Lost Soul “Immerse in Infinity” 4/6

Witching Hour Records
Bewertung: 4/6
Spielzeit: 55:31
Songs: 8

Das der Osten Europas ein Tummelplatz für immer mehr (hochwertige) Death Metal Kapellen ist sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Neben den beiden Flagschiffen Vader und Behemoth wird aber auch die Band Lost Soul recht hoch gehandelt. Bisher hatte die Band auch wuchtige Kriegskost vorgelegt und dem Hörer des Öfteren das Gehirn herausgepustet. Für das neue Album wurde diesmal aber das Label gewechselt und Jacek Grecki (Gitarre/Gesang) stellte die Band komplett um – nur er bleibt von der Originalbesetzung noch übrig. Und wie hat sich dies musikalisch ausgewirkt?

Lost Soul wurden wesentlich komplexer, Anleihen an Nile sind nicht zu überhören. Auch die Lieder wurden mit einer Laufzeit von sechs bis neun Minuten noch länger und progressive Elemente übernehmen wie im Lied „..if the dead can speak“ die Führung und die Dominanz.

Doch fangen wir von Vorne an. Mit dem Opener „Revival“ geht es schon wuchtig voran und es werden nach einem kurzen Inro keine Gefangenen gemacht. In einem aberwitzigen Tempo, garniert mit vielen Breaks und walzenden Parts, wird dem Hörer sofort gezeigt auf welche Todesblei-Maschiene er sich hier einstellen kann.

Das stärkste Lied, welches alle Elemente von Lost Soul enthält und sehr gekonnt umsetzt, ist „Breath on Nibiru“, wobei auch eine starke Prise Jazz in diesem Lied enthalten ist. Die sechs Minuten sind hier gut austariert und die Komplexität und die Brüche innerhalb des Liedes gewinnen nicht die Oberhand über die Hörbarkeit des Stückes. Die Growls passen sich in ihrer Wucht sehr gut den Drums an und die Melodien der Leadgitarre erschaffen einen Ohrwurmcharakter.

Im letzten Stück „Simulation“, welches auch das mit Abstand längste Stück von fast zehn Minuten ist, werden Erinnerungen an die Tribal-Einlagen von Sepultura wach. So wird der Hörer mit Trommeln und „Dschungelgeräuschen“ auf das kommende Massaker eingestimmt. In diesem Lied kommen auch die von den älteren Alben bekannten Kurz-Soli wieder vor. Doch das Stück verliert durch seine Länge eindeutig an Kraft und auch die Richtung, in welche die Band hier gehen will, wird nicht ganz klar – melodischer Schweden- Death, Ami-Technikrausch oder walzender, klassischer Death?

Und das ist auch der allgemeine Schwachpunkt von diesem Album. Es wird einfach nicht klar, wohin die Band will; und Lost Soul haben noch einige Problem (in Ihrer neuen Besetzung) die Länge der Lieder und die komplexen Spieltechniken harmonisch und ohne Lückefülle zusammen zu bringen. Hier muss noch einiges an Arbeit geschehen, bevor sich Lost Soul mit Bands wie Nile vergleichen können.

Fans von technisch versierten und komplexen Death Metal können aber unbesorgt zugreifen.

http://www.myspace.com/lostsoulofficial