Fhoi Myore – Interview

Fhoi MyoreAus dem Süden Frankreichs kommt die Band namens Fhoi Myore. Vor einigen Monaten gab es bei uns einen ersten Eindruck in Form eines Reviews und jetzt stellt sich die Band auch in einem Interview vor. Erfahrt zu dem einiges über die Black-Metal-Szene in Südfrankreich, welche Bedeutungen Splitalben haben und wie man getreu dem Motto “Do-it-Yourself” als Band agieren kann.

Fhoi Myore sind hier zu Lande noch nicht allzu bekannt. Stellt euch deswegen bitte knapp vor und verratet, warum man euch hören sollte!

Fhoi Myore wurde im Jahr 2009 gegründet. Es war so: Anfangs spielten wir auf der Basis alter Riffs, die Balahr in seiner Jugend geschrieben hatte. Da alle Bandmitglieder aus der Gegend um Nizza stammen und wir uns auch sonst gut verstanden haben, brachten wir unsere Musikgeschmäcker sehr bald auf einen Nenner. Das hat im Endeffekt die Band so richtig zusammengeschweißt. Wir machen traditionellen 90’s Black Metal ohne besonderen Anspruch. Was bei uns markant sein könnte, ist dass wir totale Do-It-Yourselfler sind, irgendwie im Sinne von Punk, obwohl wir trotzdem auch sehr seriös an Musik schreiben und beim Produzieren hart arbeiten.

Was bedeutet euer Bandname überhaupt?


Bei der Bandgründung wollten wir uns eine eigene Welt erschaffen, um daraus Inspiration schöpfen können. So prägt diese Welt die Stimmung unserer Musik. Da es in der Band auch große Science-Fiction-Fans gibt, wollten wir etwas anderes als die typischen Tolkien-Namen bringen. Wir haben deswegen Michael Moorcocks Welt benutzt, die viel chaotischer und brutaler ist. Fhoi Myore sind Kreaturen die aus dem Nichts stammen, und die quasi per Unfall auf der Erde landeten. Leider ist dort die Luft für sie nicht atembar und sie werden dadurch alle schwer krank. So versuchen sie die Welt zu zerstören, damit sie auf der Erde wieder das Nichts erschaffen, aus dem sie stammen. Wie die Menschen, “Mabdens”, beschrieben werden hat uns besonders gefallen, und wir wollten die “Corum” Trilogie ehren. Fhoi Myore gibt es auch in keltischen Mythologien: Dort sind es Riesen, die immer größer werden wollten und dadurch alle Naturschätze aufgebraucht haben bis es nichts mehr auf der Erde gab und sie alle verreckten. Da müssen wir oft an die heutige Menschheit denken… Das Englische Wort “former” geht übrigens auch aus jene “Fhoi Myore” zurück, die “vorher” auf Erde lebten. Und wir wollen auch Black Metal machen, wie er früher gemacht wurde – Old School Black Metal !

Auf einem eurer Shirts steht „Sylvan Black Metal“, was meint ihr damit?sreng2


Auf Natur und Wälder nimmt Black Metal häufig Bezug. Die Fhoi Myore-Welt besteht aus durch Kälte zerstörte Wälder, wo nur noch Nadelbäume wachsen. Wir mögen solche Beschreibungen, und finden dass “Sylvan”,was für Wälder steht, sehr gut zu unserer Musik passt, da es die melodische Seite unserer Riffs unterstreicht. Wir machen kalten und brutalen Black Metal, der aber trotzdem viele Melodien enthält. Dadurch schaffen wir eine besondere Atmosphäre, die wir “Sylvan Black Metal” nennen.

Auf einem Promoflyer eures Labels Ossuaire Records stand „Remember the Old Gorgoroth“ im Bezug zu eurer Musik. Ist dem so und gibt es weitere Bands, von denen ihr euch beeinflussen lasst? Wenn ja, welche?


Ja, Gorgoroth ist für uns sehr wichtig, weil wir dank dieser Band Black Metal entdeckt haben. Wir können aber auch andere große Namen benennen, wie Mayhem oder die finnische Szene mit Behexen. Neuere Bands aus Ukraine haben uns auch ein bisschen inspiriert: Drudkh / Blood of Kingu.

Viele verbinden Black Metal mit dem kalten Norden. Ihr kommt nun gerade aus der entgegen gesetzten Richtung, sprich aus Nizza / Südfrankreich. Erzählt ein bisschen, wie es dort mit Black Metal aussieht!


Obwohl man sich das nicht so vorstellt, gibt es nicht nur Palmen und Strände voller Touristen in Südfrankreich. Da es auch Naturparks und Alpen mit mehreren Dreitausendern ganz in der Nähe gibt, kann man auch wildlebende Wölfe beobachten, Gletscher und Felsmassive besteigen… Und es gibt auch viele Black Metal Bands, die aus unserer Gegend stammen. In den 80ern wurden die Pioniere des Extrem Metal in Frankreich bei uns gegründet: Agressor. Es gab und gibt immer noch viele Bands. Unser heimisches Publikum ist vielleicht nicht so zahlreich wie anderswo, aber für diese Leute ist Black Metal eine wahre Leidenschaft!

Gibt es eine regionale Band die ihr empfehlen würdet, abgesehen von euch?


Es gibt sehr gute regionale Bands, die aus unserer Gegend stammen. Manche gelten sogar als Referenz wie zum Beispiel Agressor, Godkiller oder Gorgon.

balahr2Ihr habt in recht kurzer Zeit von gut 5 Jahren schon reichlich CDs veröffentlicht. Außerdem habt ihr keine andauernden Mitgliederwechsel. Spricht für einen starken Bandzusammenhalt, würdet ihr dem zustimmen? Wenn ja, was hat euch besonders stark zusammen geschweißt und wie darf man sich die Zusammenarbeit in der Band vorstellen?


Das stimmt! Wir sind eine sehr stabile Band, mit sehr engen Freundschaften, die sich durch unsere gemeinsame Leidenschaft gefestigt haben. Wir beeinflussen uns oft gegenseitig, und manchmal wird dies oder jenes Thema Monate lang studiert und diskutiert. Was uns auch zusammengebracht hat, ist der Bau unser eigenen Tonstudios, das wir auch selbst konzipiert und geplant haben. Musikschreiben wird von Balahr gesteuert. Er muss sich die Arbeit, die jedes Bandmitglied leistet, anhören und die Gestaltung schreiben. Man muss sich da einen Kerl vorstellen, der sehr freundlich mit einem Lächeln sagt: “Was ist denn das für ein Mist? Soll das ein Witz sein?”.

Eure letzte CD war ein Splitalbum mit Pestiferum. Davor gab es auch noch eins mit Darkenhöld. Wie kam es dazu, dass ihr euch dafür entschieden habt und wie kam der Kontakt zu besagten Bands zustande?


Das erste Splitalbum musste irgendwie sein, da beide Bands aus der selben Stadt kommen und gleichzeitig gegründet wurden. Wir waren beide noch nicht reif um ein richtiges Full-LengthAlbum zu schreiben, und haben deswegen gedacht, es wäre nicht schlecht miteinander zu arbeiten. Pestiferum haben uns später angeschrieben, als wir schon an unserem Album arbeiteten. Wir mögen ihre Musik und haben deswegen zugesagt, dachten aber wir sollten uns Zeit lassen. Es dauerte also viel länger, fast 3 Jahre, bis dieses zweite Splitalbum fertig wurde. Wir mögen Split-Alben als Sammlerstück, und deswegen waren wir bereit mehrere zu produzieren.

Seid ihr mit den Songs auf den jeweiligen Alben selber zufrieden gewesen, oder hätte ihr gerne am Endprodukt noch etwas Fhoi Myore 2geändert?


Es ist schwer mit einem Album völlig zufrieden zu sein. Man will ja immer Kleinigkeiten verbessern und korrigieren, aber generell bedauern wir nichts. Alle Stücke, die wir veröffentlicht, waren – unseren Ohren nach – in dem Moment schon reif. Was wir aber doch ein bisschen bereuen, ist der Sound auf unserem ersten Splitalbum. Der ist zwar rein und sauber, er entspricht aber nicht unsere Identität, da wir unsere eigenen Verstärker in dem Tonstudio nicht benutzen durften. Danach haben wir uns dazu entschlossen, nie wieder etwas mit einem Tontechniker zu diskutieren und die Alben selbst aufzunehmen.

Wird es auch in Zukunft Splitalben geben? Wenn ja, hättet ihr Wunschbands?


Wir nehmen gerade ein Splitalbum mit der Band Wyrms auf. Tedd, der Gitarrist, spielt bei unseren Live-Konzerten mit, und ist auch für unser Artwork verantwortlich. Wir mögen auch seine Musik. Wenn es bei den Lesern Ulver Fans gibt (Nattens Madrigal), können wir es nur empfehlen! Wir wollen aber generell jetzt weniger Splitalben machen, um uns auf unser nächstes Album zu konzentrieren.

Ihr habt außerdem Tapes von eurer EP und von der Compilation „Anno 2009“ herstellen lassen. Ein Medium, welches schon sehr retro ist. Seid ihr selber Kassettensammler? Was waren Gründe, das Album auch so anzubieten, anstatt zum Beispiel Vinyls zu pressen?


Ja wir sind Sammler! Wir mögen auch gerne tauschen, solange man dabei ein bisschen wählerisch bleibt. Alte analoge aufgenommene Medien haben einen besonderen Sound, der ein bisschen Folklore enthält, und das möchten wir auch gerne erhalten. Wir haben uns sehr gefreut als Klister Productions Ende 2009 uns anbot, alles, was wir bisher aufgenommen hatten, auf Kassette raus zubringen. Wir mögen auch Vinyls, aber es ist nicht einfach ein Label zu finden, welches dieses Medium noch benutzen will. Wir wollten erst ein bisschen mehr Erfahrung sammeln, aber wir können jetzt schon ankündigen dass das Splitalbum mit Wyrms nächstes Jahr auf Vinyl erscheinen soll!

bressIhr seid auch live bereits sehr aktiv. 2013 habt ihr bereits eine Tour durch Frankreich gemacht. Habt ihr das selbst auf die Beine gestellt?


Ja das stimmt, wir sind live sehr aktiv, wenn wir nicht gerade aufnehmen. Wir wollen unsere Underground-Einstellung behalten, und organisieren deswegen selbst unsere Touren. Wir laden auch Bands, die wir mögen wie Angmar, dazu ein . Es war sehr kompliziert das Alles auf die Reihe zu kriegen. Wir haben viele Mails geschrieben, aber Veranstalter antworteten nicht immer. Doch man findet immer wieder ehrliche Leute, die helfen, damit die Tour doch stattfindet!

Welche lustigen / traurigen Momente sind euch von eurer letzten Tour in Erinnerung geblieben? 


Diese Tour bleibt für uns unvergesslich, besonders dank der tollen Bands die dabei waren. Irrsinn war, wie zum Beispiel unser Schlagzeugers total „dead“ durch Angmars “Kräuter” , die er in Aix-en-Procence niemals hätte rauchen sollen; war oder auch der unglaubliche „Mafe“ (sehr gutes Afrikanisches Gericht mit vielen Gewürzen) aus Nantes, welches leider am nächsten Tag unsere Autos beinahe in Latrinen verwandelt hätte. Was nicht so viel Spaß machte, war zum Beispiel ein Lokal im Norden Frankreichs, wo kein Gerät funktionierte und der Sicherheitsstandard dem in den Entwicklungsländer nahe kam. Aber selbst solche Erlebnisse bringen uns im Nachhinein zum Lachen, weil der Veranstalter sich sehr gut um uns gekümmert hat, trotz den echt miesen Bedingungen.

Sind kommende Touren geplant? Mit wem würdet ihr gerne touren?


Wir organisieren gerade eine Frankreich-Tour mit Merrimack und der deutschen Band Krater. Wir sollten dann auch in Deutschland touren, mit denselben Bands. Da alle nicht immer gleichzeitig frei haben, ist das Ganze nicht so einfach, aber es müsste 2014 schon klappen! Wir wollen auf jeden Fall im Ausland spielen, und sehen, wie unsere Musik dort ankommt. Deswegen freut es uns in diesem deutschen Webzine ein Interview zu geben, da wir unsere Ankunft ankündigen können!

Gibt es noch weitere Pläne für die Zukunft?


Wie schon gesagt, ein Split Album mit Wyrms wird zurzeit aufgenommen. Es sollte bei Ossuaire Records als Vinyl erscheinen, wenn alles gut läuft. Wir werden daraufhin unser nächstes Album aufnehmen, aber da lassen wir uns lieber Zeit um es auch gut zu machen. Es wird also dieses Jahr noch nicht fertig werden. Was wir aber wirklich gerne machen würden, das wären mehr Konzerte im Ausland…

Und wie immer tauschen wir auch gerne unsere Produktionen. Man kann uns einfach auf contact@fhoimyore.fr anschreiben.

 

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Ein besonderer Dank für die Bereitstellung der Bilder geht an:

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