Castrum Interview

Ich hatte in der Vergangenheit schon öfters von der ukrainischen Band Castrum gelesen, die mir vor allem durch die Namensgleichheit mit den Black Metallern aufgefallen ist. Allerdings hätte ich mir nicht träumen lassen, daß mir da solch ein Death Metal Hammeralbum entgangen ist. Kaum hatte ich ‘Hatenourisher’ durchgehört, war mir klar, daß ich Cornelius (Gitarrist und Frontkreischer der Band) unbedingt kontaktieren mußte…

Hi Cornelius! Ich weiß ehrlich gesagt nicht allzu viel über die Metal Szene in der Ukraine. Also erzähl mal, wie die lokale oder nationale Szene bei euch aussieht.
Nun, die lokale Szene überspringe ich mal, da sie nicht existiert. Aber die nationale Szene wächst Tag für Tag. Hier gibt es wirklich eine Menge talentierter Bands. Ich nenn mal ein paar: Nokturnal Mortum (Black Metal), Mental Demise (Brutal Death Metal), Xul (Evil Death/ Black Metal), Forgotten Spirit (Sympho-Folk Black Metal), Phantasmagory (Progressive Death Metal), Lucifungum (Black Metal), Astrofaes (Black Metal), Tessaract (Death Metal), Artefacted Irreligion (Death Metal), Munruthel (Key-boardish Heathen Metal), Runes of Dianceht (Black Metal) etc. All diese Bands spielen qualitativ gute Musik und ich hoffe, daß in Zukunft immer mehr Bands aus der Ukraine in der weltweiten Metal Szene eine Rolle spielen werden.

Dann kommen wir auch gleich zu eurer Band Castrum. Was ist in der Geschichte der Band bisher wichtiges passiert?
Castrum wurde im September 1994 gegründet und im Februar 1996 haben wir ein rehearsal Demo mit dem Titel Burial of the affection’ aufgenommen, das sieben Songs enthielt. Nur ein paar Monate später – im Juni – sind wir ins ‘Impertinence Studio’ gegangen und haben dort unser erstes Studiodemo eingespielt. Dieses zwei Song (+ Intro und Outro) Demo hieß ‘Flames by impiety’. Die Musik könnte man als Death Metal mit mittelalterlichen Einflüssen bezeichnen. Im Oktober 1996 haben wir drei weitere Songs für das zweite Studiodemo ‘Pleasure in the deeds of horror’ aufgenommen. Am 10. Oktober 1998 haben wir auf dem Banská Bystrica in der Slowakei mit so großartigen Bands wie Krabathor (Götter!), Aggressive Tyrants, Sanatorium etc. gespielt. Es war eine phantastische Erfahrung für uns. Noch erwähnenswert wäre, daß wir seit 1994 einige Line-up Wechsel hatten. Das seit Juni 1999 stabile Line-up besteht aus Doni (Schlagzeug), Roman (Baß) und mir, Cornelius, (Gitarre/Gesang).

Wovon laßt ihr euch beeinflussen?
Ich bin auf jeden Fall von einigen coolen Thrash und Death Metal Bands wie Destruction, Sodom, Kreator, Hypocrisy, Dismemer, Dissection, At the Gates und Pestilence beeinflußt (um nur ein paar zu nennen). Das heißt allerdings nicht, daß sie auch unsere Musik beeinflussen.
Wir machen unsere eigene Musik und versuchen, so originell wie möglich zu sein.

Wie würdest du euren Stil beschreiben?
Nun, mittlerweile klingt unsere Musik aggressiver und vielleicht auch brutaler als in der Vergangenheit, aber aufgrund der historischen Lyrics nennen wir es Medieval Death Metal.

Was sollten unsere Leser über eure Studiodemos wissen?
Beide wurden 1996 mit dem alten Line-Up aufgenommen. Ich würde sagen, daß ‘Pleasure in the deeds of horror’ eine bessere Soundqualität hat (natürlich) und es ist ausgereifter. Aber ich möchte mich hier wirklich nicht über ‘Flames of impiety’ beschweren, da es auch ein gutes Demo ist. Leider sind beide Demos aufgrund der limitierten Auflage ausverkauft. Aber wer die beiden Demos zusammen mit dem ersten Rehearsal Tape gerne haben möchte, der sollte uns schreiben, da wir 1999 eine spezielle MC (‘The Leading Spirit of Medieval Tortures) mit dem kompletten alten Material rausgebracht haben.

Warum habt ihr die Songs für euer Debütalbum ‘Hatenourisher’ in zwei verschiedenen Studios eingespielt?
Nun, das lag an dem Rip-Off System hier. Wir haben das Studio für eine Woche gebucht und das Geld dafür im voraus an einen Typen bezahlt, der sich als der Besitzer des Studios ausgab. Aber zwei Tage später wurden wir von einem anderen Typen aus dem Studio geschmissen, der, wie sich später herausstellte, der wahre Besitzer des Studios war. Das heißt, daß wir das Geld einer Person, die das alles illegal und hinter dem Rücken des Eigentümers arrangiert hatte, gegeben hatten. Nun hatten wir also nur die Drumparts für acht Songs und die Gitarren für fünf Songs fertig und mußten ein anderes Studio buchen, um den Rest fertig zu machen. Da wir das im voraus bezahlte Geld nicht wieder bekamen, konnten wir uns nur noch einen Tag in einem anderen Studio leisten.

Wie bist du im Endeffekt mit dem Sound der Scheibe zufrieden?
Nun ja, immerhin hatten wir insgesamt nur drei Tage Studiozeit zur Verfügung. Und am dritten Tag mußten wir uns sehr beeilen, das Material fertig zu bekommen. Glaub mir, es war sehr hart, an einem Tag die fehlenden Gitarrenparts und den kompletten Gesang aufzunehmen und dann hinterher noch den Mix zu machen. Aber wir haben es gemacht! Natürlich klingt das Album nicht so, wie wir es gerne gehabt hätten und ich bin sicher, daß wir einen besseren Sound hinbekommen hätten, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten.

Das Album ist zunächst über Metal Force Rec. als Tapealbum und dann als CD über Bloodbucket Prod. veröffentlicht worden. Wie kamen die Verträge zustande?
Nun, Metal Force Rec. haben erst die beiden Demos und ein paar Zines geordert. Aber dann hat mich der Vadim Shatniy, der Chef von Metal Force, kontaktiert und mir angeboten, die drei Tapes auf einem Tape (‘The Leading Spirit of Medieval Tortures’ zu veröffentlichen. Für die Tapeversion von ‘Hatenourisher’ haben wir keinen Vertrag unterzeichnet. Das basierte auf freundschaftlicher Absprache. Nun zu Bloodbucket Productions. Alexander Ekhardt (der Label Manager von Bloodbucket Prod., der übrigens auch Gitarrist von ‘Horde of Worms’ und ‘Visions of the night’ ist) ist seit 1998 ein gutter Freund von mir. Der Kontakt ist zustande gekommen, als er mir die Veröffentlichungen seiner Bands für ein Review in meinem Zine geschickt hat. Ich habe ihm dann unsere Demos mit der Ausgabe des Zines geschickt. Und da ihm unsere Demos gefallen haben, habe ich ihn nach den Aufnahmen zu ‘Hatenourisher’ gefragt, ob er das Material veröffentlichen möchte. Alexander hat uns dann im Januar 2001 einen 1-Album Vertrag angeboten und die CD sah am 25. Mai das Licht der Welt. Ich muß sagen, daß wir mit Bloodbucket sehr zufrieden sind und daß Alex auch unser zweites Album veröffentlichen möchte.

Wie sahen die Reaktionen auf ‘Hatenourisher’ aus?
Bisher gut. Wir haben viel Resonanzen von Fans, Zines, Magazinen, Vertrieben, Labels etc. bekommen – und die waren alle positiv. Jeder scheint unser Material zu mögen, das ist großartig! Wir sind Alexander sehr dankbar für seine Arbeit, ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen.

Bitte beschreibe jeden Song auf ‘Hatenourisher’.
Okay. Der Titel der Scheibe kann auf verschiedene Arten interpretiert werden. Einerseits erzählt der Text des Songs von den drastischen Differenzen im Denken eines Menschen. Es zeigt totalen Haß auf diese Idiotie und Schizophrenie. Andererseits soll der Text auch unseren Ärger über die Falschheit der christlichen Kirche widerspiegeln. Es handelt also von denen, die den Haß im Geist der Menschen nähren. Aber das hängt natürlich auch davon ab, was der Hörer/Leser zwischen den Zeilen liest.
Der zweite Song ‘Painful sighs in castrum’ war eigentlich als totaler instrumentaler Song geplant, wir haben dann allerdings noch das ‘I am lost! I must die!’ hinzugefügt.
Der dritte Song ‘Book of malediction’ erzählt von den berühmten Schöpfern des Buches ‘Malleus Maleficarum’.
Danach kommt ‘Brand’. Er handelt von den Hexenverbrennungen, die zwischen 1627 und 1629 in Würzburg stattgefunden haben.
Weiter geht es mit ‘Night of Saint-Bartholomew’ und dem furchtbaren Blutbad, der Bartholomäusnacht, vom 24. August 1572 in Paris. Kurz gesagt, handelt es von dem religiösen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten. In dieser Nacht starben viele unschuldige Menschen im Namen von Jesus Christus. Es war das pure Gemetzel; ich würde sagen, hochgradiger Irrsinn. Anders kann man das nicht nennen.
Der sechste Track ‘Unprecedent torture’ zeigt, wie brutal und grausam die Inquisitoren von Braunschweig unter dem Einfluß von Alkohol gehandelt haben.
Nun noch die letzten beiden Songs ‘Rapid death’ und ‘Source of hate’. Sie handeln nicht von historischen Ereignissen. Sie basieren auf unseren persönlichen Erfahrungen und erzählen von Dingen, die uns jeden Tag umgeben und beschäftigen. Wie man sehen kann, erzählen wir in unseren Texten gerne und hauptsächlich von geschichtlichen Ereignissen. Wir interessieren uns sehr für die Zeit des Mittelalters und sie ist immer eine wichtige Inspirationsquelle für unsere Texte. Ich denke, man hat nun eine gute Vorstellung von unserem Textkonzept bekommen.
Die Songs sind übrigens bis auf den Titeltrack, der im Jahre 1999 geschrieben wurde, zwischen 1994 und 1997 entstanden. Musikalisch handelt es sich ohne Zweifel um Death Metal.

Welche sind deine persönlichen fünf Lieblingsalben?
Nur fünf? Puh, das ist wirklich schwer, die Lieblingsalben auf fünf Stück zu limitieren. Ich versuche es mal: Destruction ‘Infernal overkill’, Sodom ‘Persecution mania’, Kreator ‘Pleasure to kill’, Hypocrisy ‘Penetralia’ und Dissection ‘Storm of the light’s bane’.

In eurem Bandinfo stand, daß ihr an neuen Songs arbeitet. Für wann ist das zweite Album geplant und was kannst du mir sonst noch über das neue Material sagen?
Wir wollen das neue Album im November aufnehmen. Es wird acht bis neun Songs enthalten und stilistisch der schnellste und aggressivste Death Metal sein, den wir je gemacht haben. Die Songtitel sind: ‘Suffocating Thugs’, ‘The Art of Homicide’, ‘Sinister Omens’, ‘Invisible Force of Fear’, ‘The Gate of the Universal Mystery’ und ‘Dark Paths to the Ancient Thrones’. Ich kann definitiv sagen, daß unsere Musik brutaler und technischer geworden ist. Bloodbucket wird es dann irgendwann Anfang 2002 veröffentlichen, denke ich. Außerdem werden zwei Songs auf der ebenfalls Anfang nächsten Jahres erscheinenden Label CD Compilation von Bloodbucket (‘Buckets of blood’) zu hören sein.

Wenn du drei Wünsche für deine Band frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Hm… ich würde uns viele erfolgreiche Alben in der Zukunft wünschen, außerdem Touren (mit Bands, die es verdienen, bekannt zu sein und mit solchen, die wir schon lange verehren) und schließlich viele Freunde in der ganzen Welt.

Du hast eben der Band noch ein Webzine namens ‘Encomium’. Erzähl uns mal ein bißchen darüber.
Gut. Momentan arbeite ich an der dritten Ausgabe. Geplant sind Interviews mit Destruction, D.R.I., Kataklysm, Sodom, Tankard, Dementor, Mind Snare, Acid Death, Nightside, Tales of Darknord, Arch Enemy und viele mehr. Und natürlich kann man die alten Ausgaben auch noch nachlesen unter: http://welcome.to/encomium

Damit sind wir auch schon am Ende angelangt. Die abschließenden Worte gehören dir.
Zuerst einmal danke an dich, Katja für das Interview und den Support. An die Eternity Lesers: Testet unser Debütalbum an. Stay who you are und support the Death Metal movement!!!
Death Metal Renaissance To Be Continued…
Kontakt: Kornel Kontros, Yarockaya str.7, 88000 Uzhgorod, UKRAINE, E-mail: cornelius@kontr.uzhgorod.ua,
http://come.to/castrum

(The Official CASTRUM Web Site), http://members.tripod.com/~WORM_3/index2.htm (Bloodbucket Productions), http://welcome.to/encomium (ENCOMIUM – Extreme Underground Webzine)
Bloodbucket Prod., 1 Anglesey Blvd, Suite b, Islington, Ontario, Canada, M9A 3B2, e-mail: bloodbucketproductions@hotmail.com

Interview aus Eternity #20

http://www.castrum.com.ua/