Violence Unleashed Interview

Der glückliche Zufall wollte es, dass durch die Reaktion auf die Rezension der aktuellen Scheibe „Relentless“ der Lübecker Deather Eradicate der Kontakt zu Gitarrist/ Songwriter Felix Schumacher entstand. Als die Sprache auf sein Projekt Violence Unleashed kam, verstand es sich von selbst, dass ein Interview folgen sollte. Wer mehr über Violence Unleashed erfahren möchte und was Yanic Bercier (Drums bei Quo Vadis), Thomas Tretow (Gitarre bei Sturm, Rip) und Thomas Thede (Vox bei Eradicate) damit zu tun haben, sollte sich das nun folgende Interview zu Gemüte führen…

Hallo Felix, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Möglichkeit besteht etwas von Violence Unleashed zu hören, wäre es nett, wenn Du den Lesern und mir erläutern könntest, wohin die Reise gehen wird, stilistisch und vom Konzept her,  also wie wird sich euer Debütalbum „SPAWNED TO KILL“ anhören?
Felix: Also, stilistisch geht’s natürlich stark in Richtung Tampa! Man kann wohl auch davon ausgehen, dass die Tatsache ein Riesenfan von Cannibal Corpse zu sein sich in der Musik widerspiegelt. Musikalisch werden keine Gefangenen gemacht, denn melodiöse Parts mit Skalen rauf, unter runter spielenden Gitarren wird man bei mir nicht finden. Es geht technisch zur Sache, aber nie so, dass man nicht kräftig den Schädel dazu bewegen kann! Und das ganze mit der für Death Metal typischen Bflat-droped-tuned 7string Gitarre und entsprechendem Sound. Mit online-soundfiles wird es noch etwas dauern, denn es soll ja nichts vorweg genommen werden.

Seit wann existieren Violence Unleashed?
Felix: Mmm, das ist eine gute Frage…,also als ich im Februar mit den Eradicate- Jungs aus dem Studio kam, überfiel mich wie so oft der Arbeitsdrang. Im April waren die ersten beiden Tracks fertig. Als sich dann entschied, dass ich die Tracks nicht für Eradicate verwenden würde und ich sie aber nicht ungehört lassen wollte, beschloss ich Violence Unleashed zu gründen und fing dann ernsthaft an Tracks dafür zu schreiben. Das dauerte dann noch bis Ende Juli und alle 11 Tracks waren fertig.

Haben Violence Unleashed für Dich eher Band oder Projektcharakter?
Felix: Also, im derzeitigen Status muss man eindeutig von einem Projekt ausgehen. Keiner kann sagen, was die Zukunft bringen wird und in den wenigen Monaten, die es Violence Unleashed nun gibt, ist ja bereits derart viel passiert, was man vorher nicht ahnen konnte, dass ich sehr zuversichtlich bin in eine spannende Zukunft zu stoßen.

Du hast ja bereits einen Namen erwähnt, nun aber noch einmal explizit, was sind die musikalischen Einflüsse von Violence Unleashed?
Felix: Ja, das ist wohl die Frage, aus der ich keinen Hehl zu machen brauche! Also, ich bin halt ein großer Fan von Cannibal Corpse und das spiegelt sich natürlich wieder. Dazu muss ich allerdings sagen, dass mir deren Werke nach Chris Barnes deutlich besser gefallen. Allerdings, gibt es genau so viele Dinge die ich anders mache in meinen Songs, wie ich mit denen von den Cannibals gemein habe. Ein eindeutiges Merkmal meiner Songs ist zum Beispiel, dass die Soli sich meistens auf eher langsamen und fetten Parts befinden, wodurch eine große Menge Druck entsteht.

Auch wenn Dir die neuen Corpse mehr liegen, wie würdest Du die alten Scheiben zu Barnes Zeiten bewerten?

Felix: Also,  die „alten“ Cannibal Corpse sind zu ihrer Zeit der Zeit voraus gewesen. Ich höre sie heute noch gerne aber die Messlatte liegt heute eindeutig höher. Das ist natürlich auch Bands wie Cannibal Corpse zu verdanken, weil die es irgendwie immer schaffen von Album zu Album, wie schon früher, Ihrer Zeit voraus zu sein. Es muss in diesem Genre einfach immer irgendwie eine Steigerung geben.

Lass uns ein wenig über das Line-up plaudern. Zunächst einmal, wie sieht es denn bei Dir aus,  in welchen Bands/Projekten außer ERADICATE und VIOLENCE UNLEASHED bist/warst Du bisher noch tätig?

Felix: Ja, ich war schon in so vielen Bands und Projekten das ich die Zahl der Musiker mit denen ich bis heute gespielt habe nicht genau benennen kann. Zumeist waren diese Dinge Zeitverschwendung. Besonders für mich, weil ich immer voran kommen will und Stillstand hasse wie die Pest. Eradicate war von der Sache her die erste Combo wo etwas passierte. Zeitweise habe ich mit anderen Bands und deren Mitglieder von Twilight Nebenprojekte gemacht, welche aber weitestgehend ergebnislos blieben.

Wie lange bist Du schon Metaller und wie verlief dein Werdegang?

Felix: Eigentlich höre ich schon Metal seit dem ich 6 oder 7 war. Wie so viele war Metallica mein erster Fave, allerdings entdeckte ich relativ schnell das Death Metal für mich das Beste ist. Selbstverständlich verlieren auch Bands wie Metallica und allerlei andere nicht an Achtung. Obwohl ich schon sagen muss, dass nach dem Dokumentarfilm „Some kind of Monster“, in dem 40-45 Jahre alte Männer in Tränen ausbrechen und sich einen Psychologen engagieren, schon irgendwie eine Beule in der Illusion des Lebenszeit- Rockstars hinterlassen. Aber nichts desto Trotz ist nach wie vor bloß die Musik entscheidend egal von wem sie kommt! Hauptsache sie ist gut!
(Anm.: Man stelle sich vor: “Würden Sie bitte Lars sagen er kann gar nicht so gut Schlagzeug spielen.“ Würden Sie James bitte ausrichten, dass er ein versoffenes Subjekt ist…“)

Kannst Du dich noch an deine erste(n) Scheiben erinnern?

Felix: Die erste Metalscheibe war sicherlich „Master of Puppets“ von Metallica, welche ich ebenso sicherlich in meiner damaligen Person, als kleiner Steppke, aus meines älteren Bruders Zimmer stibitzte ( lach ). Dort fand ich, glaub ich,  auch die „Warmaster“ von Bolt Thrower welche meine Bolt Thrower Phase einläutete und zu der ich meinem Bruder erklären musste sie wäre zu hart für ihn und er müsse  sie mir daher für unbestimmte Zeit ausleihen. Er sah sie nicht wieder ( HAHA )

Neben Dir ist ja auch Thede (Vox) von Eradicate mit von der Partie, was war neben seinem, ohne Zweifel kräftigen, Organ noch ausschlaggebend ihn mit ins Boot zu holen?

Felix: Selbstverständlich ist neben seiner passenden Stimme auch die Tatsache entscheidend, dass er einer meiner besten Freunde ist, und auf der musikalischen Ebene sind wir eine Art von Blutsbrüdern, wenn man so will. Thede und ich machen schon seit vielen Jahren zusammen Musik, und irgendwie ist das Arbeiten dadurch sehr unkompliziert, weil jeder weiß, was zu tun ist und wohin es gehen soll. Was wohl auch dahingehend zusammenschweißt, ist wohl auch der ganze Wahnsinn den wir in den ganzen Jahren zusammen erlebt haben.

Hast du  manchmal Befürchtungen Violence Unleashed könnte zuviel Ähnlichkeiten zu Eradicate aufweisen?

Felix: Violence Unleashed beginnt für mich da, wo Eradicate nicht mitkommt, bzw. was ich bei Eradicate nicht durchboxen kann. Bei Eradicate war es schon im Grunde so das beide Alben musikalisch komplett von mir stammten und es nun aber auf der anderen Seite so ist, dass die Anderen sich selbstverständlich nun auch wesentlich mehr einbringen wollen. Ich lasse mich nun mal nicht gerne einschränken, wenn ich glaube eine gute Idee zu haben und deshalb gibt es jetzt Violence Unleashed.

Du konntest Yanic Bercier (Drums bei den Progressisve Deathern Quo Vadis & 2004 bei  EMPYREAL DOMINIONs Album “Forever The Fallen”) als Schlagzeuger verpflichten. Was waren für Dich die Motive einen Musiker aus Kanada zu verpflichten? Hätte man nicht auch in unseren Breitengraden einen versierten Drummer finden können?

Felix: Man hätte sicherlich auch hier irgendwann, irgendwo, irgendwie einen entsprechenden Drummer finden können. Glaube ich zumindest. Obwohl ich sagen muss, dass es schon schwierig genug ist hier einen Gitarristen zu finden, der 1. Lust auf die Musik hat, 2. einsatzbereit ist und  3. vernünftiges Equipment hat. Das war auch schon immer das große Problem. Auch bei Eradicate. Einen zweiten Gitarristen gibt es bei Eradicate nach wie vor nicht, obwohl wir da schon in etwa 10 „verheizt“ haben. Bei Drummern sieht das noch wüster aus. Gitarristen gibt’s wie Sand am Meer aber Drummer sind da schon wesentlich seltener. Und ich persönlich habe mittlerweile weder Lust noch Zeit selbige damit zu verschwenden mir im Proberaum die Finger wund zu spielen mit irgendwelchen Typen, die es im Endeffekt doch nicht bringen. Mit Yanic ist wohl auch aufgrund seiner Professionalität ein vollkommen entspanntes arbeiten. Trotz der vielen Tausend Kilometer zwischen uns. Er ist auch sehr verlässlich, und selbst die Kommunikation funktioniert besser, als wenn ich hier vor Ort einen Drummer hätte. Man kann nicht immer alles über einen Kamm scheren, vielleicht habe ich ungewöhnlich viel Pech gehabt mit den Musikern, mit denen ich bisher gearbeitet habe, aber nach meinen Erfahrungen wird im Lager der deutschen Underground-Musiker mehr gelabert, anstatt angepackt.

Das bringt mich gleich zu der nächsten Frage, wie kam der Kontakt zwischen Dir, Yanic Bercier und Thomas Tretow (Begründer und Gitarristen von Sturm (RIP), heute CEO & Owner vom Twilight Vertrieb ) zustande, kanntet ihr euch von vorherigen Gigs/ Bands?

Felix: Der Kontakt zu Yanic kam über Thomas Tretow zustande. Über die Vertriebswege von Twilight besteht Kontakt zu Quo Vadis und somit auch zu Yanic. Thomas Tretow kenne ich schon seit vielen Jahren, weil wir aus der selben Stadt stammen.

Erwachsen manchmal Konflikte daraus, dass Thomas Tretow einerseits Bandmitglied bei Violence Unleashed ist, doch gleichzeitig auch Labelchef von Twilight (dem Label von Eradicate) ist oder trennt ihr konsequent: „Hier hört der Geschäftsmann auf, hier fängt der Musiker an“, oder ist das gar nicht nötig?

Felix: Daraus können keine Konflikte entstehen, weil die Situation eine andere ist. Er ist Sessionartist bei Violence Unleashed wie alle anderen außer mir. Im Grunde bin ich das einzig feste Bandmember. Das rührt nicht aus einem irrationalen Egotrip, sondern viel mehr der Idee das ich endlich einmal die Musik machen wollte, die ich will, mit der Umsetzung nach meinen Vorstellungen. Und das Ganze ohne all zu große Kompromisse und Diskussionen. Ich schreibe sogar die Texte und gebe im Prinzip einen Wegweiser, wie diese im Song umgesetzt werden sollen. Das Drumming habe ich während des Songwritting Prozesses programmiert und Yanic wird anhand dessen und seiner Fähigkeiten das Drumming perfektionieren. Thomas Tretow ist lediglich in einem Track involviert, wo er große Teile der Sologitarren spielt und auch Vocalparts übernimmt. Sehr spannende Sache mit seinen Vocals. Du darfst gespannt sein ( haha ).  Im Grunde könnte man also schon sagen, dass ich das Schiff steure, aber die Anderen wissen auch alle, sobald einer einen Vorschlag zur Verbesserung hat, wird dieser auch umgesetzt. Es geht hier schließlich darum ein fettes Album zu machen!!

Sprechen wir ein wenig über die Texte, die rein von den Titeln her nicht den Eindruck vermitteln, dass sie sich mit Splatter`N`Gore beschäftigen (“BRAINLESS ZOMBIE WANKERS“ausgenommen), sondern eher mit Krieg? Könntest Du kurz einen Kommentar zu dem etwaigen Titel abgeben?

Felix: Um Krieg geht es eigentlich nie in meinen Texten. Nur „ON FIELDS OF BARBED WIRE“ spielt quasi im Krieg aber es geht nicht um Krieg, sondern um die Situation, die ein Einzelner erfährt, wenn viele um ihn herum im Kugelhagel niedergemäht werden. Also, mehr von der psychologischen Seite.
“SEVERAL SUICICE SOLUTIONS“ befasst sich mit einer suggestiven Massenpsychose die zum Massenselbstmord führt. Dies wird aus der Sicht eines Einzelnen geschildert, welcher sich gegen den eigenen Willen zur Selbsttötung lange wehren kann.
„DESTINATION“ handelt von Wehrlosigkeit. Man kann hier wohl sagen das jemand unter starken Einfluss schmerzstillender Drogen seziert wird und trotz der Drogen imstande ist dies zu beobachten.
“BURN“ schildert das langsame, durch die Tätigkeit bedingte, Wahnsinnigwerden einer Person, die als eine Art Henker fungiert.
“BRAINLESS ZOMBIE WANKERS“ na ja, hier kann ich es wohl kurz machen. Der Name ist Programm ( HAHA )
POLYUTHERANE MURDERER Heftiger Song und genau so heftig dürfte es wohl sein durch Polyutheranschaum welcher einem in die Köperöffnungen injiziert wurde zugrunde zu gehen. (Anm.: weitere Infos zu diesem Bauschaum unter bspw. http://www.isopol.de/Dachsanierung_FAQ.htm)
“CONSTRAINED TO KILL“ einfach nur völlig Sinnentleerte Gewalt
“SPAWNED IN ACIDVATS“ einer meiner Lieblingstracks. Handelt von einem Leben, das dermaßen grotesque ist, dass es in einem Fass voll Säure hätte geboren worden sein könne.
“I DESERVE TO KILL“ Wenn eine einzige Person dermaßen oft gedemütigt würde und niedergemacht wurde das sie irgendwann nur zu einem Schluss kommen kann; i deserve to kill! (Anm.: ich muss bei diesem Titel automatisch an „they deserve to die“, vom 2004er Corpse Album „The Wretched Spawn“ denken)
“UNBREAKABLE“ härter als unzerbrechlich geht wohl kaum. Hier kann jemand eine ganze Menge einstecken.
“CRUMBLED INTO DUST“ Dieser Song ist schon fast ( ungewollt) sozialkritisch. Es dreht sich um Gesellschaftlichen Druck der den einzelnen langsam zermalmt. Ursprünglich als Instrumental geplant und jetzt doch mit Sinn und Wort.

Ein interessanter Einblick in die Textwelt Violence Unleasheds. Zu guter Letzt bleiben noch zwei wichtige Fragen offen: wann wird euer Album erscheinen und wann kann man euch auf Tour/Konzerten sehen?

Felix: Wir sind zur Zeit in der Recording Phase, die wir hoffentlich noch innerhalb diesen Jahres abschließen können. Quo Vadis Fans wissen ja das Yanic im Januar mit Kataklysm unterwegs ist. Gitarren sind bereits aufgezeichnet und in kürze beginnen die Aufnahmen der Vokills. Wir lassen uns so viel Zeit wie nötig mit allen. Die Qualität ist entscheidend. Ich denke aber das dass Album voraussichtlich im Februar fertig produziert sein wird. Man kann also noch nicht genau voraus sagen, wann das Album erscheinen wird. Möglicher weise im Zeitraum April-Juni 2007. Eine Live-Präsenz ist derzeit noch nicht im Gespräch. Wir machen erst mal in Ruhe ein gutes Album.

Danke für das Interview, die letzten Worte gehören dir:
Felix: Danke für das Interview! Und Ihr da draußen: BE PRPARED FOR SPAWNED TO KILL!!!
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