Obscenity Interview

OBSCENITY ziehen schonseit langem in der deutschen Szene ihre Kreise und versetzten mit ihren letzten Alben nicht nur einheimische Death Metal Liebhaber in helle Aufruhr. Mit “Intense” liegt nun abermals ein regelrechtes Meisterwerk der Oldenburger vor, welches seinem Titel auch musikalisch alle Ehre macht.  Grund genug, das schon lange geplanten Vorhaben, die Band im Eternity zu featuren endlich in die Tat umzusetzen, Gitarrist Jens Finger stellte sich für diesen Zweck bereitwillig zur Verfügung.

Hi Jens, ihr habt soeben ein Hammeralbum veröffentlicht, mit welchem ihr euch wohl zweifellos an die Spitze der, nun stapeln wir mal tief , deutschen Death Metal Szene geschossen habt. Wie seht ihr das, und was gibt es aus eurer Sicht über das neue Album zu erzählen?
Besten Dank für deinen Lob. Wir freuen uns selbstverständlich über solche Aussagen, versuchen aber so etwas nicht zu ernst zu nehmen, schließlich sind es nicht zuletzt die Fans, die durch ihr Vekaufsverhalten bestimmen, welche Band an der Spitze steht, obwohl dies natürlich maßgeblich von den Plattenfirmen, deren Engagement und (leider) auch vom RockHard abhängig ist, der doch mehr Macht besitzt als seinen Redakteuren vermutlich klar ist. Nehmen wir mal das neue Album ‘Intense’: Da gibt der RH der Scheibe eine 8 und die ‘Human Barbeque’ hat damals eine 8,5 bekommen, da frage ich mich manchmal, ob die sich die Scheiben überhaupt anhören – wobei das bei 50 Platten im Monat auch nicht einfach zu sein scheint. Das neue Album ist meiner Meinung nach das beste, was wir bis jetzt abgeliefert haben, sowohl Produktionstechnisch, als auch vom Songwriting. Vor allem sind auf diesem Album 10 kompakte Songs drauf ohne Schnörkel und Spielereien. Wir sind auch wirklich sehr zufrieden mit der Arbeit von Jörg Uken vom Soundlodge, mit dem auch menschlich sehr gut klarzukommen war.

Ihr seid ja nun schon etliche Jahre aktiv und habt dabei nie den Bezug zur Basis verloren, wenn man dann mit solchen Superlativen wie “Europas führende DM Band” ect konfrontiert wird, wie geht ihr damit um?
Wie schon gesagt, wir nehmen so etwas nicht allzu ernst, da es meiner Meinung nach echt eine ganze Menge Bands gibt, die wirklich gut sind. Natürlich gibt es auch eine ganze Menge Schrott. Wir werden bislang allerdings nicht gerade mit solchem Lob überschüttet, obwohl ich zugeben muß, daß die meisten Kritiken sehr positiv für uns ausgehen, was uns natürlich sehr freut.

Klar, wer freut sich da nicht. Ihr habt in Morbid Rec. einen, wie mir scheint langfristigen Partner für euer Schaffen gefunden. Das war ja nicht immer so, wollt ihr für unsere Leser nochmal das Hin und Her eurer Anfangstage darlegen? Soweit ich mich erinnere erschien euer erstes (?) Album bei West Virginia Rec., das nächste bei DNS und beide Male lief der Deal für euch alles andere als glücklich… Wie war das und seid ihr bei Morbid nun endgültig und wunschlos glücklich?
Die erste Platte ‘Suffocated Truth’ erschien bei WVR, dem ehem. Label von Sabina Claasen, das sich kurz nach Erscheinen der Platte auflöste und wir somit ohne Deal und ohne Kohle dastanden. „Perversion Mankind„ erschien dann bei DNS, was wirklich das beschissenste Label auf diesem Erdball ist. Dieser Typ hat uns echt abgezockt, so daß wir nach dem Angebot von Morbid nicht lange überlegen mußten. Wir sind echt zufrieden mit ihrer Arbeit. Natürlich ist MR nicht gerade das vermögendste Label, aber sie machen schon eine ganze Menge. Kleinigkeiten, die einen stören gibt es immer, wir würden uns z.B. etwas mehr Einsatz bei den Versuchen, uns auf Festivals unterzubringen, wünschen.

Death Metal wird ja nun schon seit Jahren regelmäßig immer wieder mal gerne als “TOT” (sick!) bezeichnet und auf den abstürzenden Ast geredet, wie seht ihr das ? Wie gut schätzt ihr euern Überblick über die derzeitige DM Szene ein? Interessiert euch das nicht, oder beobachtet ihr schon aufmerksam die “Konkurrenz” und/oder den “Nachwuchs” ?
Natürlich interessiert es uns, wenn eine Band, egal ob Newcomer oder etablierte Band, eine neue Platte rausbringt, schließlich sind wir selbst DM Fans; und es freut mich, wenn ich eine gute Platte höre. Nur leider geht in der Flut der Veröffentlichungen die eine oder andere gute Platte unter, da zumeist nur die großen Bands Aufmerksamkeit finden.

Bei euerm vorletzten Berlin Besuch (den letzten hab ich leider verpasst), hattet ihr ne Super Einlage mit Björn und Jens von Night in Gales, welche Studiobedingt in Berlin weilten und sich den Besuch eures Gigs nicht nehmen ließen. Beide kamen zur Coverversion von Slayers ‘Reign in Blood’ auf die Bühne und beteiligten  sich Gesangs und Stageactionmäßig. Habt ihr besonders gute Kontakte zu NIG, war das eher spontan und zufällig, oder reißt ihr solche Sachen öfter ab, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet?
Wir kannten die Jungs von diversen Konzerten, die wir gemeinsam spielten, wußten aber nicht, daß sie in der Zeit in Berlin waren. Als sie mitbekamen, daß wir dort spielen würden, sind sie einfach vorbeigekommen. Da NIG auch schon einmal den Song gespielt haben, (wer hat das eigentlich noch nicht? – Anm der Verf.) kamen sie auf die Idee, mitzumachen und wir hatten selbstverständlich nichts dagegen. Wir sind eigentlich für jeden Quatsch zu haben.

Die Aktion fand ja auch gehörigen Zuspruch von Seitens des Publikums. Wie würdet ihr eigentlich den momentanen Zustand der Metal Szene beschreiben.
Gut finde ich, daß die 80er wieder aufzuleben erscheinen, wenngleich ich sagen muß, daß der HM- Boom mir schon wieder auf die Nüsse geht. Auch diesen ganzen Black-Metal Kram mag ich nicht, aber das ist halt Geschmackssache. Solange die Typen sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Naja, vielleicht kommt ja bald eine neue DM- Phase, wobei auch das in den letzten Jahren wieder besser geworden ist. Insgesamt denke ich aber, daß es zu viele Bands gibt und auch zu viele Labels, die sich alle gegenseitig kaputtmachen. Viele sehr kleine Bands machen z.B. die Gagen kaputt. Da sagt ein Veranstalter, warum soll ich soviel Geld für eine Band bezahlen, wenn ich für das gleiche Geld drei andere bekommen kann. Diese Leute haben meist keine Ahnung vom Metal und können den Qualitätsunterschied oft garnicht nachvollziehen. Das ist für uns oft nicht so toll, andererseits finde ich es gut, wenn vielen jungen Bands die Chance gegeben wird, live zu spielen.

Für die Leute unter unseren Lesern die es bisher versäumt haben in eine eurer Veröffentlichungen hineinzuhören, welhe Obscenity Scheibe würdest du einem Neueinsteiger empfehlen und wie würdest du ihm beschreiben was ihn da ungefähr erwartet?
Holt euch die neue Scheibe ‘Intense’ oder die ‘3rd Chapter’. Diese beiden Alben sind meiner Meinung nach die besten. Es ist schneller Death Metal mit einigen Melodien und HM Einflüssen und einem hohen Wiedererkennungswert, der nicht zu Lasten der Komplexität der Songs geht. Außerdem sind die Soli sehr schön gelungen, finde ich. Man muß es sich einfach anhören. Ich denke, daß wir durchaus unseren eigenen Stil haben, auch wenn dies etwas floskelhaft klingt.

Okay, kommen wir von euren Scheiben mal kurz zu den veröffetnlichungen der ‘Konkurrenz’ Welche 5 Scheiben würdet ihr jetzt schon als DIE Metal Scheiben des  Jahres bezeichnen – und welche Scheiben sind für euch privat jetzt schon die Scheiben eures Lebens?
Gute Frage, normalerweise sage ich nicht gerne etwas über andere Bands egal, ob positives oder negatives, aber eins sage ich euch: Thorium hat in meien Augen eine Hammerscheibe abgeliefert und natürlich Vader, die meiner Meinung nach die beste DM Band zur Zeit sind. Die besten Scheiben aller Zeiten sind definitiv von Slayer, Kiss, Iron Maiden, Ozzy Osbourne. Einzelne Scheiben kann man garnicht angeben, da diese Bands so viele gute Platten rausgebracht haben.

Wie sieht es in nächster Zeit mit eurer Livepräsenz aus? Gibts da irgendwelche (Tour)aktivitäten, oder Festival Auftritte zu vermelden? Oder ist gar was größeres in Planung?
Tja, das gestaltet sich im Moment etwas schwierig, da unser Dummer Sascha ausgestiegen ist und wir momentan mit unserem Neuen  Marc Andre Dieken versuchen, ein Set zusammenzubekommen, um auf den diesjährigen Morbiden Festspielen zu spielen. Eigentlich war auch das tschechische Dynamo geplant, aber aufgrund des Ausstiegs von Sascha scheint das nicht mehr zu klappen. Ich möchte dazu weiter auch nichts sagen, da ich sonst sehr leicht ausfallend werden könnte, was sicher nicht in die Öffentlichkeit gehört. Wir hoffen allerdings bald auf  Tour gehen zu können.

Ihr habt eure letzten Scheiben ja in verläßlicher Regelmäßigkeit im Jahresrhytmus veröffentlicht, soll das auch die nächsten Jahre so weitergehen? Habt ihr euch das so vorgenommen oder habt ihr einfach im Laufe eines Jahres genug Ideen für ein neues Album zusammen? Was ist wenn euch diese mal ausgehen? Würdet ihr ein Album veröffentlichen welches lediglich ‘Füllmaterial’ enthält, nur weil ihr einen bestimmten Veröffentlichungsplan folgen müßt, oder würdet ihr eure Fans lieber etwas länger warten lassen und sie dafür mit 100%iger Kost befriedigen?
Eher zweiteres, obwohl ich zugeben muß, daß wir bei der Human B. in einer ähnlichen Situation waren und wir nicht genug neues Material hatten. Das wird aber nicht noch einmal vorkommen. Die Ideen gehen uns so schnell nicht aus. Ich glaube, ich könnte eher noch ein Soloalbum nebenbei veröffentlichen. Das Problem ist meist eher die Zeit.

Wenn du 3 Eckpunkte in der Geschichte Obscenitys umreißen müßtes die etwas prägendes hinterlassen haben, bzw/oder die irgendwie wegweisend für euch waren – welche sind das?
Mein Einstieg in die Band 1993 war für mich natürlich der erste wichtige Punkt. Ob die anderen das auch als wegweisend betrachten würden, weiß ich nicht, da ich aber den überwiegenden Teil der Riffs beisteuere und im Songwriting insgesamt recht aktiv bin, denke ich, war das nicht ganz unwichtig. Dann war die 3rd Chapter und der Vertrag bei MR sicherlich wichtig. Ich hoffe, daß die ‘Intense’ und der Studiowechsel, den wir gemacht haben uns jetzt wieder einmal weiter bringen wird.

Was haltet ihr/ hältst du vom Statement: “Früher war alles besser” ?
Stimmt. Zumindest in meiner Erinnerung, obwohl ich natürlich weiß, daß dies auch immer stark romantisierend ist. Heute gibt es zwar mehr Bands, mehr Platten, mehr Konzerte, aber leider ist auch mehr Schrott dabei. Früher war man noch Rebell, wenn man Metal gehört hat, heute gilt man eher als altmodisch. Auf vielen anderen Gebieten muß ich allerdings auch sagen, daß früher einiges besser war. In den 60ern z.B. sind die Jugendlichen wenigstens noch politisch interessiert gewesen und sind für ihre Ideale auf die Straße gegangen, heute sind die meisten Jugendlichen nur noch angepaßte, egoistische Arschlöcher, die sich mehr für Computer und Aktienkurse interessieren als für soziale Mißstände.

Hoppla, harsche Kritik an der heutigen Jugend. Glücklicherweise gibt es jedoch auch heute immer noch welche die sich engagieren und in eigeninitiative Zines ect, auf die Beine stellen, oder? Was bedeutet für euch jedes einzelne geführte Interview? Sind das Dinge die einfach dazugehören, freut ihr euch über jedes einzelne weil ihr Interviews als besonders wichtig erachtet, oder gelten für euch nur “große Magazine” und alles andere ist lästiger Quark? Gibt es Interviews in Mags die euch besonders wichtig sind und/oder freuen?
Eigentlich ist mir das egal, was für ein Magazin das ist. Wichtiger sind die Fragen. Wenn du zum hundertsten Mal gefragt wirst, warum man immer noch DM macht, obwohl das z.Z. nicht angesagt ist, kotzt es einen wirklich an und zeigt, daß der Interviewer nichts von dem verstanden hat worüber er schreibt. Außerdem wird man sehr oft belanglose Sachen gefragt, die mit Musik nichts zu tun haben und eher Bravo Niveau haben. Freuen würde ich mich mal über Fragen, die mich als Gitarristen und Songwriter betreffen, wie wir Songs schreiben usw.

Gab es in einem Interview schonmal eine Frage, deren Beantwortung ihr im Nachhinein bereut habt, bzw im Nachhinein lieber eine andere Antwort gegeben hättet?
Eigentlich nicht, man ärgert sich höchstens über das was der Interviewer daraus macht.

Nun, dann hoffe ich, daß du mit dem zufrieden bist, was wir aus dem Interview gemacht haben. Lass uns langsam zum Ende kommen, möchtest du/ihr sonst noch irgendwas loswerden? Dann ist das hier der Platz für eure Last Words …
Herzlichen Dank für die interessanten Fragen und euer Interesse an der Band. Hoffen wir, daß ihr uns bald live sehen könnt. Stay obscene!!!!

…welchen nichts hinzuzufügen ist – außer: Checkt ide aktuelle Obscenity Platte – sie wird euch umblasen!
www.obscenity.de