Scar Culture Interview

Die New Yorker Scar Culture reichern brutalen, anspruchsvollen Death Metal mit corig-groovenden Parts an und erschaffen damit eine interessante Mischung, die einen, wie man beim Genuß des Debüts ‚Inscribe’ merken wird, sofort freudig aufhorchen läßt.

Hallo John, wie hat die Geschichte von Scar Culture begonnen und was ist bisher wichtiges passiert? Warum habt Ihr Euch für den Bandnamen entschieden?
Wir haben Scar Culture Mitte 1997 gegründet. Zu dieser Zeit war ich etwas angeödet von der Thrash Metal Band, in der ich gespielt hatte, und beschloß, etwas Härteres zu machen. Ich habe dann zunächst mit einem befreundeten Drummer Musik gemacht. Einen Bassisten haben wir über eine Anzeige gefunden. Dieses Line-Up hat nur kurz gehalten. Dann kam ein Kollege von mir vorbei, um sich anzuhören, was ich so mache. Wir waren eine drei Mann Band und über Kleinanzeigen auf der Suche nach einem Sänger. Wir haben einige ausprobiert, aber keiner hat so geklungen, wie wir uns das vorgestellt haben. Dann ist scheinbar ein Typ auf die Anzeige gestoßen und hat sie an einen Freund, der interessiert sein könnte, weiter gegeben. Pheroze hat eine Dynamik in die Band gebracht, die wir sehr gebraucht haben. Seine Liveshow wird nur noch durch seine Vocals übertroffen. Wir haben ein Demo rausgebracht und hatten etliche Konzerte. Nach dem Milwaukee Metalfest 1999 haben wir unseren Bassisten rausgeschmissen. Wir konnten unsere Kreativität mit ihm nicht voll ausleben und mußten uns seinem Tempo anpassen, das hat genervt. Wir waren dann zwei Jahre ohne Bassist bis wir 2001 endlich Frank gefunden haben. Seinen ersten Gig mit uns hatte er in ein einer ausgebuchten Halle bei dem Opening für Cryptopsy. Zu dieser Zeit hießen wir allerdings noch Scrape. Century Media haben uns bei den Gesprächen über einen Vertrag dazu geraten, den Namen zu ändern, da sie den alten gehaßt haben. Wir waren zunächst überhaupt nicht einverstanden, da wir gerade neue Shirts etc. gemacht hatten. Dann ist die Nu-Metal Band Skrape aus Florida total gepuscht worden und es wurde unmöglich für uns, den Namen Scrape zu behalten. Wir haben dann vor Unterzeichnung des Vertrages mit Century Media unseren Namen offiziell in Scar Culture geändert. Pheroze hat ihn aus einem Buch von Toni Davidson.

Was gibt es Interessantes über Euer Demo zu sagen?
Unser erstes Demo wurde Anfang 1998 in 8 Stunden für $200 aufgenommen und abgemischt. Zwei von den Songs auf dem Demo sind nie wieder aufgetaucht. Wir sind nicht der Meinung, daß sie mit unserem aktuellen Material mithalten können. Wir haben etwa 3000 Exemplare in Umlauf gebracht. Wir haben die Tapes alle verschenkt; einfach damit die Leute unsere Musik hören konnten. So haben sich die Tapes in aller Welt verteilt.

Wie beschreibt Ihr Eure Musik und was macht sie einzigartig?
Hmm, ich weiß nicht. Ich kann sagen, daß Scar Culture eine sehr extreme Heavy Metal Band ist. Wir wurden schon ‚Death’, ‚Hard Core’, ‚Death Core’, ‚Nu-Death Metal’… genannt. Unsere Musik besteht aus so vielen Elementen, daß jeder etwas anderes zu hören scheint. Manche Leute vergleichen uns mit Brutal Truth oder ‚Morbid Angel meets Pantera’ oder auch mit Cryptopsy. Das ist schon cool. Als Fazit kann man sagen, daß wir verdammt heavy sind.

Euer Debütalbum ‚Inscribe’ ist gerade veröffentlicht worden. Seid Ihr zufrieden mit der Scheibe?
Ich könnte nicht glücklicher sein. Es ist großartig für eine Band, das Debütalbum aufzunehmen und festzustellen, daß die Produktion so gut geworden ist. Billy und die Leute vom Big Blue Meanie Studio haben wirklich gute Arbeit geleistet. Die CD ist verdammt fett.

Wann habt Ihr das Album aufgenommen?
Wir waren wie gesagt in den Big Blue Meanie Studios in New Jersey. Wir haben 10 Songs im März 2000 aufgenommen. Nachdem wir dann bei Century Media unterschrieben hatten, sind wir ein Jahr später ins Studio zurück und haben noch ein paar Tracks eingespielt. Es war echt cool dort und Billy Milano muß ich nicht weiter erwähnen. Er ist eine Metal Legende.

Wie waren die Resonanzen auf das Album bisher?
So weit, so gut. Wir haben bisher nur ein oder zwei schlechte Kritiken gelesen, aber diese schienen von Leuten geschrieben worden zu sein, die nicht sehr open-minded waren. Und den Fans scheint das Material bei den Shows auch zu gefallen.

Seid Ihr mit Eurer Plattenfirma Century Media zufrieden? Werden sie auch das nächste Album veröffentlichen? Hattet Ihr noch andere Angebote?
Wir wollten bei einem Label unterschreiben, das unserem Album den Vertrieb sichern kann, den die CD verdient. Wir haben unsere CD an sehr viele Labels geschickt, obwohl wir schon unsere Vorstellungen hatten. Wir wußten, daß Century Media die Scheibe nicht einfach nur rausbringen würden, sondern daß sie voll dahinter stehen. Und genau das tun sie. Sie haben einen großen Werbeaufwand betrieben, damit möglichst viele Leute auf unsere Scheibe aufmerksam werden. Ich denke nicht, daß es ein anderes Label geben könnte, das mehr leistet. Die nächste CD wird auch über Century Media erscheinen und ich könnte nicht glücklicher darüber sein. Grundsätzlich gibt es immer Dinge in Verträgen, mit denen wir nicht so glücklich sind, aber das ist dieser Business Kram, der nervt. Ich will einfach nur spielen.

Wie wird ein neuer Scar Culture Song komponiert?
Meist beginnt alles mit Duke und mir. Ich habe dann, wenn ich zu Hause spiele, eine Idee oder mir fällt spontan etwas ein. Duke und ich machen meist die Musik zusammen und dann kommt der Input von Frank und Pheroze. Erst wenn die Musik zu 99% steht, fängt Pheroze an, an dem Gesang und den Texten zu arbeiten.

Welche Bands hörst Du gerne und wer hat Dich beeinflußt?
Ich höre so viele Bands und bin von ihnen beeinflußt. Ich bin mit Judas Priest, Iron Maiden, AC/DC, Black Sabbath, Oz-zy… aufgewachsen und höre in letzter Zeit Misery Index, Slayer, Down, Scissorfight, Steve Vai, Van Halen, Metallica, Pantera, Suffocation, Soilent Green, Strapping Young Lad….

Leider konntet Ihr Eure Tour mit Pissing Razors und De-cember nicht bis zum Schluß mitfahren. Was ist passiert?
Nun, wir waren auf dem Weg nach Hause von einer Show im Jaxx in Springfield, Virginia. Die Show war unglaublich. Die Tour war bis dahin so gut und dieses Konzert war einfach krank! Pissing Razors und December sind echt gute Bands und coole Typen. Von dort hatten wir etwa eine vier-Stunden-Fahrt nach Hause vor uns. Da wir in der nächsten Nacht in unserer Heimatstadt spielen sollten, wollten wir nach Hause und dort etwas schlafen. Etwa 1,5 Stunden bevor wir zu Hause angekommen wären, ist der eine Reifen vorne geplatzt und wir sind in der Leitplanke gelandet.
Dabei sind der Spiegel und einige Fenster zu Bruch gegangen. Wir konnten den Reifen zwar notdürftig flicken und nach Hause fahren, aber die Tour war erstmal gestorben. Wir haben überall rumtelefoniert, um die Scheiben und den Rückspiegel zu ersetzen, aber niemand konnte den Kram innerhalb einer Woche beschaffen. Das ist jetzt drei Wochen her und wir haben immer noch nicht alle Teile. Century Media haben sich dann um einen Leihwagen für uns bemüht, aber der einzige, der zur Verfügung stand, kam wegen der Größe nicht in Frage. Wir hätten unseren Kram damit nicht transportieren können. Wir haben uns sehr geärgert, die Tour verlassen zu müssen, aber es ging nicht anders.

Ihr habt auf dem New Jersey Metal Fest und dem Milwaukee Fest gespielt. Wie hat es Euch gefallen?
Ich habe die Festivals gehaßt. Sie waren schlecht, die Bands klingen immer scheiße und für diese tolle Erfahrung wird deine Brieftasche geleert.

Welche Zukunftspläne habt Ihr?
Wir hoffen, daß wir die Bestätigung für die Hypocrisy, Arch Enemy und Soilwork Tour gekommen. Außerdem spielen wir auf dem NJ Metal Fest, dem New England Metal und Hardcore Fest und evl. Nehmen wir am WXLV fm radio X-fest in Pennsylvania teil. Ansonsten arbeiten wir an neuem Material.

Was hältst Du von der New Yorker Metal/Hardcore Szene?
Es gibt viele wirklich gute Bands in der New Yorker Szene wie Malignancy, Internal Bleeding, Immolation, Sklinless oder Afflitus. Leider gibt es in New York nicht mehr so viele Clubs, in denen man extremen Metal spielen kann. Aber die Underground Szene ist lebendig und stark; auch dank des Internets. Die Leute können so viel leichter in Kontakt bleiben.

Welche Bücher oder Filme magst Du besonders gerne?
Ich mag den Autor Poppy Z. Brite sehr. Ansonsten lese ich momentan meist über Musik oder Serienkiller. Mein Lieblingsfilme sind Star Wars, Indiana Jones, Nightmare Before Christmas, Texas Chainsaw Massacre und Jay & Silent Bob Strike back.

Last words.
Danke für das Interview. Hoffentlich werden wir so bald wie möglich in Europa und Deutschland touren können. In der Zwischenzeit könnt ihr unsere Internetseite unter: http://www.ScarCulture.com besuchen. Falls ihr uns eine e-mail schicken wollt, findet ihr dort unsere Adressen und zusätzliche Informationen und Neuigkeiten.
Kauft unsere CD ‚Inscribe’ und unterstützt extreme Musik!

Interview aus Eternity #21

www.scarculture.com
www.centurymedia.de