Wicked Mystic “The Paramount Question” 6/6

Rokarola Records (Music Avenue)
Bewertung: 6/6
Spielzeit:
Songs: 0

Fünf Niederländer, die 1994 bereits mit einem Demo aufwarteten und in ihrer Karriere bereits für Größen wie Motörhead, Nevermore, Merciful Fate, Metal Church und Megadeth eröffnen durften. Meiner Meinung nach ist ihr Debut schlicht großartig. Natürlich haben die Jungs die alten Power-Metal-Alben gefressen, but what the fuck? Das Teil rockt bis zum Geht-nicht-mehr. Bereits der Opener Stand Alone besticht durch seine gegenläufigen Gitarrenparts, erfrischende Melodien, einen kraftvollen energiegeladenen Gesang und ein schönes melodisches Solo. Spätestens zweiten Lied, Shadow Dancer, in dem anfänglich eine mystische Stimmung verbreitet wird, wie sie mir seit den frühen Metal Church-Scheiben nicht mehr untergekommen ist, bin ich gefangen. Dazu werden locker und frisch Riff für Riff aneinandergepackt, eine zerreißende Melodie drängt einen in die letzte Zimmerecke, bevor einen ein hübsches spanisches Mädchen in Form einer iberisch gespielten Akustik-Klampfe wieder hervorlockt. Dann bricht das Ganze unvermittelt ab, und man erwacht mit Depth of Mind inmitten von Jimmys Hotel, in dem man ebenso durchgeschüttelt wird. Nur eine kleine Atempause wird einem im Mittelteil gegönnt, aber auf diese folgt eine Wahnsinnssteigerung (another day, another dance..), die mich vollkommen in die Mangel nimmt, so dass das etwas geradlinigere Bleeding My Soul eine sehr willkommene Erholung darstellt, auch wenn ich natürlich hier ebenso – ähnlich wie letztens auf der 1.Mai-Demo – in einem Fort davongetrieben und immer wieder zu Boden gestoßen werde und in einem wilden Pulk orientierungslos und verblendet durch die Gegend torkele. Dabei kommt der erste Höhepunkt doch erst mit dem Titeltrack. Er beginnt sehr verhalten, steigert sich dann in einen noch immer verhaltenen Refrain, das Tempo wird wieder zurückgenommen, das Spielchen beginnt erneut, aber diesmal geht’s weiter nach vorne, die Gitarren pressen und der Gesang von Remko drückt mich erbarmungslos immer weiter in den sich stetig öffnenden Strudel aus Gitarrenattacken, pumpendem Bass und knalligen Drum-Schlägen, bevor mich das Solo endgültig hinabzieht in untermeerische Tiefen mit obskuren Fischlein, die beständig nach mir schnappen, bis ich unvermittelt aufwache und gleich der nächste Titel einsetzt. In der Art geht’s dann weiter, und den zweiten Höhepunkt erlebe ich dann mit Stepped Out, dessen Beginn mich immer wieder zu ehrfürchtigen Kniefällen hinreißt und mich die folgenden Peitschenhiebe würdevoll ertragen lässt, da irgend etwas in mir beständig am Lächeln ist, weil ich mich gut aufgehoben weiß und somit auch der Todesstoß keine Schmerzen mehr bereitet. Oh, ich könnte jetzt natürlich so weitermachen, aber kommen wir wieder auf den Erdboden zurück. Gegen Ende der Scheibe haben die Herren noch eine The Who-Coverversion als Hidden-Track eingebaut, den ich zwar ganz gut finde, aber der nichtsdestotrotz absolut nicht zur Stimmung des restlichen Albums passt. Der Schlusstrack Welcome to Life ist eine nette Hymne auf die Vaterschaft und fügt sich somit hervorragend in die derzeitige Familienpolitik unserer Republik ein. Das lyrische Konzept ist mir ansonsten jedoch mitunter etwas arg abstrakt, lediglich die persönlicheren Texte wie der von Stepped Out sagen mir etwas. Aber ins Gewicht fällt das überhaupt nicht, denn wo bekommt man heute noch die geballte Ladung progressiven Power Metals, mit wunderbaren Ideen, harten und doch lockeren Riffs, einem megamäßigen Bass, präzisem Drumming und einem Sänger, der sich nicht scheut, sich die Seele aus dem Leib zu schreien? Also: Hail to the Netherlands und auf in den nächsten Plattenladen!
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