Borknagar Interview

Nicht erst seit ‘Quintessence’ stehen Borknagar für interessante Musik die sowohl, die ruhige als auch die aggressive Seite im Metal auslotet. Nun haben Borknagar kürzlich ihr aktuelles Album ‘Empricism’u.a. mit dem neuen Sänger Vintersorg veröffentlicht, welches den Weg ihrer bisherigen Alben konsequent weiterverfolgt. Grund genug also mal mit Oystein etwas über das neue Album zu quatschen.

Wie denkst du über ‚Empiricism’ nun mit einiger Zeit Abstand?
Ich denke immer noch, daß es ein großartiges Album ist, sowohl aus kompositorischer als auch aus Fansicht heraus. Ich habe die CD immer noch bei mir im Auto im CD-Player und höre sie mir ziemlich oft an. Es ist in vielen Belangen ein großartiges Album, sowohl musikalisch als auch produktionstechnisch.

Ist ‚Empricism’ die Spitze der Entwicklung aller Borknagar Alben oder muß das ultimative Borknagar Album erst noch geschrieben werden?
Meine musikalische Aufgabe ist es natürlich, das ultimative Borknagar Album zu schreiben. An diesem Punkt ist ‘Empiricism’ das Beste, was wir bisher gemacht haben, aber ich sehe immer noch die Möglichkeit ein besseres Album zu schreiben.

Hast du jemals erwartet, daß Borknagar ein Album wie ‚Empiricism’ veröffentlichen würden?
Als wir mit Borknagar begannen, war es sehr schwierig unsere Musik vorherzusagen, aber ich denke, daß die grundlegende Stimmung die ganze Zeit beabsichtigt war. Ich versuche immer, den grundlegenden Sound der Band beizubehalten. Natürlich gab es Arten der Weiterentwicklung, die ich nicht vorhersehen konnte, aber die muskalische Absicht von Borknagar war die ganze Zeit über klar. Dazu zähle ich die unterschiedlichen musiklischen Themen wie die ganzen brutalen oder langsamen Teile. Ich mag die Verschiedenheit der Musik.

Was würde der Oystein, der das erste Borknagar Album 1996 geschrieben hat von ‚Empricism’ des Jahres 2001 halten?
Ha, ha. Oh Scheiße. Ich würde sagen, daß er es für ein cooles Album halten würde. Wie ich vorher schon gesagt hatte, der grundlegende Vibe der Band war immer der selbe. Er würde generell vielleicht nicht überrascht sein, obwohl er von der Richtung, welche die Band in ihrer Weiterentwicklung genommen hat wohl doch etwas überrascht sein würde.

Laß uns wieder zurück in die Gegenwart springen. Du hattest einige Probleme mit deinem Line-Up. Wie kam es dazu?
Ich weiß es nicht. Ich habe viele Stunden darüber nachgedacht, warum Dinge passiert sind und was falsch gelaufen ist. Die beste Begründung, die ich habe ist, daß als Borknagar 1996 gegründet wurde, die Bandmitglieder mental nicht darauf vorbereitet waren eine längere Zeit mit der Band zu arbeiten. Es hat auch als Projekt angefangen und war nur auf ein, vielleicht zwei, Alben angelegt. Das Grund-line-Up des ersten Jahres war ziemlich schwach. Es ist nichts gegen die Musiker persönlich, die darin verwicklet waren, aber die Band war nicht auf einem starken Line-Up aufgebaut gewesen. Es hat einige Jahre gedauert, die Band mit einem guten Line-Up aufzubauen. Unglücklicherweise gab es einen Split nach dem ‘Quintessence’ Album, den ich nicht erwartet hatte. Aber ich denke, wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem wir ein stabiles Line-Up haben. Natürlich hab’ ich das vorher schon einige Male gesagt, aber es scheint, daß alle in der Band mit der momentanen Situation sehr zufrieden sind.

Das prominenteste neue Bandmitglied ist sicher Vintersorg am Gesangsposten. Wie war das Arbeiten mit ihm?
Großartig. Ich war mit Vintersorg schon eine lange Zeit befreundet und ich kannte ihn als sehr kreativen Musiker. Als wir dann anfingen, zusammen zu arbeiten und alles bestätigt war, konzentrierte er sich ganz auf die Musik und war sozusagen immer ‘online’. Wenn ich ihn nach seiner Ansicht zu etwas gefragt hatte, hatte er immer eine Antwort, da er einfach eine Meinung zu allem hat. Es war wirklich eine Freude mit ihm auf diesem Album zu arbeiten. Ich habe die meisten Songs ja schon geschrieben, bevor er in die Band kam und als ich ihm die Preproduction Tapes geschickt hatte, hat er sofort daran in seinem Heimstudio gearbeitet. Ich bewundere ihn etwas, da er es geschafft hat, mit Borknagar sowohl musikalisch als auch textlich zu kooperieren.

Vintersorg hat ja auch eine Menge an Texten geschrieben. Glaubst du, daß er sich den textlichen Aspekt von Borknagar sofort einverleibt hat?
Er hat mir gesagt, daß er schon seit vielen Jahren ein Fan von Borknagar ist. Wir haben viele Dinge stundenlang diskutiert, als er zu mir rüberkam und wir für ein paar Tage rumgehangen haben und über Musik geredet haben. Dabei haben wir festgestellt, daß wir dieselbe Einstellung und die selben Ideen, natürlich nicht identische, bezüglich Musik haben.

Du schreibst ja die meiste Musik für Borknagar. In welcher Art und Weise können sich die anderen Bandmitglieder musikalisch einbringen?
Ich schreibe für Borknagar die grundlegenden Arrangements und lege die Grundstrukturen fest. Am Ende bekommen die anderen die Chance ihr Zeug beizusteuern. Zum Beispiel stammen alle Basslinien von Tyr. Daher haben also alle Bandmitglieder die Chance daß zu tun, was sie wollen, aber natürlich in einem gewissen Rahmen. Aber schlußendlich ist es eine coole Sache, da sehr viel Potential in der Band steckt und großartige Musiker dabei sind.

Wird es terminliche Probleme oder ähnliches mit den Bands Borknagar und Vintersorg geben? Wird es beispielsweise jemals eine Tour mit beiden Bands zusammen geben?
Ich denke nicht. Wir haben gerade erst dieses Angebot bekommen, die Tour von Vintersorg und Tristania mitzuspielen, aber wir wollen nicht mit beiden Bands gleichzeitig auf Tour gehen. Vintersorg hat nämlich bei beiden Bands einen anstrengenden Job als Sänger, der viele stimmliche Wechsel von ihm erfordet.

Welcher Faktor ist für Borknagar am wichtigsten: Aggression oder Atmosphäre?
Es sind beide Dinge zusammen. Der Kontrast zwischen ihnen ist das Wichtige. Die Magie in der Musik liegt für mich im Kontrast, der Verschiedenheit der Musik. Interesseante Musik hat für mich Höhen und Tiefen, wie eine musikalische Achterbahn. Auf ‘Empiricism’ haben wir versucht, alles von langsamem Zeug bis zu ziemlich harten Schen zu machen. Die Mischung ist für mich als Songwriter das wichtige.

Wenn du ‚Empricism’ als ein großes Product ansiehst, wie viele Prozent davon entfallen auf die Musik, die Texte und das Design der CD?
Ich würde sagen, 10% Design/Digipack, 30-40% Texte und der Rest entfällt auf die Musik. Das Ganze hat eine Verbindung, aber am Ende ist die Musik doch die Basis für alles.

In welche Richtung wird sich Borknagar in der Zukunft entwickeln, sofern du das schon sagen kannst?
Das nächste Album vorherzusagen ist sehr schwierig. Es ist ziemlich schwer zu sagen, wie es klingen wird, aber ich denke wir werden uns auf das konzentrieren, was wir auf ‘Empiricism’ gemacht haben.. Also ein sehr differenziertes Album, daß von sehr langsamen bis hin zu sehr brutalen Teilen alles beinhalten wird. Es wird keinen grundlegenden Wechsel in unserer Musik geben, so daß wir demnächst ein halbes Techno Album veröffentlichen. Mit manchen Bands funktioniert das ganz gut, aber für mich ist es etwas zu billig einfach etwas elektronisches Zeug in die Musik zu integrieren.

Erwartest du von deinen Fans eigentlich, daß sie sich mit deiner Musik weiterentwicklen oder erreichst du mit jedem Album neue Fans?
Ich hoffe, daß die Fans unserer Entwicklung folgen können. Aber es gibt immer Leute, wie wir am Feedback zu ‘Empiricism’ sehen können, die es nicht mögen und denen ‘The Olden Domain’ z.B. einfach besser gefällt. Manche Leute mögen einfach die eine Scheibe besser, andere wieder eine andere. Ganz einfach.

Was denkst du so von der norwegischen Szene im allgemeinen? Denn es gibt auf der einen Seite ja Bands wie euch, die sich ständig weiterentwickeln und auf der anderen Seite Bands, die stark in diesem Old-School-Black Metal verhaftet sind.
Es scheint momentan zwei Wege zu geben. Einmal der mit dem konservativen Black Metal Zeug. Aber es scheint, daß die Mehrheit der norwegischen Szene mehr open minded ist. Es gibt jetzt viel mehr Weiterentwicklung und auch viel mehr Bands, die ihre Chance darauf wahrnehmen und etwas Neues und Frisches machen. Ich denke, daß dies wichtig ist, denn für mich als Musiker ist die Weiterentwicklung etwas essentielles. Die Szene scheint sich momentan etwas mehr auf die Musik zu konzentrieren, als dies noch früher, Anfang der Neunziger, der Fall gewesen ist.

Ok, hast du noch irgendwelche letzten Worte?
Ja, checkt unsere neues Album ‘Empiricism’ an und vielleicht sehen wir uns irgendwann, irgendwo auf Tour. Danke sehr.

Interview aus Eternity #20

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