Hard Stuff: UNDERGROUND Quo vadis….

Wenn man es recht beschaut, kommen doch alle innovativen Ideen , gerade in der Musik, aus dem Underground. Das etablierte Geschäft kann es nämlich gar nicht riskieren, innovativ zu sein. Auf Nummer sicher gehen, heißt es dort. Lieber die trilliardenste Kopie, die zumindest genug Kohle einbringt, um die Kosten zu decken, als ein Experiment, was eventuell keiner kauft.

Viele sagen heutzutage, der Underground ist tot, weil teils schon so kommerziell wie der ‘Overground’. Andere wieder sagen, der Untergrund lebt weiter, existiert – wenn auch rudimentär, aber er existiert. Natürlich haben gewisse Phänomene in letzter Zeit, gerade den letzten 5 Jahren etwas überhand genommen, was viele Leute bewogen hat, sich gänzlich aus dem Underground zurückzuziehen. Diese partielle Korrumpierung des Underground liegt aber nur teilweise bei Bands, Fanzines oder Labels. Das Problem liegt auch beim ‘Konsumenten’. Nämlich dieser, der durch die Flut von Veröffentlichungen derart verwöhnt ist, daß die Grenze zwischen Underground und Kommerz teilweise zwischen Musiker und Hörer zu ziehen ist. Das klingt jetzt hart, ich weiß. Doch fragen wir uns mal:

Wer bestellt heutzutage noch ein Demo? In einer Zeit, in der auch die allerletzte Band eine CD herausbringt, womöglich noch bevor sie überhaupt mal ein Demo hatten, sind selbst die guten Undergroundbands gezwungen, ihr erstes Demo auf CD herauszubringen. Das kann manchmal gut gehen, siehe NIGHT IN GALES, aber wie oft geht es (finanziell) in die Hose? So eine Underground-Band ist nämlich nicht gerade finanzstark – da stellt sich nicht nur die Frage, was es kostet , eine CD eigenzuproduzieren. Da will das Studio, womöglich der Producer, eventuell der Coverzeichner bezahlt werden. Und fragt mal einen Musiker, wie lange Gitarrensaiten, Trommelfelle und dergleichen halten, wie oft ein Verstärker oder anderes Gerät seinen Geist aufgibt, wie oft der der uralte, bandeigene Van in die Brüche geht, mit dem man sich für Spritgeld durch die halbe Republik kämpft, um die wenigen Liveangebote nutzen zu können!

Und nun fragt Euch mal selber, wann  Ihr das letzte Demo direkt bei einer Band geordert habt.

Fanzines desgleichen. Wer kann denn noch was reißen, wenn er mit kopierten Heften einherkommt? Wenn zum Beispiel die Leute vom Mystical Music bei Konzerten ihr Heft anbieten (ca 140 A4-Seiten) wird verständnislos abgewunken, wenn die Jungs dafür 8 Mark verlangen – weils halt kopiert ist.

Es sollte nicht die Regel sein, daß selbst Fanzines nur noch überleben können, wenn sie bezahlte Werbung ins Heft nehmen. Leider ist das notwendig, da jeder nur noch nach Hochglanzheften giert.

Genauso die Flyer. Früher einfach kopierte Handzettel, die informieren sollten: ” hey people, ich bin hier und mache dies und jenes, contact me, support the underground!” Und heute? Daß ein ‘ordentlicher ‘ Flyer gedruckt ist, auf nettem Glanzpapier, habe ich mir noch gefallen lassen. Aber jetzt: Farbkopien, sogar Farbdruck….

Alles in allem ein gegenseitiges Übertrumpfen: wer macht die bessere Werbung… Leute, laßt unseren Underground nicht derartig vor die Hunde gehen, sonst stirbt nicht nur er, sondern jegliche Innovation im Metalbereich. Zu Nyar (Götterdämmerung) sagte ich kürzlich: “Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin nur noch deswegen im Underground drin, weil er ohne mich ein weiteres Stück schlechter würde.” Klingt zwar hochtrabend, ist aber so gemeint. Support the Underground! Helft mit, daß dieser Satz keine hohle Phrase wird! Denn wenn die Leute, die sich echt im UG engagieren, irgendwann die Lust verlieren, ist der Fisch gegessen!

Maik Godau 32 Artikel