Buchrezension: Rob Halford – Ich bekenne

Eigentlich war es nach Bruce Dickinsons „What Does This Button Do?“ nur eine Frage der Zeit, bis der Metal God höchstpersönlich mit seiner eigenen Biografie nachzieht. Auf mehr als 500 Seiten spricht Rob Halford über sein Leben: Im Fokus das Leben als homosexueller Heranwachsender (und später als Erwachsener) im spießbürgerlichen England. Zwischen Drogenexzessen, Rockstar-Partys und sonstigen Nebenschauplätzen kommt selbstverständlich auch der Weg zum Weltruhm mit Judas Priest nicht zu kurz. Vor allem ist „Ich bekenne“ aber eines: brachial ehrlich!

Wie schon seit den Zeiten von Black Sabbath kolportiert (und auch gar nicht so weit von Birmingham entfernt), beginnt ebenso die Geschichte von Rob Halford im metallindustriell geprägten England. So weit, so gewöhnlich. Doch die noch junge Stimmgewalt tut viel, um der Arbeiterstadt Walsall zu entfliehen. Er versucht sich am Theater und probiert sich nebenher als Sänger. Die Marschrichtung ist klar: harte, laute Rockmusik. Über seine Schwester und seinen damaligen Schwager in spe sowie späteren Bandkollegen Ian Hill landete der junge Rob schließlich am Mikrofon bei Judas Priest. Es ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Gleichermaßen tragisch wie humorvoll skizziert Rob Halford schonungslos die Karriere von Judas Priest. Vor allem er selbst steht dabei natürlich im Vordergrund – in gleich mehreren Rollen. Mal als extrovertierte Rockröhre auf der Bühne. Mal als Fassadenträger, gefangen als Lebemann im Morast von exzessivem Rausch und noch exzessiveren Partys, um sein wahres Ich zu verschleiern. Rob Halford macht keinen Hehl daraus, sich jahrelang versteckt zu haben und wie sehr ihn dieser Umstand psychisch belastet hat. Noch viel weniger macht er aber keinen Hehl daraus, was bei ihm im Verborgenen passierte.

Und auch wenn der Kampf mit seiner Sexualität eines der Kernthematiken von „Ich bekenne“ ist: Natürlich wird auch unweigerlich die Historie von Judas Priest selbst beleuchtet – und das nicht zu knapp. Von der Angst, sich zu outen, weil das eventuell das Image der Band hätte ruinieren können, über die Entwicklung von den 70er-Blues-Rockern hin zu den heute stilprägenden, in Lederkluft gehüllte Heavy-Metal-Pionieren. Rob lässt nichts aus, schreibt Detail um Detail so nieder, als wäre es erst gestern passiert. Aufnahmeprozesse, Anekdoten, die emotionale Bindung zu ihren Fans, die Judas Priest bis heute auszeichnen. Ein halbes Jahrhundert an Musikgeschichte, erzählt von einem der größten Metalstimmen aller Zeiten.

Letztlich ist „Ich bekenne“ allerdings auch wortwörtlich das Bekenntnis von Rob Halford und nicht ein möglicherweise erwarteter Abriss der Judas-Priest-Biografie. Für Fans der Band dürfte das Buch also vielleicht nicht unbedingt das erhoffte fehlende Puzzlestück sein. Für alle anderen könnte es aber der Einblick in das Leben eines Mannes sein, der trotz Welterfolgen von sozialen Stigmata gebeutelt wurde. Doch statt sich seinem Schicksal zu fügen, beißt er sich durch, verschanzt sich als Rebell in Leder und gegen jeden Widerstand hinter einer metallenen Anti-Haltung – ein beschwerlicher aber letztlich von Erfolg gekrönter Weg. Ich ziehe meinen sprichwörtlichen Hut vor dir, Rob!

ISBN: 978-3453273436, Verlag: Heyne Verlag, 528 Seiten

https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Ich-bekenne/Rob-Halford/Heyne-Hardcore/e585931.rhd

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