Demiurg Interview

Rogga Johansson muss man nicht separat vorstellen, auf Grund seiner vielen, verschiedenen Bands und Projekte sollte der schwedische Tausendsassa jedem Death Metaller ein Begriff sein. Wenn auch nicht jedes der Alben – an denen er beteiligt war – ein Highlight war, so hat er doch mit Bone Gnawer, The Grotesquery, Paganizer, Ribspreader, 11th Hour und nicht zuletzt Demiurg kleine Death Metal-Perlen produziert. Mit letztgenannten haben er, die Herren Swanö, Warby und Berglund, sowie Madam Welman nun den Drittling “Slakthus Gamleby” eingespielt, das durch unerwartete Vielschichtigkeit besticht, dabei jedoch Brutalität und Direktheit nicht vernachlässigt und damit einen gewichten Grund für ein Interview geliefert. Direkt aus dem Schlachthaus Gamleby meldet sich Rogga zu Wort…

Hi Rogga, was geht in Schweden? Welche spannende Beschäftigung musstest Du für unser kleines Interview unterbrechen?

Hier geht nicht viel. Ich war grad eine Weile mit dem Hund draußen bei diesem Scheißwetter – es ist viel zu warm, fast schon tropisch… haha…

Laß uns über Demiurg reden: siehst Du das eigentlich als echte Band oder einfach als Projekt, was halt schon ein bisschen länger läuft?

Es ist vermutlich ein Projekt und keine Band, aber wenn es nach mir geht, kann es noch eine ganze Weile bestehen. Wir kommen gut miteinander aus und es ist sehr leicht zusammen zu arbeiten. Von daher würde ich das gern fortsetzen.

Du sagtest mal, dass Paganizer Deine Hauptband ist. Welche Bedeutung hat Demiurg inmitten all Deinen Bands und Projekten?

Paganizer war meine Hauptband, das ist richtig, mittlerweile allerdings nicht mehr. Wir hatten in unseren Reihen auch einige der üblichen Besetzungsturbulenzen und ich bin es einfach leid. Demiurg ist zusammen mit The Grotesquery und Revolting eines der drei Projekte an denen ich wirklich interessiert bin. Ich habe wirklich vor mit ihnen in Zukunft weiter zu arbeiten und erstmal nichts Neues zu starten.

Wenn man nach der Bedeutung für Demiurg sucht, findet man verschiedene Erklärungen, die bekannteste wahrscheinlich die vom Schöpfergott in Platons Schriften. Was war damals der Grund für Dich Demiurg als Projektname zu wählen?

Ich habe den Namen einem Horror Fiction Spiel namens „Kult“ entlehnt, was ich als Jugendlicher gespielt habe. Ich kenne die von Dir angesprochene Bedeutung und denke, das passt ganz gut: eine Art Schöpfer, aber mitnichten allmächtig, sondern auch mit Makeln behaftet.

Slakthus Gamleby” ist im musikalischen Sinne etwas anders als die beiden Vorgängeralben. Ist das ein Ergebnis der verschiedenen Leuten, die involviert sind und ihren Input liefern? Kannst Du kurz beschreiben, wie ist das Album entstanden ist?

Die Leute, die dabei waren, sind ja eigentlich dieselben wie auch beim Vorgängeralbum mit Ausnahme von Marjan Welman, die neu dabei ist. Ich bin das Album wie immer angegangen, habe Riffs und Melodien zusammengestellt und die Roh-Demos an Ed geschickt, damit er seine Drum-Arrangements dazupackt. Dann war Johan mit dem Bass dran und danach hat das Ganze schon angefangen Form anzunehmen. Erst nachdem ich meine Vocals drüber gelegt habe, hat Dan den Feinschliff vorgenommen. Er hat einen unglaublichen Job gemacht, mit dem ganzen Kram, der im Hintergrund abgeht, hat die Musik buchstäblich eine Transformation erfahren. Im Prinzip war es schon eine bewusste Entscheidung, dass Album etwas abwechslungreicher zu gestalten. Aber wir hätten nie gedacht, dass wir das so gut hinbekommen.

Wie arbeitet es sich eigentlich mit Dan? Ganz normales, konstruktives Miteinander oder gibt’s schon manchmal einen kleinen Wettbewerb, wer mehr in die Musik einbringen kann?

Swanö is a genius…. Also gibt es eigentlich keinen Ansatz wo man mit ihm in Wettstreit treten könnte… haha… Da ich die Stücke schreibe ist es für die anderen eher entspannt ihre Ideen in die Musik einzubringen, so dass ein endgültiges Ergebnis entsteht. Zusammenfassend würde ich sogar sagen, dass die anderen mehr in die Musik eingebracht haben als ich dachte, als ich die Basics geschrieben habe.

Wenn Du auf die drei Demiurg-Releases zurück blickst: wir würdest Du diese jemandem kurz & knackig beschreiben, der mit der Band nicht vertraut ist?

Das erste Album würde ich als sehr dunkel, gespenstisch und unheimlich beschreiben. Es hat mich verstehen lassen, dass Demiurg etwas Spezielles und Neues für mich ist. Das zweite Album hatte einen etwas saubereren Sound, war dabei aber etwas druckvoller. Mit diesem Album wandelte sich der Projekt-Charakter fast hin zu einer echten Band. Mit dem aktuellen Album haben wir unseren Sound gefunden, sind auch ein Stück in die Vergangenheit zurückgegangen und haben diese epischen und furchteinflößenden Passagen von unserem Debüt mit eingebaut. Ich denke, unsere viertes Album wird noch großartiger werden… haha…

Euer aktuelles Album “Slakthus Gamleby” hat nicht nur einen schwedischen Namen bekommen, sondern ist auch ein Tribut an Deine Heimatstadt. Wie kam es dazu?

Ich habe keine Ahnung… haha… Ich hab mir den Titel ausgedacht und fand ihn sowohl cool als auch irgendwie bizarr, also hab ich ihn verwendet. Es ist wie eine Beschreibung des ganzen Albums und dem, worum es darauf geht: das Eintauchen in ein Schlachthaus das Gamleby heißt. And there’s no knowing if you’ll get out…

Wenn man nach den Namen gibt, finden sich auch einige interessante Stücke auf dem Album: „Death grasp oblivion“, „From laughther to retching“ oder „Travellers of the vortex“. Kannst Du uns ein bisschen was über deren Handlung erzählen?

“Death grasp oblivion” und “From laughter to retching” handeln von Depressionen, Angst und dem unausweichlichen Untergang, den jedes Leben erwartet. Sie komprimieren Gedanken zur Sterblichkeit und der Sinnlosigkeit des Seins. „Travellers of the vortex” ist simpler Lovecraft-artiger Horror, eine Geschichte von Überwesen aus einer anderen Dimension, die langsam Zugang zu unserer Welt begehren. Das Stück basiert auch auf dem Cover von Massacre’s „From beyond“-Album. Diese Darstellung gibt exakt den Inhalt des Stückes wieder.

Apropros “Travellers of the vortex” – dieser komplexe, teilweise schleppende Death Metal-Block ist einer meiner Favoriten auf dem Album, genauso wie das schnelle, straighte „Cold skin“. Was sind Deine Lieblingstracks oder die, auf die Du am meisten stolz bist?

Ich mag den ersten Track “Life is a coma”, weil er sowohl eingängig als auch brutal ist. Ich glaube, damit ist uns ein kleiner Hit gelungen. Ein weiterer Fave ist ebenfalls „Travellers of the vortex“, weil er so vollkommen ist, heavy und sludgy, dass es mich fröstelt. Ich steh total auf doomigen Death Metal und denke mit diesem Stück haben wir diese Art Musik auch ganz gut hinbekommen.

Die ersten beiden Demiurg-Alben sind beim holländischen Label Mascot erschienen. War Euer Vertrag mit Ihnen einfach erfüllt oder was ist der Grund dafür, dass Ihr jetzt via Cyclone Empire veröffentlicht?

Mascot waren nicht wirklich an einem dritten Demiurg-Album interessiert, auch wenn es der Vertrag noch hergegeben hätte und wir waren auch nicht unbedingt scharf drauf. Ich glaube, sie sind mit Death Metal einfach nicht so vertraut, sondern haben eher andere Schwerpunkte. Also war es das Beste, dass wir uns ein anderes Label gesucht haben. Das geschah in beiderseitigem Einvernehmen. Cyclone Empire waren sehr um uns bemüht, so dass wir ziemlich schnell bei ihnen unterschrieben haben. Sie sind das großartigste Label, mit dem ich bisher zusammengearbeitet habe: mächtiger Ruf, wunderbare Leute.

Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass live zu spielen nicht Deine Lieblingsbeschäftigung ist. Das heißt wahrscheinlich wir werden Demiurg nicht auf einer Bühne erleben dürfen. Oder kannst Du Dir eine Show zu einem speziellen Anlass vorstellen?

Eigentlich mag ich es sogar live zu spielen, nur der ganze Scheiß drumherum hemmt mich. Der Hauptgrund ist eigentlich die Line-Up-Probleme, die ich eigentlich mit jeder meiner Bands hatte. Mit Demiurg haben wir zwar ein stabiles Line Up für CD-Aufnahmen, aber es ist unmöglich einen Weg zu finden, gemeinsam zu proben. Nicht nur vom zeitlichen Aspekt her, sondern auch in Bezug auf die Logistik: es würde einfach zu viel kosten, Leute von hier nach da nur zum Proben zu fliegen. Aber ich hab auch immer gesagt, wenn mir Wacken eine Show für irgendeines meiner Projekte offerieren würde, würde ich es möglich machen… hehe… Wie auch immer: momentan sieht es eher so aus, dass es zu kompliziert wäre, Demiurg in einen Live-Modus zu bekommen…

Fehlt Dir nicht manchmal das direkte Feedback eines enthusiastischen Live-Mobs? Reicht es Dir aus zu wissen, dass die Fans Deinen Kram mögen oder Dir Ihre Meinung via mySpace, eMail etc. schicken?

Das ist natürlich die Kehrseite der Medaille, wenn man nicht hin und wieder einen rasenden Crowd genießen kann. Im Enddefekt mache ich die Musik hauptsächlich für mich selbst, so dass jegliches Feedback – egal auf welchem Weg ich es bekomme – mich freut.

Musikalisch drückst Du Dich hauptsächlich mittels Gitarre, Vocals und hin und wieder Bass aus. Hast Du mal überlegt, Deine vielen Ideen auch mit anderen Instrumenten zu verarbeiten – Drums, Keyboards oder etwas Exotisches? Oder funktioniert Rogga Johansson einfach nur als Riff-Maschine?

Vor vielen, vielen Jahren habe ich auch Industrial gespielt, was ich heute hin und wieder immer noch gern höre. Mittlerweile bin ich zu lange raus und hab keine Ahnung mehr, wie die Szene funktioniert, also da noch mal etwas anzufangen, ist nicht mehr auf meinem Radar. Also bleibt der Death Metal…

Die meisten Releases, an denen Du beteiligt warst, kamen bei kleineren Labels raus, die sicher keine großen Summen dafür bezahlt haben oder CDs als Entschädigung geliefert haben. Reicht der ganze Kram, um Deine Rechnungen zu bezahlen oder hast Du einen regulären Job neben Death Metal?

Ich habe bisher keinen Euro an Royalties erhalten. Einige Labels zahlen nur in CDs und einige Labels zocken Dich einfach ab. Es ist eine Tatsache, dass man heutzutage nur am Spass an der Musik weiter macht. Ich kriege hin und wieder einigen Kram für lau, aber das heißt dann nur, dass ich für Instrumente oder so nichts zahlen muss. Meine Rechnungen zahlt dass trotzdem nicht. Bis vor einigen Jahren hatte ich einen ganz normalen Job. Heute bin ich wie so viele andere auch arbeitslos.

Rogga, wir kommen zum Ende unserer kleinen Fragerunde: Was passiert bei Deinen musikalischen Aktivitäten als Nächstes? Und welche weiteren Pläne hast Du bzgl. Demiurg?

Irgendwann im Laufe des Jahres sollte das nächste Ribspreader-Album rauskommen und gerade dieser Tage habe das Songwriting für ein weiteres Revolting-Album abgeschlossen. Mehr habe ich momentan erstmal nicht auf dem Schirm. Für Demiurg gibt es Pläne für Merchandising, das bald erhältlich sein sollte. So be sure to sport a “Slakthus Gamleby”-shirt if you can haha!

www.myspace.com/demiurgofficial