Membaris Interview

MembarisMembaris haben in den letzten Jahren nicht nur starke Alben heraus gebracht, sondern sie laden den Hörer gleich noch dazu ein, die Tiefen der menschlichen Abgründe zu erkunden. Bassist und Gitarrist Kraal. nahm sich ein wenig Zeit, um uns etwas mehr über die Band aus Hessen zu erzählen. Und es wird teilweise philosophisch!

Membaris gibt es seit 1999 und ihr habt auch schon (neben einer Demo und einer Split-CD) vier Alben veröffentlicht. Dennoch wäre interessant zu Beginn einige Informationen zu eurer Band zu bekommen. Wie kam es zur Gründung und welche Ziele habt ihr mit Membaris?

K: Wir waren sofort auf derselben Wellenlänge, hatten dieselben Vorlieben in Sachen Black Metal und ergänzten uns musikalisch in einer Weise, die ich nur mit tiefer, geistiger Verbundenheit beschreiben kann. Klingt nach Klischee, aber wären wir uns an diesem Tag im Oktober nicht über den Weg gelaufen, wäre nie das daraus geworden, was die Leute bis dato von uns hören können.

Ziele? Wenn du mit Ziele meinst, einen Mega-Erfolg zu haben, also so was wie ein Major-Label-Deal oder tausende von verkauften Alben verbuchen zu können – dann wären das vielleicht angenehme Nebeneffekte, aber das war und ist nicht der Grund unseres Schaffens! Was uns bewegt ist einfach nur unserer Passion zu folgen. Mehr muss ich glaube ich nicht sagen.

Und wofür steht eurer Meinung nach Membaris?
K: Membaris bediente in den frühen Jahren antichristliche und satanische Themen – eine Welle, von der wir uns glücklicherweise distanziert haben. Membaris ist nicht wirklich auf etwas festzulegen, hat kein 08/15 – Image, welches die Leute schnell durchschauen. Daher könnte ich mir vorstellen, dass es auch für viele Menschen, die unsere Musik hören schwer ist, sich mit Membaris zu identifizieren.

Da wir nicht nur philosophisch angehaucht schreiben, sondern auch stark in Metaphern, müsstest du uns schon seit Jahren kennen, um unsere Gedankengänge und das, was vielleicht wirklich hinter diesen Texten steht, nachvollziehen zu können. Oder du bist Psychologe und knallst uns deine Meinung über unsere, sehr wahrscheinlich als krank oder allenfalls bedenklich einzustufenden inneren Wahrheiten unserer Texte um die Ohren.

Wie habt ihr euch in den letzten Jahren entwickelt und wenn ihr darauf zurückschaut, wie zufrieden seid ihr mit eurem Werdegang? Wenn ich richtig informiert bin, hattet ihr zu Beginn einige Schwierigkeiten mit eurem alten Label Black Attakk gehabt, ebenfalls hattet ihr auch mal einen Proberaumeinbruch usw. Konntet ihr das in den letzten Jahren hinter euch lassen?

K: An Vorfälle wie den Proberaumeinbruch oder den mit Black Attakk denken wir schon gar nicht mehr zurück. Es sind Dinge passiert, die uns eher vorwärts gebracht haben als uns zu schaden (davon ausgenommen ist verständlicherweise der Proberaumeinbruch). Wir haben es alles andere als nötig, diesbezüglich an die Vergangenheit zu denken. Ich persönlich bin zufrieden mit unserem Werdegang, denn wenn man Erfolg haben möchte und viele Leute erreichen will, muss man A) andere Musik machen und B) die „richtigen“ Leute kennen, sprich Vitamin B ausnutzen – und das ist für mich Verrat an der eigenen Sache.

Membaris ist für mich eine Band, die man wohl als Geheimtipp sehen kann. Ihr scheint bewusst im Untergrund zu wirken, liefert dafür aber starke Alben ab, welche meiner Meinung nach zu wenig wert geschätzt werden. Wie steht ihr dazu, empfindet ihr das ebenfalls so?

K: Erst mal danke für die Blumen. Wir wirken nicht bewusst im Untergrund – das ergibt sich eben so. Außerdem kann man ein Album, das man mehr als drei Mal bewusst durchhören muss nicht wertschätzen, wenn es in der Fülle an überbewerteter Musik untergeht. Und das ist leider in der schnelllebigen Gesellschaft heutzutage der Fall – die Menschen können alles zu jeder Zeit mit einem Scheiß-Klick bekommen. Quantität schlägt Qualität. Wir schreiben und leben eben solche Art von Musik, die es in dieser auf Geschwindigkeit programmierten Gesellschaft schwer hat, durchzudringen. Aber wir machen das nicht zu einem Problem von uns, denn Sklaven der schnellen Gesellschaft sind wir alle, ob es uns passt oder nicht. Es geht vielmehr darum, sich seinen Teil, also das was man wirklich aus innersten Gefühlen für sich selbst erschaffen will, herauszunehmen und dies aus dem guten Grund, den ich persönlich als „gesunden Egoismus“ bezeichnen würde, der keinem sonst um mich herum schadet, sondern eher andere zum Nachdenken bringt. Klingt nach einer Maxime, aber lege mich jetzt bitte nicht auf Kant fest, hahaha…

Mir fiel zu dem auf, dass alle Mitglieder von Anfang an dabei sind und es meiner Kenntnis nach keinerlei Wechsel innerhalb der Band gab. Scheint so als seid ihr ein eingespieltes Team. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit und wie entstehen Songs bei Membaris?

K: Wechsel gab es nie, jedoch ist festzuhalten, dass Membaris seit ungefähr Mitte 2012 nur noch als Duo agieren. Ich bin neben dem Bass noch auf Gitarre umgestiegen, O. spielt Schlagzeug und Gitarre, ansonsten ist alles beim Alten.

Wir haben in B. einen mehr als würdigen Mitstreiter verloren und jemand, der sich mit seinem ganzen Dasein Membaris gewidmet hat. Wir stehen in Kontakt und sehen uns auch noch – ein großer Musiker, mit dem ich mich geistig nach wie vor verbunden fühle. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn der Rest ist privat. Aber Checkt mal PORTA NIGRA an, da spielt O. mit B. noch zusammen.

Ein eingespieltes Team sind wir nach wie vor, jedoch klingt der Begriff der Zusammenarbeit für mich persönlich etwas, sagen wir mal „formal“. Anders ausgedrückt fühlt es sich so an, als beschreiten O. und ich wieder den Pfad, welchen wir von Anfang an als eine Einheit eingeschlagen haben. Songs entstehen, wie sie immer bei Membaris entstehen: meist bringt einer von uns beiden einen zum Großteil fertigen Song zur Probe oder zum Zusammensitzen mit, aber nur in Verbindung mit den Ideen des anderen wird ein Song zu etwas ganz Großem.

Dann kommen wir mal zum letzten Album entartet. Zuerst ein paar allgemeine Fragen:
In kurzen Worten: Was bietet „Entartet“ eurer Meinung nach dem Hörer? (musikalisch und thematisch)

K: Entartet ist kein musikalisches Experiment, nur weil wir mal etwas die Handbremse angezogen haben. Jedoch zeigt das Album auch eine andere Seite unseres Schaffens. Musikalisch steht Entartet als Gegensatz zu Grenzgänger, denn letztgenanntes Album kann einen den Boden unter den Füßen verlieren lassen, was ich am eigenen Leib beim Einsingen von Einsamkeit erfahren musste. Entartet dagegen drückt dich einerseits in tiefes Erdreich, in dessen Schwärze und nasser Kälte das eigene Daseins auf ein existenzielles, abstrahiertes Minimum schrumpft. Die Frage bezüglich des thematischen Angebots auf Entartet würde ich gerne zurückstellen.

Ich hatte es im Review bereits erwähnt, dass mir Grenzgänger persönlich etwas besser gefallen hatte. Dennoch ist „Entartet“ ebenfalls ein starkes Album, welches durchweg recht gute Kritiken bekam. Aber wie steht ihr als Band dazu? Gibt es einen Favoriten unter euren veröffentlichten Alben oder findet ihr jedes Album ist perfekt, so wie es ist?

K: Ich persönlich habe keinen Favoriten bei all unseren Alben, denn jedes ist ein Teil unserer Geschichte, und zu der stehe ich!!

Zu Grenzgänger und Entartet ist zu sagen, dass wir da ein kleines Konzept im Hinterkopf hatten, denn Grenzgänger führt in ferne Gedankenwelten, eben über den Ereignishorizont hinaus, während sich Entartet mit den Abgründen einer entarteten Spezies beschäftigt, sich mehr mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzt.

Wie war die Produktion zu „Entartet“? Gab es viele Schwierigkeiten oder lief alles ohne Probleme?

K: Da wir das Album selbst produziert haben und es an verschiedenen Orten aufgenommen wurde, war die Koordination nicht immer leicht.

B. hat für die Produktion von Entartet wirklich alles gegeben – auch fast alles, was er an Nerven aufbieten konnte, haha!

Sehr ausdrucksstark finde ich euer Cover. Ich selbst finde immer neue Interpretationsmöglichkeiten darin. Von ziemlich banal wie „entartete Menschen“, die nun verzweifelt schreien bis hin zu Assoziationen zu Kafkas „Verwandlung“ Laut Album hat die Bilder Fina Krüger gezeichnet, welche auch bei „Grenzgänger“ bereits mitgewirkt hatte. Habt ihr euch von den Bildern inspirieren lassen oder war es eher umgekehrt, sprich das Album lieferte die Grundlage für die Bilder? Gab es auch andere Entwürfe oder Ideen zum Cover?

K: Es gab eigentlich nie andere Entwürfe zur Layout-Gestaltung, weder bei Grenzgänger noch bei Entartet. Das Album liefert also die Bilder. So wie wir die Songs und Texte schreiben, so muss auch das Artwork genau passen. Wir saßen zusammen, haben Fina Texte vorgelesen, uns gefühlsmäßig echt ausgelassen. Weiter muss ich sagen, dass ich fast keinen Künstler kenne, der so intuitiv und besonnen arbeitet wie Fina Krüger. Wie sie alles so aus dem Kopf heraus zeichnet, bei Grenzgänger wie bei Entartet, das verschlägt einem die Sprache.

Ich finde, ihr spielt thematisch in euren Songs oft auf Geist und Verstand an, und dass der bei vielen verloren gegangen bzw. „entartet“ ist. Überhaupt kann man viele philosophische Ansätze über verkommene Menschenbilder erkennen. Würdet ihr selber sagen, dass dies ein wesentlicher Faktor bei euren Themen liegt oder liege ich gerade völlig falsch dabei?

K: Du liegst nicht falsch. Hier würde ich jetzt zur zurückgestellten Frage bezüglich der Thematik auf Entartet antworten: mehr möchten wir nicht sagen, denn sonst schwindet genau das, was man eigene Interpretationsmöglichkeiten nennen könnte.

Selbst denken, selbst erkennen und lernen, damit zu leben oder daran zu Grunde gehen!!

Jeder selbstdenkende Mensch erblüht oder stirbt jeden Tag durch Erkennen und Wissen ein bisschen – auf seine Weise, nicht wahr?!

Zunächst soll lernen, damit zu leben an dieser Stelle nicht heißen, sich nicht mit den Folgen einer Erkenntnis auseinander zu setzen, sondern sich bei kontroversen Aspekten ruhig in einen Diskurs zu begeben. Kontroversen aus dem Weg zu gehen und Erkenntnis in dunklen Ecken zusammengekauert zurück zu lassen – dafür gibt sich der Mensch durch sein Handeln täglich neue Beispiele. Und dies führt den menschlichen Geist nicht bloß auf den Weg des Pessimismus, sondern noch in viel tiefere seelische Abgründe, die allesamt Teil unserer pathologischen Gesellschaft sind und es auch immer sein werden. Letztlich heißt lernen damit zu leben, dass ich mich nicht mit der Situation abgebe, ein Teil dieser kranken Gesellschaft zu sein, sondern über sie erhebe, wieder und wieder – mit glänzender Standarte in der Hand, in gleißendem Gedankenreichtum!

Und wird es auch bei kommenden Werken thematisch darum gehen?

K: Möglicherweise klettern wir noch etwas weiter den Abgrund hinab. Mal schauen, ob er uns auch wieder gehen lässt.

Habt ihr einen Favoriten auf „Entartet“ oder zählt für euch nur das Gesamtwerk?

K: Das Gesamtwerk zählt. Aber sicher gibt es wie bei jedem Album besondere Stellen, die einen nicht mehr loslassen.

Veröffentlicht habt ihr bisher fast alle Alben bei ARTicaz. Jenes Label hat sich aber vor einiger Zeit aufgelöst. Wie seid ihr mit der Situation umgegangen bzw. wie stehen die Chancen bald wieder ein neues Label zu finden?

K: Ein Label auf unserer Seite zu wissen, welches ehrlich unser Schaffen unterstützt, uns Layout-mäßig und musiktechnisch / textlich nicht dazwischenfunkt und mit gutem Gewissen hinter dem steht, was wir tun, wäre definitiv eine Bereicherung. Mal schauen, was sich so ergibt! Aktuell müssen wir schauen, wie wir Entartet noch unter die Leute bekommen und sind auch diesbezüglich dankbar für jede Unterstützung.

Wie sieht es überhaupt mit euren Zukunftsplänen aus? Was kann man von Membaris in Zukunft erwarten?

K:Wir arbeiten bereits an der Vorproduktion für ein neues Albums. Eine Tour wird es sehr wahrscheinlich erst mal nicht geben, aber wir versuchen ein neues Konzept, unsere Show zu präsentieren und vielleicht sieht man sich ja auf dem einen oder anderen Konzert.

Und zum Schluss könnt ihr gerne noch das loswerden, was euch gerade auf der Zunge liegt:

Wir danken Kai von Articaz für seine bisherige Unterstützung und Nils von WEIRD FATE, der für Entartet und auch schon für Grenzgänger das Layout übernommen hat. Marius Vent von BLOODSPOT/PUBLEX und Stefan von OBSCURE INFINITY danken wir für die Leidenschaft, die beide in ihr Solo auf Entartet gelegt habe. Weiter danken wir Fina Krüger und wer Interesse an ihren Zeichnungen und Fähigkeiten hat, kann uns gerne via Email kontaktieren!! Ich persönlich danke noch Steve „Bronkdom“ Schmidt für anregende und ausschweifende Nachtstunden-Diskussionen.

IGNIS et VOLUNTAS!

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