schon die ganze Zeit am meckern sind. Das war einfach „just for fun". Wir haben uns dann irgendwann einmal getroffen, am Anfang waren das noch unser alter Gitarrist, der mittlerweile auch schon länger nicht mehr dabei ist, unser Basser Thomas Wissel und ich (Heiko Krumpholz, dr – Verf.). Recht ahnungslos und unbefangen sind wir damals einfach in den Proberaum gegangen, wir hatten bei uns das alte Jugendzentrum, da stand schon ein altes Schlagzeug drin. Und da hat das ganze mehr oder weniger bei Null angefangen, spielen konnte eigentlich keiner was. Jeder hat intuitiv das Instrument genommen und versucht zu spielen, was er konnte oder wollte. Ich bin dann irgendwie beim Schlagzeug gelandet. Anfangs haben wir nur Coverversionen gezockt, als wir dann mit der Zeit etwas besser spielen konnten, haben wir auch damit begonnen, eigenes Material zu schreiben. Bis wir irgendwann fanden, die Zeit sei jetzt reif, ein Demo aufzunehmen. Das hat auch ganz gut funktioniert, hat uns aber nach einer Weile nicht mehr sonderlich gefallen. Die Motivation jedenfalls wurde von Jahr zu Jahr größer, man hat auch die Fortschritte gesehen. Wir haben eigentlich auf jeder Veröffentlichung musikalisch einen Schritt weiter gehen können.

1993/94 waren ja auch die Hochzeiten des Black Metal, gleichzeitig haben diverse Bands oben im schwedischen Göteborg damit begonnen, Death Metal und Melodie miteinander zu kombinieren. In Amerika war Grunge schwer angesagt, Nirvana und Pearl Jam hatten gerade ihr zweites Album veröffentlicht. Was ist denn von all dem in die süddeutsche Provinz gedrungen? Immerhin habt ihr euch von Anfang an dem klassischen Thrash Metal verschrieben…
Nun, ich denke, mit unserem Demo und unserer ersten MCD haben wir schon auch ein bissel in diese melodische Death Metal Ecke geschielt. Ich weiß noch, dass ich schwer begeistert war, als die „In Flames" oder „Dark Tranquillity"-Sachen damals raus kamen. Die mag ich sehr gerne und höre sie auch heute noch oft. Was wir damals vielleicht vermißt haben und besser machen wollten, ist etwas mehr Härte und Aggression in die Sache mit einfließen zu lassen. Heute ist das für uns musikalisch leichter zu verwirklichen, als es damals war, aber ich denke, das war vielleicht der Punkt, wo wir uns sagten, wir machen das jetzt so. Es war jetzt nicht unsere konkrete Absicht, Thrash zu spielen. Das hat sich so ergeben…

Das erste Demotape „Soulchange" datiert aus dem Jahre 1995. Rückblickend betrachtet war das wohl einfach nur ein Anfang…
Ja, wie bereits gesagt, um überhaupt irgendwie anzufangen, versuchten wir damals zunächst Coverversionen zu spielen. Wobei ich „versucht" hier doch festhalten muß: ist schon verdammt schwer, irgendwas zu spielen ohne wirklich ein Instrument zu beherrschen. Aber wir haben uns Mühe gegeben, Sachen, die relativ einfach waren, zu verwirklichen. Als wir dann einigermaßen was spielen konnten, war es ein logischer nächster Schritt, auch eigene Sachen zu versuchen. Das Demo ist ein Dokument dieser Zeit, insofern denke ich mal, war es schon in Ordnung. Wir haben es auch größtenteils nur im Freundeskreis verteilt. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir auch das eine oder andere „Promoexemplar" an Magazine verschickt, mit der Folge, dass es dazu auch ein paar Rezis gibt. Die gesamte Auflage war so im 100-200er-Bereich.

Was bedeutet denn der Name Soulchange – „Seelenwechsel"?
Wenn man es genau nimmt „Seelenwanderung". Damals gingen wir noch sehr mystisch um mit dem ganzen, zum Teil hatten wir sogar, ähem, mittelalterlichen Texte. Das haben wir dann aber relativ schnell sein lassen… Es ist uns einfach auch zu schwer gefallen, auf solchen Themen aufzubauen, weil bei uns doch eher die Musik im Vordergrund steht. Ich denke, Bands, die sich intensiv mit Geschichte und Mystik beschäftigen, die können das gerne tun, und die machen das sicher auch gut. Uns war das alles zu viel und auch zu hoch, es ging uns beim Demo nur darum, irgend ein Thema zu finden für die Texte. Mittlerweile halten wir es eher so, dass die Texte völlig unterschiedlicher Natur sind. Was uns eben gerade so einfällt.

1997 habt ihr dann in Eigenregie die MCD „End of it all" rausgebracht, mit 5 durchaus gelungenen Thrashsongs, wie ich finde. Von den Demosongs hat es aber keiner auf den ersten Silberling geschafft…
Einen Demosong „Dreamland" haben wir später nochmal neu aufgenommen. Das war ein Test für das Studio, in dem wir dann die MCD aufgenommen haben. Nachdem im Zuge der aktuellen CD jetzt aber des öfteren die Nachfrage auch auf die Demosachen gekommen ist, werde ich demnächst die Songs, inklusive dem neu aufgenommenen, auf unserer Homepage (www.FinalBreath.de -Verf.) zum runterladen anbieten. Große musikalische Unterschiede zu den späteren Sachen gibt’s eigentlich nicht, im Schnitt sind die Demosongs vielleicht etwas langsamer. Aufgenommen haben wir die MCD in einem Studio in der Nähe von Schweinfurt. Leider existiert es heute nicht mehr, hieß Klanghaus Tonstudio oder so ähnlich. Der damalige Besitzer hat schon ein gutes Händchen für’s Produzieren gehabt, alle Bands, die bei ihm aufgenommen haben, haben einen ganz ordentlichen Sound. Leider hat er es versäumt, daraus wirklich was zu machen…

Wie waren denn die Reaktionen bei den Plattenfirmen, denen ihr das Teil zugeschickt habt?
Da gab’s nix. Die Resonanzen der Magazine waren durchschnittlich bis gut, aber von Seiten der Labels kam überhaupt keine Antwort.

Das mag auch daran gelegen haben, dass die Zeiten für klassischen (Thrash) Metal einfach schlecht waren. 1997 gingen ja selbst große Magazine mit „Der Metal ist tot-Schlagzeilen" hausieren. Wie habt ihr denn (als Mucker) diese Zeit empfunden?
Es war sicherlich der tiefste Punkt, aber als tot haben wir den Metal damals zu keiner Zeit empfunden, die Schlagzeilen waren sicherlich auch eher provokativ und plakativ gemeint. (Sicherlich, klar. Aber im Hintergrund stand schon die ernste Frage: wohin steuert das Schiff? Post-Grunge, Neo-Thrash a la „Machine Head", Industrial-Crossover der Marke „Nine Inch Nails", es war eine Zeit der Veränderungen innerhalb des Genres, und die Befürchtung, dass dabei die klassischen Spielarten Power, Thrash und Death Metal auf der Strecke bleiben würden, war nicht ganz unbegründet. Das nur wenige Jahre später ausgerechnet diese drei Subgenres ein riesiges Comeback feiern würden, hat damals sicher keiner zu träumen gewagt. -Verf.) Auf der anderen Seite war die Untergrundszene sehr lebendig. Durch die MCD hatten wir viele Kontakte geknüpft, zu anderen Bands und auch zu Magazinen wie dem Eternity. Von „tot" konnte keine Rede sein, dafür gab’s einfach zu viele Bands im Untergrund, die wirklich gute CD’s rausgebracht haben. Was generell Veröffentlichungen angeht, war vielleicht zu der Zeit so was wie ein Loch, aber ich denke, die Leute waren nicht viel weniger als heute.

Irgendwo zwischen „End of it all" und der 2000 erschienenen Debüt-CD „Flash-burnt crucifixes" habt ihr euren zweiten Gitarristen verloren…
Das war damals eigentlich unser Hauptgitarrist, mit dem zusammen ich die Songs geschrieben hatte. Er ist umgezogen. Ursprünglich kam er aus der Weimarer Gegend, ist dann irgendwann in der Schulzeit zu uns gekommen. Die Kontakte nach Thüringen sind aber nie abgerissen, so dass er dann irgendwann wieder in die Heimat zurück ist. Und über eine Distanz von 250 km oder mehr noch gemeinsam zu proben, das war dann schlicht unmöglich.

Euch hingegen hat das nicht gebremst, von Aufgeben keine Spur. Im Gegenteil, ihr seit zu Andy Classen ins Stage One, um eure erste CD aufzunehmen. Auf eigene Kosten, wohlgemerkt. Ganz schön mutig…
Im Grunde war die Situation nach der MCD folgende: wir haben das Teil aufgenommen, wir hatten auch einen ganz guten Sound, nur erreicht haben wir damit nix. Auf der anderen Seite war von Aufhören aber nie die Rede, weil es einfach zu viel Spaß gemacht hat. Wir hatten uns was aufgebaut, und das wollten wir nicht einfach so beiseite legen. Was also tun? Zum einen wollten wir schon mal den Qualitätsstandard einer CD erreichen, die ein Label so auch vertreiben kann, d.h. wir wollten kein weiteres Demo machen, sondern eine CD, die eine Plattenfirma so nehmen und veröffentlichen kann. Daraus resultierend der Fakt, dass wir zu Andy Classen gegangen sind. Wir dachten uns, dass da, wo Andy Classen draufsteht, da ist auch Andy Classen drin. Ferner hofften wir, die Leute bei den Labels hören sich das vielleicht doch eher an, weil der Name als Markenzeichen für einen guten Sound und eine gute Produktion steht. So ungefähr waren unsere Gedanken: lieber geben wir etwas mehr aus und haben dafür am Ende ein Produkt, das etwas aus der Masse raussticht.

Ja, wer nix riskiert, der gewinnt auch nix. Hat sich aber gelohnt, denn „Flash-burnt crucifixes" (2000) ist ein cooles Thrash Metal Album geworden. Positive bis euphorische Reaktionen allerortens. Auch bei der schwäbischen Firma Massacre/Gutter Rec., die das Teil anschließend lizensiert und veröffentlicht haben…
Also der Chef von Gutter Rec. ist ja von MDD, die ja zeitweise auch als kleines Label fungiert hatten und jetzt nur noch eine Managementagentur sind, hauptsächlich für „Blackend". Und mit Blackend hatten wir damals einen ganz guten Kontakt, mit denen haben wir auch öfters zusammen gespielt. Deren Manager, eigentlich mehr freiberuflicher Manager und vor allem guter Freund, Markus Rösner, haben wir so kennen gelernt, und da war vielleicht auch ein bißchen Vitamin B im Spiel. Wir haben ihm einfach nach ein paar gemeinsamen Konzerten unsere neuen Sachen zugeschickt. Das war in der Anfangsphase, wo er noch dachte, er kann da ein Sublabel aufziehen…

Die Beziehung hat am Ende aber nur ein Album gehalten…
Nun, ich weiß jetzt auch nicht genau, was mit Gutter Records ist, aber im Moment läuft da eigentlich gar nichts. Irgendwo dachten wir schon, dass da mehr laufen würde. Es war aber so: die CD kam raus, wurde hier und da besprochen, im Endeffekt ging sie aber in der Masse unter. Kurz da und gleich wieder weg. Wir wollten mehr, wollten versuchen, einen Schritt weiterkommen, und deshalb sind wir weg. Aus heutiger Sicht war unser Weggang schon ein ziemlich großes Risiko. Wir dachten aber, wir finden auf jeden Fall wieder was, und beschlossen, erst mal ins Studio zu gehen und aufzunehmen. Als Fazit kann man vielleicht sagen, dass die Zusammenarbeit mit Gutter nicht 100-prozentig geklappt hat, sie haben dann auch auf ihre nächste Option verzichtet und wir sind auf freundschaftlicher Basis auseinandergegangen.

Wie lief die „Flash-burnt…" denn verkaufstechnisch?
Das ist schwer zu sagen. Die Abrechnungen, die wir jetzt haben, stimmen nicht so ganz, denke ich mal. Es ist grundsätzlich schwierig bei einer kleinen Firma, man hat oft das Problem, dass das Geld einfach nicht da ist. Ich schätze mal, die Erstauflage ist ziemlich weg, dürften 1000 Stück gewesen sein. Wir selber haben noch einen Bestand von 8-9 CDs. Massacre selber haben auch nur noch ein paar Stück, und der Markus kriegt jetzt noch ein paar zurück aus Kommissionsverträgen. Da warten wir jetzt drauf, dann setzen wir uns zusammen und machen auch eine genauere Abrechnung.

Die Nachfrage nach den alten Sachen zieht ja bestimmt auch mit der neuen Scheibe an…
Ja. Erstaunlich, aber wahr. Wie schon gesagt, haben sogar ein paar Leute nach dem Demo gefragt. Ich habe zwar immer wieder gesagt: So toll ist es nicht. Wollen aber doch einige hören. Klar, ginge mir wahrscheinlich genauso: wenn mir eine Band gefällt versucht ich halt auch, alles von denen zu kriegen, und sei es nur der Vollständigkeit halber, gehört halt irgendwie dazu, auch wenn es nicht so toll ist. Und die MCD, die hatte damals eine Auflage von ca. 1200 Stück. Da sind die letzten 10 Stück noch hier bei mir. Im Zuge der neuen CD haben wir bestimmt 100 MCD’s verkauft…

Was ist denn überhaupt ein „Flash-burnt crucifix"?
Das ist ein feststehender Begriff für einen großen weitverzweigten Blitz. War schon beabsichtigt, das etwas provokant klingen zu lassen. Geht vielleicht auf den allerersten Blick etwas Richtung Black Metal, aber ich denke, musikalisch gesehen, liegen Black und Thrash Metal ja nicht so weit auseinander. Unser ehemaliger Sänger hat den Begriff damals in der Zeitung gefunden, mit einem entsprechendem Bild dazu (nicht unser Cover), und das haben wir dann einfach genommen…

Das brandaktuelle Album „Mind Explosion" entstand ebenfalls bei Andy Classen. Und ebenfalls wieder auf eigene Kosten! Oder haben das noch Gutter bezahlt? Oder standen da schon Nuclear Blast in der Tür?
Nee, nach der „Flash-burnt…" war uns klar, dass wir mit Gutter nicht weiter machen wollten. Wir dachten aber, was einmal geklappt hat, das klappt auch ein zweites Mal und haben uns dann, unseren Vorstellungen entsprechend, doppelt so lange im Studio eingebucht. „Mind Explosion" ist eine reinrassige Eigenproduktion. Die Resonanzen darauf seitens der Plattenfirmen waren relativ gut, aber ich würde jetzt nicht sagen, dass sie uns die Bude eingerannt haben.

Ich halte „Mind Explosion" für ein absolut überzeugendes Thrash Album, mit einem wohldosierten Schuß Melodie und Eingängigkeit, die dem ganzen den letzten, entscheidenden Kick gibt. Die Scheibe strotzt nur so von coolen Riffs, und das alles ist eingebettet in einen megafetten Sound. Final Breath auf dem Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere. Blöder Spruch, aber ich denke, du siehst das genauso…
Klar, dem stimme ich natürlich immer zu, haha. Ich muß auch sagen, mit etwas Abstand empfanden wir im nachhinein die „Flash-burnt…" als etwas zu eindimensional ausgelegt. Gleichzeitig war z.B. die MCD von der Stimmung her atmosphärischer und eingängiger, wenn auch spielerisch längst nicht so gut wie die „Flash-burnt…", die aber einen ziemlichen Thrash-Sound hatte, wo diese atmosphärisch-stimmungsvolle Komponente ziemlich vernachlässigt wurde. Uns schwebte als Ziel für die „Mind Explosion" eine Kombination aus beidem an, und ich denke das ist uns auch ganz gut gelungen.

Vor allem, dass ihr jetzt wieder eine zweite Gitarre bei habt, kommt mächtig gut…
Die „Flash-burnt.." wurde natürlich auch mit zwei Gitarren eingespielt, im Studio ist das ja kein Problem. Wir haben aber dieses Mal wesentlich mehr Wert auf zwei Gitarren gelegt und haben auch gezielt nach einem zweiten Gitarristen gesucht (und in Form von Werner „Space" Müller schlußendlich auch gefunden), vor allem aus „live-technischen" Gründen.

Im Studio wurde mitten in den Aufnahmen der Sänger ausgetauscht. Was war da los? Musikalische Gründe gab’s doch wohl nicht. Ich finde, Ex-Sänger Michael Imhoff hat auf den vorherigen CDs einen guten Job gemacht…
Nun, die Gründe gab es dann schon bei der neuen CD. Er wollte experimentieren und melodischer werden, in eine Richtung, die uns nicht gefallen hat. Die „Mind Explosion" hatten wir ja schon komplett mit ihm aufgenommen. Hinzu kam, dass er massive Probleme mit seinen Stimmbändern bekommen hat. Er war sehr heiser, und der Arzt hat dann auch Knötchen auf seinen Stimmbändern diagnostiziert und ihm geraten, diese Art Gesang zu reduzieren bzw. das ganze etwas langsamer anzugehen. Und das war eigentlich auch genau das, was er wollte. Mittlerweile singt er in einer Stoner Rock Band. Wir haben uns freundschaftlich getrennt und haben auch noch Kontakt zueinander. Er hat einfach mit den Jahren andere Vorstellungen, einen anderen persönlichen Geschmack entwickelt, und das hat sich mit der Musik, die wir machen wollten, nicht mehr vertragen.

Ihr habt euren Stil über zweieinhalb Alben immer mehr verfeinert und verbessert, aber nicht großartig geändert. Fühlst du dich dem traditionellen Old-School-Thrash sehr verbunden oder könntest du dir vorstellen, auch genreübergreifende Sounds mit einfließen zu lassen? Habt ihr keine Angst, irgendwann als Retro-Kapelle abgestempelt zu werden?
Also, ganz so kraß sehe ich das jetzt nicht. Sachen wie „Break down" oder „Mind Explosion" vom neuen Album, wenn da einiges beispielsweise am Chorus anders arrangiert wäre, dann würde das auch als anderer Musikstil durchgehen. Es ist nicht so, dass wir behaupten wollen, was jetzt nicht mindestens 15 Jahre alt klingt, das braucht man sich gar nicht erst anhören. Wir versuchen schon, nicht zu retro zu klingen, deswegen haben wir auch die Produktion modern gestaltet und nicht versucht, den Sound aus den 80ern zu kopieren. Auch musikalisch, denke ich mal, sind wir offen. Es ist halt die Musik, die wir machen wollen, die uns selbst gefällt, und meiner Meinung nach gibt es auch im Thrash Metal noch genug zu entdecken und zu erkunden. Da sind noch genug Einflüsse zu finden, so daß man längst noch nicht an irgendwelchen Grenzen angelangt ist.

Schaut man sich eure Entwicklung an, dann geht die stetig nach oben: Demo, eigenproduzierte MCD, Debüt und jetzt bei Nuclear Blast. Was erwartet ihr als nächsten Schritt? Und was soll euch der Nuclear Blast-Weihnachtsmann denn bringen?
Also musikalisch wollen wir jetzt erst mal den Standard der aktuellen CD halten, d.h. wir wollen nächstes Jahr möglichst bald eine CD nachlegen. Und was Nuclear Blast betrifft, das sehe ich realistisch. Wir sind eine kleine Newcomerband, und auch noch aus Deutschland. Insofern haben wir jetzt nicht die großen Ansprüche, sondern wir lassen die erstmal machen und versuchen darüber hinaus, uns selbst mit reinzuhängen und einzubringen, wenn es z.B. darum geht, live was zu organisieren oder auch mal selbst nachzufragen, ob Interesse an einem Interview besteht oder so Sachen. Ich denke mal, was wir erwartet haben, das ist auch eingetroffen. Wir werden von Nuclear Blast behandelt, wie eine Newcomer-Band von Nuclear Blast eben behandelt wird, wir kriegen jetzt nicht mehr und nicht weniger Werbung. Aber der Zuspruch auf die CD ist jetzt doch recht groß, weil einfach so eine Firma schon einen Unterschied macht. Und von Labelseite werden wir fair behandelt, da gibt’s nix zu meckern. Unseren Status halten zu können, unseren Ruf zu festigen und die nächste CD auch bei Nuclear Blast aufzunehmen, das ist jetzt erst mal unser Ziel.

Wo Nuclear Blast natürlich helfen könnte, ist euch auf eine ordentliche Tour zu schicken. Muß ja vielleicht nicht gerade „Destruction" sein…
Ja, das ist wohl wahr. Was in der Richtung jetzt aber noch alles passiert, das müssen wir einfach mal abwarten. Wenn es um solche Tour-Geschichten geht, stehen wir beim Label erst mal ganz hinten an. Das ist einfach Tatsache, und das habe ich auch nicht anders erwartet. Aber sagen wir mal so: wenn wir mit der CD einigermaßen was erreichen können, bei einem für Nuclear Blast minimalen Aufwand, was ja momentan auch tatsächlich den Anschein macht, dann denke ich, ist es kein Problem, wieder dort eine CD aufzunehmen. Eine Option auf mehrere CDs haben wir sowieso, aber klar, wenn die Verkaufszahlen nicht stimmen, dann hat sich jede Option erledigt. Ich denke mal, wenn es gut läuft, dann stehen wir bei der nächsten CD bestimmt nicht mehr an letzter Stelle. Im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall schon mal für das„Summer Breeze" bestätigt.

Kennst du „Burden of Grief"? Mit denen zusammen, das wäre ein cooles Package…
Klar kenne ich die. Vom momentanen Status her sind wir uns recht ähnlich. Insofern weiß ich jetzt nicht, wie viele Leute so eine Underground-Tour, mit zwei doch noch recht unbekannten Bands, ansprechen würde. Vielleicht käme es auf einen Versuch an… Sollte sich jetzt aber nichts ergeben, versuchen wir auf jeden Fall, nächstes Jahr selbst was auf die Beine zu stellen, mit etwa 7-8 Dates. Da nehmen wir dann noch eine Band mit, und vielleicht kriegen wir von Nuclear Blast ja etwas Support in Sachen Werbung, Plakate u.ä. Wir organisieren uns sowieso öfters Wochenendgigs. Deutschlandweit, mitunter auch Schweiz oder Italien, da waren wir auch schon. Mittlerweile ist die Anfrage auch recht groß, wir sind da recht gut dabei. Vor ein paar Wochen haben wir in Zittau gespielt, in Berlin waren wir auch schon, im K17… Und dann natürlich das „Band’s Battle-Festival" nicht zu vergessen, kennst du das?
Nee.
Das ist ein Underground-Festival in Stavenhagen, Mecklenburg-Vorpommern. Hat, glaube ich, letztes Jahr zum ersten Mal stattgefunden. Das ganze geht über drei Tage im Mai, an denen etwa 25 bis 28 Bands spielen, überwiegend aus dem Untergrund, mit mehreren „größeren" Gruppen als Headliner. Nächsten Mai sind außer uns bisher Master, Satanic Slaughter und noch einige andere bestätigt (Belphegor, Throneaeon, Embedded, E-605, Sanatorium, Requiem… etc. -der sich schlau gemachte Verf.). Ihr könnt das auf folgender Homepage nachschauen, www.bands-battle.de, ist auf jeden Fall recht interessant…

Auf der CD, im Booklet selbiger sowie auf eurer Homepage, überall findet man Death Thrash Chaos. Ist wohl euer Motto…
Haha, genau. Ich weiß nicht mehr genau, wann uns das eingefallen ist. Chaos steht halt auch für einen Mix, in dem Fall aus Death und Thrash. Sagt man schlicht „Death / Thrash Metal" ist das irgendwie langweilig und „Death / Thrash Mixture" klingt irgendwo auch Scheiße. Deswegen einfach drei witzige Schlagwörter, die ganz gut passen.

Auf was für Mucke stehst du denn privat? Die alten Helden der 80er stehen bestimmt hoch im Kurs…
Jau, wo Testament drauf steht, da schaut man immer wieder sehr gerne rein. Und Slayer natürlich, der Einfluß ist wahrscheinlich auch nicht abzuleugnen. Ebenso Bands wie „Death" und „Bolt Thrower", die gehören genauso dazu. Und dieser neuere Thrash, wie ihn z.B. „The Haunted" spielen, mag ich auch sehr gerne. Was nicht so ganz mein Fall ist, und ich denke, da kann ich auch für die anderen sprechen, das ist zur Zeit dieser True-/Power Metal. Wobei ich nicht grundsätzlich sagen möchte, dass da alles schlecht ist, gute Songs findet man überall, aber unser Fokus liegt doch mehr auf Death / Thrash. Was ich auch noch gerne höre, das ist AC/DC. Da versuche ich, wenn’s geht, jedes Konzert mitzunehmen…
Ist ja nicht gerade das billigste Vergnügen derzeit…
Gut, aber für eine Band in der Größenordnung ist es denke ich mal erschwinglich. Welche Band, die ein Stadion füllt, spielt noch für unter 100 Mark?
Dabei könnten die es sich am ehesten leisten, wenn 50.000 Leute kommen.
Es ist natürlich auch so, wer es sich leisten kann, der macht’s halt auch. Im Gegensatz dazu kann bei so einem Mega-Event aber auch viel passieren, es gibt zudem viel an Bühnenaufbauten u.ä., man kriegt schon was geboten für sein Geld. Die Jungs machen sicher genug Geld, aber vielleicht haben sie es auch irgendwo verdient.
Verkehrte Welt: je mehr Leute kommen, desto teurer wird’s. Aber wohl dem, der seine Faves verteidigt.

Heiko, du kommst aus Lohr. Wo liegt das eigentlich genau? Nach der spannenden Lektüre der Neuen Lohrer Rundschau, in die du sinnigerweise die CDs eingewickelt hattest, würde ich mal auf Nordbayern tippen…
Unterfranken. Ziemlich genau zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Die lokale Szene hier ist ziemlich bescheiden, ein paar aktive Leute findet man allerdings schon, wenn auch nicht so viele wie beispielsweise in der Hofer Gegend. Eine interessante Band aus der Gegend hier ist z.B. „To the Seven" (www.ToTheSeven.de -Verf.) eine sehr interessante Black Metal Band. Die machen ihre Sache wirklich gut, und ich denke, von denen wird man noch das ein oder andere hören. Dasselbe gilt für „Capa-city" (www.Capa-city.de, mit Bindestrich! -Verf.), die machen traditionellen melodischen Death Metal mit teilweise moderneren Elementen wie Samples… etc. Haben gerade eine eigenproduzierte CD draußen. Dann gibt’s noch „Verdict", (www.Verdict.de -Verf.) eine Thrash Band, die ebenfalls gerade ‘ne amtliche Eigenproduktion rausgebracht hat.

Lokal seit ihr auch sehr engagiert…
Wir veranstalten hier ein eigenes Open-Air Festival, nennt sich „Up from the Ground", und da spielen viele der örtlichen Bands. Wir werden versuchen, das Festival im jährlichen Rahmen stattfinden zu lassen. Auf unserer Homepage: www.FinalBreath.de, ist eine kleine Ecke speziell für unser „Up to the Ground"-Festival eingerichtet. All denjenigen, die nicht hier in der Nähe wohnen, möchte ich das sehr ans Herz legen. Wir planen auch schon ganz fett fürs nächste Jahr im August. Im Moment bin ich noch auf der Suche nach einem guten Headliner.
Nicht ganz unwichtig, solche Untergrundfestivals, vielleicht kennst du ja auch das „Fistfull of Metal" in Mittenkirchen bei Altötting…
Ja, da war unser neuer Sänger. Der kommt aus Neumarkt und ist auch öfter mal in München unterwegs. Der war also da und ziemlich begeistert. Er hat sich auch gleich mit dem Veranstalter in Verbindung gesetzt, damit wir vielleicht im nächsten Jahr da auch spielen können. Es waren unglaublich viele Leute da, so ca. 400. Da macht es dann vor allem richtig Spaß, wenn man sieht, dass die Leute mitziehen und zahlreich erscheinen. Wir hatten hier bei uns auch so etwa 400 Leute. Unser diesjähriger Headliner waren „Tankart", davor haben wir und „Dew-Scented" gespielt, plus einige lokale Bands. Das Gelände ist großräumig und abgelegen, wir sind da in keinster Weise limitiert. Die Fans merken auch mehr und mehr, das derartige Festivals dem Motto „Von Fans für Fans" wesentlich mehr gerecht werden, als industriell gesponsorte Massenveranstaltungen für 50.000 Leute, wo es letztendlich doch in erster Linie um Arbeitsplätze und Existenzen geht.
Und nicht zu vergessen ein gutes Auskommen für die Veranstalter… So, damit das auch alle mitbekommen, hier nochmal kurz und knapp die angesprochenen Festivals: das „Band’s Battle" in Stavenhagen (www.Bands-Battle.de), das „Up to the Ground" in Gemünden bei Würzburg (siehe www.FinalBreath.de) und das „Fistfull of Metal" in Mittenkirchen bei Altötting (www.FistfullOfMetal.de). Insbesondere letzteres ist von seiner ganzen Art her unheimlich sympathisch und von meiner Seite aus bedenkenlos zu empfehlen.

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