Immortal Rites Interview

Das ETERNITY hat Geburtstag. 10 Jahre. Am anderen Ende der Republik, genauer gesagt in Schwäbisch Gmünd, ist man ebenfalls seit 10 Jahren am werkeln. Das Geburtstagskind hört auf den Namen MYSTICAL MUSIC, und wenn es in der Szene irgendwer verdient hat, das Kult-Prädikat umgehängt zu bekommen, dann dieses legendäre, seit 1995 jährlich erscheinende Untergrund-Zine. In diesem Interview kommt aber nicht nur das Heft zur Sprache, sondern auch eine mit dem Heft verwobene Band. IMMORTAL RITES, eine Death Metal Band, die mit ihrem 2003er „Art of devolution“-Album der Schwedentod-Gemeinde einen gehörigen Arschtritt verpaßt hat. Das Bindeglied zwischen Heft und Band heißt Ralf Hauber und ist Bassist, Bandsprachrohr, Chefredakteur und Herausgeber in einer Person. Ein idealer Augenzeuge und Chronist, der über die letzte Dekade einiges zu erzählen hat…

Servus Ralf, um mal irgendwo anzufangen: du hast ja zwei recht zeitaufwendige „Hobbys“: deine Death Metal Band IMMORTAL RITES und dein MYSTICAL MUSIC Fanzine. In beiden spielst du mehr oder weniger die Hauptrolle. Mal ganz gerade heraus gefragt: was ist dir wichtiger und in was investierst du mehr Zeit?
Servus Josef & ETERNITY Leserschaft – Aaargh, also ab in diesen Fragenmarathon. Ich kann dir aus dem Stehgreif definitiv nicht sagen, für welches Hobby ich mehr oder weniger Passion empfinde. Fakt ist jedenfalls, daß ich im Moment keines von beiden aus meinem Leben streichen möchte und ich bei beiden auf irgendeine Weise mehr oder weniger Erfüllung finde. Am MYSTICAL MUSIC kann ich z.B. alleine arbeiten, d.h. ich kann mir die Zeit selbst einteilen. Eine Band hingegen lebt von einer Gruppendynamik, und oft ist es schwer, alle Leute unter einen Hut zu bekommen, da eben Alltag und vor allem Berufsleben bei jedem eine große Priorität hat und dementsprechend Zeit verschlingt!
Ein Thema aber gleich vorab: HAUPTROLLE!!! Es stimmt zwar, daß beim MYSTICAL MUSIC Zine alle Fäden über mich zusammenlaufen, aber in Bezug auf die Band ist jedes Mitglied ein Teil des Ganzen. Sehr viel Pressearbeit und organisatorische Sachen laufen über mich, so daß mein Name oft in Verbindung mit den Kontakten auftaucht. Aber in Bezug auf den kreativen Bereich, welcher eigentlich eine Band ausmacht, bin ich auch „nur“ ein Teil des Ganzen!
Macht es mehr Spaß, Musik zu spielen oder darüber zu schreiben?
Beides hat Reize und Vorzüge, und beide Dinge sind vorteilhaft, wenn sie Hand in Hand gehen, da man verschiedene Sichtweisen bekommt…
Euer aktuelles und erstes richtiges Album „Art of Devolution“ erschien vor zwei Jahren, im Spätherbst 2003. In Europa über Morbid Records und in Amerika via Khaosmaster in einem schicken Digipack mit zwei Bonusstücken. Ich habe gelesen, daß ihr das Album komplett vorfinanziert habt und anschließend professionelle Promos herstellen habt lassen, die dann an ca. 200 Plattenfirmen geschickt wurden. Das ganze zum Preis „in Höhe eines Kleinwagens“. Ihr wolltet es also wissen! Jetzt haben wir Herbst 2005. Wie lautet dein Fazit nach zwei Jahren?
Ich denke, wir haben viel dazugelernt und Erfahrung gewonnen, was zum Teil. ernüchternd aber auch bereichernd war. Realistisch gesehen haben wir halt gelernt, daß es so verdammt schwer ist, sich auf der geschäftlichen Seite behaupten zu können, wenn man nur ein kleiner Fisch ist. Es hängt sehr viel von Umständen ab, welche teilweise mit Musik an sich nichts zu tun haben, wobei wir für unsere Verhältnisse doch weit gekommen sind und uns viele Träume erfüllen konnten! Unser Album erschien als Digipack in den USA via KHAOSMASTER Productions – ein kleines Label, ein wahrer Maniac aus Puerto Rico, der uns als No-Name-Band aus Überzeugung unter Vertrag nahm. Er konnte in den Staaten bis jetzt über 1.000 Exemplare unters Volk bringen, wobei der Markt dort noch viel härter ist. Im Medienbereich herrscht da eine extreme Geldschieberei, schon alleine, wenn es um Reviews geht. Anyway, er ließ sogar Poster, Stickers usw. drüben machen, bewarb die Scheibe bestmöglich und ist mittlerweile ein wirklicher dicker Kumpel geworden. Es war schon unglaublich, unsere Scheibe in den USA im Laden zu finden!
Morbid Records haben uns hier in Sachen Promotion einen guten Start gegeben. Ihr damaliger Promoter Olaf klemmte sich derart rein, daß wir für dieses Album etwa 50 Interviews hatten, und auch in Teilen der größeren Presse wurde das Album mit guten Wertungen aufgenommen. Wir waren in echt vielen Medien präsent und haben selbst auch sehr engagiert gearbeitet, spielten viele Einzelshows, u.a. mit UNLEASHED, YATTERING, IN BATTLE, BEHEMOTH, DISBELIEF, GOD DETHRONED, darunter auch einige Open Airs wie SUMMER BREEZE, FUCK THE COMMERCE, ZABBADUSCHDER Open Air oder das kultige OPEN HELL Fest in der Tschechei mit DISSECTION. In Europa lagen die Verkäufe im April 2005 bei über 1.000 Einheiten, was aus Labelsicht sicherlich mehr hätte sein können, aber man muß sich einfach die derzeitige Marktlage vor Augen halten und sehen, daß dies unser erstes richtiges Album war…Wir sind MORBID dankbar dafür, daß sie das Album für Europa genommen haben und am Ende gibt es immer Pro und Kontra für beide Seiten! IMMORTAL RITES sind in den letzten 2 Jahren durchaus gewachsen, wobei die heutige Szene extrem hart ist, und wenn man nicht ständig aktiv ist, geht man schnell unter, keine Frage!
Gehen wir 10 Jahre zurück. IMMORTAL RITES wurden 1996 gegründet. Bereits ein Jahr früher erschien die erste Ausgabe des MYSTICAL MUSIC. Es besteht also kein Zweifel: zuerst war das Heft, danach kam die Band…
Aus meiner Sicht ja. Wobei ich aber sagen muß, daß ich erst zu IMMORTAL RITES kam als Ausgabe #1 mehr oder weniger veröffentlich war. Die Band selbst gab es jedoch schon seit 1995, d.h. es gab erste Gehversuche mit einem anderen Sänger und Mr. Rollwagen am Bass, der jedoch studiumstechnisch umzog. Im folgenden wurde dann sein Platz von mir eingenommen…
Wie kam es denn eigentlich zur ersten Ausgabe? War es ‘ne schwierige Geburt? Ich finde es immer interessant, zu sehen, wie und warum sich jemand von einem begeisterten Fan hin zu einem aktiven Teil der Szene entwickelt…
Wow – wirklich Urzeiten!!! Nun ja, hab so 1994 den Dominik bei uns auf der Realschule kennengelernt…ganz lustig, ich glaube, wir waren damals die einzigen Metalheads in dieser Schule. Das heißt, es gab die ganze Chose wie Anecken mit bösen Death Metal Shirts…usw. Irgendwie war man halt ein Außenseiter. Wir tauschten dann regelmäßig neue CDs und LPs aus, wobei der Geschmack und der Durst nach Metal immer extremer wurde.
Dominik hatte sich damals schon das ein oder andere Fanzine gekauft und Listen von Undergroundmailordern zu Hause. Man rutschte mehr und mehr in die Szene hinein und merkte, daß es neben den bekannten Großen auch noch unzählige kleine, unterbewertete, aber geniale Acts gab. Irgendwann orderte ich mir dann das erste DEW-SCENTED Demo und kaufte mir bei Sänger Leif Jensen noch zusätzlich das VOICES FROM THE DARKSIDE Zine, von welchem damals gerade #2 herauskam. Dieses Heft hatte mich stark fasziniert – es hatte einfach eine Fan-Ader, es war anders als der dünne „Krach von der Basis“-Teil im ROCK HARD und hatte wirklich Extreme in Sachen Bandauswahl und Tiefgang im Schreibstil. Nachdem Dominik und ich dann zunächst Tapetradinglisten gemacht haben, unsere ersten Versuche Musik in Worte zu packen, kam dann letztlich die Idee, selbst ein Zine zu machen, welches auf unserem eigenen Mist gebaut ist…
Das erste Heft hatte eine Auflage von nur 100 Stück, 70 Seiten, ein etwas einfältiges Cover und war innerhalb eines Jahres ausverkauft.
Ja, es ging an Kumpels, und es wurde auch viel verschickt, um erste Kontakte in der Szene zu knüpfen. Des weiteren erhielten auch Interviewpartner jeweils ein Freiexemplar. Das Heft war Kult, vor allem wenn ich überlege, daß wir damals schon Bands wie DARK FUNERAL, DEW-SCENTED, NOVEMBRE oder MONSTROSITY drin hatten, die es heute immer noch gibt bzw. zwischenzeitlich große Namen sind…
Das MYSTICAL MUSIC war vom Start weg ein reines Death Metal Fanzine. Wie kam denn der Name zustande? Also mir fällt zu Death Metal vieles ein, aber als „mystische Musik“ würde ich sie jetzt nicht bezeichnen…
Ha! Der Name! Der Über-DEATH METAL-Slogan ist MYSTICAL MUSIC sicherlich nicht, wobei Untergrund ja auch etwas mit „Entdecken von Neuem“ zu tun hat, sodaß man durchaus mit etwas Fantasie von Mystik & Geheimnis sprechen könnte. Des weiteren haben sich im Laufe von 10 Ausgaben auch immer wieder Bands in die Gazette verirrt, welche nicht eindeutig in die DEATH METAL Schublade passen, so daß ich eine totale Limitierung nicht unterschreiben möchte. Ich war damals 15 Jahre, als ich mit dem Namen ankam… Das Logo & das Cover von Ausgabe #1 machte uns der belgische Künstler Christophe Szpajdel  -eigentlich der Bandlogo-Gott der Szene, u. a. machte er auch die Schriftzüge von EMPEROR, DESASTER, ENTHRONED. Für uns  machte er damals Logo & Cover for free!!!
Im Gründungsjahr von IMMORTAL RITES  blickte die halbe Heavy Metal Welt nach Schweden. „The gallery“ (Dark Tranquillity), „Slaughter of the soul“ (At the Gates) und „The jester race“ (In Flames) kamen damals gerade raus und gelten heute allesamt als Klassiker. Taufpaten für die Band IMMORTAL RITES standen sie wohl auch. Welche der Bands hat dich denn am meisten beeindruckt? Warst du ein richtig beinharter Schwedenfan?
Als ich 1996 in die Band kam, kamen diese Alben nach und nach erst auf den Markt! Ich weiß noch, dass z.B. die „Subterranean“-MCD von IN FLAMES wirklich unglaublich war. Zum ersten Mal war da eine extreme Band, die regelrecht in Melodielinien ertrinkt. Wir hatten damals auch probiert „Stand ablaze“ zu covern… „The Gallery“ ist und bleibt für uns ein Meilenstein in Sachen Perfektion und Arrangements, vor allem waren DARK TRANQUILLITY auch schon mit den Vorgängersachen anders als viele 08/15 Death Metal Acts. Die ganz alten AMORPHIS Sachen waren in Bezug auf Songwriting, Schreiben von Melodien usw. für unseren Gitarristen Philipp eine große Sache. Hinzu kamen auch Scheiben wie „Purgatory afterglow“ von EDGE OF SANITY oder ROTTING CHRIST, die auch immer melodischer wurden. Ich denke, daß auch die ersten Releases von DISSECTION und DARK FUNERAL einen großen Eindruck machten. Ein Album, welches in Sachen Melodie damals ebenfalls wichtig für uns war, ist „Massive killing capacity“ von DISMEMBER.
Ein Hang zu Melodie war jedenfalls bei IMMORTAL RITES schon seit den Anfangstagen gegeben, die Tendenz ging eher zu Schweden- als zu US-Sounds, wobei wir dennoch alle auch auf Sachen wie DEICIDE, MORBID ANGEL, DEATH (!!!) und alte CANNIBAL CORPSE stehen. Oder nimm unseren Drummer, der war von Anfang an auch Feuer und Flamme für Sachen wie MAYHEM, IMMORTAL und MARDUK.
1996 war ja irgendwo Höhepunkt und gleichzeitig auch Ende des typisch schwedischen Death Metals. Die Musik war quasi wieder auf dem Weg zurück in die U-Bahn. Typisches Beispiel ist vielleicht AT THE GATES, die sich nach „Slaughter of the soul“ frustriert aufgelöst haben. Der extremere Teil der Fans landete beim Black Metal, aus schwedischem wurde melodischer Death Metal, teilweise mit Keyboard, der sich mit den Jahren nur noch durch den Gesang von Bands wie IRON MAIDEN unterschied…
Nein, das sehe ich anders. Schweden ist in Bezug auf die Metalszene so vielschichtig und auf erschreckende Art & Weise qualitativ wie kaum ein anderes Land. Ich denke, jeder Stil hat überlebt, auch wenn ihm die Mitbegründer teilweise nicht mehr huldigen! Nimm z.B. Bands wie KAAMOS, NOMINON oder PAGANIZER, welche voll in der richtigen „Döds Metal“-Tradition der urigsten 90er stehen oder eine Band wie VERMINOUS, welche 1-A auf den GROTESQUE-Stil paßt. Der Begriff Death Metal ist so riesig und viele streiten sich gerne, welche Band nun (noch) in dieses Genre paßt oder nicht. Bands wie IN FLAMES, SOILWORK, DARKANE oder ARCH ENEMY haben viele Horizonte erweitert und diesen melodischen Stil einem viel breiteren Publikum vorgestellt, was Traditionalisten bestimmt schwerer im Magen liegt als unbewußt irgendwelchen Neulingen.
Auch IMMORTAL RITES hatten von Anfang an diese melodischen Leads. Im Zweifel immer etwas mehr von IN FLAMES als von AT THE GATES, um das mal plakativ auszudrücken…
Ich denke, unbewußt haben wir beiden Bands schon mehr als einmal Tribut gezollt! „Fatal exploited“, der Opener von „Art of Devolution“ ist im Prinzip mit demselben Nachbrecher Schema aufgebaut wie „Blinded by fear“, wobei es nicht darum ging, das Original zu kopieren, sondern einfach einen Track zu haben, welcher spontan in den Arsch tritt und auch einige Thrashparts im Gepäck hat!
Und den Namen IMMORTAL RITES habt ihr von einer MORBID ANGEL Scheibe geklaut…
Ja, der Bandname riecht förmlich nach „Altars of madness“, nicht wahr?
Gab es in der Zeit 1996-1998 irgendwelche Demos oder Proberaumaufnahmen?
Hm, das Line-Up ist seit 1996 unverändert und wir haben mittlerweile schon einiges zusammen erlebt! Viel Spaß, aber auch viele Höhen & Tiefen, sodaß es definitiv eine richtige Freundschaft ist, die die Band verbindet. Das Gute an der Zeit war, daß wir alle entweder die Schulbank drückten oder gerade in den ersten Jahren der Lehre steckten, d.h. wir hatten genug Freiraum für regelmäßige Proben. In der ersten Zeit wurden eigentlich 12 Tracks geschrieben, von welchen jedoch nie irgendeiner auf professionelle Art aufgenommen wurde. Es gibt noch ein paar der alten Lieder auf Videoaufnahmen. Und auf der Tapeversion von „Beyond the gates of pain“, welche via KETZER Records in Kooperation mit BEVERINA Prod. aus Lettland erschien, gibt es auf der B–Seite eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1997, schön rumpelig & mit tonnenweise Fehlern und Timingschwankungen, aber KULT!!! Wir haben eigentlich vor der ersten CD für unsere Verhältnisse sehr viel live gespielt. Ich denke, es waren  über 20 Shows, mit MYSTIC CIRCLE, FLESHCRAWL, END OF GREEN, MIRROR OF DECEPTION, BEHIND THE SCENERY, DAWN OF DREAMS…u.v.a.
Sind sich Fanzine und Band in dieser Zeit eigentlich mal in die Quere gekommen? In dem Sinne, daß aus Zeitgründen eines von beiden kürzer treten mußte…
Nein, ich konnte mir das Ganze phasenweise immer mehr oder weniger gut zurechtrücken.
Immerhin erschienen bis 1998 vier Ausgaben des MYSTICAL MUSIC. Pünktlich jedes Jahr im Herbst ´ne neue Nummer. Ich war leider erst ab der #5 dabei. Kannst du deshalb mal kurz die Entwicklung der ersten vier Ausgaben schildern. Bzgl. Auflage und Umfang ging es ja stetig bergauf…
Hm, wir haben auf der Homepage www.mystical-music.de eine Art Historie eingerichtet, welche ALLE Printausgaben mit den dazugehörenden Details wie Bandauswahl, Auflage, Cover, Specials…etc. aufführt. Werft mal einen Blick darauf!
Aus heutiger Sicht muß ich sagen, dass sich innerhalb der ersten 4 Ausgaben vor allem die Kontakte stark erweitert haben. Wir hatten wirklich schon EINIGE Bands im Heft, die heute bestimmt keine brieflichen Interviews mehr führen würden, z.B. IN FLAMES, welche wir noch vor „The jester race“ interviewt haben (in der #2 -Verf.). Gitarrist Jesper hat eine abartige Handschrift, was jedoch viele von mir auch behaupten…(Tempora mutantur! Dank sei Sony und Microsoft! -Verf.) Wir hatten damals auch etliche Specials, beispielsweise Szenereporte aus osteuropäischen Staaten, welche bis dato noch als totales Metal-Neuland galten. Und in Sachen Coverkünstler hatten wir von Anfang an darauf gesetzt, stets ein richtiges Artwork zu haben, d.h. keine Bandfotos usw. wie man es in vielen Gazetten vorfindet. Besonders in Erinnerung habe ich auch die Tatsache, daß ich phasenweise irre viel Post erhalten habe, bis zu 10 Briefen täglich mit Demos, Bestellungen oder sonstigen Kontakten. Es entwickelte sich hieraus wirklich ein massiv zeitaufwendiges Hobby.
Die #5 vom Herbst 1999 ist schon ein richtig fettes Teil geworden. Die großen Themen damals: Veröffentlichungsflut, Black Metal Rummel, Kommerzialisierung der Szene, das Gefühl, daß das alte Feeling unwiderruflich vorbei ist. Hat sich bis heute nicht wirklich viel geändert, oder?
Doch! Was sich im Laufe der Zeit mehr und mehr geändert hat, ist die eigene Einstellung. Ich denke, kritisieren ist der eine Faktor, aber es geht auch darum, mit dem Heft ein Zeichen zu setzen, daß es auch anders geht! Zum Beispiel Interviews umfangreicher, facettenreicher machen, Bands auswählen, die in der Masse untergehen und eben das präsentieren, was man selbst für richtig hält! Ich denke, das steht auch im Sinne des alten Feelings, was jedoch nicht heißt, daß alles old school und true sein muß. Es gibt viele Bands, die den alten Geist in sich haben, aber musikalisch das Ganze auf einen neuen Level bringen. Kurzum: Es hängt immer davon ab, was man daraus macht!
Richtig! Um so wichtiger, daß es auch immer wieder Idealisten gibt, die sich die Mühe machen, ein Printmagazin auf die Beine zu stellen. Wie ist dein Verhältnis zum Medium Internet? Könntest du dir vorstellen, das MYSTICAL MUSIC irgendwann mal auf ein reines Internet-Fanzine umzustellen? Oder vielleicht Heft und Internet nebeneinander laufen zu lassen, um dann einmal im Jahr das Beste in einer Printausgabe zusammenzufassen? Darauf läuft es ja mehr oder weniger hier beim ETERNITY hinaus…
Als pures Webzine könnte ich mir das MYSTICAL MUSIC aus heutiger Sicht nicht vorstellen, aber Webpräsenz ist wichtig, vor allem in Bezug auf Kontakte, Präsentationen und eben um die Verkäufe des Heftes zu pushen. Deshalb haben wir www.mystical-music.de eingerichtet, was auch als Archiv für alte Interviews von ausverkauften Ausgaben dienen soll sowie zur Vorstellung des Heftes an sich! Schnick-Schnack wie Bildergalerien usw. haben natürlich auch ihren Reiz, aber die Seite dient in erster Linie als Support für die Printausgabe!
Voices from the Darkside, Ablaze, Chaos Magazine, Mortal Sin, Ancient Spirit… Die Liste ist lang von Magazinen, die kaputtgegangen sind und jetzt, zum Teil, als reine Internet-Fanzines weitervegetieren. Auf der anderen Seite gibt es aufwendige Internet-Portale wie Vampster.com oder Metal.de, die ohne einen Print-Hintergrund quasi aus dem Nichts entstanden sind. Die Veröffentlichungsflut wird hier mit Hundertschaften von Schreiberlingen kritiklos abgebildet. Selektion findet keine statt, alles wird besprochen und alles ist essentiell und empfehlenswert. Hauptsache Quantität. Qualität ist nicht so wichtig. Was sich auch auf die Horden von „Schreiberlingen“ bezieht, die teilweise einfach nur die Jubelarien vom Plattenfirmen-Waschzettel abschreiben (Da einem diese auch vorliegen, merkt man das sofort). Man kann das im Internet-Zeitalter nicht verhindern, aber der Szene tut das, vorsichtig formuliert, nicht gut…
Es gibt sehr viele, zum Teil auch noch recht junge Schreiberlinge, die weder einen wirklichen Background haben noch sich wirklich intensiv mit einer Band auseinandersetzen und auf vielen unwichtigen Oberflächlichkeiten herumreiten. Es gibt zwar tonnenweise Online-Mags./Webzines und auch Leute, die hier versuchen irgendetwas aufzubauen, aber die Erfahrung hat gezeigt, daß es nur wenige Leute gibt, die auf Dauer motiviert und engagiert sind. Auf Dauer wird sich nur Qualität durchsetzen und auch respektiert werden. Ich für meinen Teil bin etwas altmodisch, d.h. ich lese lieber ein Interview in einem Printzine oder Mag (welches ich dann auch auf dem stillen Ort lesen kann), anstatt einen ewig langen Text am PC. Ich denke jedoch, daß für jüngere Fans die Onlinemedien viel selbstverständlicher sind, aber am Ende kann man den Zahn der Zeit auch nicht aufhalten. Die Zeiten der frühen 90er sind lange, lange, sehr lange vorbei… (und das sagt ein 25-Jähriger! Kollege, weißt du, wie ich mich jetzt fühle? Uralt… -Verf.)
Plattenfirmen (Nuclear Blast) und etablierte Händler (EMP) bringen „Magazine“ raus und scheinen damit beim Fan auch anzukommen. Und große Magazine wie Rock Hard oder Legacy entdecken als neue Geldquelle Online-Vertriebe, in denen sie die CDs verticken, die sie vorher selber besprochen haben. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Und der gemeine Heavy Metal Fan schluckt das alles. Man scheint heute wesentlich unkritischer zu sein als noch vor 10 oder 20 Jahren… Gibt es „übergrund“ überhaupt noch Seriosität und Ehrlichkeit in der Szene?
Die gibt es definitiv noch. Denn nahezu jede Band, die aus dem Untergrund kommt und sich in dieser Szene behaupten will muß tonnenweise Fleiß, Idealismus und Herzblut zeigen, d.h. man muß tonnenweise Dreck fressen, um einen Funken Erfolg zu sehen, und das hält ein Künstler nur aus, wenn er von seiner Kunst überzeugt ist!!!
Die Geschäftsseite an der Sache ist natürlich sehr ernüchternd, aber man muß die Dinge auch realistisch sehen. Ein Label wie z.B. NUCLEAR BLAST beschäftigt locker über 30 bis 40 Leute. Da muß Geld fließen und Professionalität in dieser Form zielt eben auf maximalen Umsatz ab. Eine ganz nüchterne und wirtschaftliche Denkweise, wobei es am Ende immer noch der Fan in der Hand hat und bestimmt, welche Band oder Magazine er oder sie kauft …(Nun, was Umsatz und wirtschaftliches Denken angeht, da stimme ich dir zu. Die Frage zielte aber eher auf EHRLICHKEIT und SERIÖSITÄT. Wie ehrlich ist denn ein Review über eine Scheibe, das von der eigenen Plattenfirma geschrieben worden ist? Wie objektiv ist denn ein Review, daß mit den Worten endet: „gibt es in unserem CD-Shop zu kaufen“? Hier gehen Dinge zusammen, die nicht zusammengehören! Das ist so, als würde Siemens für die Stiftung Warentest Staubsauger testen…-Verf)
Jetzt sind wir doch etwas abgedriftet. Um noch mal auf die #5 zurückzukommen, es war das letzte Heft mit deinem alten Mitstreiter Dominik Irtenkauf. Ich persönlich war nicht unglücklich darüber, daß er aufgehört hat (und wohl viele andere auch…). Habt ihr euch verkracht? Ich weiß ja nicht, wie das in den ersten vier Ausgaben war, aber in der #5 ist es überdeutlich, daß ihr beide unterschiedlicher nicht sein könnt…
Nein, verkracht haben wir uns nicht, aber ich denke einfach, daß sich bei Dominik seine Interessen verlagert haben. Er wollte mehr und mehr in dieser Literatur/Schreiberkiste rein, verfaßte selbst Kurzgeschichten und in Verbindung mit seinem Studium, welches ihn auch dazu bewog, nach Münster zu ziehen, war aus seiner Sicht eben kein Platz mehr für das MYSTICAL MUSIC. Sein Schreibstil tendierte am Ende auch in eine total andere Richtung als der meine, was ja auch auf Kritik gestoßen ist. Tja, nun stand ich also da. Mit Dominik gingen viele Kontakte unter, die ich erst mühselig wieder aufbauen mußte, und urplötzlich stand ich auch ALLEINE vor der Layoutaufgabe, was davor noch auf Dominiks Konto ging…
Was treibt der Kollege heutzutage denn so? Habt ihr noch Kontakt?
Er beendet in Kürze sein Studium der Germanistik, Anglistik & Philosophie und es gibt mittlerweile schon einige literarische Beiträge in Buch und Kurzgeschichtenform von Ihm. Das Ganze ist sehr abgefahren!!! Ich persönlich bin ein ziemlicher Büchermuffel und hab da keinen so direkten Bezug, aber ich denke Dominik macht wie bei MYSTICAL MUSIC damals seine Sachen mit Überzeugung und Herzblut – eben ein Freak durch & durch! Kontakt haben wir noch, aber aufgrund der Entfernung sieht man sich nicht öfters als 2 bis 3 Mal im Jahr…
Die 5. Ausgabe des MYSTICAL MUSIC hatte Inhaltsverzeichnis und Seitennummerierung. Errungenschaften, die man anno 2005 vergeblich sucht…
Ja, das ist so ein Macken von mir, denn ich denke, die Leute sollen das Heft und die Inhalte entdecken und sich nicht schon im Vorfeld alles auspicken können.
Im selben Jahr 1999 erschien auch die erste eigenproduzierte MCD von IMMORTAL RITES: „Beyond the gates of pain“, laut Booklet „recorded during four days in freezing winter of 99 at the new Nightmare Studios in Backnang“. Klingt nach viel Streß und Hektik…
Stress ist relativ! Es war unsere erste Studioerfahrung, und eine Band mit dem damaligen Durchschnittsalter von ca. 18/19 ist eben entsprechend naiv und unprofessionell. „Beyond the gates of pain“ hat quasi Democharakter, wobei die Songs an sich auch heute noch durchaus vorzeigbar sind, jedoch gibt es eben auf der Aufnahme einige kleine Patzer, Timingprobleme usw., welche auf der anderen Seite aber auch ein gewisses Flair ausmachen. Dazu muß man sagen, daß wir vor 6 Jahren noch mit Bandkassetten aufgenommen haben. Ohne PC und Pro Tools, echte Handarbeit und kein Korrigieren via Mausklick. Das Studio hatte zu jener Zeit einen guten Namen, da dort u. a. auch UNDERTOW, END OF GREEN, BLACKEND sowie eine ganze Latte von süddeutschen Acts aufgenommen haben.
Das Teil ist, um unsere wohlwollende Chefredakteurin zu zitieren (unser Maik hat schließlich auch das Cover gemalt, hehe…), schwedischer Death Metal „zwischen AT THE GATES und DISSECTION“, sehr melodisch, aber auch (vor allem durch den Gesang) leicht schwarzmetallisch angehaucht. Viel Groove. Dazu gut produziert. Ein gelungener Start jedenfalls, auf den ihr wahrscheinlich mächtig stolz gewesen seid…
Die Produktion ist für eine Demo CD aus damaliger Sicht durchaus vorzeigbar gewesen, und der etwas raue und unpolierte Sound hat den Songs auch ein gewisses Kältegefühl gegeben. Es war eben zum damaligen Stand unsere maximale Leistung. Aus heutiger Sicht klingt die Aufnahme an sich überholt, wobei es einfach der erste Schritt und die erste eigene Aufnahme war. Das Material hatte damals durchaus einen gewissen Black Metal Flair, wobei sich dies eher auf die musikalische Seite bezieht. Lyrisch war jedenfalls „The shadowsouls“ der einzige Text, der quasi leicht okkult, vom Kampf zwischen Licht und Dunkel, angehaucht war. Zur damaligen Zeit sind wir jedoch auch live mit Nieten und gewissen BM-Relikten aufgetreten (Corpsepaint??? -Verf.) und es gibt noch ein paar Leute, die durchaus mehr Gefallen am Material von „Beyond…“ als an den neuen Sachen haben.
Während sich die Schwedenfraktion wie beispielsweise unsere Katja im Eternity#11 oder Schenk (Chaos Magazine) sehr beeindruckt zeigte, gab‘s in Old School & Knüppel-Kreisen auch üble Verrisse, z.B. im Unholy Terror und im Horrible Eyes Magazin…
Nun ja, Reviews haben immer einen subjektiven Charakter und zeigen doch in erster Linie die Meinung einer Person. Wobei ich denke, daß es in heutigen Internetzeiten einfach ist, sich via MP3-Samples…etc. selbst ein Bild zu machen, sodaß ein gewisses Voreingenommensein entladen wird. Naja, als anno 1999 die MCD rauskam, war dies noch nicht Gang und Gebe. Man muß einfach auch sehen, daß der Bereich Death Metal so derart groß ist und in gewisser Weise auch von der Definition des einzelnen Fans abhängt. Wobei wir als Band einfach das machen, was uns beliebt, ohne bereits im Vorfeld in eine genaue Kiste, Magazin oder Label zu passen…
Die drei Jahre zwischen MCD und Debüt habt ihr nicht auf der faulen Haut gelegen. Auf „Art of devolution“ wirkt alles wohlüberlegt und durchdacht. Schon das Cover-Artwork ist vom Allerfeinsten. Erinnert etwas an OBITUARY, finde ich. Unser Maik war diesmal aber nicht der Künstler…
Coverartwork und das gesamte Layout von „Art of devolution“ wurde von Mike Schindler/DRAGON DESIGN (www.dragondesign666.de) entworfen, wobei wir das Cover aus seiner Galerie ausgesucht haben. Wir wollten kein typisches DRAGON DESIGN Cover mit dem gewissen Fantasy-Flair, sondern mehr ein Werk, das sich NICHT eindeutig in eine Kiste packen läßt und Freiräume zur Interpretation hat. Freut mich, daß dir das Artwork gefällt, es gab als Reaktion darauf schon auch eine gewisse Polarisierung, was aber bei Kunst generell der Fall ist!
Atrocity-Chef Alex Krull hat das Teil produziert…
Unser Sänger wurde durch das Internet auf das MASTERSOUND Studio aufmerksam und nach einem kurzen Telefonat hat uns Krulle ins Studio eingeladen. Der erste Eindruck war überwältigend, vor allem in Sachen Professionalität war das MASTERSOUND ein Unterschied wie Tag & Nacht im Vergleich zu unserem ersten Studioaufenthalt. „Art of devolution“ war zudem eine der ersten Produktionen, die dort entstanden sind. Alex und die ATROCITY Leute haben uns super unterstützt; wir konnten z.B. deren Tourinstrumente für die Aufnahme benutzen, und der fast 3-wöchige Aufenthalt war für uns alle eine sehr gute Lehrstunde in Bezug auf Stärken und Schwächen unserer Band. Wir verdanken den Leuten einiges…
Alex ist definitiv nicht der typische Studiobesitzer, denn er hat in diesem Geschäft nicht zuletzt aufgrund der eigenen Band große Erfahrung, die er an kleinere Bands weitergibt. Ihm ist es auch wichtig, daß eine Produktion mit seinem Namen entsprechend die Runde macht, was ja durchaus im Sinne der Band ist.
…und als seine Frau ins Studio kam, um bei einem Song mitzusingen, hättet ihr die Tür zuhalten müssen. Das ist einhellige Meinung von allen, die ich gesprochen habe. Die klare Stimme von Liv Kristine – ein gescheitertes Experiment?
Hm, das sehe ich nicht so, denn es ist schlicht und einfach ein Streit der Geschmäcker! Es ist eine „Haß es oder lieb es“-Geschichte, denn es gibt ebenso viele Leute, die ihre Stimme sofort in Verbindung mit THEATRE OF TRAGEDY bringen, was damals eine der Gothic Kamellen schlechthin war. Fakt ist jedoch, daß Liv auf „Mirror reflections“ in anderem Stil singt, die Stimme klingt poppiger und spaciger und kommt lediglich im Chorus vor, was in diesem Song ein besonderes Element ist. Der Song selbst ist ein richtiger Ohrwurm, fast schon kommerziell, Ha! Die Aufnahme fand übrigens vor LEAVES EYES statt und auch vor ihrem Gastbeitrag bei CRADLE OF FILTH. Ein kommerzielleres Label hätte sicherlich mit diesen Argumenten geworben…
Im Gegensatz zum Heft versucht ihr, mit der Band nicht stehenzubleiben. Stichwort Weiterentwicklung. Was könntest du dir für IMMORTAL RITES in Zukunft denn alles vorstellen? Metallica haben in ihrer Karriere ja vorgemacht, daß man in dem Geschäft flexibel sein muß…
Wir werden im Januar 2006 wieder ins Studio gehen und den Nachfolger von „Art of devolution“ einspielen, dann wird die Musik für sich sprechen. Es wird 10 neue Tracks geben, die für uns den nächsten Schritt einleiten. Es gibt phasenweise moderne Elemente, viele Grooves, aber auch immer noch Wagenladungen Melodie und den gewissen Schwedentouch – wann und wo dieses Album, welches bis jetzt noch unbetitelt ist, erscheinen wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Im Moment konzentrieren wir uns auf den kreativen Prozess und 2006 wird dann wiederum viel Arbeit mit sich bringen…
Mit FLESHCRAWL, BURDEN OF GRIEF und den FRAGMENTS OF UNBECOMING fallen mir spontan drei sehr gute Kapellen aus Süddeutschland ein, die sich wie IMMORTAL RITES ebenfalls dem schwedisch-melodischen Death Metal verschrieben haben. Alle mit solidem Following im Untergrund, auf dem Weg nach oben aber steckengeblieben bzw. nur mäßig erfolgreich, was definitiv NICHT an der musikalischen Qualität liegt. FLESHCRAWL beispielsweise können es locker mit Verkaufsschlagern wie DARK TRANQUILLITY oder ARCH ENEMY aufnehmen. Was müssen IMMORTAL RITES anders machen? Wollt ihr überhaupt etwas anders machen? Wie wichtig ist euch der Erfolg?
Mann muß immer Gesamtzusammenhänge sehen: FLESHCRAWL sind eine Band, die schon 7 (!!!) Alben auf dem Markt hat und eigentlich erst seit „As blood rains…“ und der Zusammenarbeit mit Metal Blade, einem Finanzriesen für Metal-Verhältnisse, sich die Früchte einer langjährigen Arbeit zeigen! Klar steht in erster Linie der Wille und die Einstellung der Band selbst, aber als sekundärer Faktor bleiben die Finanzmöglichkeiten, und da fängt es an allen Ecken und Enden an!
Wenn eine Band wachsen will, muß sie touren, aber Touren KOSTEN – zum Teil kostet 1 Tourtag für die Plätze in einem Nightliner bis zu 300 Euro & mehr. Da gibt es nur zwei Optionen: entweder die Band ist willig und kann es sich erlauben VIEL Geld selbst zu investieren oder es besteht eben ein guter Toursupport durch ein fähiges Label. Das nur als ein Beispiel, denn hinzu kommt eben auch, daß jeder in festen Arbeitsverhältnissen steckt und kaum jemand von uns bei seinem Chef schnell mal um 20 Tage Urlaub betteln kann! „Art of devolution“ war unser erstes Album und ich denke, der HALLO-Effekt war auf jeden Fall da, aber wir haben auch gelernt, daß man nichts erzwingen kann und es im Prinzip wichtiger ist, daß die Band als Freundschaft funktioniert. Denn am Ende ist es ein Hobby, das uns verbindet und nicht der absolute Ehrgeiz, um irgendjemand was zu beweisen!!! Des weiteren stellt sich die Frage: Was ist Erfolg? Sehr relativ das Ganze…Ein Interview im ETERNITY ist doch auch ein Erfolg, Ha!
Ein letztes Mal zurück zum Heft. Das MYSTICAL MUSIC wurde im Laufe der Jahre eine Institution. Eine feste Größe. Eine Konstante. Jedes Jahr, wenn die Blätter auf den Bäumen sich der Schwerkraft erinnern müssen und die Tage kälter werden, ist auch die Zeit für ein neues MYSTICAL MUSIC gekommen. Äußerlich immer gleich. Schwarz-weiß und zusammenkopiert. Gab es nie Ambitionen in Richtung Hochglanz & Farbe? Sogar das Legacy gibt‘s mittlerweile in bunt…
Der finanzielle Faktor spricht dagegen. Mit der jetzigen Art von Layout & Kopierqualität kann ich genau den finanziellen Aufwand abmessen, und das hiervon in den Sand gesetzte Geld tut mir nicht weh, denn aus idealistischer Sicht weiß ich, daß alle Inhalte ehrlich sind. Das Heft ist auf diese Weise unabhängig! Ich bin kein Geschäftsmann, ich will einfach das Ding so billig wie möglich raushauen, damit es attraktiv wirkt und bei der #10 kriegt man 100 DinA4 Seiten, Gratis CD und Sticker für 4 Euro (inkl. P&V). Das ist wirklich nicht viel Geld. Auf Shows verkaufe ich das Heft für 2 Euro. Tatsache ist jedoch, daß es heute massiv schwer ist, Hefte unters Volk zu bringen und somit jedes Zine seine Strategie braucht. Bei einem professionellen Druck, höheren Kosten usw. verliert man Stück für Stück diese Unabhängigkeit, da man, um den Verkaufspreis zu halten, einfach mit Anzeigenpartnern arbeiten MUSS, welche am Ende auch Einfluß haben wollen.
Ambitionen in Bezug auf das Layout? Ich muß sagen, dass ich sehr viel mit „Cut & Glue“ mache, d.h. total old school, was für jeden Mediendesigner ein Alptraum ist. Ich bin am PC eine totale Null, d.h. besser kann ich’s eben nicht…
Du hast in der 6. und den darauffolgenden Ausgaben fast alles oder zumindest ziemlich viel alleine gemacht. Wie ist das so, wenn man Hunderte von Platten im Alleingang besprechen muß? Ich meine, wenn ich sehe, daß z. B. im Rock Hard über 60 Scheiben allein im Soundcheck stehen -pro Monat! – dann erinnert das eher an Fließbandarbeit als an die schönste Nebensache der Welt. Verliert man bei solchen Massen nicht den Spaß und die Freude an der Musik?
Releaseoverkill gab es schon immer –wobei es jedes Jahr extremer wird– aber es geht darum das BESTE daraus zu machen und die wahren Perlen herauszufiltern! Auf ein 10 Punkte Album kommen 40 Durchschnittalben, d.h. man muß kurzen Prozess machen, Ha! Gemetzel im Plattenladen…Ich denke, die einzige Waffe gegen Übersättigung der Szene ist eine gesunde Wahl des Konsumenten, denn am Ende kaufen die Fans die Alben und entscheiden, wer sich durchsetzt.
Da du in deinem Heft immer gerne Stichwortspielchen mit deinen Interviewpartnern spielst, hab ich hier zum Schluß auch eins für dich. Was mag denn der Kollege lieber:
– Obituary- oder Judas Priest-Reunion?
OBITUARY – ganz klar!!! Die Show, welche ich  auf der 2004er BRUCHSTEIN Tour gesehen habe, hat viele gute Erinnerungen geweckt, aber das neue Album an sich konnte meinen Erwartungen nicht Stand halten…
– Angela Merkel oder Angela Gossow?
GANZ AMTLICH und mit beiden Stimmen: ARCH ENEMY. Die Lady ist ein wahres Frontbiest und bellt sämtlich Metal Frontmänner von der Bühne!!! Respekt!!!
– Telefon- oder E-mail – Interviews?
Kollege, dieses Interview hätte Dir eine dicke Telefonrechnung beschert…
Die letzten Worte gehören dir…
DANKE für dieses massive Interview – sehr schön, dass sich jemand derartig für unser Geraffel interessiert!!! Ich hab noch ein paar Exemplare von MYSTICAL MUSIC #10 (u.a. mit Nihilist, Gorefest, Bolt Thrower, Merciless, Kaamos, Aborted, Rotten Sound…über 100 Seiten) auf Vorrat. Kann innerhalb von Deutschland für 4 Euro (inkl. Bonus-CD und Sticker) geordert werden. Werft einfach einen Blick auf www.mystical-music.de. Ausgabe #11 dürfte ab Mitte 2006 am Start sein!!!
Von IMMORTAL RITES gibt es noch jede Menge Merchandise, und checkt auch regelmäßig die News für kommende Gigs…etc. Das neue Album gibt’s dann in 2006!!!   In diesem Sinne: Keep it brutal, Ralf,

www.immortalrites.de, www.mystical-music.de