Blackend Studioreport

Irgendwann dieses Jahr fragten mich die Schwabenthrasher von Blackend, ob ich sie denn im Herbst im Studio besuchen würde, wenn sie ihr drittes Album einspielen. Damals lächelte ich noch über diese Quasi-Einladung und zweifelte stark daran, irgendwann die Zeit zu haben, durch Deutschland zu fahren, um die Jungs im Studio zu besuchen… Doch halt. Was mir in diesem Gespräch wohl entgangen war, war der Hinweis, daß die Burschen nicht irgendwo ein Studio  aufsuchen werden, sondern daß sie eigens zu diesem Zweck in unser heimatliches Berlin einfallen werden. Und so begab es sich dann, daß im September das Telefon läutete und eine Stimme am anderen Ende sagte ‘Hey Kai, wir sind da, wie siehts aus… kommst du vorbei?’ Klare Sache natürlich, und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Ich machte mich alsbald auf den Weg nach Friedrichshain, den schnuckeligen Szenebezirk Berlins und fand  im zweiten Hinterhof eines klassischen Berliner Altbaus an einer Kellertreppe eine Tür, an der ich klopfte und klingelte. Ich wurde höflich hereingebeten und tatsächlich in einem kleinen Raum saßen die Schwaben bereits über dem neuen Material ihres im Februar erscheinenden Longplayers “The last undone thing”.
Mit von der Partie war auch MDD/ Metal Merchant Markus, vielen sicher unter dem Namen Lachsack bekannt.

Ich war schon erstaunt, ob des ersten Studioeindrucks, hatte ich doch ein Mega Hightech ausgerüstetes Superstudio erwartet. Stattdessen entschied sich die Band für ein kleines aber gemütliches Studio eines ehemals in Heidelberg ansässigen Bekannten, welches mit meiner Ankunft dann von der Platzkapazität auch schon ausgelastet war, um den melodischen Thrashmeilenstein des nächsten Jahres einzuspielen. Drummer Alex war schon abgereist, weil die Drumspuren schon längst im Kasten waren. Bis auf den Gesang war auch der Rest des Albums schon eingespielt und so konnte ich es mir mit den Unterhuber Zwillingen Mario und Manuel sowie dem Lachsack bequem machen, während sich hinter der Scheibe im Aufnameraum Frontmann Michael abmühte, die Vocalparts einzusingen.

Bereits bei den ersten Hörproben wurde ich überrascht, denn das neue Material wird entgegen all meiner Befürchtungen wieder etwas verspielter ausfallen, als auf ‘Mental.Game.Messiah’, gleichzeitig aber auch kompakter, zielstrebiger und jederzeit druckvoll und versiert. Mit ‘battle between winds’ erwartet uns z.B. eine echte Thrashgranate, und auch der Opener und gleichzeitige Titeltrack des kommenden Albums wird ein echter Leckerbissen für Freunde des Bay Area like Thrash Metal und beginnt mit treibendem Tempo und enthällt im Verlauf die mittlerweile schon Blackendtypischen Harmonien und Melodielinien. Eine mittlerweile vorliegende Vorab CD des Albums enthüllt dann auch, daß man sich auch produktionstechnisch keine Gedanken um den Silberling machen muß, denn bereits hier quellen die Songs fett und druckvoll aus den Boxen. Beachtlich wenn man sich das spartanische Studio vor Augen hält, aber Masse ist eben nicht gleich Klasse und hier gilt wohl das Motto ‘Klein aber fein’.
Bis kurz nach 23:00 Uhr mußte sich Michi am Mikro abmühen. Als dann im Studioeigenen Kühlschrank die Biervorräte zur Neige gingen, faßten wir den für Michi erlösenden Entschluß alsbald ins nur 5 Minuten Fußweg entlegene Jailbreak abzuwandern und dort den Abend zu beschließen. Ausgestattet mit einem Blackend Ohrwurm fielen wir dann geschlossen dort ein, wobei die 3 Musiker und der Lachsack in den folgenden 2 Stunden ungefähr 6 Runden a 6 Gläser Jim Beam/Cola durch ihre Kehlen fließen ließen und ich sie anschließend sturzbetrunken an ihrem Hotel in Schöneberg absetzen durfte.

Wobei ich noch haarscharf mit einem sauberen Auto davonkam, denn Sekunden nach dem Aussteigen konnte sich Mario nicht mehr zurückhalten, seinen  Whiskey/Cola meets was immer er am Tag gegessen hatte auf Berlins Straßen zu entleeren, worüber sich der Rest natürlich köstlich amüsierte. Jaja, wenn der Durst größer ist als der Magen… haha.

Warscheinlich aus Rache wurden aber 2 Tage später Katja und Tim, die sich ihrerseits einen Studiobesuch nicht nehmen ließen, von den Jungs arg abgefüllt. Ich für meinen Teil verlebte  einen netten Abend mit vielversprechenden musikalischen Ausblicken.  Fazit: mit Blackend ist auch im Jahre 2001 zu rechnen  Watch out for the last undone thing!

www.blackend.de