Emerald Edge “The Mirror Speaks” 6/6

Eigenproduktion
Bewertung: 6/6
Spielzeit: 51:38
Songs: 6

Warum auch immer mir hier kein Info-Zettel beilag – jedenfalls war ich gezwungen, mir Infos über die Erkrather Band aus’m Netz zu ziehen, was zum einen bedeutet, dass ich die Platte so beim ersten Hören ahnungslos genießen konnte, und zum anderen konnte ich mich darob umso besser über einige vorliegende Infos amüsieren. So behauptet die Band selbst zum Beispiel, progressiven Gothic Metal zu fabrizieren. Nun bin ich zwar nicht der große Gothic Kenner, denke aber, dass die Adjektive düster , melancholisch, aber nicht kalt nicht ausreichen, um sich gleich irgendwelchen Düsterberts zuzuordnen (sofern für Gothic nicht mehr die Kleidung als die Musik konstituierend sein sollte). Hej, selbst Pink Floyd haben Songs in Moll geschrieben. Klingt Euch progressiv zu retro oder warum wollt ihr nicht zugeben, nix als eine progressive Metal-Band zu sein, deren Musik allerdings weniger in die Kerbe der altbekannten Prog-Granden schlägt, sondern vielmehr im Stile englischen Progressiv-Rocks daherkommt, wobei es bei Emerald Edge aber bedeutend flotter zugeht (und eine deutliche Verbindung von z.T. rauer Härte und süßer Melodie bewirkt irgendwie, dass die Scheibe verdammt modern klingt). Vergleiche mit Nightwish oder Within Temptation sind für mich allerdings nicht nachzuvollziehen, besteht die einzige Gemeinsamkeit Emerald Edge’s mit genannten Truppen doch im Frauengesang. Dieser wird von dem zarten hohen Stimmchen von Tanja Maul, die sich damit deutlich von den meist ein wenig tiefer singenden Kolleginnen unterscheidet, sehr schön umgesetzt. Nun aber zur Musik: Aus der Feder von Volker Maas, der zudem mit Gitarre und Keyboard maßgeblich an der musikalischen Ausgestaltung dieses Werkes, das im übrigen bereits vor gut einem Jahr veröffentlicht wurde, beteiligt ist, stammen sechs Lieder, die ich nicht hoch genug zu loben vermag. Elegant verschachtelte Strukturen bilden die Grundlage eines äußerst melodischen Klangteppichs, alles wirkt in sich geschlossen, die spartanische Produktion führt im Verein mit Tanjas zerbrechlicher Stimme zu einer aufregend spannungsreichen, insgesamt äußerst tragisch gehaltenen Stimmung, in der man sich wunderbar verlieren kann – genauso wunderbar wie in einem tiefen Gefühl. Das Album handelt ja vom Thema Suchtgefahr, und die traurig anmutenden Lyrics untermalen sehnsuchtsvoll anmutende Stimmungen, die Volker mit Klavierpassagen, Gitarrenmelodien und insbesondere mit seinen wunderschönen Soli (das erste des Instrumentals „A Mysterious Season“ ist überragend) erzeugt. Ein recht vordergründig platzierter Bass (von Martin Wendler) unterstreicht die von ihm aufgebauten Soundkollagen dabei gekonnt. Selten, v.a. beim zweiten Song „Terrify“, kommen aggressivere Elemente durch, unterstützt durch harte, männliche (= von einem Mann gesungene) Worte, doch diese münden dann wieder ins Melancholische. Ach, ich könnte Euch jetzt viel vorschwärmen. Besorgt Euch besser für schlappe 7,95 € das Teil unter www.emeraldedge.de und lasst uns hoffen, dass es dieser Band besser ergehen mag als so vielen anderen, die mit ähnlicher Musik aufwarten und keinen Plattenvertrag erhalten, da man simplere Musik eben einfacher verkaufen kann – aber vielleicht zeigt das selbstgewählte Attribut „gothic“ da ja eine ungeahnte Wirkung…
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