MOSH UP FEST, Maria am Ostbahnhof, Berlin

09. September 2010
mit DEFEATED SANITY, FAT MANS WAR FACE, SINNERS BLEED, HARMONY DIES, NECROMORPH, UNSOUL, OBSCURE MORTUARY, JEHACKTET
von Mirco Strissel, Michael König und Katja Kruzewitz

Micha:
Dass das Mosh Up Fest im Rahmen der Berlin Music Week stattfindet, hat man irgendwie nicht mitbekommen und es ist wahrscheinlich auch allen ziemlich schnuppe, schließlich geht man wegen den Bands hin und da haben sich viele Death Metal/ Grindcore Bands auf einen Haufen versammelt, die Rang und Namen haben. Orientierungslegastheniker stehen zunächst vor der Problematik die Maria am Ostbahnhof zu finden – Postbahnhof ist klar, kann man nicht übersehen – aber wo zum Geier ist die Maria am Ostbahnhof ? Glücklicherweise irren auch andere Gestalten umher deren Erscheinungsbild darauf schließen lassen, das sie ebenfalls zu dem Gig wollen. Schließlich geht es ein wenig versteckt über einen etwas schäbigen mit Grafities und Tags dekorierten Hinterhof/ Parkplatz zum Eingang des Gebäudes in dem man zunächst einen Jugendclub vermutet.
Mirco:
Wie das Moshup Fest auf den Event Kalender gelangen konnte frage ich mich auch. Egal, während sich die Musikindustrie mal wieder die Köpfe über die Herausforderungen des digitalen Zeitalters heiss diskutierte, zeigte das Moshup Festival, daß Musik im Underground immer noch funktioniert. Acht Euro für acht Bands sorgten für eine beachtliche Anzahl von Besuchern trotz vergleichweise eindimensionalem Bandspektrums, Wochentags und hoher Bierpreise. Die Maria ist auch eine interessante Location, welche aber nur selten mit Metalveranstaltungen aufwartet (Wolves in the Throneroom spielten hier mal im Rahmen des Transmediale Festivals).

Jehacktet

Mirco:
Erstaunlich was aus den kleinen Porngrindspackos aus der Amnesie im Laufe der Jahre geworden ist. Nämliche eine wirklich sehr unterhaltsame Grindcore Band. Sänger, oder besser gesagt Frontgrunzquiecker Ville braucht keinen Catsuit mehr, um die Publikum bei Laune zu halten und auch wenn sein berlinerisch geprägter Humor sicherlich nicht jedermanns Sache ist, hat er doch die Lacher der Mehrheit der Anwesenden auf seiner Seite. Musikalisch bietet die Band kurze aber knackige Songs dar und wer das Videospielen besingt hat bei mir eh gewonnen.
Micha:
Sänger Ville ist eine Rampensau mit Kodderschnauze und Duracell im Hintern.
„Dschiiie!“ schreit er das Publikum an und die Fanbase antwortet prompt „Häcktit!“
Von Obscure Mortuary immer noch keine Spur, die Rostocker scheinen im Stau zu stecken und das Repertoire von Jehacktet ist nun erschöpft. Für Baser Yx ist es der letzte Gig. Der schlaksige lange, junge Mann, der teils ungelenk auf der Bühne bewegt, dann wiederum voll in seiner Musik aufzugehen scheint ist einfach eine markante Erscheinung.
http://www.myspace.com/jehacktet

Harmony Dies

Micha:
Harmony Dies entern nun die Bühne. Das Berliner Urgestein hat sich unlängst vom langjährigen Frontmann Christoph Carl getrennt. Die neue Frontröhre mit Spitznamen „Pelz“(Schädel ist glatt rasiert) lässt tatsächlich den Sound Harmony Dies moderner klingen. Bei „Narcotic“ traut er sich sogar an den hohen Warscream.
Mirco:
Also ich fand, der Neue wirkte etwas unsicher und statisch. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt war das Publikum bei Harmony Dies doch eher etwas zurückhaltend aber ansonsten wars ein solider Auftritt.
Katja:
Harmony Dies waren anfangs etwas gewöhnungsbedürftig mit dem neuem Sänger. Aber bei den neuen Songs hat sein Stil auch schon gleich viel besser gepaßt. Da darf man auf jeden Fall auf die nächste Veröffentlichung gespannt sein. Und gut was hergemacht hat er schon. Mit Harmony Dies ist das also weiterhin eine sichere Sache. Man bekommt einen Auftritt präsentiert, der ordentlich knallt.
http://www.myspace.com/harmonydiesgermany

Obscure Mortuary

Mirco:
Als einzige Nichtberliner Band des Abends kamen die Rostocker natürlich prompt um einiges später als geplant. Dafür wurden sie aber offensichtlich sehnsüchtig erwartet denn einige sind vor der Bühne während ihres Auftrittes dann ganz schön abgegangen. Mir ist der Sound der Band etws zu modern, vor allem die vielen Breaks haben mich gestört. Aber wie gesagt ihre Fans waren begeistert.
Katja:
Obscure Mortuary waren für mich die Überraschung des Abends. Es war zwar auch die einzige Band, die ich vorher gar nicht kannte, aber sie sind mir dafür umso mehr in guter Erinnerung geblieben. In den ersten Reihen ging es ganz schön ab, der Grindcore der Band war schön abwechslungsreich und der Gig viel zu schnell vorbei.
http://www.myspace.com/obscuremortuary

Necromorph

Mirco:
Das genaue Gegenteil boten dann Necromorph mit ihrem oldschool as fuck Deathmetal. Für mich die brutalste und beste Band des Abend und ich glaube ich war nicht alleine mit meiner Begeisterung, denn hier ging tatsächlich am meisten ab.
Micha:
Necromorph sind einfach eine Bank in Sachen Grindcore. Unerschütterliche Veteranen,
Watt Birmingham sein Napalm Death is Berlin sein Necromorph.
Katja:
Necromorph haben, seit ich sie das letzte Mal vor einigen Jahren auf der Bühne gesehen habe, ordentlich an Erfahrung zugelegt, waren gut aufeinander abgestimmt und haben das volle Brett abgeliefert.
http://www.myspace.com/necromorph

Unsoul

Katja:
Unsoul versprühen eine Spielfreude auf der Bühne, die fast greifbar ist. Das war auch bei diesem Gig nicht anders. Musikalisch passen sie ja nicht mehr so richtig in so ein Billing, bringen aber dadurch Abwechslung rein. Ich persönlich hänge noch dem alten Sänger hinterher. Aber man muß dem Felix zu gute halten, dass er sich gut geschlagen hat und härter rüberkam als bei dem Gig im SO 36, wo ich die Band das letzte Mal gesehen habe. Allerdings habe ich die cleanen Parts von dem Konzert in besserer Erinnerung.
Mirco:
Unsoul sind die einzige progressiv orientierte Metalband, die ich mir immer wieder gerne live ansehe und höre. So hatte ich auch dieses Mal wieder sehr viel Freude an ihrer “Mädchenmusik” (O-Ton meines Mitbewohners).  Allerdings ist der neue Sänger zumindest äusserlich sehr gewöhnungsbedürftig. Gut, an kurze Haare hat man sich gewöhnt aber das so dermaßen unmetallische Bachelorstudentenoutfit inklusive Tocotronic Gedächtnisfrisur steht der Band nicht gut zu Gesicht und sorgte für einige Kommentare in meiner Umgebung. Davon abgesehen muss der Sänger unbedingt an seinen cleanen Gesangsparts arbeiten, denn die klangen selbst in meinen ungeschulten Ohren grausam.
http://www.myspace.com/unsoulmetal

Sinners Bleed

Micha:
Auch Sinners Bleed haben mit Jenne (Ex Defeated Sanity) einen neuen Frontmann gefunden.
Ob die Liaison von Dauer ist, wird sich wohl noch erweisen. Anders als beim Auftritt beim Killed At Birth III, wo die Jungs mit Soundproblemen zu kämpfen hatten, ballern sie diesen Abends ungehindert ihre Granaten auf die Zuschauer. Ein Wehmutstropfen bleibt, gleich zwei Bleeder haben sich ihres Haupthaares entledigt Gunnar und Jenne, für mich immer noch gewöhnungsbedürftig.
Katja:
Sinners Bleed sind sowohl musikalisch wie auch vom Stage Acting über jeden Zweifel erhaben und traten endlich wieder mit einem anständigen Frontmann auf die Bühne. Grundsätzlich finde ich es ja gut, dass immer mehr Frauen in Metal Bands aktiv sind, aber so richtig mein Fall waren Priscillas Vocals nicht. Laut MySpace Profil der Band ist der endgültige Sänger aber leider noch nicht gefunden. Man sollte also weiterhin Daumen drücken. Und es ist wirklich an der Zeit für eine neue Veröffentlichung der Band!
http://www.myspace.com/sinnersbleed

Fat Mans War Face

Mirco:
Als einzige Metalcore Band war klar, daß Fat Mans War Face es schwer haben würden. Dementsprechend war dann vielleicht auch nur noch die Hälfte der Besucher vor der Bühne als sie loslegten. Erstaunlicherweise waren auch noch viel weniger der Metalcore/Hardcore Jünger anwesend also bei den anderen Bands vorher und die paar übrig gebliebenen machten auch nur mässig Alarm. Für mich war es schlichtweg ein langweiliger Auftritt, die Band klang austauschbar wie tausend andere auch und wenn das, wie man mir sagte,  eine der besten Bands des Genres in Berlin sein soll dann möchte ich mir garnicht erst vorstellen wie die durchschnittlichen oder schlechten sind….
http://www.myspace.com/fmwf

Defeated Sanity

Mirco:
Defeated Sanity hatten dann die undankbare Aufgabe als letztes aufzutreten. Undankbar deshalb, weil die späte Stunde (es war weit nach Mitternacht) und Fat Mans War Face dafür gesorgt hatten, dass der Grossteil der Besucher schon nicht mehr vor Ort war.  Hatten sie gute zwei Wochen vorher im Vorprogramm zu Obituary noch von einem richtig guten und brutalen Sound profitiert, so offenbarten sich hier doch einige Schwächen. Zu wenig mitreissend wurden die Songs dargeboten und vor allem der Gesang klang so erschreckend eindimensional, daß ich mich gefragt habe ob hier überaupt irgendwelche Lyrics vorhanden sind oder einfach nur immer diesselbe Silbe gegrunzt wird?
http://www.myspace.com/defeatedsanity

Nach dem Ende der Veranstaltung diskutierten die letzten Reste an Besuchern dann noch kurz wo weitergefeiert wird, zerstreuten sich in Richtung Halford, Sage Club oder Jägerklause.
Insgesamt eine tolles Festival bei dem mit Sicherheit für jeden Besucher was dabei war und das alles für einen unschlagbaren Preis. Danke an Jockel von Necromorph fürs organisieren!

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