Logar’s Diary Interview

Guter Powermetal aus unserer Heimatstadt Berlin? Das gibt es? Seit kurzem kann man diese Frage mit einem eindeutigem, tief überzeugten ‘Ja!!!’ beantworten. Logar´s Diary haben mich mit ihrem epischen, hymnischen, atmosphärisch dichten und komplexen Debüt ‘Book 1: Iostros’ auf Anhieb überzeugen können. Das Album birgt ein großes Suchtpotential in sich, wovon sich ein jeder auf der dem dieser Ausgabe beiliegenden CD – Compilation überzeugen kann . So ließen wir es uns nicht nehmen, eines Abends die beiden Gitarristen Steven Schubert und Christoph Uhl, sowie Bassisten Felix Gretzer in den heiligen Redaktionshallen des Eternity zu einem Plausch zu begrüßen, um mehr über die Leute hinter Logar´s Diary, das Rollenspielkonzept, ihre Ansichten zu Heavy Metal im Allgemeinen, Manowar im Speziellen, die ‘No Angels’ und Personalnöte zu erfahren.

Wie würdet ihr die Band oder die Musik jemandem vorstellen, der noch nichts von Euch gehört hat?
Chris: Wenn Du melodischen, schnellen Powermetal magst, mit Chören und Bombast, und wenn Dir die Story zu den Texten wichtig ist, nichts sozialkritisches, und wenn Du auf Fantasy im Allgemeinen stehst, zum Einschlafen den ‘Bard Song’ von Blind Guardian hörst, und zum Aufwachen die neueste Platte von Domine anmachst, dann solltest Du Logar´s Diary hören.

Wie waren bisher die Reaktionen auf Euer Album?
Steve: Meist positiv. Wir haben jetzt zwar auch schon zwei schlechte Kritiken von Leuten bekommen, die, so wie es in der Rezi rüberkam, Powermetal so gut wie gar nicht hören. Die konnten dann mal dem einen oder anderen Chor oder Riff etwas abgewinnen. Aber im großen und ganzen waren die Reviews durchweg positiv. Wir wurden immer als eigenständige Band bezeichnet, die ihren eigenen, recht modernen und fetten Sound hat. Teilweise ist der Drumcomputer aufgefallen, teilweise nicht. Meistens wurden wir kompositorisch ganz gut hingestellt, wir haben immer ganz schöne Gesangshooks gehabt und sowas. Wir waren, was die Punktzahl betrifft, oft an der Obergrenze.
Felix: Apropos Drumcomputer. Wir waren natürlich nicht sonderlich glücklich, daß wir die Scheibe mit Drumcomputer machen mußten. Wir wollten das Zeug endlich mal aufnehmen. Wir suchen jetzt ganz dringend einen Drummer, der fit ist und das Zeug spielen kann (und Lust auf uns hat).

Ihr habt entsprechend noch nie Live gespielt?
Steve: Das ist richtig, in der Besetzung noch nicht.
Chris: Sobald wir einen Drummer haben sind wir sofort auf der Bühne. Wir haben schon dutzende Anfragen bekommen, wir sind mittlerweile nicht mehr so ganz unbekannt hier in der Szene. Es gibt in Berlin keine gute Powermetalcombo und sobald wir einen Drummer haben, sind wir eben Berlins Powermetalcombo und können hoffentlich was reißen.

Soll der Drummer die Programmierung des Drumcomputers umsetzen können?
Felix: Im Prinzip ja. Was die Bassdrum angeht sollte er es machen, weil ich ja als Bassist dort immer entsprechend Punkte setze. Mir ist es wichtig, daß der Baß immer mit der Bassdrum zusammenkommt.
Steve: Es kommt natürlich nicht auf jedes Fill an. Es sollte einfach homogen wirken mit der Produktion. Die Leute sollen nicht sagen, das ist was völlig anderes, weil die Betonungen anders gesetzt werden. Das gibt dem Rhythmus dann immer ein völlig anderes Flair.
Felix: Man muß natürlich dazu sagen, daß wir alle keine Schlagzeuger sind, und den Drumcomputer aus unseren Hörerfahrungen heraus programmiert haben. Wenn jetzt jemand kommt und sagt ‘das kann man gar nicht spielen’, dann denken wir uns natürlich was aus.
Chris: Uns würde auch erstmal ein Übergangsdrummer reichen, bis wir jemand richtiges finden. Wir haben gehofft mit der CD endlich mal jemanden zu finden. Wir haben lange genug gesucht, aber hier in Berlin ist die Powermetal Szene einfach tot. Wir haben hier halt ein paar Leute und das war´s. Bei Jag Panzer steht man mit 20 Leuten vorne und das war´s, da ist nix hier, das ist sehr schade.

Wie seid ihr mit dem Endresultat des Albums zufrieden? Es gibt ja immer etwas, was man gerne ändern würde.
Felix: Wir sind mit dem Album so wie es klingt und mit den Leistungen der einzelnen Musiker eigentlich sehr zufrieden. Klar gibt es einige Dinge, die man in einem professionellen Studio besser hätte hinbekommen können. Aber wir hatten auch immer vor Augen, daß es eine Demo CD werden soll. Insofern sind wir wirklich hundertprozentig mit dem Album zufrieden.
Chris: Wir wollten mit dem Album einfach zeigen, daß wir eine richtige Band sind und ein professionelles Album aufnehmen und rausbringen können. Wir haben im Vorfeld schon gesagt, daß wir alles alleine machen, also Sound, Songwriting, Arrangements der Chöre, Orchestrierung, Bookletgestaltung usw. Mit dem was wir gemacht haben sind wir sehr, sehr zufrieden, abgesehen vom Drumcomputer, den wir gerne durch einen richtigen Mann ersetzt hätten.
Steven: Die Songs sind über einen Zeitraum von drei entstanden, unser erster Songs war ‘Travar – The Golden City’. Man entwickelt sich natürlich weiter in den drei Jahren. Wenn man dann einen Song auf dem Album hört der drei Jahre zurückliegt, wo sich die Fertigkeiten an der Gitarre weiter entwickelt haben, und der Gesang, kann man natürlich immer sagen, man hätte es besser machen können. Aber wenn man erstmal in diesen Kreislauf reinkommt, dann kommt man da nicht wieder raus. Weil zwischen dem Schreiben des Songs und der fertigen Aufnahme immer einige Zeit liegt. Wenn man sich daran orientiert, was man alles hätte besser machen können, würde man nie fertig werden. Deshalb haben wir gesagt ‘So jetzt machen wir das so und dann ist gut’. Später haben wir dann den Gashebel etwas angezogen.

Was gibt es zu dem Studioaufenthalt zu sagen, oder zu dem Studio ‘Goblins and Gnomes’?
Felix: Das Goblins and Gnomes Studio besteht aus meinem Computer und meinem Schlafzimmer. Wir haben nach und nach mit Cubase VST den ganzen Kram einfach aufgenommen, mit vielen Tricks, Basteleien und Spuren zusammenlegen, damit wieder Rechnerleistung frei wird, usw.
Chris: Wir haben eben auch die Zeit gehabt. Das Album ist innerhalb von zwei Jahren bei Goblins and Gnomes entstanden. Wenn man sich dann natürlich zweimal die Woche trifft, kann man unheimlich viel rumbasteln und wieder neu machen. Ich denke der Sound ist ganz fett geworden.

Wie eine Wohnzimmeraufnahme klingt es jedenfalls nicht…
Felix: Wir haben uns natürlich mit dem Programm beschäftigt. Wenn man das tut, ist es heutzutage wirklich möglich soetwas zu machen. Ich habe noch nichteinmal einen tollen Rechner, einen Pentium II mit 266 Mhz, aber es geht. Man muß sich nur zu helfen wissen.
Chris: Das ist einfach eine Sache des Anspruches. Ich finde, daß sich viele Bands heutzutage nicht genügend hinsetzen und sich bemühen etwas professionelles rauszubringen. Dabei hat man heute soviele Möglichkeiten etwas wirklich gutes zu machen, allein durch den ganzen Computerkram. Man muß sich nur genügend reinknien und natürlich auch üben und seine Sachen können. Es gibt soviele Bands, die gleich ins Studio rennen und ihr Zeug aufnehmen, weil sie so stolz sind auf ihre Songs, und das klingt dann eben auch so. Davon wollten wir uns unbedingt abgrenzen.
Steve: Es fehlt dann einfach auch die Zeit. Viele machen dann Druck und sagen ‘so, in zwei Tagen wollen wir das machen’. Als wir anfingen haben wir uns gesagt, daß das ganze in zwei bis drei Monaten über die Bühne gegangen sein sollte. Im Endeffekt waren es dann eben zwei Jahre.
Felix: Ein professionelles Studio hätten wir uns auch gar nicht leisten können. Mit den ganzen Chören, den Keyboardarrangements… Hätten wir das alles in einem professionellen Studio gemacht, hätten wie wohl auch Monate gebraucht, das kann man ja gar nicht bezahlen ohne Label im Rücken.
Steve: Das würde auch kein Label mitmachen.

Apropos Label. Hat da schon mal jemand angeklopft bei euch?
Chris: Nein nur ‘Ja wir finden das ganz toll was ihr da macht, gebt uns mal ein paar CDs und wir überlegen uns das’. Solange wir da nichts schriftlich haben, sagen wir dazu auch nichts. Ich schreibe nebenbei auch für das ‘Fame of Metal’ und habe dadurch Kontakt zu einigen Labels. Vor allem die aus Südeuropa oder noch weiter weg haben Interesse. In Deutschland hat man glaube ich nicht mehr so gute Chancen bei einem Label unter-zukommen. Aber ich kenne eben viele von diesen Plattenchefs von Labels, die auf Powermetal spezialisiert sind, da ist eben ein Kontakt da aber ich weiß nicht ob, was dabei rauskommt. Aber das ist auch nicht die Intention gewesen als wir die CD gemacht haben. Wir wollten die einfach mal rausbringen, zeigen wer wir sind. Die eigene CD ist einfach ein persönlicher Traum gewesen. Jetzt wollen wir versuchen, live auf die Bühne zu kommen. Was dann kommt ist alles Bonus. Das nehmen wir natürlich mit, aber wir erwarten uns da nichts großartiges.

Was ist die Intention hinter Logar´s Diary?
Felix: Die Intention bei der Musik von Logar´s Diary hat Christoph ja am Anfang schon erläutert. Ich möchte dem noch etwas hinzufügen.
Es geht bei Logar´s Diary darum, möglichst griffige Songs zu konstruieren, nicht unbedingt darum, der Welt etwas vorzufrickeln. Das können wir auch nicht, und das wollen wir auch nicht. Wir wollen einfach nur, daß den Leuten unsere Songs gefallen.
Steve: Ursprünglich war das so gedacht: Logar ist ein Rollenspielcharakter von mir. Irgendwann habe ich das Abenteuer, das ich gemacht habe, in eine Romanform gebracht. Ursprünglich war gedacht, das in irgendeiner Form für mich auch musikalisch festzuhalten. Ursprünglich war das als Projekt gedacht. Ich wollte einfach nur eine CD machen, um sie mir zuhause ins Regal zu stellen. Die Reaktionen wurden aber immer besser und wir hatten immer mehr Spaß an der Sache, und wir wollten immer mehr damit machen. Das hat sich stetig weiterentwickelt. Die Ansprüche waren am Anfang ganz niedrig. Wir lassen alles auf uns zukommen. Aber wir sagen nicht, daß wir irgendwann einmal die Waldbühne vollbekommen möchten.
Chris: Dazu sind wir jetzt auch zu spät dran. Hätten wir das Album vor eineinhalb Jahren herausgebracht, hätten wir wirklich gute Chancen gehabt einen Deal zu bekommen. Aber ich denke der Powermetalzug ist wieder abgefahren. Das wird in den nächsten Jahren wieder recht karg werden. Mittlerweile wird ja wieder alles verrissen, was in diesem Bereich erscheint. Es heißt dann immer ‘Kopie’. Ich denke es wird Newcomern wieder sehr schwer gemacht werden. Wenn es dann keine mehr gibt, dann brüllen wieder alle nach Powermetal. In fünf Jahren ist er dann eben wieder oben. Vielleicht sind wir dann immer noch da. Wir machen Logar´s Diary nur aus Spaß. Wir sind Metalfans, wir lieben die Musik die wir spielen. Ob tausend andere Leute das gleiche spielen, oder gar keiner, ist uns völlig egal. Wir klingen genauso wie wir klingen wollen.

Wie würdest Du die Metalszene allgemein derzeit beurteilen, vor allem die Powermetalszene? Bist Du auch der Meinung, daß der Heavy Metal ausverkauft wird?
Chris: Ich bin echt froh, daß so viele Bands in den letzten Jahren gesignt wurden und daß viele geile Platten rausgekommen sind. Daß die Qualität dann darunter leidet, oder leiden kann, passiert. Es gibt eben ein paar die dann auf diesen Zug aufspringen. Auf der anderen Seite sind so viele gute Newcomer in den letzten Jahren rausgekommen, gerade auch aus den südeuropäischen Ländern, aus Italien und auch den skandinavischen Ländern. Das möchte ich nicht missen. Ich bin echt froh über die Türen, die Hammerfall oder Rhapsody damals geöffnet haben, und wer da so alles mitgeflutscht ist. Es ist ja nicht so, daß die Bands alle plötzlich Trendreiter sind, die sagen ‘Manowar ist unsere Lieblingsband und wir wollen genauso klingen’. Die gab es ja früher auch. Eine Band wie Domine hat 1987 die ersten Demotapes herausgebracht und erst 1997 oder 98 einen Plattenvertrag bekommen. Die haben jetzt erst eine Chance, etwas zu machen. Daß das jetzt so viel geworden ist, liegt eben daran, daß so viele Leute diese Musik hören, daß sie eben gut klingt und gut ankommt, und auch etwas massenkompatibler ist als viele andere Richtungen im Metalbereich. In Deutschland geht das jetzt wieder zurück, in Italien und Griechenland hält das noch an, in Spanien geht´s jetzt erst los, da gibt es jetzt erst die ersten Labels die da richtig Fuß fassen wollen. Ganz cool ist natürlich auch Südamerika. also Bolivien, Argentinien, und Asien.
Steve: Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, wo man überall gelesen hat, Metal wäre tot. Das liegt jetzt schon einige Jahre zurück. Seitdem hat sich wieder eine ganze Menge entwickelt. Es ist wieder mehr geworden. Man hört die Musik öfter mal aus irgendeinem Radio erklingen, weil Hammerfall und andere das ganze wieder salonfähig gemacht haben, auch wenn es wieder mehr in Richtung Mainstream tendiert. Aber ohne solche Leute wäre das nicht möglich gewesen.

Was sagt ihr zu den ganzen Reunions?
Steve: Teilweise gut, teilweise schlecht. Destruction waren wohl die geilste Reunion.
Felix: Es kommt wirklich darauf an. Man merkt sofort, wer wirklich nochmal Lust bekommen hat und wirklich nochmal motiviert ist, und wer nur noch mal Geld machen will.
Chris: Also die einzige Band, bei der die Reunion wirklich gut geklappt hat, und die ein Hammeralbum abgeliefert haben, sind Agent Steel, das sind die einzigen die mir einfallen.
Steve: Die Iron Maiden – Reunion war ein Albtraum.
Felix: Na das ist ja wohl klar, was das soll!
Chris: Da könnte ich echt kotzen! Fürchterlich! Oder dieser Halfordarsch.
Steve: Ja den kann ich auch nicht leiden.
Chris: Grausam, das sind die Leute, die das alles wieder kaputt machen. Die Zocken die Fans ab und die Fans sind noch so blöd und kaufen das Zeug.
Felix: Und die Magazine ziehen alle mit. ‘Geile neue Maiden und geile neue Halford’. Als ob die die ganzen alten Alben vergessen hätten, wie gut die damals gesungen haben, was für gute Songs die geschrieben haben. Ich will ja nicht sagen, daß das neue Maiden – Album scheiße ist oder so, aber die ganze Situation ist dermaßen konstruiert!
Chris: Als ob alle Fans vergessen hätten, was Dickinson mit Skunkworks gemacht hat. Die Interviews die er gegeben hat. Bei Viva, bei Metalla damals, hat er eine Sendung moderiert und die ganze Zeit erzählt, daß der Metal tot wäre, und hat Tool und soetwas präsentiert. Damals war er wohl mit Skunkworks im Studio.
Steve: Hey nix gegen Tool, das ist fuckin´ True Metal!
(alles lacht)
Chris: Das ist echt krass. Ich weiß nicht, wie man das vergessen kann. Genau wie Mister Halford der ständig erzählt, ‘das ist nichts mehr’ und jetzt wieder behauptet ‘Ich fühl`s wieder, ich kann´s’, und singt die Songs vom Teleprompter bei den Shows.
Steve: Aber man muß natürlich auch sehen, daß beispielsweise die neue Maiden – Scheibe auch wieder neue Leute gezogen hat. Die hat durch ihre Art von Musik wesentlich mehr Leute erreicht, als die alten Maiden Scheiben. Dadurch kommen neue Leute in die Szene, die sich dann mit der Zeit auch nach härterem und extremeren umschauen und sich entwickeln. Irgendwann scheißen sie dann auf die neue Maiden und hören sich Cannibal Corpse an, oder soetwas.

Glaubt Ihr noch an eine neue Manowar Scheibe?
Felix: Ich hoffe, ich warte und bete, daß sie kommt!
Steve: Ich mag Manowar nicht!
Felix: Manowar waren damals einfach zuerst da und die haben es auch am Besten gemacht.
Steve: Stimmt, aber sie machen es jetzt nicht mehr am besten, und es gibt jede Menge andere Bands, die es besser machen.
Chris: Du kannst Manowar nicht einfach nur als Band betrachten. Manowar ist eine Institution. Auch Imagemäßig gibt es nicht vergleichbares. So große Arschlöcher wie die Privatpersonen sind, das was sie als Band leisten, was sie auf der Bühne machen, oder in Interviews, das ist einzigartig. Das mußt Du schon irgendwie mit anerkennen.
Steve: Ich habe vielen Leuten mal Scheiben vorgespielt und die haben gesagt ‘Ey, da mußt dir mal Led Zeppelin anhören, das ist der Stil’ oder ‘das waren die Vorreiter’. Um mal über die Roots zu sprechen. Es mag sein, daß Led Zeppelin bestimmte Sachen eingeführt haben, oder salonfähig gemacht haben, aber trotzdem gibt es heute genug andere Bands die es besser machen. Da höre ich mir lieber eine moderne Band an, wo der Sound stimmt, die man sich anhören kann, anstatt mir irgendeine Led Zeppelin Scheibe reinzufahren. Genauso ist es mit Manowar. Es gibt genug Bands, die besser sind als Manowar. Die höre ich mir viel lieber an. Ich weiß, daß sie viel geleistet haben und ihren Tribut an die Szene gezollt haben, daß sie Wege geschaffen haben, auf denen jetzt andere laufen, trotzdem gibt es einen Haufen von Bands, die lohnenswerter sind. Manowar sitzen auch in ihren Villen. Die können zwar sagen, daß sie True Metal sind, sie tragen das Image nach außen…
Chris: Sie haben sich aber nie angebiedert!Sie sind sich immer treu geblieben und das ist es was ich so schätze an dieser Band.

Wie würdet ihr für Euch Heavy Metal definieren?
Felix: Heavy Metal ist auf jeden Fall eine Lebenseinstellung. Wenn man Heavy Metal hört, kommt man nicht umhin sich einmal mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, ob man ihn auch wirklich leben will. Es ist auf jeden Fall etwas, das man auch lebt.
Chris: Wenn Du irgendwann keine Freundin mehr findest weil deine Musik im Mittelpunkt steht, dann ist das Heavy Metal. Ich hab´ne Freundin übrigens…. Nein, Heavy Metal ist alles, ich kann nichts anderes hören, es gibt fast nichts anderes für mich. Ich stehe morgens auf mit dieser Musik, ich gehe abends mit der Musik ins Bett. Nichts hat mich so sehr in meinem Leben begleitet wie meine Musik. Sie war immer da; in guten Momenten, in schlechten Momenten. Es gibt für alles die passende Band mit der passenden Stimmung. Man kommt auch nicht zu dem Punkt, an dem man stagniert, es entwickelt sich stetig weiter. Es gibt keine zwei Wochen, in denen ich nicht eine neue geile Band entdecke, die mich umhaut. Solange das weiter passiert, lebt es. Die ganze Szene ist eine riesige Familie. Es macht tierisch Spaß mit den Leuten in Kontakt zu bleiben, auch weltweit. Ich mache unheimlich viel übers Internet. Es macht Spaß mit den Leuten in Kontakt stehen, sich auszutauschen und über Musik zu unterhalten.
Steve: Für mich ist Heavy Metal Ausgleich. Mit Heavy Metal baue ich Agressionen ab und verarbeite Emotionen. Heavy Metal bedeutet für mich totales Wegkommen vom Alltag. Es gibt für mich Alltag und Heavy Metal. Ich hätte lieber ein bißchen mehr Heavy Metal, als Alltag. Dazu kommt, daß die Musiker im Metalbereich für mich die besten Musiker sind, was für mich höchstens noch herankommt, sind irgendwelche Klassikfuzzis aus dem Barock und teilweise Blueser und Jazzer. Aber diesen ganzen Scheiß den man im Radio hört, kann ich nicht mehr ertragen. Loveparade und der ganze Technoscheiß, dieser Mainstreampop, die ganzen Boygroups, diese ganze BRAVO – Scheiße…
Felix: Die mache ich Dir in fünf Minuten am Rechner.
Steve: … der diese ganze Scheißmusikwelt im Allgemeinen total verdreckt und überflutet und den Leuten überhaupt nicht mehr zeigt, was Musik ist. Es gibt dort keine Leute mehr, die überhaupt noch ein Quintett oder soetwas komponieren können, wie damals z.B. Beethoven. Solche Leute gibt es nicht mehr! Beethoven saß damals am Klavier und hat für vierzig Leute im Orchester Stimmen geschrieben. Sowas findest Du heute nicht mehr.
Chris: Die findest Du aber im Metalbereich auch nicht mehr.
Steve: Ja aber da geht es schon mehr in diese Richtung.
Chris: Du fühlst den Unterschied wenn Du die Musik hörst, wenn die Leute ihre Musik lieben und sie aus Leidenschaft machen, fühlt man den Unterschied.
Steve: DJ Bobo liebt seine Musik auch.
Chris: Aber da fühlst Du nichts mehr, weil alles elektronisch ist. Ich will jetzt DJ Bobo nicht angreifen. Solche Leute wie die Backstreet Boys können wirklich gut singen, da ist ja gar nichts gegen zu sagen. Die guten Musiker werden da einfach vor einen Karren gespannt. Das ist auch alles Ok, das hat alles seine Berechtigung. Solange der Kram seine Käufer hat. Die Leute entscheiden. Aber es gibt mir eben nicht viel.
Steve: Ich bin es leid, mir von Leuten mit der BRAVO in der Hand anhören zu müssen ‘Ey Deine Musik ist scheiße, das ist ja bloß Rumgeknüppel und Rumgegrunze’ und die sagen ‘Hey, jetzt mußt Du Dir mal den neuesten Song von DJ Bobo anhören’.
Chris: Es kommt halt darauf an, wie ernst Du die Meinung von Leuten nimmst, die es einfach nicht besser wissen. Ich ignoriere soetwas einfach. Leute die sich nicht mit Musik auseinandersetzen halten nuneinmal No Angels für ausgetüftelt.
Es kommt halt immer darauf an, wie wichtig man die Musik nimmt, wenn es nur um die Unterhaltung nebenbei geht, ist es wahrscheinlich auch nebensächlich.
Felix: Na klar. Im Metalbereich haben wir ja auch mittlerweile fast mehr Bands als Fans, und alle besuchen sich gegenseitig auf ihren Gigs.
Chris: laßt uns eine Initiative gründen: ‘Weniger Bands, mehr Fans’.

Laßt uns mal auf den inhaltlichen Aspekt von Logar´s Diary zu sprechen kommen. Ihr seid ja eine Konzeptband, basierend auf dem Rollenspiel ‘Earthdawn’. Wollt Ihr das einmal erläutern?
Steve: Earthdawn ist ein Fantasyrollenspiel, das zeitlich etwa 2000 bis 5000 v. Chr. spielt. Es ist eine Welt in der Magie sehr verbreitet ist, die für alles mögliche verwendet wird. Dadurch erhöht sich das Magieniveau im Astralbereich, und die Dämonen kommen auf die Welt. Das ist die Plage. Die Menschen bauen sich magische Bunker, die sie ‘Kaers’ nennen, und flüchten für 500 Jahre und leben unter der Erde, haben dort ihre eigenen unterirdischen Städte. Nach 500 Jahren ist die Plage vorbei und die Magie ist erschöpft. Die Menschen treten wieder heraus auf die Erde, oder die Rassen, es sind ja nicht mehr nur Menschen, und versuchen die Erde wieder neu aufzubauen und der Welt den Glanz der alten Tage wiederzugeben. Logar ist einer dieser Magier, die außerhalb eines Kaers geboren wurden, kurz nach der Öffnung, und erlebt diverse Abenteuer. Logar´s Diary ist die Band, die die Tagebücher von Logar vertont, und seine Abenteuer. Logar´s Diary wird immer nur Logars Tagebücher vertonen. Es ist eine reine Konzept – Earthdawnband, die sich auf Logar bezieht. Es wird immer irgendeine Story geben, in der Logar eine gewisse Rolle spielt.
Chris: Das Konzept ist auch sehr wichtig, um uns abzugrenzen. Heutzutage ist es sehr schwer mit einem Demo überhaupt noch aufzufallen.
Felix: Wir haben auch schon einige Ideen zur nächsten CD. Bei der aktuellen CD wandern einfach fantasytypisch ein paar Leute durch die Welt, durch ein paar verschiedene Städte. Das nächste Album wollen wir komplett in einer Stadt spielen lassen.
Steve: Ich schreibe gerade zusammen mit demjenigen, der auch für das aktuelle Album Pate stand, die Geschichte.

Entstehen die Geschichten aus dem Rollenspiel heraus, sind das Abenteuer, die ihr schon gespielt habt?
Steve: Ja, das sind Abenteuer, die ich schon gespielt habe. Sie sind genauso übertragen wie sie erlebt wurden. Es wird nicht passieren, daß Logar im Rollenspiel stirbt und dann in unseren Alben weiterlebt. Wenn er stirbt, dann stirbt er.
Felix: Dann müssen wir uns natürlich was ausdenken…
Steve: Dann nennen wir uns vielleicht nach dem DSA – Charakter von Christoph….
Chris: Auf jeden Fall, ich spiele sowieso viel lieber DSA, das ist viel cooler als Earthdawn.

Spielt ihr auch zusammen, oder seid ihr in unterschiedlichen Gruppen?
Steve: Nein. Felix macht Liverollenspiele, Christoph macht Liverollenspiel und DSA….
Chris: Ich bin DSA – Maniac von Anfang an. Ich habe noch die Uralt – DSA – Boxen zuhause.
(Applaus von allen anderen!)
Steve: … und ich spiele Earthdawn und Shadowrun.

Was zeichnet Earthdawn gegenüber anderen Rollenspielen besonders aus?
Steve: Ich denke jedes Rollenspiel hat etwas für sich. Jeder entwickelt seine eigene Philosophie zum Rollenspiel. Ich hatte halt die Idee aus einem Rollenspiel Musik zu machen, und habe dann Logar´s Diary gegründet um diese Musik umzusetzen. Ich habe nicht dagesessen und mir überlegt, welches Rollenspielsystem ich nehmen soll.
Chris: Zum Glück hat er nicht ‘Vampire’ gespielt, dann müßten wir Gothic machen…
Steve: Für mich stand nicht zur Debatte, welches Rollenspielsystem wir nehmen, weil die ganze Sache aus meinem Rollenspielcharakter heraus entstanden ist.

Was macht für Euch den Reiz des Rollenspiels aus?
Felix: Ich mag die Atmosphäre wenn ich auf Liverollenspiele gehe. Die Leute ziehen sich so an, wie mir das gefällt, in mittelalterlichen Klamotten, rennen mit Latexschwertern herum, schlagen sich die Rübe ein… das macht einen Heidenspaß, ich kann das nur jedem empfehlen.
Steve: Ich spiele Rollenspiele um vom Alltag wegzukommen. Es gibt Leute, die lesen ein Buch und stellen sich dabei die Charaktere vor, das gleiche macht man auch beim Rollenspiel, mit dem Unterschied, daß man es ausspricht. Man liest nicht nur, sondern handelt aktiv. Man ist jemand, der man hier in dieser Welt nicht ist. Man ist jemand anders in einer anderen Welt und erlebt Dinge, die man hier nicht erleben würde. Es ist ein bißchen Abenteuerlust, die dabei rauskommt.
Chris: Ich denke jeder weiß, daß Bücher etwas wunderbares sind, daß es perfekt ist, wenn dieses Geschichten im Kopf ablaufen. Wenn man dann einen guten Film sieht ist das auch total cool. Ich verstehe nicht, warum die Leute dann nicht auch Zugang zum Rollenspiel finden, denn das ist noch viel besser! Man erlebt seinen eigenen Film, man ist selbst dabei. Ein gutes Rollenspielabenteuer ist viel intensiver als ein Film oder ein Buch. Man empfindet die Geschehnisse viel stärker mit, weil man selbst Teil von diesem Stück ist, und die Handlung beeinflussen kann. Das geht nirgendwo anders so gut. Selbst bei einem Computerrollenspiel geht das nicht so gut, obwohl die auch Spaß machen.

Wie ist Eure Haltung zu Computerrollenspielen?
Steve: Ich habe die ‘Might and Magic’ – Spiele gespielt, und die haben mir auch sehr gut gefallen. Aber die neuesten Sachen habe ich nicht mehr gespielt. Z.B. ‘Baldur´s Gate’, damit kann ich überhaupt nichts anfangen.
Felix: Ich spiele lieber Strategiespiele aller Art.
Chris: Ich bin eher Adventurefan. Aber ich habe früher wirklich sämtliche Computerrollenspiele gespielt. Da gab es richtig gute auf dem Amiga damals, ‘Amberstar’ und wie sie alle hießen. Aber heutzutage sind die ganzen Computerspiele so angelegt, daß man entweder arbeitslos sein muß, oder ein Teenie, der noch viel Zeit hat. Das geht einfach nicht mehr. Wenn ich ein Spiel anfange möchte ich es auch zuende spielen, und nicht ein paar Wochen liegen lassen, weil ich nicht dazu komme, weil ich beschäftigt bin mit arbeiten. Das ist schade. Die völlige Zukunft sind Onlinerollenspiele. Das ist echt der Hammer. Ich habe ‘Asheron´s Call’ gespielt, das macht tierisch süchtig. Das geht langsam in die Richtung echter Rollenspiele. Wenn man Online mit anderen Leuten zusammen spielt ist das nochmal etwas ganz anderes. Ein Computer kann keinen menschlichen Mitspieler mit seinen ganzen Macken und Eigenheiten ersetzen.
Steve: Da wirst Du aber auch ganz schnell arbeitslos, weil Du Dir die Nächte um die Ohren schlägst!
Chris: Auf jeden Fall, und eine Flatrate braucht man sowieso! Aber das ist auf jeden Fall die Zukunft.

Gab es eigentlich irgendwelche Wechselwirkungen zwischen Heavy Metal und Rollenspiel? Man hört ja öfters, daß Leute über das Rollenspiel zu Blind Guardian oder anderen Fantasy – Powermetalcombos gekommen sind, oder umgekehrt.
Felix: Nein, aber es ist sehr witzig, wenn man nach einem Livecon nach Hause fährt, in die Autos steigt und sich sein normales Zeug wieder anzieht, sieht man achtzig Prozent der Leute wieder in ihre Blind Guardian T-Shirts schlüpfen.
Steve: Bei mir hat sich das gar nicht miteinander entwickelt. Ich habe beides unabhängig voneinander entdeckt. Ich habe mit ‘Shadowrun’, nicht mit ‘Earthdawn’ angefangen, also mit Cyberpunk. Das Rollenspiel kam dann so langsam. Es hat damit angefangen, daß ich die Romane gelesen habe, das hatte nichts mit der Musik zu tun.
Chris: Ich denke, daß Leute, die ein Faible fürs Rollenspiel haben auch ein Faible für melodischen Powermetal im Stil von Blind Guardian entwickeln. Es ist einfach diese ähnliche Atmosphäre. Ein Lied wie ‘Bard Song’ paßt eben in diese Atmosphäre rein. In unserer Rollenspielgruppe hören wir im Hintergrund durchgehend Powermetalscheiben, das gehört einfach dazu Wenn eine düstere Episode kommt, dann legen wir auch mal was schwarzmetallisches ein, je nachdem was stimmungsmäßig gerade paßt.
Steve: Ich nehme lieber Soundtracks wie ‘Alien’.

Ich werde wohl in Zukunft desöfteren Logar´s Diary verwenden!

www.logar.org