Blinded Colony Interview

Eine recht interessante CD namens „Bedtime Prayers“ ist uns da am Jahresanfang ins Haus geflattert. Aber ihr präsentiert uns eine schwedische Band – na was wohl?! .- Überraschung –schwedischen, melodischen Death Metal, der durchaus an den Götheburg-Stil angelehnt ist. Gut, das ist nichts Besonderes.
Aber im Gegensatz zu dem üblichen Klonen dieser Musikrichtung ist hier nichts von Disko- oder MTV-tauglichen Strukturen zu vernehmen! Nee, die Band macht trotz Melodie ordentlich Dampf und hat ihre Hits mit gemeinen, kleinen Widerhaken gespickt, die sich im Gehirn festfressen. Und genau dadurch unterscheiden sie sich vom Gros der Kollegen! Mal sehen was Gründungsmitglied und Gitarrist Johan Blomström dazu meint:

Hell-ya, Ich mag euer neues Album. Es ist eine korrekte Mischung aus Aggression, Melodie und modernem Metal. Besonders einprägsam sind dabei eure guten Chorusse und Refrains. Darauf beruht auch meine erste Frage an euch: wie bringt ihr denn die verschiedenen Stimmen (vor allem live) hin und wer singt die vielen Chöre? Im Infoschreiben eures Labels stand nichts über diesen Fakt.

Gut, unser Sänger Johan Schuster singt alle Stimmen auf dem Album. Da gibt es außer ihm keine Backing Vocals oder Doppelstimmen bei Blinded Colony. Schuster hat ein großes Stimmvolumen und es ist ihm einfach möglich zwischen Klargesang und Schreistimme hin- und herzuwechseln. Das macht ihn so einmalig und zu einem speziellem Sänger. Einige Bands haben dafür zwei Sänger oder andere Bandmitglieder singen dann die klaren Stimmen. Wie auch immer, nach den Aufnahmen zu unserem Album „Divine“ (dem ersten vollständigen Album der Band – Anm. d. Verf.) stieß Schuster zu uns mit diesen verschiedenen Stimmarten und es war interessant für uns die Fanreaktionen darauf zu beobachten. Unser alter Sänger Niklas Svensson und Johan Schuster haben bei dramatisch unterschiedliche Gesangsstile. Als Niklas vor einigen Jahren die Band verließ und Johan dieses Material des Albums singen musste, haben wir ihm bei der Umsetzung einfach freie Wahl gelassen. Und das klang immer gut, besonders live.

Entschuldigt, aber ich kenne euer erstes Album „Divine“ leider nicht. Verrat’ uns doch bitte, ob es genauso klingt wie das neue?!

„Divine“ repräsentiert uns als Band in den früheren Tagen unserer Geschichte. Viele Leute vergleichen das Album mit dem „Whoracle“-Material von In Flames. Darauf sind viele Leadparts und eine Menge Solos in den Songs. Aber auf beiden Alben „Bedtime Prayers“ und „Divine“ sind große Hooklines und eingängige Passagen vorhanden. Der Sound auf „Divine“ ist etwas flacher und mit weniger elektronischen Elementen ausgestattet. Aber letztendlich sind alle Metal-Fans, die diese Art von Musik mögen, sicher mit beiden Alben zufrieden.

Ist euer Bassist Roy Erlandsson vielleicht mit Adrian Erlandsson (dem Ex-Drummer von Cradle Of Filth/ At The Gates) verwandt? Beide haben denselben Nachnamen…

Hahaha, wir werden ihn demnächst danach fragen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie nicht verwandt sind.

Wie reproduziert ihr diese bei einem Live-Konzert? Kommen diese dann vom Mischpult?

Beim Liveset benutzen wir eine Hintergrund-Vorrichtung, welche direkt mit der PA auf der Bühne verbunden ist. Die Effekte ruft unser Drummer, der mit einem Headset und Click Track deshalb verbunden ist, ab. Das hilft uns allen in der Band. Es funktioniert gar nicht viel anders, als im Studio. So bekommen auch die Fans eine gute, tighte Performance mit allen Elementen, die sie auch vom Album kennen, zu hören. Aber natürlich gibt es darüber hinaus noch viele Überraschungen in einer Blinded Colony-Show!

Ihr habt ein interessantes Cover auf „Bedtime Prayers“. Ein Kind kniet alleine in einem kleinen Raum, der keine klaren und logischen Silhouetten hat. Und aus dem Kopf des Kindes ragen elektrische Kabel heraus. Was hat das zu bedeuten? Ist sie in ihrer Traumwelt gefangen? Ist sie von außerhalb ihres Körpers beeinflusst und gesteuert?

Ich habe nicht so sehr viel mit dem Artwork zu tun gehabt. Das geht mehr auf Schuster und dem Künstler Davide von Nerve Design zurück. Du hast aber das Hauptthema richtig erkannt, es war unsere Absicht dieses Mädchen zu zeigen, die von den Kabeln gefangen gehalten wird. Die meisten unserer Texte sind wirklich offen für Interpretationen. Eines unserer Themen, dass wir im Song „Once Bitten, Twice Shy“ aufgreifen, ist dass wir alle zeitweise Gefangene von unseren Vorhaben und unserem Glauben sind. Ein weiteres Schlüsselthema des Bildes ist es, dass das Mädchen einer Gehirnwäsche unterzogen wird.
Und deshalb immer und immer wieder das Wort „Gott“ überall auf den Boden schreibt.

Bis jetzt habt ihr bereits mit namhaften Acts wie Dark Tranquillity, Evergrey, Mercenary und Hammerfall zusammen gespielt. Mit welchen von diesen genannten Bands würdet ihr gern noch einmal zusammen spielen? Und mit welcher eventuell nicht? Ich selber würde euch gern zusammen mit Evergrey und Mercenary sehen. Das wäre für mich ein Traum-Package…

Haha, wir haben gerade erst ein Festival zusammen mit Evergrey und Mercenary gespielt; du hast also deine Chance verpasst! Aber trotzdem, den meisten Spaß hatten wir auf unserer Tournee mit Ektomorf und Kayser, die gerade zu Ende gegangen ist. Wir hatten eine große Zeit und besonders mit den Jungs von Kayser haben wir einen guten Faden gesponnen. Mit einigen der bekannteren Bands haben wir jeweils nur einen Gig zusammen gespielt. Aber zusammen mit den Jungs von Kayser über einen Monat lang unterwegs zu sein, war eine neue Erfahrung für uns, die uns viel Spaß gemacht hat. Wir waren zum Schluss auch zusammen in Helsingborg erst vor kurzen mit ihnen noch mal zusammen. Wir hatten einige Bier (o. k. es waren zu viele!) mit ihnen genommen. Großartige Jungs und eine ebensolche Tour! Bis jetzt hatten wir keine schlechten Erfahrungen mit Bands, mit denen wir gespielt hatten. Alle waren nett zu uns, haben uns mit Respekt behandelt und genauso verhalten wir uns zu anderen Bands.

Der Text zu eurem Lied „In Here“ ist sehr sensibel und wahr. Darin heißt es unter anderem „Was ist der Preis für die Erde?“ und „Was ist der Preis für die Sonne?“… Vielleicht ist unsere ganze Welt schon verkauft?

Ganz sicher bin ich mir jetzt nicht. Wie gesagt unser Sänger Johan Schuster macht die meisten Texte. Ich selber kümmere mich mehr um die produktionstechnischen Aspekte der Band. Aber ich kann sagen, die meisten der Lyrics sind sehr sensibel und außerdem offen für Interpretationen.

Wird euer nächstes Album etwas länger sein? Eine Spielzeit von 36 Minuten ist nicht gerade lang.

Ja, unsere nächste Scheibe wird länger werden und auch den Fans einen besseren Einblick in die Welt von Blinded Colony geben. Eigentlich sollte auch „Bedtime Prayers“ länger werden. Aber unser Sänger erkältete sich während der Aufnahmen. Deshalb konnten wir den letzten Song „Swallow And Sleep“ nicht mehr mit aufnehmen (Wehe ich erwische das Lied als japanischen Bonus-Track! Anm. d. Verf.). Vielleicht werden wir diesen Song eines Tages noch aufnehmen, wer weiß!

Zum Schluss ein kleines Brainstorming-Spiel. Ich sag dir ein Stichwort und du antwortest bitte spontan, was dir dazu einfällt:

Schweden – …Smogersbord
Astrid Lindgren – Pippi Langstrumpf
Ein neues Plattenlabel – Großartig – De Luxe!
Ein altes Plattenlabel – Einspruch! Siehe vorherige Frage!
In Flames – Schwedens größter Metal-Export
Weltweiter Erfolg – Yeah, richtig… tssss
Schweden als Fußball-Team – bin nicht wirklich an Sport interessiert

Diskografie:

Painreceiver EP (Eigenveröffentlichung)
Tribute To Chaos EP (Eigenveröffentlichung)
Divine CD
Promo EP (Eigenveröffentlichung)
Bedtime Prayers CD

Line-Up:

Johan Schuster (voc)
Tobias Olsson (g)
Johan Blomstrom (g)
Roy Erlandsson (b)
Staffan Franzèn (dr)

http://www.myspace.com/blindedcolony

www.blindedcolony.com