Exodus “Let there be blood”

Zaentz Records
Bewertung: Ohne Wertung
Spielzeit: 42:42
Songs: 9

Diese Platte ist eine Göttergabe – und gleichzeitig eine bodenlose Frechheit. „Bonded by blood“ erschien im Original 1985 bei Roadrunner und ist ein Klassiker des Speed/Thrash Metal. Jeder, wirklich jeder kennt diese Scheibe, insofern würde sie nicht mal in die Rubrik „ausgebuddelte vergessene Perlen“ passen, die zwei Kollegen hier im Eternity gerade aufziehen. Von „vergessen“ kann überhaupt keine Rede sein! Eine 6-Punkte-Platte ohne wenn und aber, die für mich – rein persönlich – sogar METALLICAS zwei Jahre zuvor erschienenes Debüt topt. Was jetzt nicht unbedingt an den Liedern liegt (da waren METALLICA um keinen Deut schlechter), sondern am Sänger! Paul Baloff (R.I.P.) war einfach – wieder rein persönlich, manche mögen das anders sehen – eine ganz andere Liga. Und das weiß Gott nicht nur im Vergleich zu Hetfield! Einer der ausdruckstärksten und charismatischsten Metal-Sänger aller Zeiten! Leider auch einer der schwierigsten: „Bonded by blood“ sollte seine einzige Scheibe mit Exodus bleiben. Soviel zur Göttergabe. Und jetzt kommt der Witz des Monats: EXODUS haben diese Platte mit einer unbekannten Nase als Sänger neu eingespielt. Mit einem ausdruckslosen, billigen 08/15-Schreihals, der Baloff nicht auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Man muß kein Purist sein, um das, pardon, einfach nur scheiße zu finden. Natürlich hat das ganze, genauso wie bei ANTHRAX oder TESTAMENT, rein finanzielle Gründe, die Rechte liegen wohl bei der alten Plattenfirma, und durch die Neueinspielung und Veröffentlichung auf eigenem Label (unter modifiziertem Titel und neuem Cover-Artwork) wandert die komplette Kohle in die Tasche der Band. Eine kommerzielle Zweitverwertung, die weder den Fans noch dem Album gerecht wird. Auf der Strecke bleibt dabei nämlich das einzigartige Gefühl von etwas ganz besonderem. Wem Heavy Metal mehr bedeutet (oder bedeutet hat) als reiner Musikgenuß, wer damit (zumindest ein bißchen) ein bestimmtes Lebensgefühl und eine bestimmte Lebenseinstellung verbindet, der kann die Musik nicht trennen von der Zeit und den Umständen, in der sie entstanden ist. Jeder, der die 80er miterlebt hat, weiß, daß Land, Gesellschaft und die Heavy Metal-Gemeinde damals doch recht anders waren als heute. Abgekoppelt von seiner Geschichte bleibt jedes Kunstwerk nur ein seelenloses Industrieprodukt, das man konsumieren, aber nicht mehr lieben kann. Als würde man Goethes Schriften zeitgemäß überarbeiten oder die Mona Lisa neu malen, weil die Frisur auf dem Bild nicht mehr paßt…
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