Anchony „In the asylum“ 4/6

Eigenproduktion
Bewertung: 4/6
Spielzeit: 40:20
Songs: 10

Wir hatten die Breisgauer kürzlich in unserem Adventskalender, wo es die CD-Variante von „In the asylum“ zu gewinnen gab. Für alle notorischen Sparbrötchen und Download-Anhänger gibt es das komplette Album jedoch auch immer noch auf der Bandwebseite für Umme zum Antesten. So könnt Ihr Euch direkt selbst ein Bild machen. Sofort positiv fällt der Sound auf: in den heimatnahen Iguana-Studios haben sich Anchony ein fettes, organisches Gewand verpassen lassen. Wer jetzt an Hand Studiowahl auf brutalen Death Metal tippt, liegt etwas daneben. Anchony beziehen zwar einige Einflüsse aus dem Todesblei-Sektor – hin und wieder Growls zum Beispiel oder das Riffing bei schnellen Stücken. Das ist jedoch der kleinere Teil. Am ehesten kann man die Band wohl in die Midtempo-Thrash-Ecke stecken, auch wenn das am Ende nicht die ganze Wahrheit ist, denn mal wird das Tempo noch ein Stück weiter verschleppt, so dass die Stücke von tief unten rausgeschleudert werden oder eben wieder stampfend losgaloppieren. Das alles passiert in fieser, schmutziger und garstiger Grundstimmung, für die vor allem der facettenreiche ‘Gesang’ von Alex (der scheinbar aber gar nicht mehr dabei ist) verantwortlich ist. Der Mann schreit, gurgelt, geifert, kotzt was die Stimmbänder hergeben und zwar meist in negativer Auslegung: gereizt, angepisst, wütend, barsch, aggro, psycho… Nee, also Wohlfühlstimmung kommt dabei definitiv nicht aus. Mir scheint es fast, als steht er mit seinen Stimm-Eskapaden (zumindest) bei einigen Stücken im Mittelpunkt des Geschehens und das instrumentale Gerüst ist um ihn herum aufgebaut. Was mir auf dem Release noch fehlt: ein bisschen mehr Eingängigkeit wäre gut. So richtig bleibt im Anschluss nichts im Ohr hängen. An „In the asylum“ erinnere ich mich hauptsächlich als aggressiven, gut gemachten Thrash-Kotzbrocken, was ja auch nicht das Schlechteste ist. Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise der Freiburger geht und ob ein eventueller Nachfolger am Mikro ähnlich überzeugend negative Vibes ausspucken kann.

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www.myspace.de/anchony