Beyond the Sixth Seal Interview

Beyond the Sixth Seal stammen aus den USA, musizieren jedoch in bester skandinavischer Death Metal Manier vor sich hin, wobei sie eher dem früheren Gothenburg Style huldigen und das in einer recht aggressiven Art und Weise, so dass selbst Black Metal angehauchte Dissection Verehrer an ‘A Homicide Divine’ ihre helle Freude haben dürften.

Überraschend dabei ist, dass der gut 35 minütige Silberling beim deutschen Label Voice of Life erschienen ist, einem Label welches sich bisher vor allem mit Veröffentlichungen in der Hardcore Szene einen guten Namen gemacht hat und dort so einige vielversprechende New Shool Acts unter Vertrag hat, welche ja dem ursprünglichen ‘fast melodic Death Metal’ oftmals näher sind als ihnen selber recht ist. Nun da dies unverholen eine meiner persönlichen Liebingsrichtungen ist und ich Unanimated’s Ancient God of Evil zu den besten Alben dieses Jahrhunderts zähle, war es nicht schwer für das Quintett mich in ihren Bann zuziehen, weshalb ich umgehend den Kontakt suchte und mir Gitarrist Adam bereitwillig Auskunft gab.

Nach einem kleinen Hick Hack im Line up besteht die Band derzeit außerdem noch aus Lawrence am Mikro, Brendon an den Drums und Justin, ebenfalls am Sechssaiter. Während der zurückliegenden Sommer Tour, welche die Band auch durch deutsche Clubs führte, warf der Mann am Bass das Handtuch, welchen es jetzt zu ersetzen gilt. Momentan hilft dort ein gewisser Tim von der Band Life In Vain aus und ermöglicht es der Band somit nicht auf Live Aktivitäten verzichten zu müssen.
Die Band entstand übrigens aus einem 3 Mann Joke Projekt, doch nach einer Weile schrieb man einige Songs und nahm sie auf, suchte sich einen Namen und 3 weitere Mitstreiter und ist seitdem aktiver denn je.
Die Band ist nach wie vor darauf aus mit sich und ihrer Musik Spaß zu haben, aber in den letzten 1,5 Jahren merkten sie, dass sie damit auch etwas erreichen können.
In Bezug auf ihren aktuellen Silberling sprach ich Adam darauf an, dass es mich schon verwundert hat, ein derartiges eher Death/Black Metal typisches Album auf einem eher HC relevanten Label veröffentlicht zu wissen und das wo die Fans der einzelnen Musikrichtungen doch eher kontrovers aufeinander eingestellt sind. Entgegnete er, dass es nunmal so ist, dass Hadcore kein metal und Metal kein Hardcore ist aber das es zwischen beiden zum Teil nur verschommene Grenzen gibt und diese Grenze wohl im Metalcore mündet. Ob sich nun BTSS eher als eine Metal Band sieht, oder als eine HC Band oder eben eine Metal Band mit Hardcore Attitude antwortete er: ‘Wir sind sicher beeinflusst von Metal, Metalcore, Black Metal lastigem Hardcore, Hardcore beeinflussten Metal, blah blah, blah, aber das interessiert am Ende nicht die Bohne. Wir selbst sehen uns als Metal Band aber wenn uns irgendeiner anders bezeichnen will, dann soll er es tun. Wir sind nicht darauf aus uns selbst eine exakte Definition eines Genres zu sehen und wenn irgendjemand uns nicht mag, nur weil er uns keinem bestimmten Subgenre aggressiver Musik zuordnen kann, dann ist das eben kein Fan. Um deine Frage direkt zu beantworten muss ich sagen, dass ich uns persönlich auch als Metal Band mit Hardcore Attitude bezeichnen würde. Die Hälfte der Band kommt aus der Metal Szene, die andere Hälfte aus dem HC. Wir haben eine Menge HC Shows gespielt und sind ein Teil der VFW, DIY Hardcore Szene aber wir haben genauso viel Shows mit nationalen Metal Bands hinter uns. Voice of Life sind meinetwegen ein HC Label, aber deswegen sind wir nicht dort. Sie boten uns das was wir wollten, also haben wir da unterschrieben. Keiner von uns hat gesagt ‘Okay lasst uns bei einem HC Label unterschreiben’. Wir waren primär daran interessiert unsere Scheibe zu veröffentlichen und welcher Kategorie das Label zuzuordnen ist, spielt für uns dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wir haben von dem Label vorher im Grunde noch nie etwas gehört. Sie kontaktierten uns eines Tages, wir schickten ihnen ein MP3 und die Dinge nahmen ihren Lauf. Zuerst waren wir skeptisch bei einem Label in Übersee zu unterschreiben, wir hatten auch Anfragen von anderen Labels, aber das Angebot von VOL war das richtige zum richtigen Zeitpunkt. Bei VOL werden wir nun sogar in beiden Szenen promotet und deshalb denke ich ist es in einigen Dingen ein besserer Deal, als wenn wir bei einem reinen Metal Label unterschrieben hätten.’
Nun, dem kann ich nur zustimmen und zumindest auf ‘A Homicide Divine’wird sich wohl kein Metaller darüber Gedanken machen müssen ob das was er hört nicht eigentlich auch in der HC Szene auf Gefallen stößt. Über meine Vergleiche im Review, die ja eher auf eine Verwandschaft mit den früheren At The Gates und anderen schwedischen Bands dieser Zeit hinwiesen sagt Adam: ‘Ich denke, dass man in einigen Ländern uns einen europäischen Sound nachsagt, aber in anderen wiederum nicht. ich denke wir sind wesentlich aggressiver als manche schwedische Band, aber heutzutage ist die Bezeichnung ‘Schwedischer Metal’ schon ziemlich vage. Ich wüsste nicht wie man unseren Sound anders beschreiben kann als mit Metal. Wir verarbeiten Elemente aus Melodic Death, Black Metal und Death Metal allgemein. Das aktuelle Material ist natürlich anders als unser altes Zeugs, aber wir haben uns auch als Band und Songwriter weiter entwickelt. das neue Material ist direkter, ehrlicher und geradliniger und es schließt mehrere Metalstile mit ein. Doch ich habe den Großteil unseres neuen Materials selbst geschrieben, und höre dabei selbst so gut wie keinen Metal mehr. Wenn ich einen Song oder ein Riff schreibe denke ich daher auch nicht ‘oh cool das klingt wie ein (beliebigen Bandnamen einsetzen) Song’. ich gehe einzig und allein danach was ich fühle, wie der Song für mich klingen soll und versuche auf der Gitarre das umzusetzen was mir in dem Moment im Kopf vorschwebt.’
Nun sagen ja nicht wenige Leute, dieser Stil des, nunja, nennen wir es trotzdem mal skandinavischen melodic Death Metals wäre tot. Aber im letzten halben Jahr habe ich vermehrt Bands aus der eigentlichen Hardcoreszene gehört, die ich vorher nicht kannte, aber die exakt diesen Stil des Götheburg Death Metal in ihrem Sound verkörpern. Es scheint fast so als würde die Musik zwischen zwei Musikszenen wechseln. Dies kann auch Adam bestätigen, denn er berichtet, dass auch er definitiv eine Kreuzung zwischen den einzelnen Szenen beobachten konnte, speziell bei ihnen in Boston gehen eine Menge Hardcore Bands den Weg diese Elemente in ihren eigenen Sound zu integrieren. Für die einen ist es eben etwas uraltes und für die anderen etwas völlig neues, was einiges an dieser Entwicklung erklären könnte
Die Reaktionen auf A Homicide Divine waren übrigens vorherrschend positiver Natur, ja sogar großartig und die Band kann es kaum noch erwarten bereits die nächste Scheibe zu veröffentlichen, denn sie sind sich selbst sicher das es ihnen leicht fallen wird die EP noch zu toppen. Was dann wohl herauskommen mag sollte wohl jeden in den angrenzenden Wahnsinn treiben, der schon mit der EP einen chronischen Genickmuskelkater zu seinen Leiden zählt.
Vor der aktuellen EP hat die Band übrigens schon zwei weitere CD’s mit je 4 Songs in Eigenregie veröffentlicht. Wobei die erstere davon nach eigenen Aussagen ‘einfach nur schlecht‘ war. Alle wohl noch verhandenen Exemplaren wurden mittlerweile wohl dem Schredder zugeführt und vernichtet. Der zweite Output jedoch wird bei verschiedenen Gelegenheiten noch verkauft und ‘A Revelation For The Forsaken’ von der aktuellen EP stammt noch aus der Zeit. nach Bandaussage war es mehr ein Black Metal Demo als alles andere, der kürzeste Song war 7 Minuten, und bis auf den angesprochenen Song wird auch Live nichts mehr davon intoniert, dafür ist man jedoch schon fleissig dabei neue Songs zu schreiben welche noch prägnanter und direkter ausfallen werden, heavier und noch aggressiver. Die Songs werden etwas kürzer ausfallen im Vergleich zur aktuellen EP und der zu erwartende Longplayer wird ca 9 – 12 Songs enthalten. Über die Hälfte des neuen Materials wurde übrigens schon auf der zurückliegenden Tour live präsentiert und hat schon dort alles andere verblassen lassen, was die Band natürlich ziemlich freut. Erscheinen soll das Ganze dann im Laufe des Jahres 2002.
Zu den 5 Aspekten warum man jedoch nicht solange warten sollte und sich den noch aktuellen Silberling ins heimische Regal stellen sollte zählt Adam auf: 1. Es ist eine gute Mischung aus Melodie und Aggressivität 2. Wir werden vorraussichtlich sehr berühmt, irgendwann ist die EP ausverkauft und dann könnt ihr das dann gefragte Teil als Rarität zu horrenden Preisen bei Ebay vertickern 3. Es ist über eine halbe Stunde lang, also mindestens gleich-wertig mit 16000 Anal Cunt Songs 4. 100% mosh-free und 5. Helft uns, wir sind doch so arm.
Na wenn das nicht mindestens 5 gute Gründe sind den örtlichen Plattendealer zu frequentieren.
Zudem verfügt das gute Stück noch über ein zwar untypisches, aber dafür exzellentes Coverartwork. Die EP erscheint nämlich im aufwendigen Digi Pack inkl Booklet. Für die Idee und Umsetzung zeichnete sich Adam selbst verantwortlich und es verkörpert schon ein bestimmtes Konzept. Sämtliche verwendeten Fotos stellen zerstörte Zivile Einrichtungen und Gebäude während des zweiten Weltkrieges dar. Es soll versinnbildlichen wie schnell alles was man kennt und was einem vertraut ist dem Erdboden gleichgemacht werden kann und einen zurücklässt in einer Form von Hilflosigkeit und Bestürzung. Die Zerstörung jeder Struktur, oder eben unserer derzeitigen Welt. Es spiegelte auf eine Form die Gefühle wieder, die in Adam herrschten zu der Zeit als er es designte.
Einen textlichen Bezug dazu gibt es jedoch in direkter Form nicht, denn für die Lyrics ist allsamt Lawrence zuständig. Lawrence schreibt gern über persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, jedoch in einer relativ dunklen und weitfassenden Art und Weise zu beschreiben, so dass der Hörer genug Interpretationsfreiraum hat und sich in den Texten auch selbst wiederfinden kann. Um ehrlich zu sein, gesteht mir Adam, weiß keiner der Band genau den eigentlichen Hintergrund der einzelnen Texte außer Lawrence. Es ist seine Art Dinge zu verarbeiten und der Rest der Band respektiert das und lässt es ihm als seine eigene Welt. Wenn Lawrence von sich aus die ein oder andere Geschichte die hinter einem Text steht erzählen möchte, dann hören sie zwar mit offenen Ohren zu, aber sie sind deswegen nicht neugierig sondern einfach nur wißbegierig.

Über die einheimische Szene weiß Adam zu berichten, dass diese sehr umfangreich und fast schon unübersichtlich ist, es gibt in Massachusetts derart viele Bands, dass ich es kaum glauben würde das macht es natürlich schwer einen Einstieg zu finden. Es gibt mehr Bands als Locations und Gelegenheiten aufzutreten, ein Konzert folgt dem nächsten, aber sie alle wären ziemlich gut.
Eine Meinung über die aktuelle Metal Szene im allgemeinen hat Adam jedoch nicht, denn mehr als selbst in einer Band zu spielen hat er nicht damit zu tun. Er hört derzeit weder irgendwelche anderen Metal Bands, noch geht er zu Konzerten. Dafür hat er auch keine Zeit, hauptsächlich schreibt er Songs, liest, trifft sich zu Gesprächen mit Freunden und geht zur Schule. Dann spielt er auch noch in einer anderen Band namens The Red Chord, und zwischen dem, BTSS und Schule hat er einfach gar keine Zeit und vor allem kein Geld um sich Shows anderer Acts anzusehen.

Auch über seinen Eindruck über die deutsche Szene kann Adam nicht viel berichten, denn dafür waren sie nicht lange genug hier im Lande und zudem spricht er auch kein einziges Wort deutsch. Jedoch ist das Feeling in Deutschland auf der Tour schon ein anderes gewesen. Man kann es nicht unbedingt mit Worten beschreiben, aber es scheint ihm weniger elitär und cliquenhaft im Vergleich mit Boston vorgekommen zu sein. In Deutschland scheinen die Leute mehr Bands zu supporten, egal ob das nun lokale oder tourende Acts sind. Die Shows hier waren wesentlich effizienter und auch sonst einfach anders. In den Staaten gibt es bei den meisten Shows weder eine richtige Bühne, noch Licht oder gar einen Soundman. Da stehen die Kids einfach nur in einem Raum oder einer Garage – das schafft dann schon naturgemäß eine andere Atmosphäre. Die Reaktionen hier während ihrer Gigs bezeichnet die Band als ziemlich großartig und es waren wohl mit die besten Gigs die sie je gespielt haben. Es war schwer nachzuvollziehen und im Grunde schier unvorstellbar für die Band zu sehen, dass sie auf einem Kontinent sind, auf den keiner von ihnen vorher auch nur einen Fuß gesetzt hat, und dann dort vor einem größeren Publikum aufzutreten als sie es zu Hause haben. aber das gab ihnen das Gefühl etwas richtig gemacht zu haben. Die ganzen Erfahrungen die sie hier gemacht haben waren schon ziemlich prägend. Und sei es nur die Sprachbarriere, das Wissen wie es ist rumzustehen wie ein stummes Kind, weil man weder was versteht noch etwas sagen kann. Adam sagt: ‘Ich weiß jetzt wie ich das nächste mal in Amerika mit jemanden umgehen kann der kein Englisch spricht, ich kann mich jetzt ziemlich gut in ihn hineinversetzen, ich weiß wie er sich fühlen muss und ich werde wohl besser wissen wie ich ihm evtl helfen kann’.
Leider habe ich die Band auf ihrer Deutschlandtour nicht gesehen, deswegen meine Frage was mich auf einer BTSS Show denn eigentlich erwarten würde, was Adam wie folgt beantwortet: ‘Nun, wir haben alle keine langen Haare, also müssen wir das anders kompensieren. Meistens trinken wir erstmal genügend Red Bull bevor wir spielen und versuchen uns dann auf der Bühne so energievoll wie möglich zu präsentieren. Eine Menge Songs spielen wir live auch etwas anders als auf Platte, die älteren, längeren Songs werden im Set manchmal verkürzt und wir tun was wir können damit keine Show so ist wie die andere’.
Wenn BTTS 3 Wünsche frei hätten wären dies übrigens solange als Band zusammenzubleiben wie es nur geht, besseres Equipment und sich als Band und Musiker weiterzuentwickeln, nun dann bleibt uns wohl nichts anders übrig als der Band für diese Zukunftswünsche viel Glück zu wünschen. Für weitere Neuigkeiten oder Kontakt mit der Band sei übrigens hiermit die Website wärmstens empfohlen wo man sich natürlich auch stuff und MP3’s zu gemüte führen kann. Wer den postalischen Weg bevorzugt, der kann schreibe an: Beyond the Sixth Seal, c/o Justin Chappell, 10 Charlesmount Avenue, Quincy, MA 02169, USA , www.beyondthesixthseal.com

Interview aus Eternity #20

www.lifeforcerecords.com