Virgin Steele “The Black Light Bacchanalia” 3/6

SPV
Bewertung: 3/6 -> akzeptabel
Spielzeit: 76:44
Songs: 11

Aufgrund der für meinen Geschmack spätestens seit „The House of Atreus Pt. 1“ nur noch mittelprächtigen Veröffentlichungen hatte ich ja eigentlich schon mit Virgin Steele abgeschlossen. Tja, dass mir das bei einer Band passiert, die mit „Noble Savage“ und „The Marriage of Heaven and Hell“ zwei Scheiben veröffentlicht hat, die ich als einfach nur unglaublich empfand… Nun liegt jedenfalls die neue Scheibe vor mir, und was mir schon vorm Hören bitter aufstößt, ist die Ankündigung der LP-Version. Das neue Machwerk der New Yorker wird nämlich in drei Versionen erhältlich sein: als Jewel-Case, als limitiertes Digi-Pack mit zwei Bonustracks und als limitierte 3-fach-LP mit einem Bonustrack. Besagte LP kostet die Kleinigkeit von fast 40 Tacken, aber dafür gibt es zusätzlich eine 10seitige Bandbio, ein Poster, eine Postkarte, einen Sticker (wer braucht das alles?)  und die Jewel-Case-Version. Möchte man allerdings auch den zweiten Bonustrack hören, muss man sich zugleich das Digipack zulegen. Und damit zahlt man dann ganz locker über 50 Euro. Sehr fanfreundlich.

Richtiggehend verarscht fühlt man sich dann aber, wenn man nach Lektüre beiliegenden Infozettels die Scheibe in den Player schiebt. Häh, hab’ ich da nicht was von „Live-Drums“, einem „vitale[n] Flair, vergleichbar mit der Art, wie John Bonham getrommelt hat“, gelesen? Warum höre ich dann einen Drum-Computer? Und wo, bitte, geht’s zum Bass? OK, letzteres ist nichts wirklich neues, denn auf den Bass verzichten David DeFeis und Edward Pursino praktisch schon seit den „Marrige“-Alben. Diese hatten allerdings noch einen ganz netten Sound, was man von „TBLB“ nicht behaupten kann. Und wären die völlig überflüssigen Elektro-Drums nicht und der lediglich in homöopathischen Dosen fließende Bass, ginge ein Gutteil der Scheibe auch noch ganz in Ordnung. Aber so?

Kommen wir zum Album. Singen kann Mr. DeFeis jedenfalls  nach wie vor wie ein junger Gott. Er neigt anscheinend neuerdings dazu, dies mehr in getragener Weise vorzunehmen. Dadurch klingt er zwar nicht mehr so kraftvoll wie einst, aber mir gefällt das sogar. Und auch über die Gitarrenarbeit an sich kann man nicht klagen. Allerdings über manche Songs. So ist der Opener „By the Hammer of Zeus (and the Wrecking Bal of Thor)” noch ein schönes Lied, das trotz der 8 Minuten nicht zu lang erscheint. Doch mit dem Zweitling „Pagan Heart“ liefern Virgin Steele dann streckenweise einfach Unerträglichkeit ab – zum Teil hat das Lied arg Stammtischniveau und passt so gar nicht zu den Jungs, sondern eher zu einem Herrn Angelripper, aber wenigstens wird man in diesem Lied noch durch ein anständiges Riffing im Mittelteil entschädigt – einer der wenigen Momente auf der Scheibe, wo der Kopf auch einmal ein wenig wippen will.

Mit dem einzigen kurzen Lied „The Bread of Wickedness“ erreicht die Scheibe dann ihren frühen Höhepunkt: Ein knapp 3-minütiges Lied, zwar streckenweise etwas sperrig, aber mit wunderschönem Ohrwurm-Refrain. Das nächste, erhabene „In a Dream of Fire“ versetzt mich dann aufgrund des großartigen Refrains auch noch in eine gute Stimmung. Davon hätte ich im Folgenden gerne mehr gehabt, aber auf wundersame Weise zieht der Mittelteil der Scheibe immer so mir nichts dir nichts an mir vorbei. Liegt das daran, dass Virgin Steele eine Ballade wie „Nerpenthe (I Live Tomorrow)“ gefühlt bereits mindestens 10-mal eingespielt haben? Dass ich bei „The Orpheus Taboo“ („Unser lyrischer Ansatz bricht mit dieser seltsamen Moral, dass man niemals zurückschauen sollte. Wir sagen: Fuck you, ich drehe mich um und schaue zurück!“) die lyrische Steilvorlage annehmen muss und mich an vergangene Zeiten erinnern muss, als Virgin Steele noch Songs schrieben, in denen nicht nur geheult und gejault wurde? Dass in „To Crown Them With Halos Parts 1 & 2“ mit seinen 11 Minuten einfach viel zu wenig passiert? Dass „The Black Light Bacchanalia (The Age that is to come)“ einfach nur gefällig-belanglos ist?

Erst das zunächst nur als ein kleines Geklimper-Ballädchen erscheinende “The Torture’s of the Damned” weckt mich mit seinem bösen Ende, in dem  David DeFeis in unnachahmlicher Weise schreit: „Your fucking Kingdom of the Sky!“ Gerade rechtzeitig wach geworden, denn mit dem wunderschön betitelten „Necropolis (He Answers Them With Death)“ folgt dann noch ein letzter Kracher, der mit richtigen Drums und dem Verzicht auf überflüssiges Gestöhne bestimmt richtig gut gekommen wäre… Was das Gestöhne betrifft, so setzt der Schlusssong „Eternal Regret“ dieser Scheibe dann exakt damit seinen Abschlussstempel auf – das an für sich ja nette, ruhige Stück wäre am Ende eines fetzigeren Albums sicher richtig gut gekommen. Aber so? Was bleibt? Zu wenig. Eine Enttäuschung. Niemand benötigt eine Scheibe von Virgin Steele, von der man sagen kann, sie sei vom Drumsound abgesehen schon ganz OK, aber nicht überragend und stellenweise arg langweilig, oder?

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