Theory in Practice Interview

Theory in Practice sind vielleicht einigen Lesern schon von der dem Eternity #15 beiliegenden CD bekannt. Die liegt zwar bereits einige Monate zurück, aber da der progressive, verfickelte, krankhafte Death Metal der Schweden mich einfach nicht mehr losließ, gute Musik sowieso zeitlos ist, und ich zugegebenermaßen manchmal auch etwas verschnarcht bin, löcherte ich Henrik Ohlsson erst jetzt mit meinen Fragen.

Am besten stellst Du die Band zunächst. Erzähl einfach alles über Theory in Practice, das Du willst.
Ok. Es gibt uns seit 1995 und wir haben bisher ein Demo und zwei Alben ver-öffentlicht. Wir spielen progressiven Death Metal und die Band besteht aus mir an Drums und Gesang, Peter Lake an der Gitarre und Matthias am Bass (und Keyboards). Vor kurzem kam noch ein Typ namens Patric als Drummer hinzu wegen des offensichtlichen Problems, daß ich live nicht Schlagzeug spielen kann und gleichzeitig singen. Die Musik ist dafür einfach zu technisch!

Erzähl mir etwas über die Theorie und über die Praxis….
Oh ja, die Theorie in der Praxis. Der Bandname stammt ursprünglich von einem Songtitel, den wir schon hatten, als die Band noch namenlos war, und wir dachten, das würde perfekt zu dem passen, was wir tun! Wir haben also den Song umbenannt und tragen seitdem diesen Namen selbst, auch wenn Listenable wollten, daß wir ihn ändern, als wir bei ihnen unterschrieben. Aber das ist eine andere Gechichte… Wie auch immer, es ist ein passender Name für eine progres-sive Band, und er kann viele Bedeutungen in sich tragen. Finde es heraus!

Wie waren bisher die Reaktionen auf „The Armageddon Theories“? Bist Du zufrieden?
Ja, definitiv! Es gab ein gewaltiges Echo, und es war besser, als wir es je hätten erwarten können, da es ein sehr an-spruchsvolles Album ist. Es ist abartig technisch und schnell, wir dachten, die Leute würden nicht verstehen, was sie hören. Es hat sich aber herausgestellt, daß es eine gute Alternative zu dem ganzen Straight Forward – Kram ist, den es so gibt!

Was würdest Du ändern, wenn Du die Möglichkeit hättest? Oder bist du 100% zufrieden mit dem Resultat?
Es gibt jede Menge Sachen, die wir ändern würden; aber das ist egal. Das Album ist veröffentlicht und damit hat sich die Sache erledigt. Getan ist getan! Ich bin wirklich der Meinung, daß es ein gutes Album ist, aber im Ernst: hast Du je von einem Musiker gehört, der hundertprozentig mit einem Album zufrieden ist? Soetwas gibt es einfach nicht. Der Sound, die Arrangements etc. etc. hätten anders gestaltet werden können und vielleicht auch besser.

Was, denkst Du, ist das spezielle an Eurer Musik? Warum sollte ich ein Theory in Practice – Album kaufen und kein anderes?
Wie ich bereits sagte, scheint es eine gute Alternative zu der ganzen Straight Forward – Musik zu sein. Wenn Du ein paar neue Ideen hören willst, und wie man extremen Metal spielt, dann würde ich Dir empfehlen, unser neues Album anzutesten.

Wie würdest Du selbst Euren Stil charakterisieren?
Wir haben mehr oder weniger das Etikett „Progressive Death Metal“ akzeptiert, es gibt aber alle möglichen Einflüsse in unserer Musik. Thrash Metal, Death Metal, Black Metal und auch Metalfremdes wie Al Di Meola und andere Musikstile, die interessante Harmonien und/ oder Rhythmen haben. Die Band Mekong Delta hat auf jeden Fall einen großen Einfluß auf unseren Sound gehabt, und sie stammen aus Deinem Land, sei stolz! Was unsere Musik von anderen abhebt ist, daß sie so extrem technisch ist und wir dabei trotzdem versuchen, die Melodik nicht zu vergessen, und dabei immer noch brutal klingen.

Einige von Euch spielen auch noch bei Mutant. Welche dieser beiden Bands ist Eure Hauptband? Gibt es noch andere Projekte, in die Theory in Practice – Mitglieder verstrickt sind? Was ist Deine Meinung zu Nebenprojekten allgemein?
Jede Band genießt zeitweise Priorität. 1999 haben wir uns auf Mutant kon-zentriert, 2000 verwenden wir die Zeit darauf, neue Theory in Practice Songs zu schreiben. Es hängt davon ab, mit welcher Band wir ein Album veröffentlichen wollen. Daneben gibt es kein weiteres offizielles Projekt…momentan. Ich bin der Meinung, daß Nebenprojekte, oder wie auch immer Du es nennen willst, essentiell sind um nicht musikalisch zu stag-nieren. Durch Nebenprojekte haben wir die Möglichkeit uns in anderen Musikrichtungen umzutun und die Welt der Musik zu erkunden.

Was sind Eure musikalischen Einflüsse?
Al Di Meola und Mekong Delta habe ich ja bereits ge-nannt. Das sind hauptsächlich Peters Einflüsse. Ich wurde von Drummern wie Sean Reinert, Pete Sandoval und den anderen Titanen beeinflußt. Anders gesagt: von den grossen Metaldrummern. In den letz-ten Jahren hat sich Snowy Shaw zu meinem musikalischen Leitbild entwickelt und ich wurde von allem was er seit 1990 gemacht hat stark beeinflußt. Ich höre derzeit auch viel Bach, wir alle wurden sehr viel von klassischer Musik beeinflußt.

Würdest Du die Songs auf „The Armageddon Theories“ kommentieren?
Es ist mehr oder weniger ein Konzeptalbum, bis auf drei Songs. Es ist eine kleine Geschichte mit einigen realen Hin-tergründen, die sich um den menschlichen Verfall und das erstehen einer neuen Rasse auf der Erde dreht. Eine großartige Handlung insgesamt, und es war wirklich eine Herausforderung den Text zu einem Song zu schreiben, der über zwanzig Minuten geht, mit all den technischen Frickeleien.
„Dehumanized“ handelt von Religion aus der Perspektive eines Verfolgten, es geht zeitlich ein wenig zurück. „The Visionaire“ handelt ebenfalls von Religion aus der Sicht eines Fanatikers und „Embodied for War“ gibt eine andere Sicht auf das Böse, das durch menschliche Wesen in die Welt kommt. Ich will hier nicht alles Preis geben, das würde vielleicht individuelle Reflektionen auf die Texte behindern.

Wie wichtig sind Euch die Texte?
Für mich sind sie sehr wichtig, aber ich kann hier nicht für den Rest der Band sprechen. Wie auch immer, ich sehe es als eine Chance etwas das ich fühle auszudrücken. Meist verberge ich das Ursprüngliche ganz tief in dem Konzept des Songs und wenn jemand das gleiche Gefühl hat wie ich, können wir es diskutieren und ein interessantes Gespräch darüber führen.

Wer hat das großartige Cover entworfen?
Ein Pole namens Tomasz, er arbeitet für eine Firma namens Graal und hat eben-falls das Mutantartwork gemacht.

Laß uns ein wenig in der Zeit zurückgehen: 1996 habt Ihr Euer erstes Demo namens „Submissive“ aufgenommen. Was kannst Du mir darüber erzählen?
Ahh, Flashbacks…. „Submissive“ bestand aus vier Songs, die später für unser Debütalbum neu aufgenommen wurden. Soundtechnisch ist es, glaube ich, das Beste, was wir je gemacht haben! Wir haben es im Abyss mit Peter Tätgren als Produzenten aufgenommen, es war eine sehr zufriedenstellende Aufnahme. Ich habe an diese Zeit nur gute Erinnerungen. Wir haben nicht viele Kopien davon gemacht, so um die dreißig, und haben es an einige ausgewählte Labels versandt, von denen wir wußten, daß sie an unserer Art von Musik Interesse haben. Es gab einige gute Reviews. Ich will aber nochmal betonen, daß wir nicht sonderlich viele Kopien davon gemacht haben, die Reaktionen waren al-so nur so gut, wie es unsere „schlechte“ Promotion zuließ.

Euer erstes Album „Third Eye Function“ wurde 1997 via Pulverised Records veröffentlicht. Was gibt es zu diesem Album zu erzählen?
Soundtechnisch ist es die schlechteste Aufnahme, die wir je gemacht haben! Die Leute vom Sunlight Studio haben nicht verstanden, was wir versuchten zu machen und wir haben eine Punk-Produktion bekommen, die für uns natürlich genau das Falsche war. Aber ich denke, es war ein gutes Album, in einigen Dingen sehr experimentell. Wir hatten Einwürfe mit spanischen Gitarren in Kombination mit Kongas und anderen Percussion-instrumenten. Allerdings hatten wir nicht allzuviel davon, der größte Teil ist natürlich technischer Death Metal, aber es hat dem Album ein experimentelles Gefühl verliehen, finde ich.

Was kannst Du uns über die Zeit bei Pulverised erzählen?
Wir haben es anfangs sehr genossen, mit ihnen zusammenzuarbeiten, aber nachdem „Third Eye Function“ veröffentlicht war, gab es immer mehr Probleme. Als wir ins Abyss Studio gegangen sind, um das zweite Album aufzunehmen, wußten wir noch nicht, ob sie die Aufnahmen bezahlen würden! Nach langen Verzögerungen haben sie den Kram letztlich doch bezahlt, aber die Leute vom Abyss waren wirklich verärgert über Pulverised, und wir standen zwischen den Fronten.

„The Armageddon Theories“ kam 1998 über Pulverised Records raus, die letztjährige Veröffentlichung auf Listenable ist also eine Wiederveröffentlichung.
Wir haben schnell kapiert, daß wir nicht einfach weiter Material veröffentlichen konnten, ohne dafür Promotion zu bekommen usw., das wäre sinnlos gewesen. Ich weiß, daß Pulverised keine großen Budgets haben, aber wir fühlten, daß es wirklich Zeit wurde, uns anderweitig umzutun, aus diversen Gründen. (s.o.) Also hielten wir Ausschau nach einem neuen Label. Ich habe das Album an Laurent von Listenable geschickt. Er hatte bereits Mutant unter Vertrag. Ich dachte also, er hätte vielleicht auch Interesse an Theory in Practice. Er rief mich ein paar Tage später an und erzählte mir, wie sehr ihm das Album gefallen habe, und daß er es gerne wiederveröffentlichen wolle. Und so ist es dann auch gekommen.

Seid Ihr mit der Arbeit, die Listenable für Euch tun, zufrieden?
Verglichen mit dem, was wir gewohnt sind ist es großartig! Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, ich weiß , daß wir niemals sonderlich viele Alben verkaufen werden wegen unserer musikalischen Ausrichtung, aber das ist OK. Der wirkliche Ruhm und das Geld wird stets nur den „hippen“ Bands winken… Aber ich bin dankbar, die Möglichkeit bekommen zu haben, trotzdem meine Musik zu verkaufen.

Was können wir in Zukunft von Theory in Practice erwarten?
Wir haben leider nicht die Möglichkeit einer Tour eingeräumt bekommen, das Album hat sich wohl nicht gut genug verkauft, aber das neue Album ist gerade im Entstehen begriffen. Es fehlt noch ein Song oder so, und dann werden wir ins Studio gehen.

Last Words.
Keep the metal spirit and the will to explore boundaries within every aspect of life alive! Thanks!!! http://hem.passagen.se/theory, theory@hem.passagen.se

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