Party San 2015

Party SanIm August 2015 öffnete der Flugplatz Obermehler / Schlotheim erneut seine Tore für eine Schar von tausenden Befürwortern musikalischer Auswüchse der metallischen Art. Es sollte ein Festival der Extreme werden: extrem heiß, extrem laut und in den Worten von Kataklysm „Extreme Metal!“. Bereits am Mittwoch bildete sich rasend schnell eine Zeltstadt sondergleichen, deren kurzzeitige Bewohner sich des Abends ausgiebig in der zur Einstimmung geöffneten Metaldisco einfanden. Auch auf dem Zeltplatz wurde in das Festival hineingefeiert und voller Vorfreude die Bands mit einer Spezialisierung in Knochenbrecherriffs aus aller Herren Länder erwartet.

Donnerstag, 06.08.2015

Da die erste Band des Festivals erst am späten Nachmittag die noch oder schon wieder angeheiterten Gehirnwindungen freizupusten versprach, begann für viele Festivalbesucher der Tag gemütlich. Bereits am frühen Morgen war die zu erwartende Rekordtemperatur spürbar und die Mittagshitze schien auch ohne Bands unter dem schattigen Pavillon unerträglich. Ab 15 Uhr öffnete das Gelände und wer sich aus dem Campingstuhl in die sengende Hitze traute, konnte die Merchstände abklappern und sich am (ebenfalls extrem!) vielfältigen kulinarischen Angebot laben.

Ab 16:30 Uhr hieß es dann Bühne frei für DEGIAL! Die Band beginnt pünktlich und lockt bereits viele Besucher aus ihren schattigen Plätzen. Das vereinzelte und zögerliche Headbangen mancher Zuschauer wirkt noch etwas lethargisch, aber als Opener können Degial durchaus überzeugen.

MORBUS CHRON werden durch ein erstes tragisches Hitzeopfer an einem pünktlichen Start gehindert. Das Mischpult hat den Geist aufgegeben und ein neues muss herangeschafft werden, was überragend schnell erledigt werden kann. An dieser Stelle ein respektvolles Lob an die Festivalmitarbeiter, welche in weniger als zwanzig Minuten dieses unangenehme Problem zu lösen wussten. Dementsprechend gut gelaunt sind die Rufe nach „Nicht heilbar!“ noch aus dem Publikum zu vernehmen, bis die Band endlich die Bühne stürmt. Die progressiven Death Metaller geben alles, um ihre Fans den Zwischenfall vergessen zu lassen und begeistern mit gelungenen Rhythmusvariationen, unter anderem vom neuen Album „Sweven“. Umso überraschender war wohl die kürzlich veröffentlichte Nachricht zur Auflösung der Band. Der gefeierte Auftritt auf dem Party San 2015 dürfte also vorerst einer letzten Gigs der Schweden gewesen sein.

Nicht um Mitternacht, sondern in einer nur sehr langsam abklingenden Abendhitze spielen sich MIDNIGHT die Finger wund. Vor der Bühne füllt es sich zusehends und die mit schwarzen Tüchern maskierten Rampensäue genießen sichtlich den Auftritt. Nach klassischer Rockermanier werden Plektren in die Menge geworfen, es wird sich in Posen geworfen und mit ihrem furiosem Auftreten und genial gespielten Songs wie „Satanic Royalty“ können die Musiker auch kleinere Soundprobleme einfach ins Vergessen spielen. Ein wohlwollendes Schmunzeln ruft der (zumindest kurz) in Flammen gesetzte Bass hervor, bevor dem Konzert abschließend mit dem gekonnten Zerschlagen eines Teils des Instrumentariums ein destruktives Ende gesetzt wird. Auch wem die Band nicht musikalisch zugesagt haben sollte, hat die ganze Palette Rockstarklischees zu sehen bekommen!

Weiter geht es mit NUCLEAR ASSAULT. Nach Midnight wirkt die Thrash Band nicht ganz passend, kann aber den geneigten bierseligen Metaller mit ihrer dreißigjährigen Bandgeschichte aber durchaus glücklich machen. Der Sänger der Band lässt sich auch von seiner Beinschiene nicht abhalten, gute Laune zu verbreiten.

Beim Auftritt von SECRETS OF THE MOON ist passenderweise die Sonne endlich am Horizont verschwunden, was eine gelungene Feuershow ermöglicht. Die deutschen Black-Metal-Urgesteine locken zahllose Zuschauer vor die Bühne. Weiterhin gibt es mit neuer Bassistin am Start ein Stück vom neuen Album auf die Ohren. Weiterhin wird ein maskierter Gastsänger, der verdächtig nach dem Sänger von Midnight aussah, mutmaßlich bei „Seven Bells“ auf die Bühne gebeten. Wer auch immer es genau war, insbesondere dieser Song war genial und auch im Allgemeinen legten Secrets Of The Moon einen fabelhaften Auftritt hin.

RUINS OF BEVERAST müssen leider mit einigen Soundproblemen kämpfen. Der Sound wird abwechselnd lauter und leiser und zerstört die ansonsten gelungene doomige Stimmung. Dennoch ist man von Ruins Of Beverast besseres gewöhnt, denn der Auftritt wirkt ein wenig nichtssagend. Vor der Bühne ist trotzdem einiges los.

Weiter geht es mit PRIMORDIAL, welche einen einwandfreien Auftritt hinlegen. Die Fans gröhlen begeistert mit und die Band dankt es ihnen mit einer Darbietung von beliebten Songs wie „As Rome Burns“ und „Empire Falls“ mit den stimmungsvollen einleitenden Worten des Sängers: „This world is going to hell and I will see you there“. Die Pyrotechnik läuft, vor und auf der Bühne ist die Hölle los und dieser Auftritt machte sicherlich alle zufrieden.

BEHEMOTH lassen sich als letzte Band des Abends übertrieben viel Zeit beim Soundcheck und sorgen hörbar für einigen Unmut. Sorgsam wird jede Saite und jedes Becken aufs Äußerste erprobt, was natürlich die Erwartungshaltung enorm steigen lässt. Wenn der Soundcheck so lange dauert, muss ja Großartiges kommen! Nergal beweist großartige Bühnenpräsenz und die Show, die den Fans geboten wird, kann sich sehen lassen. Absolute Klassiker wie „Conquer All“ und „Slaves Shall Serve“ dürfen nicht fehlen und daneben wird auch der Fokus auf das neuste Album „The Satanist“ gelegt. Dennoch wummert der Bass zum Teil enorm überdeutlich, was die positiven Stimmen zu dem Auftritt allerdings nicht zu mindern schien.
Freitag, 07.08.2015

CLITEATER fällt die undankbare Aufgabe zu, als Opener nach dem ersten Festivaltag aufzutreten. Da Grindbands allerdings nicht nur bei deren Fans für Vergnügen sorgen, können Cliteater den Platz schnell füllen. Ein buntes Sammelsurium an Zuschauern hat sichtlich Spaß am Circlepit und einige vor Kunstblut starrende Kostümierungen haben sicherlich mehr als fünf Minuten Kreativität erfordert! Die Bühne muss zwar gegen aufkommende Sturmböen gesichert werden, aber Konfetti, Seifenblasen und Luftschlangen fliegen trotzdem oder gerade deshalb umso besser mit Begeisterung. Bei so viel Zuspruch lässt sich auch der Sänger der Band zu einer Runde Stagediving hinreißen und läuft sogar einige Runden im Circlepit mit. Danke Cliteater, spätestens nach eurem Auftritt waren alle wach genug für einen weiteren Festivaltag!

Umso unspektakulärer sind folgend VANHELGD aus Schweden. Viel gibt es leider nicht zu sagen. Es wird zwar guter, tragbarer Old School Death Metal geboten, welcher aber nichtssagend bleibt. Vor der Bühne leert es sich und es bleibt fraglich, ob die Band selbst keine Lust hat, da der Auftritt fünf Minuten vor offiziellem Ende bereits endet.

Schwedisch geht es weiter. GEHENNAH (nicht zu verwechseln mit den norwegischen Black Metallern Gehenna) sind augenscheinlich in den Coolness-Topf gefallen und bringen die bei Vanhelgd vermisste gute Laune zurück. Mit „Hellstorm“ trifft die Blackened-Thrash-Metal-Band den Nerv in der unerträglicher werdenden Nachmittagshitze und vor der Bühne füllt es sich erneut.
Des weiteren gibt sogar ein GG Allin Cover von „Drink, Fight And Fuck“ auf die Ohren, was durch die Bank weg für Begeisterung sorgt.

AETERNUS, ebenfalls Skandinavier, treten als weitgehend in Vergessenheit geratene Urgesteine der Neunziger aus Bergen auf. Mit Einflüssen aus dem Death- und Doom-Bereich kann dem Festivaltag eine kühle Note Black Metal hinzugefügt werden. Selbst ein Wespenstich mitten auf der Bühne lässt den Sänger kalt, welcher schlicht mit „Not allergic. I liked it.“ reagiert.

SOULBURN aus Holland mischen Doom mit Death Metal und haben Songs aus ihren beiden Alben (eines von 1998 und eines nach siebzehn Jahren ganz frisch) im Gepäck. Die Band weist tragende, simple Riffs und scheinbar schlichte Kompositionen auf. Das war definitiv Geschmackssache.

DESERTED FEAR sorgen für einen gut gefüllten Bühnenvorplatz. Das beste Kompliment für eine Band ist doch ein trauriges Raunen, welches bei der Ansage des letzten Songs durch die Zuschauerreihen geht. Dennoch kann die Gruppe nicht ausnahmslos für Begeisterung sorgen und wirkt, sei es nun aufgrund des Mittagstiefs oder einer fast unmöglich erscheinenden Übersättigung mit Death Metal, leider etwas nichtssagend.

Weiter geht es mit den hochmotivierten ICHORID in der Zeltbühne, welche problemlos die Reihen vor der Hauptbühne gefüllt hätten. Der Sound sitzt auf Anhieb, obwohl die Band als erste das Zelt einweiht. Die Schwaben stellen ihr neues Album „Process Of A Rotting World“ vor und finden damit offensichtlich Anklang.

Vor POSTMORTEM wird wiederum ein Geburtstagsgruß von der Crew an einen Mitarbeiter rausgegeben, welcher gebeten wird, doch bitte seine Geburtstagssuppe löffeln zu kommen. Ein wenig irritierend, aber danach können die Berliner ihren knochenbrechenden Thrash Metal vor einem gut gefüllten Bühnenvorplatz darbieten. Die Gruppe gehört mit ihrer Gründung in den späten 80ern zu den alten Hasen des Festivals und natürlich dürfen dabei auch Songs wie „Deliverance“ nicht fehlen, während der Sänger der Band mit seinen weißen Kontaktlinsen den Preis für den durchdringendsten Blick des Festivals erhält.

SPEEDBREAKER hatten im Vorhinein angekündigt, dass der Auftritt auf dem Party.San ihr letzter sein werde. Danach löse die IMG_9832Band sich im Guten auf, was sicherlich erklärt, warum die Jungspunde mit spürbar viel Herzblut die Zeltbühne stürmten. Natürlich ist auch hier der Name Programm und die Zeltbühne geht bei so viel konzentriertem Heavy- und Thrash Metal fast unter. Hier ist es wirklich einmal schade, dass eine junge Band sich so früh wieder auflöst.

IMG_9861Zur Spielzeit von MELECHESH wird man als Festivalbesucher wieder daran erinnert, dass man sich auf einem Flugplatz befindet. Aber selbst tieffliegende Kleinflugzeuge können der in Jerusalem gegründeten Band nicht die Show stehlen. Obwohl zu Beginn kurzzeitig kein Gesang zu hören ist, kann der mit orientalischem Einschlag versehene Black Metal überzeugen. Anfangs treten Bassist und einer der Gitarristen noch vermummt auf, legen die schwarzen Tücher aber bald ab und neben den beliebtesten Songs dürfen auch Stücke wie „Triangular Tattvic Fire“ nicht fehlen.

NOCTURNAL WITCH verlieren mit einem überraschend langgezogenen Intro beim dritten Song eineIMG_9912 Menge Zuschauer, da diese in Scharen auf der Suche nach Abkühlung die Sauna vor der Zeltbühne verlassen. Trotzdem hat die Band eine gute Bandbreite an Black-Thrash-Klängen im Angebot und begeistert zumindest das verbliebene Publikum.

IMG_9989AGALLOCH haben wiederum mit etwas Soundschwierigkeiten zu kämpfen. Das Mikro von Sänger John Haughm bleibt fortweg leise und der Gesang des Bassisten übertönt die atmosphärische Vokalisation des Bandkopfs überwiegend. Auch sonst hat die Band einige Stimmungseinbußen zu verschmerzen, da die Musik nur wenig in einen überhitzten, wüstenartigen Abend passen will. Dennoch hat die Band eine überzeugende Setlist im Gepäck und die breit gestreute Auswahl an alten und neuen Songs aus der vielfältigen Diskographie der Gruppe findet augenscheinlich Gehör. Verabschiedet wird die Band mit lauten Rufen nach einer Zugabe, die leider nicht gegeben werden kann.

Bei dem Zeltauftritt von FÄULNIS sorgen auffallende Soundprobleme zu Beginn für ordentlich Aggression bei Sänger Seuche,IMG_0043 welcher hustend und prustend wie von der Tarantel gestochen über die Bühne fegt. Schnell kann das Problem gelöst werden und der furiose Auftritt beginnt. Mit „Weiße Wände“ trifft die Band den Nerv der Zuschauer und wird einheitlich gefeiert. Aber auch für Fans des aktuellen Albums ist mit „Weil wegen Verachtung“ oder „Distanzmensch, verdammter“ was dabei. Die Zeltbühne kocht vor der dargebotenen Raserei fast über und Fäulnis lässt seine Fans sichtlich erschöpft zurück.

Weiter geht es mit ASPHYX, welche vorsichtig „Könnt ihr noch?“ fragen und die ganze Palette des Kumpel-Death Metals bedienen. Trinksprüche wie „Auf euch! Auf Metal!“ sorgen für Beifallstürme und eingehend wird die ganze Crew gelobt. Allerdings können die Fans nicht nur mit publikumsnahen Ansagen begeistert werden, sondern auch mit Songs wie „Deathhammer“ oder „Into The Timewastes“.

HELLISH CROSSFIRE aus Nürnberg haben eine ausgefeilte Mischung aus Thrash- und Black Metal im Gepäck. Natürlich sind auch beliebte Stücke wie „Conquerors Of Black Souls“ dabei und die Menge dankt es ihnen mit Beifallsbekundungen, wie es nur angeheizte Metalheads drauf haben.
Der Bassist darf sich am Mikro des Sängers auch mal zu Wort melden und lässt einen markerschütternden Schrei los. Bei dieser Band steckt Energie und Power dahinter und auch wenn die Musik nicht jedermanns Geschmack ist, macht doch allein das Zusehen bei so viel Herzblut Spaß.

Beim Auftritt von BLOODBATH ist das Festivalgelände gerappelt voll und sogar im Fotograben treten die Fotografen sich gegenseitig auf die Füße. Nicht ohne Grund, denn die Schweden sind eine der am sehnsüchtigsten erwarteten Bands des Festivals.
Der Sound ist leider durchgehend unausgeglichen und manches mal ist die Gitarre sogar gänzlich nicht zu hören, dafür dröhnt der Bass aber überdeutlich. Schade, denn die Bühnenpräsenz der Band ist einwandfrei. Nichtsdestotrotz ist der Auftritt nicht negativ zu bewerten, da mit starken Songs wie „So You Die“ oder „Eaten“ (eigens für die schwedischen Freunde, laut Sänger Nick Holmes) Beifallsstürme ausgelöst werden können. Und das muss man als Band, trotz Soundproblemen, erst einmal schaffen.

„Wow, ENSIFERUM gibt es also auch noch“, lautet die verbreitete Aussage zum erneuten Auftritt der Finnen auf dem PSOA. Die Pagan-Metal-Band passt eher weniger ins sonstige Billing des Festivals, kann mit den allseits bekannten und überwiegend nostalgiebehafteten Standardsongs allerdings nicht viel falsch machen. Natürlich darf „Token Of Time“ nicht fehlen und auch „Guardians Of Fate“ hat großen Wiedererkennungswert. Der Auftritt scheint routiniert, denn selbstverständlich sind die Finnen schon alte Festivalhasen. Viel zu sagen gibt es nicht – wer Ensiferum zu früheren Zeiten schon gesehen hat, wird sich auch diesen Auftritt bildlich vorstellen können. Trotzdem scheint die Ära der Band so langsam einem anderen Zeitalter anzugehören.

CANNIBAL CORPSE gönnen sich als letzte Band des Abends wiederum in aller Ruhe einen ausgedehnten Soundcheck. Hier scheint die Zeitspanne nun gerechtfertigt, da sogar zusätzliche Boxen aufgebaut zu werden scheinen. Kaum auf der Bühne gleichen die Amerikaner einer Druckwelle, die über das ganze Gelände hinwegfegt. Auch wer sich den Auftritt mit Klassikern wie „Make Them Suffer“ nicht komplett angeschaut hat, wird bemerkt haben, dass auch am anderen Ende des Zeltplatzes die furiosen Tempo- und Taktwechsel in kaum geminderter Qualität zu vernehmen waren.
Samstag, 08.08.2015

HOLOCAUSTO CANNIBAL spielen als erste Band aus Portugal auf dem Party San und geben sich alle Mühe, im Gedächtnis zu bleiben. Wieder erweist sich die Tradition, Grindbands als Opener spielen zu lassen, als gute Idee. Die Portugiesen, in blutiger Schlachterkluft, initiieren zur frühen Mittagsstunde einen Circleplit mit den Worten „we invite you to dance“. Der Einladung wird selbstverständlich Folge geleistet und die Musiker überwiegend gefeiert. Auch mit Ansagen wie „Gore and chicks – dedicated to all the girls in the world“ macht die Band sich beliebt und kann bei den mit Konfetti wirbelnden und sich in ihren kreativen Verkleidungen sichtlich wohlfühlenden Gorefans ordentlich für Stimmung sorgen.

HEMDALE lassen so manchen Zuschauer mit einem fragenden Gesichtsausdruck zurück. Die Amerikaner haben enorm Spaß auf der Bühne, können sonst aber nicht überzeugen. Der geneigte Zuschauer fragt sich eher, wie die Band aus Ohio es schafft, bei derartiger motorischer Unruhe auf der Bühne auch nur einen Riff ordentlich rüberzubringen. Sicherlich nur sehr sporadisch wird das Publikum sich dahingehend gefragt haben, wo nochmal der Merchstand war, damit man möglichst schnell des Album erwerben kann. Vielleicht war das Party.San auch einfach noch nicht bereit für die geballte Ladung an Grind-Death Metal mit „ADHS-Touch“ aus Übersee.

Weiter geht es mit den Belgiern von EVIL INVADERS, welche mit ihrem Speed/Thrash-Gemisch die Münder ebenso weit offen stehen lassen wie zuvor Hemdale. Diesmal kann das, was zwischen furiosem Hin- und Hergespringe den Saiten entlockt wird, allerdings enorm begeistern. Selten hat ein Bandname so sehr wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge gepasst, denn die Thrasher starten wahrlich eine Invasion auf der Bühne. Ebenso passend sind Songtitel wie „Stairway To Insanity“, welche in ihrer Livedarbietung ganz im Stil der 80er den Kopf unwillkürlich rhythmisch nicken lassen. Einfach geil!

So ein Niveau kann selbstverständlich nicht durchgehend aufrecht erhalten werden, weswegen ZEMIAL aus Griechenland getrost als Verschnaufpause genutzt werden können. Obwohl die Band seit über 25 Jahren aktiv ist, hat sie mit ihrem Hellenic-Black-Metal bisher nur wenig Wellen schlagen können und ebenso sah es leider auch mit ihrem Auftritt auf dem Party.San aus.

Weiter geht es mit den Black Metallern von WINTERFYLLETH. Im wahrsten Sinne des Wortes „stimmungsvoll“ (da die Band unter anderem dreistimmig auftritt) haben die Briten atmosphärischen Black Metal anzubieten, welcher auf viel Gehör trifft und in gelungener Art und Weise Englands Geschichte und Kultur ehrt. Fragt man nach dem Festival, welche Band die größte Überraschung der Veranstaltung war, wird überwiegend Winterfylleth genannt. Das Mikro des Leadsängers macht zwar manches mal Probleme, durch die Mehrstimmigkeit kann dies aber aufgefangen werden.

Bei KRISIUN ist wiederum der Bass so laut, dass die Bühnenwände sowie die Trommelfelle wackeln. Die brasilianischen Death Metaller machen ihrem Genre alle Ehre, können wohl aber nur eingefleischte Fans überzeugen. Geschlossen wird mit „Kings Of Killing“ und wer vor diesem Bass-Gewumme nicht geflüchtet ist, bekam technisch versierten Death Metal auf die Ohren.

PRIPJAT starten mit einem „Für die nächste halbe Stunde gehören eure Ärsche in die 80er!“ und halten ihr Wort. Obwohl es in der Zeltbühne nur mäßig gefüllt zugeht, ist genug Begeisterung für Mosh- und Circlepits vorhanden. Beim vorletzten Song „Songs Of Tschernobyl“ können die Kölner Jungs sogar zu lauten Hey-Rufen verleiten.

Auch TOXIC HOLOCAUST machen ihre Sache gut. Die Thrasher aus Maryland schaffen sich mit Songs wie „Nuke The Cross“ oder „Wild Dogs“ Gehör und dass die Band seit 1999 ihr Unwesen treibt, sieht man nicht zuletzt am einwandfreien Ablauf.

LIFELESS gehören wiederum zu den Bands des Party.Sans, die mit Soundproblemen zu kämpfen haben und spielen zum Teil ohne zweite Gitarre. Dies wird von der Band noch mit Ansagen wie „Damit es nicht langweilig wird“ versucht aufzufangen und damit sammeln sie immerhin Sympathiepunkte. Mit „Under The Sign Of The Iron Cross“ in Old-School-Manier kann die Death-Metal-Band aus dem Ruhrpott dann aber doch noch auch musikalisch punkten.

Weiter geht es mit ROTTING CHRIST und diese zeichnen sich zur Abwechslung durch einen hervorragenden Sound aus und sorgen für eine geniale Stimmung im Publikum. Ihrer Bitte nach einem Beweis für die Liebe des Publikums zum Death Metal wird selbstverständlich Folge geleistet und mit einer großartigen Stimmung quittiert. Neben Titeln wie „The Sign Of Evil Existence“ kann Rotting Christ auch mit einem Song vom neuen Album aufwarten.

Die Jungs von DEATHRITE spielen drei neue Songs exklusiv für das PSOA und fackeln nicht lange. Mit einem „Jo, nicht so viel Zeit“ legt die Band sofort los und haut gut rein. Die Sachsen können mit einer ordentlichen Portion Death’n’Roll aufwarten und die neuen Songs können, gemessen an der hohen Rate an Fäusten in der Luft, durchaus überzeugen.

GHOST BRIGADE sind im Folgenden leider recht eintönig und scheinen nicht ganz ins Konzept zu passen. In der abendlichen Hitze, welche durch leichte Windböen auch noch mit herumwirbelndem Staub gewürzt wird, können die atmosphärischen Klänge der Finnen schlichtweg nicht richtig zünden. Dennoch kommen Titel wie „Into The Black Light“ bei eingefleischten Fans gut an und es wird ein tadelloser Auftritt hingelegt.

Die Hamburger von OPHIS versuchen sich in den frühen Abendstunden daran, Stimmung für Doom zu machen. Obwohl die Zeltbühne nur mäßig gefüllt bleibt, gibt die Band sich Mühe, die volle Dröhnung ihres Funeral Dooms rüberzubringen und können neue musikalische Aspekte liefern, welche weitestgehend wohlwollend empfangen werden. Mit der Spannung auf den nächsten Headliner können sie allerdings leider nicht mithalten.

Bei KATAKLYSM merkt man das Herzblut ab der ersten Sekunde deutlich. Sänger Mauricio Iacono leitet beispielsweise ein mit „You gonna live for something or you die for nothing“ und sorgt so für Begeisterungsstürme.
Nicht gerade beliebt im Fotograben macht die Band sich allerdings mit einem Aufruf zum „Security Stresstest“, dem die Fans mit einer Welle an Stagediving mit Freude nachkommen. Doch wenn es eine Zeit gibt, seine Affinität zu „Extreme Metal“ Ausdruck zu verleihen, dann bei Kataklysm und ihren Meilensteinen wie „As I Slither“! Wie stark die Kanadier auch textlich sind, beweisen sie unter anderem mit „The Black Sheep“. Ein durch und durch gelungener Auftritt!

MANTAR zeichnen sich unter anderem durch eine ungewöhnliche Bühnenpräsenz aus. Die beiden Musiker bilden eine Einheit, welche sich auch in der Ausrichtung des Equipments ausdrückt. Sie stehen sich gegenüber und nicht zum Publikum gerichtet und man kann sicherlich nur selten einem Schlagzeuger so hervorragend aufs Drumset schauen. Hervorzuheben ist, dass es Mantar gelingt, das Zelt fast zum bersten voll mit Zuschauern zu bekommen und dem Auftritt beizuwohnen lohnte sich definitiv. Selbst genreferne Zuhörer konnten dem neuen Stern am Sludge-Metal-Himmel durchaus etwas abgewinnen und die düstere, vernebelte Stimmung im Zelt tat ihr übriges.

Mayhem21Wer MAYHEM sagt, muss natürlich auch Deathcrush sagen. Trotzdem haben die Norweger, welche seit den frühen 80ern hartnäckig in den Köpfen der Metalfans herumgeistern, eine Mischung aus alten und neuen Werken im Gepäck. Bei der gelungenen Bühnenshow mit Knochenaltar, Feuerwalzen und eingenebelten ersten Reihen macht der Band so schnell niemand was vor. Dennoch ist es schlichtweg eine Show und für manch einen eindeutig zu viel davon und zu wenig Augenmerk auf die Musik. Natürlich darf man sich diesen Meilenstein des Black Metals nicht entgehen lassen. Fragt man nach dem Konzert einige Zuschauer, wird trotzdem eine leichte Enttäuschung deutlich spürbar. Womöglich gehören Mayhem zu jenen Bands, welche ihrem Ruf kaum hinterherkommen.

MY DYING BRIDE wirken nach dem Geballer von Mayhem wie weichgespült und der stilistische Umbruch ist fast schon zu brutal. Dennoch gehören die Briten zu den Größen des Festivals, welche sehnsüchtig erwartet wurden. Mit „Turn Loose The Swans“ und wunderbaren Einsätzen der Violine gelingt es der Band aber schnell, das Publikum für sich zu gewinnen. Abschließend verabschiedet My Dying Bride sich mit einem „Good Night“ und überlassen Samael die Bühne.

Bevor SAMAEL als letzte Band des Festivals auftreten, richtet der Veranstalter eine kurze Abschiedsrede an die Zuschauer. Die Frage „Kommt ihr wieder?“ wird mit eindeutigen Beifallsrufen quittiert. Samael treten wie gewohnt mit Drumcomputer auf. Eine Besonderheit der Show ist das Set, welches das komplette Album „Ceremony Of Opposites“ zum Thema hat. Trotz leichter Soundprobleme bilden Samael einen würdigen Abschluss und begeistern nicht zuletzt mit einer sehr stimmungsvollen, ganz von schwarz-weiß Kontrasten inspirierten Bühnenshow die Zuschauer. Der Drumcomputer ist durchaus gewöhnungsbedürftig und es darf angenommen werden, dass der Auftritt mit echtem Drumset authentischer gewesen wäre. Trotzdem ist der Auftritt, auch nach drei Tagen Festival in den Knochen, nochmals unheimlich aufsehenerregend, was einen nach den letzten Saitenklängen schon sehnsüchtig an das nächste Festival denken lässt.

Zusammenfassend hatte das Party San 2015 mit einigen Erschwernissen zu kämpfen. Einen Großteil davon wird sicherlich die unglaubliche Hitze an diesem Wochenende ausgemacht haben, welche nicht nur das Mischpult kollabieren ließ, sondern auch eine Vielzahl von Festivalbesuchern.
Auch einige Soundprobleme vergällten so manchen Auftritt, welche sicherlich nicht nur durch die Rekordtemperaturen entstanden. Natürlich wäre es ratsam gewesen, bei einem Festival dieser Größenordnung für schattige Plätze auf dem Gelände zu sorgen, welche sich nicht in der Sauna (oder auch „Zeltbühne“ genannt) befanden.
Abgesehen davon war das Festival aber schlichtweg gelungen. Die Mitarbeiter waren weitestgehend freundlich und auch in der größten Hitze hilfsbereit, wenn man mal von den leicht gestressten Platzanweisern zu Beginn der Veranstaltung absieht. Die Wartezeit vor den Sanitäranlagen waren durchgehend absolut im Rahmen und die Sauberkeit wurde stets gewahrt. Auch die Preise für Kulinarisches waren human und weitestgehend vertretbar. Nicht zuletzt war der Ablauf der Running Order tadellos und bis auf die jeweils letzten Headliner des Abends keine nennenswerten Verspätungen zu verzeichnen. Die gebotene Bandmischung war ebenfalls nicht von schlechten Eltern, auch wenn manche Entscheidung für den Ablauf nicht ganz ersichtlich scheinen (siehe My Dying Bride nach dem Genickbruch von Mayhem). Es gibt schlichtweg wenig zu meckern und die steigende Beliebtheit des Festivals ist durchaus gerechtfertigt. An dieser Stelle bleibt zu hoffen, dass die Veranstaltung zwar wächst und gedeiht, sich selbst in ihrem Wachstum aber nicht vergisst und das familiäre Feeling aufrecht erhalten kann.

Im Vorbericht zu diesem Festival habe ich persönlich noch gerätselt, ob mich das Party San für sich oder für größere Festivals begeistern kann. Nun, überfüllte Festivals mit zu großer Partykultur sind nichts für mich, wie ich feststellen durfte. Im Hinblick auf die vorangegangenen Ausführungen konnte das Party.San mich allerdings mit seiner ausnahmslos guten Organisation und der dennoch familiären Stimmung so sehr überzeugen, dass ich zumindest das PSOA 2016 fest im Auge behalte! Bis nächstes Jahr!

http://www.party-san.com/news/

Bilder (Wird noch aktualisiert): https://www.facebook.com/media/set/?set=a.940867545951833.1073741830.126585394046723&type=3