Purgatory Interview

Purgatory groß vorstellen zu wollen, wäre in etwa so wie Gina Wild dat Poppen zu erklären. Die Nossener sind bereits seit Anfang der Neunziger unterwegs und haben sich seitdem mit konstanter Live-Präsenz und diversen Releases einen korrekten Ruf in der Szene erarbeitet – und dass nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus. „Cultus Luciferi – the splendour of chaos“ ist der aktuellste Purgatory-Streich, der auf breiter Front positive Resonanzen abräumen konnte. Nur ein Grund von vielen, dem redseligen Axtschwinger Rene zwecks Fragestunde in die Mangel zu nehmen.

Aus aktuellem Anlass beginnen wir kurz mit der Vergangenheit: Was würdest Du jemandem im Schnelldurchlauf zu Purgatory im Speziellen und der Metal-Szene im allgemeinen erzählen, zum Thema Rückblick auf die letzten Jahre? (Man könnte auch sagen, zu einem, der in den letzten 7-8 Jahren nicht so aktiv am Geschehen teilgenommen hat….)
Was Purgatory betrifft, kann ich eigentlich nur sagen, dass wir 2004 das „Luciferianism“ Album veröffentlicht haben und mit „Cultus Luciferi – The Splendour Of Chaos“ eine aktuelle Scheibe am Start haben. Weiterhin haben wir eine Menge Gigs gespielt und diverse Clubs verwüstet. Was die Szene angeht, sind eine Menge neuer Bands hinzugekommen und speziell die deutsche Underground Szene hat sich sehr weiterentwickelt. Ich denke, jeder sollte sich selber mit der Szene beschäftigen und seine eigene Meinung bilden, da der Begriff Metal gerade sehr breit interpretiert wird.

Kommen wir zur Purgatory-Gegenwart: Die Reviews auf Euer aktuelles Album sind durchweg positiv. Kannst Du Dich eigentlich an den letzten richtigen Verriss erinnern? Wie wichtig sind Reviews für Euch, wenn sie – wie aktuell – „eh nur positiv sind“ (Stichwort: Gähn-Faktor)?
Die Reviews zum aktuellen Album sind in der Tat ziemlich positiv ausgefallen. Natürlich gab es auch immer wieder die ein oder andere negative Anmerkung, aber das ist doch auch normal, da der Musikgeschmack zum Glück sehr verschieden ist. Reviews im allgemeinen spiegeln am Ende die einzelne Meinung des jeweiligen Schreiberling wieder. In erster Linie machen wir die Musik für uns selber und wenn diese dann von den Leuten so gut aufgenommen wird, freut uns das natürlich. Ich denke, gerade heute sind konstruktive Kritiken wieder recht wichtig geworden, um einen kleinen Überblick über die Szene zu behalten, da der Markt doch sehr überschwemmt ist.

Überraschen die zahllosen positiven Reaktionen oder sehr ihr das als Ergebnis Eurer langjährigen, Arbeit?
Es hat uns schon überrascht, wie die Reaktionen so ausgefallen sind. Vielleicht ist dies auch mit das Ergebnis unserer konsequenten und ehrlichen Arbeit. Wir sind immer unseren Weg gegangen – ohne auf Trends etc. zu achten und haben versucht uns stetig weiter zu entwickeln. Wir sehen auch keinen Grund diese Einstellung zu ändern und werden auch in Zukunft diesen Weg weiter gehen…pure Death fuckin´Metal!

Machen sich die zahlreichen positiven Rückmeldungen auch in Punkto CD-Absatz bemerkbar (im Vergleich zu früheren Releases) oder greift auch hier das Stichwort „Wirtschaftskrise“?
Wir können uns über den CD-Absatz nicht beschweren, da die Nachfrage recht groß ist. Jedoch hast Du Recht, dass es im Zeitalter von MP3 bzw. Downloads im Internet immer schwieriger wird ein Album in hoher Stückzahl abzusetzen. Aber dies ist ein allgemeines Problem und wer weiß, was da in Zukunft noch alles kommt.

Gerade bei Reviews zu „Cultus luciferi…“ habe ich Vader häufig als Vergleich gelesen. Nervt das irgendwann? Andere Frage: Ihr räumt jede Menge positiver Resonanzen ab & macht Euren Stiefel, Vader sind frisch bei Nuclear Blast untergekommen? Neid?
Jede Band wird doch irgendwie mit anderen Bands verglichen. Der Vergleich zu Vader, der bei uns oft zu hören ist, wird von den Leuten halt so gesehen und nervt uns nicht. Schließlich waren die Jungs nun mal ein großer Einfluss in der Arbeitsweise von Purgatory. Außerdem haben wir immer unsere eigene Auffassung von Death Metal in unseren Songs umgesetzt und haben immer versucht keine Kopie einer anderen Band zu sein. Wir hatten auch noch nie den Anspruch das Rad neu zu erfinden, sondern wollten grundsoliden und ehrlich Death Metal zelebrieren. Warum sollten wir in Hinsicht auf Vader auch nur im Ansatz Neid aufkommen lassen? Die Jungs haben sich Ihren Namen durch jahrelange, konstante Arbeit verdient. Welcher Weg der beste ist, sollte jede Band für sich entscheiden und dann auch konsequent beschreiten.

Viele Interviews und Reviews gibt es heutzutage nur noch in Webzines – wie seht ihr das? Fehlen Euch die vielen Zines von früher, z.B. bei der Sitzung auf’m Klo?
Irgendwie fehlen die kleineren Printausgaben schon. Leider haben da sehr viele gute wie z.B. das Unholy Terror die Segel gestrichen oder sind als Webzine aktiv. Ich denke, dies ist einfach eine Kostenfrage und die Nachfrage im allgemein wird auch nicht mehr so stark sein wie vor ein paar Jahren. Ich hätte nichts dagegen, wieder mehr gute Printgeschichten in die Finger zu bekommen. Für den Underground wäre es nur von Vorteil…

Der Sommer steht vor der Tür und damit diverse Festivals. Bei einigen seit ihr auftrittstechnisch am Start, bei anderen sicher auch „nur“ als Fans. Auf welche freut ihr euch am meisten?
Ja, wir hatten und haben einige Festivals auf dem Plan. Zu erwähnen wären hier das DeathFeast Open Air in Hünxe und das Protzen Open Air, welche ein sehr geniales Feeling hatten. Des weiteren sind wir auch sehr gespannt auf das Thunder Over Miriquidi bei Annaberg-Buchholz, welches im August stattfindet und mit Bands wie Death SS, Kat, Törr, Interment, Excruciate, Tormented etc. ein sehr interessantes Billing zu bieten hat. Natürlich werden wir noch das ein oder andere Festival besuchen, wenn es unsere Zeit zulässt.

Bisher steht neben Festivals Einzelgigs auf Eurem Plan. Die letzte richtige Tour liegt mittlerweile 3 Jahre zurück. Gibt’s in dieser Richtung etwas Positives zu vermelden? Was sind die Hauptgründe, warum ihr nicht zusammenhängend durchs Land zieht?
Wir versuchen gerade einige Sachen unter einen Hut zu bekommen, was eine Tour betrifft. Jedoch ist da derzeitig noch nichts Spruchreif um damit schon zu werben. Mal schauen, was sich da noch ergibt. Unsere letzte Tour ist wahrlich eine Weile her. Was die Hauptgründe dafür sind, kann ich Dir gar nicht genau sagen. Es ist halt nicht einfach Band und Job in Einklang zu bekommen. Außerdem sind wir nicht gerade eine Band, die das gerade „angesagte“ „Pay To Play“ willkommen heißen. Wir haben unsere bisherigen Touren zum Großteil selbst organisiert und dies kostet natürlich eine Menge Arbeit. Aber ich bin mir sicher, dass sich da auch auf diesem Sektor wieder etwas tun wird.

Lass uns mal über Euer Label – Animate Records – sprechen: War der Grund für Signing die persönliche Bindung zu Eurem Ex-Basser? Gab es eventuell andere Angebote zur Zusammenarbeit, die Ihr aber auf Grund der persönlichen Historie zu Andy ausgeschlagen habt?
Das Andy von Animate Records zum Zeitpunkt des Wechsels von Pertverted Taste bei uns Bass spielte, war sicherlich auch ein Punkt, der uns bewogen hat bei seinem Label zu unterschreiben. Jedoch lagen die Hauptgründe in der damaligen Umstrukturierung im Hause Perverted Taste. Nebenbei kannten wir die Jungs von Animate schon recht lange und logistisch gesehen hatten sie Ihr Hauptquartier genau vor unserer Haustür, was die Zusammenarbeit auf einigen Gebieten extrem vereinfacht. Andere Angebote waren für uns nicht wirklich relevant, da Animate auch mit unseren Grundvorstellungen mitgingen. So konnten wir auf einer Basis arbeiten, die beiden Seiten weiter half.

Wie ist der aktuelle Status der Zusammenarbeit Purgatory/Animate? Was läuft gut? Was könnte aus Band-Sicht noch besser sein?
Wenn man in Betracht zieht, dass Animate Records ein recht kleines Label sind, machen sie doch eine gute und solide Arbeit. Natürlich kann man immer etwas anders machen bzw. verbessern, egal in welchem Bereich gerade die Säge klemmt. Jedoch muss ich auch sagen, dass PURGATORY noch nie eine Band waren, die sich ausschließlich auf die Arbeit eines Labels verlassen hat.

Ihr seid eine der wenigen Bands auf Animate, die reguläre CDs herausbringen. Ansonsten dominieren LP-Lizenzen den Animate-Release-Katalog: Gerät das manchmal zum Nachteil?
Eine limitierte LP-Lizenz zu promoten ist sicher etwas einfacher, da bei dieser Geschichte eine gewisse Vorarbeit in Sachen Werbung etc. von den diversen anderen Labels schon verrichtet wurde. Die Veröffentlichung einer regulären CD bedarf da einer weitaus umfangreicheren Arbeit. Wir haben einen Großteil der Promo vom aktuellen Album selber gefahren, was dann als Nachteil des von Dir angesprochenen Problems angesehen werden kann.

Die Vinyl-Edition Eures aktuellen Albums ist dann allerdings nicht bei Animate sondern War Anthem herausgekommen. Wieso das denn?
War Anthem hatten uns ebenfalls ein Angebot zur Veröffentlichung der „Cultus Luciferi – The Splendour Of Chaos“ CD unterbreitet. Jedoch waren wir uns zu diesem Zeitpunkt schon relativ einig mit Animate Records. Darauf hin haben wir uns zusammen geeinigt das Vinyl bei War Anthem zu veröffentlichen. Mit dem Ergebnis sind wir am Ende auch mehr als zufrieden.

Neben CD und LP gibt’s auch aktuell ein neues Shirt von Euch „Gott ist heute nicht hier“ erhältlich. Message verstanden – woher die Idee/Ziel?
Der Slogan bzw. die Idee geistert schon ziemlich lange in unseren Köpfen herum, da Dreier den Spruch passend bei einigen Shows gebracht hat. Animate Records haben dann dieses Shirt herstellen lassen und die Message passt zum blasphemischen Konzept der Band. Was gilt denn heute noch als provokant?

Kannst Du mir etwas zu Eurem Beitrag bei „The spiritual significance of music“ erzählen? Ist das nur die eine verlinkte Seite oder steckt tatsächlich mehr dahinter?
„The Spiritual Significance Of Music“ soll auch als Buch erscheinen. Vincent St. hat da Beiträge von sehr vielen Bands aus verschiedenen Musikrichtungen zu diesem Thema eingeholt und wird dies dann in verschiedenen Editionen veröffentlichen. Derzeitig sind die Beiträge der Metal Edition jedoch nur auf www.xtrememusic.org zu sehen.

Lass uns noch einen Blick in die Zukunft werfen: Werden wieder 4 Jahre bis zum nächsten Album ins Land gehen oder wie sehen Eure Planungen aus?
Im Moment bereiten wir gerade die geplante Split EP mit Darkened Nocturn Slaughtercult vor und dann werden wir uns wieder auf das Songwriting für das nächste Album konzentrieren. Wir werden uns keinem Druck aussetzen, aber auch keine 4 Jahre verstreichen lassen. Gerade läuft es recht gut und wir werden sehen, wann die Arbeiten an den Songs abgeschlossen sind.

Was kann aus Deiner Sicht der nächste Schritt für Purgatory sein?
Der nächste Schritt für Purgatory kann nur der sein, ein möglichst brutales, intensives und blasphemisches Album zu veröffentlichen, welche „Cultus Luciferi – The Splendour Of Chaos“ in nichts nachsteht. Daran werden wir sehr hart arbeiten und all unsere Energie aufwenden.

Ketzerische Frage: Wann wäre für Euch der Punkt gekommen aufzuhören? Oder haltet Ihr es mit „Wir rocken bis zur Rocker(Death Metaller)-Rente“?
Wir verschwenden derzeitig nicht einen Gedanken ans Aufhören. Ob es bis zur Rente (welche auch immer) anhält, dass wird die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass wir noch eine Menge vorhaben und die Instrumente in naher Zukunft nicht an den berühmten Nagel hängen wollen.

Was sind Deine 3 Empfehlungen aus dem Death Metal-Sektor zur Zeit? (Ich lass mich an der Stelle auch nicht lumpen und werfe Evocation „Dead calm chaos“, Torture Killer „Sewers“ und Defloration „Necrotic nightmares“ in den Ring.)
Die von Dir genannten Scheiben sind wirklich gute Scheiben. Jedoch sind meine 3 derzeitigen Empfehlungen Azarath „Praise The Beast“, Impiety „Terroreign – Apocalyptic Armageddon Command“ und Tormented „Rotten Death“. Wer diese Scheiben noch nicht gehört hat, sollte ruhig mal ein Ohr riskieren!

Kommt hin und wieder neben Todesblei auch noch anderer Kram in deinen Player & wie sieht das bei den anderen aus?
Hauptsächlich höre ich natürlich Death Metal. Neben diversen anderen Sparten des Metal, landen da unter anderem auch The Devil´s Blood und Diamanda Galas im Player. Der Rest der Herde hat da ähnliche Hörgewohnheiten.

Ist Musikkonsum für Dich/Euch einfach nur Unterhaltung oder schon auch häufig Inspiration für eigene Sachen?
Musik nimmt im allgemein einen großen und wichtigen Platz in unserem Leben ein und ist zum einen Unterhaltung, kann aber auch sehr inspirierend sein.

Gehst Du eigentlich noch zu den Eislöwen (Dresden) oder fehlt da die Zeit?
Sobald es meine Zeit hergibt, versuche ich mir schon hin und wieder ein Eishockey-Spiel anzuschauen.

Bleibt bei Euch generell noch Zeit neben Purgatory anderen Aktivitäten nachzugehen, sich mit anderen Themen zu beschäftigen?
Wir haben unser Leben schon sehr nach Purgatory ausgerichtet. Somit bleibt nicht viel Spielraum für diverse andere Aktivitäten.

Bleibt noch etwas offen, worüber wir reden müssten?
Keine Ahnung, über was wir noch reden müssten. Wenn es da noch etwas gibt, lass uns dies bei dem ein oder anderen Bier tun. Ansonsten bedanke ich mich bei Dir für das Interview und sage einfach mal „welcome back…Kai“!

www.purgatory666.de
www.animaterecords.de