Defeated Sanity Interview

Es heißt Berlin sei eine Stadt, in der sich ständig alles verändere. Nicht zuletzt schienen dies die auch beim „Killed at Birth Fest“ präsenten 80 Kamerateams der Produktionsfirma Zero One Film, des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und von ARTE, die am Freitag allgegenwärtig die Stadt für ihren „24 h Berlin“ – Dokumentarfilm durchschwärmten, zu belegen. Doch die Veränderung, die an diesem Abend wohl die Banger und Fans von Defeated Sanity am meisten beschäftigte, war wohl, jene, dass es das letzte Konzert der „guttural-slamin`death machine aus Berlin“ in erfolgsbewährtem Line-up war.

Nach dem Konzert bahne ich mir den Weg zum Merchandise- Stand, hinter dem Basser Jacob Schmidt seine Wahre feil bietet und von Bandkollegen Lille gerade nach den Verkaufsergebnissen gefragt wird. Ich bekomme das Resultat nicht mehr mit, denn Jakob macht sich sofort mit uns auf dem Weg auf den Hinterhof des K17 um eine stille Ecke für das Interview zu finden.

Zunächst frage ich nach den Highlights der US Tour, die Defeated Sanity Ende Mai u. a. durch die Bundesstaaten Maryland, Arizona, New Mexico und Kalifornien führte.
Jacob: Das größte Highlight war natürlich die überraschend kleine, aber sehr feine US-Szene kennen zu lernen. Wir haben auf dem Maryland Deathfest gespielt, was definitiv ein Highlight war und viele Erfahrungen gesammelt. Das war auf jeden Fall ein Riesending für uns. Ich hoffe, wir kriegen jetzt endlich auch mehr Support in Europa.
(Anm. d. Verf.: Vgl. den Blog Eintrag vom 17 Jun 2008 der DS- MySpace –Seite).

Waren Defeated Sanity bereits zuvor in den Staaten bekannt, oder hat erst die Tour eine große Fan Base geschaffen?
Jacob: Wir haben in der Tat mittlerweile einen ordentlichen Fankreis dort. Wir sind eh eine Band, die in die US-Death Metal Kerbe schlägt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb wir aus Europa deutlich weniger Resonanzen bekommen als aus den USA und immer noch keine Europa-Tour gespielt haben, obwohl das viel näher liegen würde. Ich denke, auf der Tour haben wir vor allem für Leute gespielt, die uns bereits kannten. Hoffentlich spricht es sich rum, so dass auf der nächsten US-Tour die Clubs etwas voller werden.

Was hältst Du eigentlich von diesem “Orange County-Deathcore Ding”?
Jacob: Ich finde diese ganzen Trends im Death Metal immer schrecklich. Eine Band macht es vor (z.B. The Black Dahlia Murder) und nur ein Fingerschnipsen später gibt es abertausende von ideenlosen Klonen, bis halt der nächste Trend kommt. Ich halte nicht viel davon, bin mir aber sicher, dass es nicht lange dauert, bis Deathcore wieder Schnee von gestern ist.

(Im Hintergrund poltern die Jungs von Desolated mit ihrem Equipment, das sie gerade verladen, herum.) Doch kehren wir in die Gegenwart zu den Ereignissen dieses Abends zurück. Eigentlich lief ja bei Defeated Sanity musikalisch alles gut, warum kam jetzt der Break?
Jacob: Besetzungsmäßig?

Genau, denn heute abend war ja das letzte Konzert mit Jenne (Jens Staschel) am Mikro.
Jacob: Vorher gab es schon einen Wechsel mit Wolfgang. Also, wir hatten ja zwei Gitarristen noch auf der Tour gehabt. Wolfgang (Teske, Gitarre), der ja neben Lille (Gruber, Drums) das einzige verbliebene Gründungsmitglied war, hat allerdings schon letztes Jahr angekündigt, dass er aufhören wird. Also, sobald die Tour feststand, hat er schon lange an den Ruhestand gedacht. Die Tour als letztes Highlight war genau richtig, um auszusteigen. Es war also keine große Überraschung. Ist trotzdem schade. (Anm. d. V.: Siehe hierzu das Statement im DS- Blog vom 08 Jul 2008 auf der MySpace Seite)
Und das mit Jens ist dann doch eher spontan gekommen. Wobei es gab schon lange Differenzen, gerade auf zwischenmenschlicher Ebene. Aber es war auch die Arbeitsweise und so etwas….Man ist wirklich in einer Band gezwungen, dass alle auf einem Level, auf gleicher Ebene da hinterher sind und auf gleiche Art auch arbeiten. Das war irgendwie nicht der Fall. Ich mache ihm da keinen Vorwurf. Ich denke mal, es hätte nicht mehr lange gedauert, dann hätte er vielleicht von sich aus… Wobei es war ja auch teilweise seine Entscheidung. Es war alles ein bisschen schwierig. …Schwierige Geschichte.

Und habt ihr jetzt Ersatz gefunden?
Jacob: Also, ich fand es cool von ihm, dass er dass Konzert noch gemacht hat, denn es ist wirklich nicht leicht, einen Ersatz zu finden, gerade hier in Deutschland.
(Vgl. “Vocalist Search – Details” vom 6.August 2008 im DS- Blog)

Das beweist ja eigentlich auch, dass ihr euch nicht völlig zerstritten habt.
Jacob. Nee, um Gotteswillen. Wie gesagt, ich komme super mit ihm klar, ich will auch nicht, dass böses Blut entsteht. Manchmal klappt es einfach nicht mehr. Da muss man halt einen Schlussstrich ziehen. Und wir haben auf jeden Fall für das nächste Konzert (Am 18.Oktober 2008 in Ludwigshafen) und eventuell auch für weitere Konni (Konstantin Luehring) von Despondency. Er hat für den nächsten Gig zugesagt, und das machen wir auch, und danach wird sich halt zeigen, wie es weitergeht, ob er Bock hat, ob wir Bock haben. Ob wir andere Angebote kriegen, denn er hat ja Despondency ganz klar als seine Hauptband. Es ist also wirklich nur ein Aushilfsding. Wir haben einen Haufen Angebote, aber nichts cooles bisher.

Das bringt uns gleich zu weiteren Änderungen: seid ihr noch bei Grindethic Records?
Denn die Split-CD mit Cerebric Turmoil ist ja in Eigenregie entstanden.

„Es ist so“, erklärt Jacob, „wir haben einen Vertrag für jeweils ein Album gehabt. Wir haben also für jedes Album einen Vertrag gehabt, das heißt theoretisch sind wir frei. Solange sie uns nicht den nächsten Vertrag anbieten. Jetzt sind wir gerade dabei, mit anderen Labeln zu verhandeln und das beste Angebot herauszupicken. (Anm.d.V.: Man munkelt, dass Defeated Sanity auch mit Unique Leader Records in Verhandlung stünden) Also sie sagen, sie wollen uns unbedingt haben.

Ihr lehnt euch also etwas zurück und geht es langsam an…
Jacob: Wir schreiben Songs. Machen einfach das, was man als Musiker macht und lassen das Geschäftliche einfach ein bisschen warten. Dann kommt aber auf jeden Fall ein dickes Ding. Kann ich jetzt schon mal sagen.

Man darf gespannt sein. …Gut – da Du in Persona sowohl Mitglied bei Defeated Sanity, als auch Cerebric Turmoil bist, kommt jetzt der CT-Teil. Hier wurde ja das Personal leider auch ausgedünnt, zunächst ging Frontmann Felix und dann Schlagzeuger Marcus. Gibt es Cerebric Turmoil eigentlich noch? Ihr seid nur noch zu zweit, oder habe ich mich verzählt?
Jacob: Nicht ganz, zu dritt sind wir noch. Es ist in der Tat schwierig, Leute für die Band, für diese Musik zu finden. Sänger hatten wir viele Bewerbungen, allerdings fehlt uns auch ein Schlagzeuger. Und Schlagzeuger, die eh rar sind, für solche Musik in Berlin zu finden, das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wir haben jetzt konkret einen, der sich jetzt vorstellen will. Da muss man mal schauen. Wir haben diverse Leute, die aushelfen wollen. Aber wir wollen eigentlich so schnell wie möglich einen festen Schlagzeuger finden, weil wir erst dann mit einem neuen Sängern weitermachen können. Wir haben auch keine Sänger ausprobiert, weil dass ohne Schlagzeuger auch blöd ist. Bei der Probe kannst Du nie wirklich einen Song spielen, und der Sänger kann sich nicht wirklich ausprobieren.

Und wenn Lille einfach in beiden Bands spielen würde?
Jacob (lacht): Ich hätte ihn ja gerne, aber er hat so viele andere Angebote von anderen Bands, die ihm Geld bieten. Was er dann natürlich eher annehmen würde, ich meine ist ja klar. Abgesehen davon ist die Musik nicht ganz nach seinem Geschmack, ich glaube er würde es machen, wenn er die Zeit dafür hätte. Aber so ist es leider nicht möglich. Das ist schade, aber so ist es.

Abschließend: wie sehen jetzt die Pläne für die nahe Zukunft aus?
Jacob: Schlagzeuger finden, das sollte schnell passieren, wie gesagt vielleicht haben wir bald jemanden. Sänger finden, ist vielleicht das geringere Problem und dann wieder losklopsen.
Der Rest, der noch da ist, ist noch hoch motiviert, Songs immer in der Mache. Es sollte weitergehen…Fehlt wirklich nur an den Menschen dafür.

Nachdem Gespräch gelingt es mir noch Frontmann Jens Staschel abzupassen und seine Sicht der Dinge einzufangen. Auch ihn frage ich nach seinem persönlichem Highlight der US-Tour.
Jenne: Für mich persönlich waren auf jeden Fall das Maryland Death Fest und Bands wie Monstrosity, Dying Fetus ein Highlight, das war einfach der Hammer. Mit den Leuten Backstage Party zu machen, war einfach mal sehr geil. Wir haben eine Menge geile Leute getroffen. Und ansonsten, Las Vegas war einfach für mich persönlich ein Highlight, die ganze Stadt einfach mal zu sehen, Arizona, Grand Canyon. Man hat schon eine Menge mitgekriegt. War geil auf jeden Fall.

Noch mal ein Feedback: wie war für dich der Abend, ihr habt es ja professionell durchgezogen. Wie hast Du das so erlebt?
Jenne: Auf der einen Seite ist klar, Herzbluten ist schon mit dabei. Defeated Sanity ist für mich die Band, die deutschlandweit am amerikanischsten ist, was den Stil der ganzen US- Brutal Death Metal Bands angeht, da sind sie schon auf jeden Fall auf dem ausstrebendem Ast. Da war ich halt froh, da Teil zu sein und deshalb blutet mein Herz schon ziemlich krass. Dass ich jetzt halt aussteige, aber für mich ging es halt nicht anders.

Wie sieht die Zukunft bei Dir aus, was planst Du?
Bei mir ist jetzt erst mal Baby angesagt. Meine Frau ist schwanger.

Gratulation!
Ich werde jetzt mit Necromorph am 8.Oktober im Knaack zusammen mit Sinners Bleed und Golem ein Konzert spielen, das aber nur aushilfsweise und nichts festes. Von daher werde ich musikalisch erst mal einen Gang zurückschrauben, da ich mir meinen Musikertraum soweit erfüllt habe.

Aber wenn Du wieder anfangen würdest, dann würde es wieder in die brutale Richtung gehen?
Jenne: Auf jeden Fall. Da gäbe es nichts, was mich jetzt irgendwie ‘zarter’ stimmen könnte. Deswegen würde ich Death Metal weiter machen.

Wenn Du jetzt resümierst, was war das tollste Erlebnis mit Defeated Sanity?
Jenne: (überlegt einen Moment und kommt zu dem Schluss):Das geilste war schon die US Tour.

Fallen Dir noch schlaue Worte ein?
Jenne: Nö. …Am Ball bleiben.

Am Ball bleiben, das nehmen wir mit.
Allen beteiligten vielen Dank für das Interview und herzlichen Glückwunsch an Jenne und Maria.

Myspace Defeated Sanity
Myspace Cerebric Turmoil
Cerebric Turmoil

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