EЇS Interview

EЇS haben nach drei Jahren ein neues Album namens „Wetterkreuz“ veröffentlicht. Bei uns gab es dafür volle Punktzahl und in unserem „Metal Talk“ erhielt die CD in der Rubrik „Scheibe der Woche“ durchgängig positive Bewertungen. So baten wir Alboin von EЇS uns ein paar Fragen zum neuen Album und zum derzeitigen Bandgeschehen zu beantworten.

Euer Album ist seit gut zwei Monaten auf den Markt. Bis jetzt habt ihr fast ausschließlich sehr gute Kritiken erhalten und mir ist soweit auch nur eine Ausnahme bekannt, bei der ihr mittelmäßig abgeschnitten habt. Wie habt ihr das Feedback als Band aufgenommen? Wurden eure Erwartungen erfüllt oder hattet ihr andere Vorstellungen?

Man kann das vorher nie wissen. Wir sind schon davon überwältigt. Allerdings waren wir auch ein Stück weit unsicher, weil das Album eben doch anders klingt als zum Beispiel „Galeere“. Wir haben uns auch stilistisch durchaus verändert, sodass wir einige Hörer sicher damit überraschen konnten. Aber es steht trotzdem in der Tradition der anderen Alben und wir wollten nicht, dass da ein Bruch entsteht. Das haben wir geschafft, und wer mit der Musik etwas anfangen kann, für den ist es auch einfach ein überzeugendes Album. Dagegen kann man objektiv wenig sagen. Es ist zwar ein gewagtes Album, aber es ist auch, denke ich, ein objektiv gelungenes Album. Dass die Rückmeldungen dann sogar noch besser ausfielen, war für uns umso schöner.

Das stimmt wohl auch weitestgehend mit meiner Meinung überein, sonst hättet ihr kaum volle Punktzahl bekommen. Es gab zu dem noch eine Bonus-CD, welche mir jetzt leider nicht vorliegt. Was kann man darauf vorfinden?

Die Bonus-CD enthält Versionen aller Albumstücke, die von anderen Bands komplett neu bearbeitet wurden und auch stilistisch völlig anders sind als wir. Man könnte das wohl am besten als Remix bezeichnen.

Und wie kam es zu der Idee dazu?

Wir sind vom Label gefragt worden, was wir für die Digibook-Version des Albums als Bonus für vorstellbar halten. Zuerst gab es die Idee, die Demoversionen, die ich zu Hause selbst aufgenommen hatte, zu veröffentlichen. Ich finde diese jedoch nicht so überzeugend, dass ich das an die Öffentlichkeit weiter geben möchte. Das sind Demoversionen für den internen Gebrauch. Im Hinterkopf hatten wir aber schon öfters die Idee, unsere Songs als Vorlage zu geben und andere Bands darauf etwas aufbauen zu lassen. Ich hatte bereits Kontakt zu einigen Künstlern, die daran interessiert waren und selbst Lust hatten dies umzusetzen. Es ist zum Teil sehr abgefahren, was dabei herauskam.

Gut, dann zurück zum Hauptwerk „Wetterkreuz“. Beschreibe doch mal das Album anhand weniger Worte!

Es ist kalt, es ist roh. Es ist berührend und es ist sehr vielfältig.

Ich hatte im Review bereits angesprochen, dass EЇS im letzten Jahr einige Veränderungen gemacht hatte. Eine davon war der Namenswechsel. Wie kam es zu der Idee sich nun „EЇS “ zu nennen und warum habt ihr euch dafür entschieden?

Es gibt da drei Aspekte. Der erste ist, dass wir als Band sowieso eine lange Odyssee an Bandnamen hatten. Angefangen hatten wir als Eismalsott, dann haben wir uns umbenannt in Geist. Dann hatten wir schon immer Schwierigkeiten mit dieser Kölner Band, die ebenfalls Geist hieß und daraufhin haben wir uns dann eben in EЇS umbenannt. Dass wir uns für den Namen „EЇS“ entschieden haben, hängt an unserer Tradition, die eben schon lautlich auf Eismalsott zurückgeht. Und zum anderen, weil EЇS sozusagen der Kern von Geist ist – wortlich wie musikalisch. Es wurde das Wichtigste aus Geist herausgenommen und intensiviert. Und zuletzt: Es passt außerdem zu unserer Musik.

Dann gab es ja auch personelle Veränderungen und zwar letztes Jahr. Wie hat sich das, deiner Meinung nach, auf das neue Album und auf das Zusammenarbeiten ausgewirkt?

Es war so, dass ich nach „Galeere“ fast drei Jahre lang gar keine Musik geschrieben hatte. Das hatte persönliche Gründe, ich war einfach nicht fähig dazu. Unser damaliger Sänger und Gitarrist haben dann angefangen selbst Musik zu schreiben. Ich bin damit nie so ganz warm geworden und später, als das Album dann schon stand, habe ich für mich festgestellt, dass ich das so nicht möchte. Ich habe das auch sicher viel zu spät gesagt. Dann gab es eben das Album nicht mehr und wir gingen auseinander. Erst danach habe ich „Wetterkreuz“ geschrieben. Das war im Dezember letzten Jahres und dann innerhalb von drei Monaten. Ich denke, dass das schon ein Anstoß war und mich sicher auch befreit oder motiviert hat. Das Album ist auch für uns selbst ein Statement, wofür wir stehen und was wir ausdrücken möchten.

Man hat es auch in deiner Stellungsnahme lesen können, dass dir die Trennung sehr schwer gefallen ist, da euch doch eine lange Geschichte miteinander verbindet. Wie ist denn das Verhältnis jetzt zu den ehemaligen Mitgliedern?

Das ist eine heikle Sache und ich möchte, ehrlich gesagt, das auch wenig in der Öffentlichkeit ausbreiten. Ich versuche es mit wenigen Worten zu beschreiben. Es ist so, dass alle ehemaligen Bandmitglieder aus Bielefeld kommen, ich selbst komme aus einem kleinen Ort 40 Kilometer von Bielefeld und unser Schlagzeuger kommt nochmal aus einer ganz anderen Ecke, sodass wir schon immer wenig privat miteinander zu tun hatten. Als das dann auseinander gegangen ist, gab es, was ich auch verstehen kann, schon einige Ressentiments, da es uns alle persönlich berührt hat und da eben auch einiges schiefgelaufen ist. Letztlich ist es jetzt so, dass wir gar keinen Kontakt mehr haben.

Gut, dann müssen wir das auch nicht weiter vertiefen, sondern dann gehen wir zur Musik zurück. Ich finde, dass „Wetterkreuz“ eher an „Kainsmal“ und „Patina“ erinnert und „Galeere“, obwohl ich es persönlich ein starkes Album fand, überspringt. Wie empfindest du diese Entwicklung? Ist diese bewusst spürbar?

Für mich selbst war die Maßgabe, von der Atmosphäre her wieder zurück zu gehen. Ich bin sowieso generell sehr rückwärts gewandt. Ich wollte schon eher wieder etwas machen, was näher an „Kainsmal“ angelehnt ist, als an „Galeere“. Es ist so, dass du als Musiker Probleme damit hast, Fähigkeiten zu verleugnen. Du spielst mit den Jahren einfach deine Instrumente besser und entwickelst dich weiter, auch kompositorisch. Diese Entwicklung kann man nicht ungeschehen machen und deshalb finde ich es auch schwierig, wenn Bands sagen, dass sie sich wieder zurück entwickeln wollen. Das kann auch einfach lächerlich klingen, wie beispielsweise im Fall von Samael, die das probiert haben. Mir ging es eher um das Feeling als um die tatsächliche Ähnlichkeit der Stücke. Stilistisch ist „Wetterkreuz“ nach wie vor ein EЇS-Album. Man kann schon hören, dass wir das sind.

Was man auf eurem neuen Album ebenfalls wieder findet, ist die Stimme Klaus Kinskis. Warum verwendet ihr eigentlich immer seine Stimme bzw. warum habt ihr euch gerade für diese Passagen entschieden? Bist du außerdem persönlich ein Fan von Klaus Kinski?

Ja, das bin ich irgendwo schon. Ich hatte eine Phase, in der ich sehr fasziniert davon war, wie bedingungslos dieser Mann war, und zwar in allen Bereichen. Ich fand das oft sehr erstrebenswert, dass er sich von Erwartungen, die man an ihn gestellt hatte, freigemacht hat und einfach er selbst war. Ich finde außerdem, dass unsere Musik sehr gut zu seiner Stimme passt, oder andersherum. Es ist eine Stimme, die dieses Ambivalente in unserer Musik verkörpert, praktisch ein Pendeln zwischen sehr emotional und sehr kalt und roh. Und was er da rezitiert ist eine Collage aus Strindbergs „Der Steinmann“. Ich glaube, die Aufnahme ist aus den 60er Jahren und ich habe sie dann so zusammengeschnitten, wie es für den Songtext notwendig war. Songtext und Sample haben sich im Grunde gegenseitig beeinflusst.

Kannst du die Texte von Kinski einfach zusammenschneiden, wie es dir gerade beleibt, oder musst du das vorher anmelden bzw. genehmigen lassen?

Das muss man eigentlich nicht regeln, sofern es sich um eine künstlerische Verwendung handelt. Die Aufnahmen können anders verarbeitet ohne Probleme verwendet werden. Man kann sie langsamer abspielen oder mit Effekten belegen, nur darf man sie nicht eins zu eins übernehmen und es dann als eigenes geistiges Eigentum verkaufen.

Und woher bekommst du neben Kinski deine Inspiration für deine Songs?

Es ist so, dass ich mittlerweile festgestellt habe, dass ich vor meinem geistigen Auge Bilder sehen kann. Das geht sogar mit Kälteempfinden, Gerüchen, Geschmäckern und anderen Wahrnehmungen einher. Mittlerweile kann ich mir das sehr gut, ohne weitere Einflüsse, vorstellen und versuche, diese Empfindungen möglichst nachvollziehbar zu schildern. Ansonsten bekomme ich meine Inspiration aus allem, was ich erlebe, einfach mit meinen Sinnen wahrnehme, aus Büchern, Filmen oder nur einzelnen Wörtern, woraus sich dann die Songs entwickeln.

Und was kommt bei dir zuerst? Musik oder Text?

Musik. Das Texteschreiben fällt mir nach wie vor sehr schwer, da ich sehr anspruchsvoll bin und alles treffend genau so haben möchte, wie ich es mir vorgestellt habe. Das dann noch metaphorisch auszudrücken, ist die Schwierigkeit daran. Es fällt mir wirklich noch schwerer einen Text an die Öffentlichkeit zu geben, als einen Song. Texte singst Du immer wieder genau so, wie Du sie einmal aufgenommen hast – Musik ist da veränderbarer. Mit dieser Endgültigkeit habe ich ein Problem, deswegen bin ich da sehr penibel.

Gibt es einen Favoriten deinerseits auf „Wetterkreuz“?

Ich stelle immer wieder fest, dass das je nach Gefühlslage variiert. Für mich persönlich sind sicher „Mann aus Stein“ und „Bei den Sternen“ am wichtigsten. Aber die anderen drei Songs haben genauso das Potenzial dazu, mich ganz tief zu berühren. Manchmal stelle ich auch nach Jahren etwas an meinen eigenen Stücken fest, das mich ganz plötzlich trifft. Deswegen bin ich mit solchen Aussagen vorsichtig.

In der nächsten Zeit stehen auch einige Konzerte an. Im Dezember beim Heavy-X-Mas-Festival und im März 2013 beim Stahlfest in Leipzig. Sind noch weitere Konzerte geplant oder seid ihr bereits schon am arbeiten für ein neues Album?

Beides steht im Raum. Wir sind mittlerweile eine Band, die in Norddeutschland verstreut ist. Deswegen spielen wir vorwiegend Einzelkonzerte, unter anderem auch, weil wir alle Jobs haben oder studieren. Und zeitlich ist das dann recht schwierig zu koordinieren. Wir wollen aber gerne nächstes Frühjahr im März eine kleine Tour im deutschsprachigen Raum machen, was aber noch in Planung ist und wozu ich somit noch nicht mehr sagen kann. Wir haben noch einige andere Gigs, vor allem Festivals wie zum Beispiel das Ragnarök, auf dem Plan. Ich persönlich finde zudem kleine, exklusivere oder einfach professionelle Konzerte angenehm. Wir sind mittlerweile anspruchsvoller geworden und müssen nicht immer auf Teufel komm’ raus jedes Konzert spielen. Dafür ist es dann einfach zu besonders. Aber wir spielen nächstes Jahr auf jeden Fall mehr, als in jedem anderen Jahr zuvor.

Es war auch mal eine Zeit lang so, dass einige Mitglieder neben eurer Band noch andere Projekte hatten. Wie sieht es da bei euch jetzt aus. Seid ihr immer noch in anderen Bands aktiv oder steht EЇS jetzt ganz klar im Vordergrund?

Für mich hat sich das so herausgestellt, dass EЇS meine Band ist. Ich hab eine Zeit lang in vielen anderen Bands mitgewirkt, zum Beispiel bei Lantlôs, Funeral Procession, Inarborat usw. Zumeist bin ich aus Zeitgründen nicht mehr dabei, oder das hat sich anderweitig so ergeben, dass ich daran nicht mehr teilnehme. Momentan mache ich in der Tat nichts außer EЇS wobei ich schon hin und wieder Lust hätte, in einer anderen Band zu spielen. Unser Schlagzeuger hat noch eine relativ junge Band namens MULTIPLE DESTRUCTION ASSAULT, die eine Art progressiven Modern Metal spielen und noch im Demostatus sind. Unser Gitarrist C:R:A hat seit vielen Jahren mit SETHNEFER seine eigene Band, Abarus spielt Leadgitarre bei OUT OF MIND, und unser Keyboarder S.atyrus.S ist als professioneller Fotograf eher an der visuellen Seite von Kunst interessiert, arbeitet aber gelegentlich (wie im Falle unserer Bonus-CD) auch selbst an Musik.

Letzte Frage: Welche CDs würdest du momentan anderen empfehlen. Was läuft bei dir aktuell im Player?

Pantheion aus Hamburg, die nach 15 Jahren ihr erstes Album veröffentlicht haben und die uns stilistisch sehr ähneln. Ist auch sehr unterstützenswert, da jene Band alles selbst produziert und sie noch kein Label haben – unglaublicherweise. Saturnian aus England sind auch unfassbar gut und stecken alles in die Tasche, was Dimmu Borgir in den letzten zwölf Jahren gemacht haben.

Gut, dann sind wir am Ende des Interviews. Dir gehört das letzte Wort.

Ich bin nicht so der Typ für letzte Worte. Auch wenn ich mich manchmal sehr alt fühle, bin ich noch zu jung für letzte Worte. Ich möchte dir auf jeden Fall nochmal danken für das tolle Review und auch dieses Interview. Viele denken immer, uns Bands kümmert das nicht, aber das stimmt nicht. Uns bedeutet das sehr viel und wir sind auch sehr dankbar dafür.

Gern geschehen ;-)

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