Bericht: 14. Barther Metal Open Air (17/18. August 2012)

Es ist Donnerstagnachmittag und im Park vor der Freilichtbühne Barth werden immer mehr Zelte aufgeschlagen. Das kann nur folgendes bedeuten: Es ist wieder Zeit für das Barther-Metal-Open-Air. Der Himmel verspricht schönes Wetter und in den nächsten zwei Tagen sollen vorwiegend Bands aus dem Pagan- und Black-Metal-Bereich die Fans begeistern. Zu dem gibt es einige Stände, die für das leibliche Wohl sorgen, der Toilettenwagen ist auch eine bessere Alternative zu den Dixis und überhaupt ist eine sehr schöne Campingatmosphäre vorhanden. Somit ist die Basis für das 14. BMOA vielversprechend und pünktlich 12.30 Uhr geht es am Freitag los.

Mit kriegerischen Klängen eröffnen Baldrs Drauma das Festival und sorgen gleich für die erste Überraschung. Dass es nicht immer leicht ist, als Opener zu spielen, ist allgemein bekannt. Aber mit Charme und gut klingenden Pagan Metal zaubern die Holländer bereits einige Fans aus ihren Zelten hervor und schaffen somit eine gute Stimmung. Während des gesamten Konzertes werden es zu dem immer mehr Zuschauer vor der Bühne.  Leider knickt diese Stimmung bei Ad-hoc ein. Dies liegt nicht an der Band oder gar an der Musik, die sie darbieten, sondern vielmehr sind es die Soundprobleme, welche stören. Zunächst ist der Sänger nicht zu hören, dann sind die Gitarren übersteuert und so weiter. Probleme, die sich leider wieder holen werden. So ist es jedenfalls nur schwer möglich, das Konzert von Ad-hoc zu genießen. Aus dieser Situation versuchen Vargsheim das Bestmögliche heraus zu holen. Einige frostige Klänge bei solch einer Wärme sind ganz angenehm und die melodischen Stellen sorgen auch für Abwechslung beim Konzert. Bei The Forsaken hört man bei den ersten Songs wieder den Sänger nicht. Der Sound wird zwar ein wenig besser, aber dafür ist die Musik von The Forsaken insgesamt zu monoton, sodass nur wenige sich dafür begeistern können.

Svartby hingegen schaffen es als erste Band, ein breite Masse vor die Bühne zu locken. Dies liegt nicht zuletzt am sehr enthusiastischen Sänger, der wild auf der Bühne hin und her springt oder auch tanzt. Allgemein geht die Fröhlichkeit der Songs über Trolle und die Elemente der Erde auf das Publikum über. Da haben Slechtvalk schon ein schweres Los gezogen. Denn es keine leichte Aufgabe ist, nach einer solchen Show die Fans bei Laune zu halten. Es gelingt ihnen, wobei die Anzahl an Menschen vor der Bühne ein wenig geringer ist. Bei genauerem Hinhören sticht jedoch das Schlagzeug heraus. Der Drummer hat wirklich Talent, das sollte man an dieser Stelle mal erwähnen. Die nächste Überraschung liefern The Stone aus Serbien. Wer sich an das Album „Golet“ noch erinnern kann, denkt vielleicht an eher monotonen Black Metal. Auf der Bühne ist die Band aber ein voller Genuss. Allerdings überziehen die Serben ihr Set, sodass beim letzten Song der Strom abgedreht wird. Riger scheinen ein Menge eingefleischt Fans mitgebracht zu haben, denn schlagartig wird es wieder richtig voll. Von der ersten Sekunde an wird gebangt, mitgegröhlt und zugejubelt und das bis zum Schluss. Etwas melodischer wird es bei Imperium Dekadenz. Mit Klavierstücken vom Band werden die Phasen zwischen den Songs überbrückt und verleihen dem Gig etwas besonderes. Gespielt werden Songs aus allen drei Alben, wie zum Beispiel „Schwarze Wälder“ und der Abschluss bildet „ Procella Vadens“.  Der Headliner des Abends ist Bethlehem. Die Meinungen über die Musik spalten sich sicher, trotzdem ist der Platz vor der Bühne gut gefüllt. Neue Songs gibt es zwar nicht zu hören, die alten Stücke überzeugen dafür umso mehr.

Es ist mittlerweile kurz vor 1 Uhr, als Slartibartfass die Bühne betreten. Mit charmantem schwäbischem Dialekt motiviert der Frontmann die anwesenden Fans. Geboten werden mehrere Kapitel aus dem neuen Werk „Schwarz verhüllt“. Ein wenig fehlen dabei Songs aus den ersten Alben. Aber die Band überzeugt durch Vielfalt, zum Beispiel durch schottischen Dudelsack, mehrere Stimmen etc. und zum Schluss gibt es dann doch noch ein altes Stück, nämlich „ St. Cuthbert“. Hexadar bilden den Abschluss des Abends. So verwundert es nicht, dass nach und nach einige sich auf den Zeltplatz zurückziehen. An der Musik liegt das nicht, denn Hexadar wissen trotz später Stunde noch einige Zuhörer für sich zu gewinnen und ein Beginn für die nachstehende Party ist das ohne Frage.


Samstag Mittag, 11.30 Uhr sollte es eigentlich schon wieder weiter gehen, da Akrea aber krankheitsbedingt absagen mussten, verschiebt sich der ganze Zeitplan nach hinten. Einige Besucher nutzen die Zeit und machten sich vorher auf den Weg zur Ostsee, um sich abzukühlen. Keine Zeit dafür haben Porta Inferi, die der heutige Opener sind. Doch die Band hat einige Tricks parat, um den Anwesenden eine gute Show zu bieten. Den Preis für die geilste Idee auf einem Konzert, bekommen sie auf jeden Fall. Damit jeder das Konzert sehen kann, lädt der Sänger die Zuschauer zum Frühstück auf die Bühne ein und einige springen sofort darauf an. Es ist schon ein lustiger Anblick, wie fünf mit Blut beschmierter Black-/ Death-Metaller vorne inr Konzert spielen, während im Hintergrund vier Personen um einen gedeckten Gartentisch sitzen, die fröhlich Mettbrötchen essen und Köpfe schütteln. Überhaupt scheint Publikumsnähe ein wichtiger Faktor für Porta Inferi zu sein, denn der Sänger rennt öfters zum Publikum und Gitarrensoli werden auch gegeben. Ein schöner Einstieg, wie er besser nicht sein könnte. Strydegor wirken dem gegenüber recht unspektakulär, können aber mit ihrem Viking-Metal dennoch überzeugen. Und da diese Band kurzfristig für Tarabas eingesprungen ist, werden auch gerne kleine Patzer mal über sehen. Nothgard hingegen bangen und posieren auf der Bühne zu ihren Songs wie „Victory“ oder „Ragnarök“. Man sieht der Band an, dass sie Spaß bei ihrem Konzert hat und das wirkt sich auch auf die Laune des Publikums aus, denn es herrscht trotz der hohen Temperaturen eine gute Stimmung. Genauso viel Freude scheinen Godhate zu haben. Mit Deathmetal und einigen Einflüssen aus Thrash-Metal spielen die Schweden ihr Set herunter und locken immer mehr Zuschauer vor die Bühne. Voll wird es jedoch erst bei Minas Morgul, wobei hier sich die Geister scheiden. Manch einer wirkt von der Band sichtlich entzückt, andere können damit gar nichts anfangen. Songs wie „Winterherz“ kommen aber ganz gut an und somit kann man sich auch dieses Konzert zu Gemüte führen. Wolfchant hingegen haben arge Soundprobleme. Drei Menschen singen und teilweise ist keiner zu hören oder die Gitarrenklänge sind ein einziger Brei, bei dem man nur ein Dröhnen vernimmt. Aber die Bayern lassen sich davon nicht unterkriegen und geben bis zum letzten Song, dem Grave Digger Cover „Rebellion“, Alles. Zum Schluss wird dann noch von einem Gitarristen das Hemd ins Publikum geworfen, sodass wenigsten ein Fan ein kleinen Trost hatte. Darauf hin folgen Svarttjern und fegen den Unmut über den schlechten Sound weg. Begonnen wird mit „Breathing Soil“ und wie immer wird viel posiert und die Zunge rausgestreckt. Ein Spektakel, welches Spaß macht sich anzusehen. Es folgen Songs wie „Hellig Jord“ oder „Ancient Shadows Revelation“ und dann ist leider nach 45 Minuten alles wieder vorbei. Ewigheim sind im diesen Sommer nach acht Jahren erstmals wieder live zu sehen. Neue Songs gibt es dabei noch nicht, aber die alten Klassiker kommen auch gut an. Störend ist nur, dass wirklich viele Melodien vom Band kommen, dass drückt doch die Atmosphäre und hier und da gibt es schon mal einige Patzer, aber wenn man nach acht Jahren wieder auftritt, dann kann das schon mal passieren. Ruhig geht es mit Alcest weiter. In blauem Licht gehüllt werden zunächst einige langsame Songs präsentiert. Wer dabei an Langeweile denkt, irrt sich gewaltig. Hier und da werden im Rhythmus einige Köpfe geschwenkt oder man schaut dem Konzert einfach nur fasziniert zu. Zum Ende hin gibt es dann auch einige schnellere Sachen, wobei man das Konzert eher als Klangerlebnis betrachten sollte. Bei Forgotten Tomb wird es dann noch voller vor der Bühne. Die Black Metal Band aus Italien überzeugt durch eine sehr gute Live-Performance. Mit einigen doomigen Sachen, aber auch einfachen Black-Metal Songs können die Italiener begeistern. Da man Forgotten Tomb zu dem nicht allzu häufig in Deutschland sieht, war dieses Konzert ein wahrer Genuss.

Dann folgen Inquisition, der Headliner dieses Abends. Diese Zwei-Mann-Kapelle lässt zwar ein wenig auf sich warten, legt dann aber mit „ Astral Path Dominions“ ordentlich los. Dagon wirbelt über die Bühne und der Drummer glänzt auch mit einigen Spontanaktionen. Gespielt werden vorwiegend Songs vom Album „Omnious Doctrines Of The Perpetual Mystical Macrocosm“, aber auch einige ältere Stücke sind dabei. Ganz zu Ende können Inquisition ihr Set nicht spielen, da sie über der Zeit sind. Außerdem warten Baptism schon darauf, als letzte Band des Abends auf die Bühne gehen zu können. Der Sänger in Mönchskutte gekleidet predigt mit satanischen Versen und als Abschluss ist Baptism eine sehr gute Wahl gewesen. Bis zum Ende hin bleiben noch einige vor der Bühne, bis auch hier die Lichter ausgehen. Die Besucher ziehen sich auf die Zeltplätze zurück und lassen den Abend ruhig ausklingen.

Zeit für ein Resümee: Das 14. Barther Metal Open Air ist auf jeden Fall ein Erfolg geworden. Die Bandauswahl war super und im Vergleich zu anderen Festivals auch recht einzigartig. Wie immer gab es eine Mischung aus internationalen und nationalen Bands. Außerdem war die Einteilung, dass man an einem Tag vorwiegend Pagan und am anderen Black Metal auftischt, eine sehr gute Idee. Insgesamt waren es aber zu viele Bands auf einmal. Man bedenke: Das Festival ging immer gegen 12 Uhr los und und endete 3 Uhr nachts. Wenn man sich alle Bands anschauen wollte, war das schon anstrengend. Da hätte man vielleicht einige Bands weglassen können, um mehr in den Sound investieren zu können. Denn Kritik gibt es ganz klar am Sound. Ob es nun am Soundmann direkt oder an dem vorhandenen Equipment oder auch am Zusammenspiel einiger Bands lag, kann man so nicht beantworten. Die Stimmung war dafür umso besser. Ein angenehmes Publikum, WC-Wagen, humane Preise, Merch-Stände mit reichlich Angeboten an CDs und Shirts, sowie auch eine Crew, die sehr gute Arbeit geleistet hat. Die Organisation des Festivals wirkte dieses Jahr viel strukturierter. Es gab ein Programmheft mit klaren Anweisungen und Verhaltensregeln und jene schienen auch ihre gewünschte Wirkung zu erreichen. Da freut man sich doch auf das 15., welches hoffentlich im nächsten Jahr wieder stattfinden wird.



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Bilder: Baldrs  Drauma Ad-hoc Vargsheim The Forsaken Svartby Slechtvalk The Stone Riger Imperium Dekadenz Bethlehem Slartibartfass Porta Inferi Strydegor Nothgard Godhate Minas Morgul Wolfchant Alcest Forgotten Tomb Inquisition Svarttjern