Hard Stuff: Götter, Gräber und Gelehrte

Hard Stuff - Maik Godau Seit Jahrtausenden hauen sich die Leute gegenseitig die Rübe ein, im Streit darum, welche Religiondierichtigeist, die einzig wahre, die beste bla bla blubb. Sie knallen sich gegenseitig ihre heiligen Schriften derart vehement aufs hohle Haupt, dass Dave Lombardos Drumattacken dagegen wie die Rhythmus-Sektion einer Klezmer-Kapelle wirken. Dabei übersehen alle einen wichtigen Fakt:

Die einzig wahre Religion heißt METAL. Ich kann das auch beweisen. Denn: wozu sollen Religionen angeblich gut sein? Eben, dass sich ihre Anhänger gut fühlen, Trost finden und etwas haben, was sie aufrichtet. Und genau das bewirkt Metal bei mir. Wenn ich total angepisst von Arbeit komme, hilft mir am ehesten, wenn ich ‘ne geile Platte auflege. Am besten was, wo man mitsingen kann. Nachbarn habe ich zum Glück nur einen und der ist kaum da. Auf Arbeit habe ich mir einen MP3-Player zugelegt. Der schützt mich erstens vor dem dämlichen Geschwätz meiner Kollegen und zweitens vor der Scheiße, die aus deren Radios kommt. Wenn sie wenigstens den gleichen Sender hören würden. Aber nee, der eine hat SWR 3 an, mit Charts-Schrott, und der andere nervt mit SWR 4, da läuft Schlagermucke. Das ist Blasphemie! Und ich dazwischen! In meinen Ohren vermischt sich das Ganze zu einer Kakophonie des Grauens und das macht mich aggressiv. Das kann ich mit Slayer und Co. ganz gut überbrücken. Und schon bin ich wieder gut drauf. Das muss so ein Jesus oder Mohammed erstmal schaffen!

Und was das „wahr“ angeht: Unsere Götter existieren wirklich. Oder haben mal gelebt. Lemmy zum Beispiel. Der war nun wirklich Gott. Außerdem war er auch ein scharfsinniger Philosoph und er hatte sogar die Gabe der Wahrsagerei. Hatte er nicht 2006 in einem Interview gesagt:

“Ich spiele wahrscheinlich bis ich 70 bin und falle dann tot von der Bühne.“ ? Und was ist passiert? 2015, vier Tage nach seinem Siebzigsten? Eben! Oder Dio. Der war nicht nur ein Gesangsgott, der nannte sich auch gleich so, der Einfachheit halber. „Long Live Rock’n’Roll“, „Heaven And Hell“ und „Holy Diver“ werden ewig als edelste Pretiosen auf seinem goldgefassten Altar strahlen. Manche unserer Götter leben auch noch. Rob Halford etwa, der sich ja auch gern selbst als

„Metal God“ tituliert. Oder Ozzy Osbourne, den eine Götterfehde epischen Ausmaßes mit Dio verband. Ronnie James Thor ge- gen Loki Osbourne…. episch, ich sag‘ ja….

Und , und, und….

Das geile ist dabei, dass uns die Götter nie ausgehen. Es werden eher immer mehr. Und jeder kann sich die aussuchen, die ihm (oder ihr) am besten gefallen. Es gibt auch keine Gebote wie „Du sollst kein Slipknot hören!“, oder „Niemand begehre seines Nächsten Musikgeschmack!“ oder „Du sollst keine andere Musik verehren!“ Gerade Letzteres ist doch einzigartig für Religionen. Könnt Ihr Euch einen Papst vorstellen, der sagt: „der christliche Gott ist zwar der einzige, aber ihr könnt auch ab und zu an Odin, Osiris oder Zeus beten.“ Wohl kaum.

Allerdings gibt es eine Sache, die die Metal-Religion nicht vorweisen kann. Wir führen keine blutigen Religionskriege, verbrennen keine Ketzer oder Helene-Fischer-CDs und setzen auch keine Heino-Platten auf der Gedanke doch etwas verlockend klingt…. Nun, das ist es wohl, weshalb unserem Glauben die Anerkennung als echte Religion versagt bleibt. Aber das ist eigentlich auch völlig Wurscht. Meine Religion heißt Metal. Ich gehe zwar nicht mehr zu jedem Gottesdienst (Konzert), bleibe auch den Kirchentagen (Festivals) fern und muss auch nicht jede heilige Schrift (CD/LP) im Schrank haben. Aber ich glaube, tief und fest! Und ich zahle sogar eine Art Kirchensteuer. Okay, eigentlich ist es die Mehrwertsteuer auf die CDs und Platten, aber, ehrlich gesagt, wo ist jetzt der Unterschied?

Möge der Krach mit Euch sein! Immer!

Euer Maik

(Artikel aus Eternity #23)

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