Emergency Gate – Infected 3/6

EMERGENCY_GATE_-_INFECTEDjFastball Music / Bob-Media
Bewertung: 3/6
Spieldauer: 39:04
Songs:12

Tja. Etwas sprachlos lässt einen „Infected“, das sechste Album der Münchner Band Emergency Gate, zurück. Einerseits wird sofort klar, dass in dem ziemlich poppigen und gleichzeitig metalcorigen Mix des Quintetts (laut Bandbio, auf den Fotos sind wahlweise vier oder sechs Leute abgebildet) eine Menge Arbeit und ein Haufen origineller Ideen stecken. Hinzu kommt eine anständige, wenn auch etwas sterile Produktion. Andererseits kommt man sich beim Hören vor wie in einem dieser missglückten Horror Häuser auf einer Großstadtkirmes – am Ende eines jeden Raums fragt man sich, was für Kuriositäten einen um die nächste Ecke erwarten.

So bietet der Opener „Sons of the Second“ noch ganz vernünftigen Melodic Death, auch wenn sich mit den Keyboards, die zum Song selbst wenig bis nichts beitragen, schon Merkwürdiges andeutet. Man ist sozusagen in der Metal-Area einer Großraumdisko. Und plötzlich blickt man sich um und merkt, wie sich immer mehr Neunziger Jahre-Dancefloor unter den Metal mischt („Revelation“, „Your last smile“), dann stolpert man durch eine alberne Après Ski-Party („We Wanna Party“ ) und es bleibt einem schließlich nichts anderes übrig, als sich nach einer übermäßigen Portion Pathos („Drowning in Hate“) zu schnulzigem Pop an der Bar mit billigem Whiskey zu besaufen („Peace of Mind“). Es wird halt nicht deutlich, worauf Emergency Gate hinaus wollen. Wollen sie Pop, Metalcore, Melodic Death oder einfach alles spielen? „Infected“ ist von Inkonsistenz befallen, bis auf die Tatsache, dass eigentlich gute Ideen mit großer Zuverlässigkeit in kurzer Zeit wieder kaputt gemacht werden.

Für Puristen und jene, für die weniger oft mehr ist, ist „Infected“ nichts. Wer Experimente mag und mit viel Toleranz gegenüber dem Pop- und Core-Lager gesegnet ist, der findet hier sicherlich lichte Momente. Weniger als drei Punkte wären angesichts der handwerklich ordentlichen Arbeit unfair, aber irgendwie tut jeder Punkt weh.

 

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