Obscenity “Atrophied in Anguish“ 5/6

Apostasy Records
Bewertung: 5/6
Spielzeit: 38:50
Songs: 10

Das deutsche Death Metal Urgestein schafft auf dem achten Album etwas, was vielen jungen Bands einfach nicht so recht gelingen mag. Die Rede ist von Death Metal mit Seele! Nach dem vorläufigem Ende 2009 haben Bandkopf und Gitarrist Henne und seine Mitstreiter wieder ein verdammt starkes oldschool-Album aufgenommen. Gerade beim Wechsel zwischen Midtempo- und schnellen Parts spielen die Jungs ihr ganzes Können und ihre Erfahrung aus. Schon beim ersten Durchlauf bleiben viele Parts hängen, weil sie nachvollziehbar, nie aufgesetzt und einfach klasse arrangiert sind. Manchmal blitzen ein bisschen alte Monstrosity durch. Überhaupt fühlt man sich beim Hören in die 90ger versetzt, ohne dass der Silberling verstaubt rüberkommt – ganz im Gegenteil. Durch Jeff Rudges, dem neuen Sänger aus Tampa, Florida können Obscenity nochmals eine Schippe drauflegen. Der Mann weiß seine variable Stimme gut einzusetzen und hat Hammer-growls drauf. Einziger Kritikpunkt: Atrophied in Anguish ist ein wenig zu gesangslastig. Ist irgendwie auch nachvollziehbar, wenn man einem neuen native speaker in der Band hat. Aber hin und wieder würde ich mir wünschen, dass die Spannungsbögen, den die Instrumentenfraktion so wunderbar strickt, auch die Zeit haben, sich zu entfalten. Der druckvolle Gitarren- und Basssound, die natürlich klingenden drums – aufgenommen im Soundlodge Studio – passen wie die Faust aufs Auge zu den zehn songs. Das ebenfalls oldschoolige Cover rundet das Gesamtbild der Scheibe prima ab, alles ist stimmig. Fazit: Beide Daumen nach oben, Obscenity im Jahr 2012 bedeuten 38:50 Minuten Death Metal, wie er sein muss. Ehrlich, nach vorne raus und mit Tiefgang. Bitte mehr davon!

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