Artillery Interview

Heimlich, still und leise hat sich nun auch das dänische Thrash-Urgestein ARTILLERY wiedervereinigt. Aber sie haben nicht, wie so viele andere, in der Zwischenzeit vergessen wie man Metal spielt. Ihr Reunionsalbum „B.A.C.K.„ setzt da an, wo sie damals aufgehört haben. Den Fragen zu ihrer Reunion stellet sich der Sänger Flemming Ronsdorf.

Was war der Grund ARTILLERY nach dem „By Inheritance„ Album aufzulösen?
Der Hauptgrund war Langeweile. Wir dachten, daß nach der Unterschrift bei Roadracer alles seinen Weg gehen würde, aber alles blieb beim alten : viele gebrochene Versprechen, kein Verteilernetz, keine Werbung und am wichtigsten keine Tour. So wurde uns langweilig, totlangweilig so zu sagen.

Was machtest du nach dem Split?
Ich nahm meine Akustikgitarre und tourte in den dänischen Pubs und spielte Zeug, daß andere Leute geschrieben haben, Wie Creedance Clearwater Revival, Beatles oder so ein Zeug. Das machte ich ein paar Jahre lang und trat dann einer richtigen Cover-Band bei, die nur Songs von den Beatles spielen und mache das seit nunmehr 7 Jahren. Es ist nicht sehr kreativ, aber es macht immer Spaß und es bezahlt die Rechnungen.

Wessen Idee war es ARTILLERY zu reformieren?
Eigentlich war es die Idee von DieHard (Die Plattenfirma: Anmerkung von Markus), nachdem ein anderes dänische Label einige unserer alten Demos herausgebracht hatte, spielten wir einen kleinen Gig in Kopenhagen bei dem jeder ausgerastet ist. Und nachdem hat Die Hard uns kontaktiert, um zu hören, ob wir Interesse hätten

War es nicht seltsam nach all den Jahren wieder im Studio zu sein und ein neues ARTILLERY-Album aufzunehmen?
Das kannst du sagen. Es war seltsam nach so vielen Jahren wieder zurück im Studio zu sein und etwas so total anderes zu machen. Aber es war ein großer Spaß, und es brauchte nicht lange, damit es sich anfühlte, als sei es grad gestern gewesen. Aber ein kleines bißchen mehr Zeit im Studio hätte alles etwas mehr vollständig gemacht.

Was passierte mit dem Rest vom Original Line-Up?
Nach dem Split machte der größte Teil der Band mit einem anderen Sänger für ein Jahr oder so weiter. Sie gingen auf eine kleine Tour und lösten sich dann auf. Michael und Morten gründeten dann eine Gruppe names MISSING LINK, mit der sie immer noch arbeiten. Peter hat mit dem spielen aufgehört. Carsten gründete eine Punk-Band mit dem früheren ARTILLERY Gitarristen Jorgen Sandau und seinem jüngeren Bruder Alan Sandau, namens 4Q

Was denkst du über die ganzen Reunions zur Zeit (Metal Church / Iron Maiden / Destruction und und und) und wie würdest du eure mit den ganzen anderen vergleichen?
Ich denke aus folgenden Gründen, daß es eine gute Sache ist, wenn alte Bands wieder zusammenkommen.
Erstens : Es muß einen Grund geben, warum sie einst da waren. Man gründet keine Band nur so. Es muß eine Art von Freundschaft geben, eine Art von musikalischem Reiz, was bedeutet, daß jeder in der Band die Musik spielen will für die die Band steht.
Zweitens: Sie hatten einst, und wahrscheinlich immer noch, Fans. Begeisterte Zuhörer, die ihre Lieblingsband wirklich vermissten, seitdem sie sich aufgelöst hatten.
Drittens: Auf der Bühne zu stehen ist wie eine Droge, einmal angefangen kann man nicht wieder aufhören. Ich vergleiche unsere Reunion nicht mit anderen, aber wenn alle anderen es machen könnte es die richtige Zeit sein. Aber wir haben es nicht angestrebt, ihr müßt die Schuld der Plattenfirma geben.

Aber jetzt zu euren Album „B.A.C.K.„. Erzähl etwas über die Art und Weise wie die Texte und die Musik ent-standen sind.War es die selbe Art und Weise wie früher oder eine völlig neue?
Es war eine völlig neue Art und Weise als in den ‘alten’ Tagen. Wir arbeiteten normalerweise im Proberaum, bevor wir versuchten irgendwas aufzunehmen.
Dieses mal hatten wir überhaupt keine Proben oder so was. Morten komponierte die Musik zuhause und nahm sie dann im Studio auf. Dann kam ich ins Studio, hörte die Musik dort und nahm dann einen Song nach dem anderen vor, immer einem auf einmal. Erst das Schreiben der Texte, dann das aufnehmen, dann der nächste Song und so weiter. Die Texte wurden wie gewöhnlich gemacht, Ich schaue in die Zeitung und schaue Fernsehen. Ich höre Radio und weißt du was. Es ist ein Horrorfilm da draußen!!! Viel Zeug über das man schreiben könnte, das schwere ist nur auszuwählen über was.

Ihr habt die hohen technischen Fertigkeiten von „By Inheritance„ mit der rohen Power von „Terror Squad„ gemischt. War das eure Absicht von Anfang an oder nur Zufall?
Ich bin sehr erfreut, daß du das so siehst, denn genau das war unsere Absicht. Unser Ziel war es ein Album zu machen, irgendwo zwischen „Terror Squad„ und „By Inheritance„ und du hast gerade bewiesen, daß wir das geschafft haben. Vielen Dank.

Ihr habt eure „Thrash„-Reihe mit „Out Of The Trash„ fortgesetzt. Was ist so besonderes da dran?
Da ist nichts wirklich besonderes an dem Thema, aber wir alle leben „in the trash„, wir haben uns das ausgesucht als wir angefangen haben Metal zu spielen. Nicht viele Metal Bands werden zu Millionären. Und es ist lustig eine Fortsetzungsgeschichte zu haben, vielleicht ist diese arme Seele wirklich eines Tages „Out Of There„, wer weiß?

In „WWW„ beschäftigt ihr euch mit dem Internet. Was denkst du darüber im allgemeinen und über MP3‘s im speziellen?
Wow, jetzt wirst du politisch… Um eine sehr lange Geschichte so kurz wie möglich zu machen: Das Internet ist eine neue Art der Kommunikation, es hat seine guten und seine schlechten Seiten. Es ist sehr spannend, wenn man auf auf diese Art und Weise Bilder verschicken kann, aber schlußendlich, ist das alles was es ist. MP3 ist das selbe (abgesehen von den Bildern). Aber als Musiker mag ich natürlich die schlechte Seite nicht.
Ich hoffe, daß beantwortet deine Frage, das war ein schwere.

Habt ihr nach eurem exzellenten Album schon konkrete Pläne für die Zukunft?
Danke sehr, aber nein.Es gibt keine aktuellen Pläne Wir spielen vielleicht in Wacken

Was macht ihr, damit nicht dasselbe passiert, wie nach dem „By Inheritance„ Album?
Wir tun nichts, denn unsere Leben hängen davon nicht mehr ab. Wenn die Sachen gut laufen, toll, dann haben wir es geschafft. Wenn nicht…. sagen wir es so, dann haben wir nicht viel verloren, aber wir wären natürlich enttäuscht.

Zuletzt einige freie Worte an unsere Leser.
Meine freien Worte sind diese: Ich bin sehr überrascht, daß ihr euch noch an uns erinnern könnt. Es ist toll zu wissen, daß wir damals wirklich jemanden etwas bedeutet haben und ich hoffe, daß wir eines Tages da draußen sind um Metal für euch zu spielen.