Fortid– 9 4/6

fortid 9Schwarzdorn Production

Bewertung: 4/6 -> Find‘ ich gut!

Songs: 9

Spieldauer: 57:39

Mit „9“ präsentieren Fortid aus Island bereits ihr fünftes Studioalbum. Der wenig kreativ anheimelnde Albumname scheint auf den ersten Blick nur mit der Anzahl der Songs zusammenzuhängen. Wer allerdings ein bisschen forscht, erfährt, dass es sich bei diesem Titel um die Zahl Odins handelt, zurückzuführen auf die 9 Tage und Nächte, die er zur Erlangung von Weisheit und Erkenntnis an der Weltenesche Yggdrasil hängend verbracht hat. Dem Göttervater ist also das ganze Album in seiner thematischen Konzeption gewidmet.

Die musikalische Spielart „Extreme Pagan Metal“ , welche sich die Band in ihrem Facebook-Account selbst auf die Fahnen schreibt, ist von der Lesart schwer zu erfassen, aber schnell wird schon beim Anspielen des Openers „Hrafnar“ (zu deutsch: Raben; unschwer zu erraten, dass es sich hierbei um Hugin und Munin handelt) deutlich, was zumindest im Falle Fortid dazu gehört beziehungsweise in diesem Subgenre abgeht: nämlich die Verwendung pagan-typischer Instrumente und Soundeffekte. Keine Flöten, Geigen, Dudelsäcke oder Ähnliches sind zu hören. Immerhin begegnen uns einige Keyboard-Parts im Verlauf des Albums. Auch auf ein reißerisches Intro wurde verzichtet. Doch besonders „extrem“ wirkt die Musik nicht: Die Riffs und Basslines sind ziemlich stringent, der Gesang ist abwechselnd black-lastig und in Solstafír-Manier clean vorgetragen, was wohl an der isländischen Herkunft liegen muss. Im zweiten Stück „Hugur“ („Geist“) geht es schon schneller und mit mehr Knüppel zur Sache. Aber auch hier sorgen die klaren Gesangparts für Beruhigung.

Um das zentrale Element der beschwörerischen Clean Vocals, gepaart mit der thematischen Ausrichtung, speist sich der paganistische Anspruch, den Fortid haben. Diese passen meistens zwar gut ins Gesamtbild, evozieren aber hie und da dank zu hoch aufgedrehtem Hall und leicht überzogener Theatralik den Eindruck, dass die Band sich vorübergehend in gotischen Gefilden verlaufen hat. Abgesehen davon liegt mit diesem Album durchaus ein Werk vor, an dem auch und vor allem Freunde des Black Metals Spaß haben werden. Diese sollten jedoch nicht davor zurückschrecken, frickeligen Melodiebögen eine gewisse Daseinsberechtigung einzuräumen. Manch ein Song platzt unvermittelt los und wird durch den herrischen Beat von Daniel Theobald unbarmherzig vorangetrieben.

Der für mich stärkste Song des Albums und somit auch der Anspieltipp befindet sich im hinteren Drittel der Scheibe: „Galdur“ („Magie“) vereint die einzelnen Stärken der vierköpfigen Kombo und ihrer Musik auf eine Weise, wie ich sie mir, das muss dazu gesagt werden, schon früher im Album gewünscht hätte. OK, das Gekötzel in der Songmitte hätte nicht sein müssen. Ansonsten absolut hörenswert!
Was „9“ an Stringenz fehlt, wird durch Vielfältigkeit und Virtuosität ausgeglichen. Für mich ist dies ein Album, das zum Genießen eine gewisse Grundstimmung und Hörbereitschaft voraussetzt. Dann funktioniert es aber auch!

https://soundcloud.com/schwarzdorn/7-galdur

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