Bled Dry Interview

Sehr frei nach Shakespeare′s Hamlet „Es ist etwas faul im Staate Österreich“ oder so ähnlich, lohnt derzeit ein Blick in die hartmetallische Szene unserer Nachbarn. In den letzten Wochen sind mir mit Before the Fall, In The Cage, Misbegotten oder Bled Dry gleich mehrere Kapellen positiv aufgefallen, die mit reichlich Energie und größtenteils auch Wut ans Werk gehen und so entsprechend brutale Kost servieren. Letztgenannten Bled Dry habe ich auch ein paar Fragen zu ihrem aktuellsten Machwerk zukommen lassen. Kern-Duo Bernd und Michi standen Rede und Antwort.

′N abend zusammen! Eure „Of murder and mankind“-MCD hat mich ziemlich vom Hocker gehauen. Ich finde, das ist ein feines, brutales Teilchen geworden. Wenn ich einige Reviews meiner Schreiberkollegen so sehe, scheine nicht nur ich diese Meinung zu vertreten. Bisher habe ich durchweg gute/sehr gute Resonanzen gelesen. Was war denn bisher die Lieblingsbeschreibung Eurer MCD bzw. der Lieblingsvergleich?
Der Vergleich mit Größen wie Suffocation ist natürlich schmeichelhaft und wir sind unglaublich glücklich, dass wir so viele positive Reviews abstauben – harte Arbeit lohnt sich also doch! Einen Favoriten kann ich nicht nennen, da jedes eine andere Meinung reflektiert und wir auch immer auf persönliche Kritik gespannt sind.

Irgendwo habe ich gelesen, dass ihr prima als Support für Aborted oder The Black Dahlia Murder durchgehen würdet. Was wäre eure präferierte Wahl? Oder gäbe es noch eine andere Band, mit denen ihr viel lieber touren würdet?

Bernd:
Aborted wäre es für mich schon eher, aber am Liebsten wären mir dann doch Slayer!

Michi:
Ich würde hier ganz klar The Black Dahlia Murder sagen, obwohl ich Aborted auch zum niederknien finde! Egal ich nehm beide!

Unabhängig von der Meinung anderer habt ihr ja in eurem Infoblatt selbst ordentlich einen vom Leder gerissen. Ich zitiere: „Bled Dry sind eine explosive Fusion aus allen erdenklichen metallischen Stilrichtungen. Als Diktator herrscht der Überbegriff Death Metal, doch giftige Screams und Blastbeats erinnern an Black Metal und Breakdowns an die Core-Sektion. Selbstverständlich fehlt auch die Prise Melodie nicht, die Bled Dry definiert. Bei aller Extremität sind Hooklines stets vorhanden und für einen spannenden, neuartigen Hörgenuss ist gesorgt. Durch jahrelange Erfahrung reifte die verbotene Frucht der Band zu einer Masse heran, die vor allem durch Technik punkten kann. Komplexe Riffs, Tempowechsel, irre Solos, wahnwitzige Schlagzeugspuren und über allem thront das Organ des Sängers.“ Wer hat hier seinem kreativen Hirnpupsen freien Lauf gelassen? Ist etwa ein Poet in eurem Freundeskreis aktiv? Oder habt ihr euch das Ganze bei ein paar entspannten Drinks selbst einfallen lassen? Unter Dokumenteneigenschaften wird das Infoblatt übrigens mit dem Betreff „FPÖ setzt auf Sozial- und Ausländerpolitik“ beschrieben und als Autor Butschek Peter ausgewiesen. Was für versteckte Botschaften wolltet ihr uns denn damit unterjubeln?
Bernd:
Der verfasste Text stammt von mir – der Betreff und der Autor waren ein reines Missgeschick, da das Originaldokument ein anderes war und der Infotext einfach ohne Änderung kopiert wurde. Es steckt keinerlei Botschaft dahinter und wir unterstützen keinesfalls rechtsextreme politische Handlungen und Ausländerfeindlichkeit.

Michi:
Der Text sollte bewusst ein wenig protzig klingen, da wir das Teil ja auch an Plattenfirmen schicken und die merken sollen, dass wir uns als Band auch zu verkaufen wissen. Von der FPÖ und ähnlichen Parteien/Vereinigungen möchten wir uns wie schon gesagt weitestgehend distanzieren. Um es genauer zu sagen: Mir kommt das Kotzen wenn ich HC Strache (Heinz-Christian Strache, führender FPÖ-Politiker. -Anm. Red) auf einem Plakat sehe und rate allen Leuten, die von sich denken halbwegs was in der Birne zu haben, gegen das verdammte (Pseudo)Nazi-Dreckspack vorzugehen!

Michi, Bernd – Bled Dry seid momentan ja nur Ihr beide oder sehe ich das richtig, dass Ihr doch wieder zu dritt (+ Michael) seid? Wie kommt es, dass niemand mit euch spielen will? Legt ihr so hohe Ansprüche an den Tag?
Ja, wir sind stolz unser neues Mitglied ankündigen zu dürfen: Michael Riedel ist seit ein paar Wochen zu uns gestoßen und ist ein zweiter äußerst fähiger Lead-Gitarrist, der auch andere Einflüsse einbringen kann. Wir legen in der Tat hohe Ansprüche in Mitmusiker und deswegen ist es schwer in dieser Band zu spielen, denn wenn ein Sprichwort gilt dann dieses: Entweder ganz oder gar nicht.

Zu zweit in einer Band war ja quasi wie eine Beziehung. Also dann jetzt mal Butter bei die Fisch: wer hatte bei Euch die Hosen an und wer ist eher die Frau? ;-) ) Was ändert sich nun zu dritt?
Im Moment herrscht ein gesundes Gleichgewicht, das schwer zu halten ist. Oft sind wir beide von komplett anderen Strömen beeinflusst und natürlich ist es frustrierend, wenn Ideen nicht nach Vorstellung wahrgenommen werden. Wir versuchen dieses Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, da es nun auf 3 Köpfen verteilt ist.

Apropros hohe Ansprüche: Euer Session-Drummer Thomas, der „Of murder and mankind“ so professionell eingetrümmert hat, würde die m.E. auf jeden Fall erfüllen. Ist das eine Option für die Zukunft oder war das definitiv nur eine einmalige Sache? Wie oft habt ihr mit ihm zusammen geprobt, bevor ihr ins Studio gegangen seid?

Tom ist ein unglaublicher Schlagzeuger und unsere Zusammenarbeit lief persönlich und musikalisch einwandfrei ab. Wäre er nicht so viel mit anderen Bands beschäftigt, würden wir auf jeden Fall über eine Fixanstellung glücklich sein! Wir sind im Moment auf der Suche nach einem ähnlich begabten Musiker und bis wir einen gefunden haben, steht uns Tom hoffentlich für Gigs zur Verfügung – oder gar für den nächsten Output! Wir haben nur einmal vor dem Studioeintritt zusammen geprobt, doch er bekam die Vorproduktion Wochen davor per Mail.

Vor der „Of murder and mankind“ erschien 2007 euer erstes Demo, das zwar schon gute Ansätze zeigt („Hollowed“) aber ansonsten eher durchschnittlicher Death Metal ist. Wie würdet ihr die Entwicklung hin zu eurem neuesten Werk erklären? Was ist in der Zwischenzeit passiert und was sollten unsere Leser generell zu Eurer Band wissen? Und wo nehmt ihr die Aggression und Wut her, vor denen „Of murder and mankind“ ohne Frage strotzt?
Bernd:
Die Demo 2007 war eine reine Eigenkomposition meinerseits und dementsprechend ein Spiegelbild meiner damaligen Einflüsse. Wir haben uns vor allem musikalisch weiterentwickelt, da wir zu besseren Musiker wurden – 2007 konnten wir von der technischen Leistung der EP nur träumen. Diese Musik wollten wir schon immer machen und nun ist es uns endlich möglich. Vor allem die Ideen von Michi, meist krank, überschnell und komplex, bei denen ich auch noch dazu meinen Senf gegeben habe machen unseren Stil aus. Die Wut und Aggression sind tief in uns verwurzelt – wer ist nicht oft unzufrieden mit seiner Umgebung und seinem Leben? Die Verzweiflung die uns umgibt, der Hass der uns auffrisst und die Krankheit Mensch, das sind die Einflüsse die uns antreiben das schwarze Abbild in musikalischer Form zu liefern.

Als Einflüsse gebt ihr „All great bands out there (Death/Black/Thrash)“ an. An der Stelle würde ich es schon etwas genauer wissen: Welche Bands/Alben haben euch bei Bandgründung am ehesten beeinflusst und welche Bands/Alben waren während des Entstehungsprozesses zu „Of murder and mankind“ am wichtigsten für Euch?

Bernd:
Meine Einflüsse liegen vor allem im klassischen Death Metal und Thrash Metal. Als größter Slayer-, Metallica-, Megadeth- oder Death Fan kommen vor allem die thrashigen und klassischen Ideen von mir. Weiters bin ich in Technik vernarrt und so kommen gitarristische Spielereien meist von mir. Während des Entstehungsprozesses war es allerdings definitiv die „Awaken the Dreamers“ CD von All Shall Perish die uns beeinflusste – somit bin ich auch für die neue Schiene immer offen.

Michi:
Zur der Zeit in der ich bei Bled Dry – damals noch Incendo – einstieg, habe ich viel Lamb of God und The Haunted gehört. Mittlerweile höre ich aber fast nur noch Sachen der härteren Gangart. Beim Entstehungsprozess haben mich Bands wie Despised Icon, All Shall Perish, Waking the Cadaver, Annotations of an Autopsy, Behemoth und Misery Index beeinflusst.

Zwischenzeitlich scheint ihr auch Euer Logo ausgetauscht zu haben. Zufall oder bewusster Wechsel im Layout, um den nächsten Entwicklungsschritt auch visuell zu untermauern? Mir hat das alte übrigens sehr gut gefallen…
Bernd:
Auch unser altes Logo war mein Werk, da ich auch Artworks, Logos und Grafiken designe. Vor allem Michi ist es allerdings wichtig auch diese Arbeit von kompletten Profis übernehmen zu lassen also muss ich mich damit bei anderen Bands ausleben. (Der scheint ja mächtig Vertrauen in Deine Fähigkeiten zu haben… -Anm. der Red)

Das Artwork für eure MCD wurde vom deutschen Anbieter listen-to-it.de gemacht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Hattet ihr nichts passendes in eurem direkten Umfeld gefunden?
Wir haben schon Monate davor ein T-Shirt Design von Sebastian machen lassen und waren von der Zusammenarbeit sehr positiv überrascht – also mussten wir nicht lange nachdenken, wen wir in die nähere Auswahl für ein Coverdesign aufnehmen.

Ich nehme an, in dem aktuellen Set-Up könnt ihr Bled Dry nicht wirklich live promoten. Daher die Frage: Worauf liegen bandtechnisch momentan eure Prioritäten (z.B. Mitgliedersuche, Promo, Label, CDs verticken etc.)?
Bernd:
Die höchste Priorität hat für mich die Mitgliedersuche, denn wir sind hungrig unser Material live zu präsentieren!

Michi:
Für mich hat ebenfalls die Mitgliedersuche die höchste Priorität, weil ich mir nichts Besseres denken kann, als die Leute live auf die neuen Sachen reagieren zu sehen! Was mir persönlich aber auch sehr wichtig wäre, ist ein Label zu finden, um unser Zeug auch weltweit anständig promoten zu können!

Stichwort Promo: eine aktuelle Bandhomepage habe ich nicht gefunden, lediglich einen nicht mehr aktuellen Blog. MySpace ist zwar aktuell, enthält aber auch kaum Infos zur Band. Seht ihr das aktuell als Präsentation für Bled Dry ausreichend? Oder soll hier zukünftig noch etwas passieren?
Eine professionelle Homepage ist in Arbeit und soll den längst verworfenen Blog endlich ersetzen. Promo ist definitiv ein wichtiger Faktor unserer Band und jetzt ist es an der Zeit in diesen Sektor zu investieren!

Ihr führt auf Eurer MySpace-Seite eine lange Liste von Download-Portals, die Eure MCD führen. Was ist euch wichtiger: dass die Fans Eure CD kaufen oder sich das Zeug downloaden? Wie steht ihr dem Thema „free Download“ gegenüber? Für euch ein akzeptables Mittel, um bekannt zu werden oder lästiges Beiwerk der aktuellen Musikszenenentwicklung?
Downloadportale sind für uns als kleinere Band die einzige Möglichkeit unsere Musik ins Ausland zu verkaufen. Natürlich ist es bei uns als Musikliebhabern so, dass wir unbedingt die CDs unserer Helden (mit Booklet und Artwork) in den Händen halten wollen und wir wollen dasselbe auch für unsere Fans. Deswegen arbeiten wir momentan an Beziehungen, die uns das ermöglichen. Wir selbst laden keine Musik aus dem Internet und sehen das als Verbrechen. Gerade wir als kleine Band haben das Geld wirklich nötig und ein wenig Unterstützung kann uns helfen, endlich einen Longplayer an die Massen zu bringen!

Ihr gebt als Herkunft Wiener Neustadt an. Wie oft kommt es vor, dass die Leute euch irrtümlicherweise als Wiener Band sehen?

Bernd:
Ich sehe das als Missverständnis, da unsere Heimatstadt den Namen Wien enthält, deswegen werden wir anscheinend zum Großraum Wien gezählt.

Michi:
Also ich habe noch niemanden getroffen, der uns als Wiener Band bezeichnet hat, aber wenn das doch mal passiert werde ich an dich denken! =)

Auch wenn ich weiß, dass Ihr nicht aus Wien stammt zum Abschluss doch noch ein kleines Auswahlspielchen mit Wien-Bezug… ;-)

1.Rapid oder Austria?
Weder noch!

2.Wiener Prater oder Chillen an der Donau?
Wiener Prater!

3.Sachertorte oder MCDonalds?
Sachertorte!

4.Fiaker oder Straßenbahn fahren?
Straßenbahn!

5.Pungent Stench oder Abigor?
PUNGENT STENCH!

6.Sissi oder Josefine Mutzenbacher?
Sissi!

Grüße, Promo oder andere wichtige Statements zum Abschluss?

Bernd:
Grüße gehen meinerseits an meine mich unterstützende Lebensgefährtin Nina, Familie und die wenigen Freunde die geblieben sind, an mein anderes Projekt DENIAL OF FATE und an alle unsere Hörer – wir werden euch nicht enttäuschen!

Michi:
Ich grüße meine Freundin und meine Familie, meine Freunde, Norbert von den Hinterhofstudios, Reini von den Terrasound Records, Tom Urbanek und alle die ich vergessen habe!

www.myspace.com/bleddryband