Nocte Obducta Interview

Nocte ObductaEine der Überraschungen des Jahres war sicher Nocte Obducta, die mit neuem Album wieder zurück kamen. Alles was man über das neue Album und die Beweggründe etc. wissen muss, findet man auf der Homepage der Band. Von daher wollten wir wissen, wie es Nocte Obducta nach einigen Monaten nach der Veröffentlichung geht und was alles so in Planung steht.

Hallo Marcel, danke dass du dir kurz die Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten. Genauere Gründe warum Nocte Obducta mit neuem Album wieder da sind kann man ja bereits auf eurer Website nachlesen. Interessanter finde ich daher die Frage, welchen Stellenwert Nocte Obducta für dich persönlich jetzt wieder hat. Immerhin hieß es noch vor nicht all zu langer Zeit, die Band sei auf Eis gelegt und du und andere Bandmitglieder haben neuen Projekte geschaffen. Dinner auf Uranos galt ja auch als ein potenzielles Nachfolgeprojekt. Ist Nocte Obducta für dich jetzt wieder dein Hauptprojekt?
Ja, das kann man wohl so sagen. Einen wirklich großen Unterschied gab es im Proberaum und bei den Arbeiten zu Hause sowieso nicht in der Ausprägung wie es das Album “50 Sommer – 50 Winter” erscheinen lässt. Die Arbeiten an Dinner-Songs und schwarzmetallischeren Projekten wurden dann aber immer ähnlicher, so dass auch in Anbetracht der (nicht) zur Verfügung stehenden Zeit eine Zusammenlegung das einzig Sinnvolle war. Wir hatten Dinner in den letzten Jahren auch nicht so genutzt wie geplant, und so standen wir am Ende mit zwei sehr ähnlichen Projekten da, die für die Öffentlichkeit beide mehr oder minder schliefen. Wir haben das Thema wirklich lange diskutiert und uns dann zu diesem Schritt entschieden.

Es gab mittlerweile auch ausreichend Feedback zum neuen Album. Wie hast du dieses Feedback aufgenommen. Hat es dich bestätigt bzw. zufriedengestellt, oder war es dir relativ egal?
Interessant und durchaus positiv ist die Tatsache, dass die Kritiken wirklich das komplette Spektrum von “beschissen” bis “genial” abdecken, das finde ich eigentlich ganz erfrischend. Wirklich geärgert habe ich mich zumindest an schlechten Tagen bisweilen bei unglaublich schlecht recherchierten Reviews und Kommentaren (seien es positive oder negative) oder solchen, bei denen unglaublich viel Bullshit in das Material und die Beweggründe der Band hinein interpretiert wurde. Aber so ist das Internet, jeder Idiot faselt irgendeinen Kack und hält sich für einen Journalisten oder Musikfachmann.

Gibt es einen Lieblingssong auf dem Album, wenn ja warum?
Nein, das würde ich nicht sagen, auch wenn ich den Opener “Tiefrote Rufe” und das kurze “Niemals gelebt” möglicherweise als am besten gelungen bezeichnen würde. Andererseits verbinde ich mit dem Titelsong recht viel, weil ich gerne an seine Entstehungszeit im Vorfeld von “Taverne” zurückdenke.

Es steht sicher außer Frage, ob die Auszeit nötig war, denn so was kann eine Band nur selbst wissen. Du scheinst mit dem neuen Album sehr zufrieden zu sein. Jetzt heißt es aber, dass bereits am Folgealbum schon wieder fleißig gewerkelt wird. Hast du da keine Bedenken, dass es vielleicht zu wenig Abstand zwischen den beiden Alben ist. Immerhin habt ihr selbst auf eurer Website geschrieben „… dass Distanz und fehlende Zwänge Wunder wirken können, ist ja nicht erst seit gestern bekannt“. Oder habt ihr einfach zu viel Material für eine CD angesammelt?
Wir waren mit den “Sequenzen” im Sommer 2006 im Studio, dann folgte mit “50 Sommer – 50 Winter” eine Art Doppel-EP, die konzeptionell und was mein Gefühl angeht, kein klassisches Album in dem Sinne darstellt. Anfang 2011 wurde dann “Verderbnis” fertiggestellt. Das ist unglaublich wenig Material, das umgesetzt wurde, von daher ist es künstlerisch sogar eher eine Erlösung, das kommende Album auch recht schnell nachzuschieben, wir haben ja 2006 bis 2011 nicht geschlafen.Es ist einzig die uns zur Verfügung stehende Freizeit, die die Sache heutzutage so kompliziert gestaltet, der musikalische Druck ist weg.


Es heißt Nocte Obducta sei eine Kernbesetzung, mit ständig wechselnden Mitgliedern aller Schaffensperioden. Wer gehört eigentlich neben dir zur Kernbesetzung? Und gestaltet sich eine Zusammenarbeit da nicht etwas schwieriger?

Die Kernbesetzung ist eine schwierige Sache, im Proberaum sind neben mir immer Stefan und Matze, sowie der 2006 eingestiegene Basser Heidig Flange, der ja auch an “Verderbnis” mitgeschrieben hat, wird in Zukunft auch wieder öfter dabei sein, auch wenn er wohl auf dem kommenden Album zu kurz kommen wird, da es sich hierbei vor allem um Material handelt, das aus der Zeit stammt, in der er nicht mit an Bord war. Diese Frage ist aber nicht klar zu beantworten, wie Du siehst. Wir sehen das ganze mittlerweile als Nocte-Kommune.

Wenn man die CD aufmacht, so findet man im Inlay eine sehr klare Ansage voller Sarkasmus und Spott an Kanwulf? Kannst du etwas zu dem genauen Vorfall sagen?
Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Er hat sich im Rahmen einer Veröffentlichung bei einem unserer Texte bedient, wir haben uns nun im Rahmen einer Veröffentlichung auf unsere sarkastische Art dazu geäußert, das war’s auch schon. Es ist nicht in unserem Interesse, das weiter breit zu treten.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Konzerte und Festivals. Mir ist soweit bekannt, dass ihr auf einigen Festivals, wie dem Party San und dem Wolfszeit spielen werdet. Was habt ihr noch geplant? Darf man auf eine Tour hoffen?
Es ist sind noch einige Gigs geplant, wir werden wohl auch im Frühling endlich mal die Homepage wieder an den Start bringen und die Daten entsprechend öffentlich machen. Für eine Tour haben wir aber leider keine Zeit, das wäre wenn Zukunftsmusik.

Und zum Schluss, eine Frage die mir irgendwie wichtig erscheint. Hat die Ananas auf eurem Bandfoto einen tieferen Sinn?
Für uns ja. Oder sagen wir besser, sie bedeutet uns etwas seit März 1998, und seit dieser Zeit tauchte sie ja auch immer mal wieder auf Fotos oder der Bühne auf. Teile der Band verknüpfen damit sehr viel, es gibt allerdings keine symbolische Bedeutung im Sinne einer transportierten Botschaft an den geneigten Fan, bzw. ist das eine eher surreale Sache, die ich hier nicht weiter ausbreiten will, darüber könnte man alles und nichts sagen. Und für “alles” fehlt mir die Zeit.

Dann nochmals vielen Dank für das Interview und viel Erfolg und Vergnügen bei dem neuen Album und den Konzerten nächstes Jahr.
Ich bedanke mich ebenfalls und entschuldige mich für die recht knappen Antworten, aber zu dem leider ziemlich intensiven Pensum kommen derzeit die Arbeiten am kommenden Album hinzu.

Getreu eurem Motto: Hoch die Tassen – Mehr Hass?
Dem kann ich guten Gewissens zustimmen.

http://www.myspace.com/nocteobducta
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