Dream Theater ‘Dream Theater’ 2/6

dream-theater-cdLabel: Roadrunner
Bewertung: 2/6 -> Durchwachsen
Spielzeit: 68 min
Songs: 9

Genauso lange wie vermutlich die Entstehung des Album gedauert hat, musste ich mir Zeit nehmen für dieses Review.

Nach gefühlten 300 Jahren Proggeschichte haben sich die Alteingesessenen nun dazu durchgerungen ein selbstbetiteltes Album zu veröffentlichen. So weit, so gut. Viel interessanter für die Fans ist aber die Tatsache, dass dies das erste Album ist unter direktem Einfluß von Mike Mangini, dem (noch immer) neuen Schlagzeuger der Band. Als dieser nämlich der Band unter großem Getose hinzugefügt wurde, war “A Dramatic Turn of Events” schon komplett komponiert, mitsamt Schlagzeug.

Unter diesen Voraussetzungen muss man das Album unter mehreren Ansätzen betrachten.

Mike Mangini: Macht seine Sache gut, wenn auch wenig spektakulär. Wie in der Castingshow schon jedem auffiel, ist er eher der Typ, der im Hintergrund die Dinge spielt, die er von Dream Theater seit 20 Jahren kennt. Das ist einerseits angenehm, denn so ist kein Bruch in der Musik zu erkennen, sorgt aber auch schnell für eine gewisse Langeweile. Da erwarte ich deutlich mehr auf den nächsten Scheiben. Du bist jetzt da und gut, nun zeig was du angeblich drauf hast.

Der Sound: Was hat die Band nicht alles an Videos vorab gepostet. Das erste Mal, dass eine Progband ihrer Größe ein Album live einspielt, live und in Farbe. Soll heißen, es wurde nicht wie sonst üblich einzeln und nacheinander aufgenommen. Und ein zusätzlicher Grund war, dass man Parts, welche aus Experimenten entstanden, gleich eins zu eins aufs Album brennen kann. Wer die Jungs so lange verfolgt wie ich weiß, dass es wohl für sie kein Problem ist, im Nachhinein zu lernen, was man denn da eigentlich getan hat. Vom Schokoladenkuchen-Gitarren-Sound kann ich mich aber nicht begeistern lassen, wie eigentlich auch vom Gesamtklangwerk. Alles klingt ein wenig mumpfig, untenrum ist es echt nicht aufgeräumt. Im Speziellen scheint es so, dass James LaBrie doch so einiges an Autotune Effekten gebraucht hat, um irgendwelche Obrigkeiten zu überzeugen. Dies sorgt im besonderen dazu, dass kaum noch Dynamik im Gesang vorhanden ist, die alten bekannten Spitzen, die man entweder liebte oder hasste, sind einfach völlig in Emotionslosigkeit verschwunden. So macht man es aber eben nicht jedem Recht.

Youtube Video zum Schokoladenkuchen https://www.youtube.com/watch?v=EIjhQhm1JvU

Die Songs: Puh, die wohl schwierigste Kategorie. Da man nun zum ersten Mal ein selbstbetiteltes Album herausbrachte, erkennt man auch schnell, dass die Maxime lautete “Wir wollen zeigen, was wir über mehrere Dekaden getan haben” und das tun sie, sogar ziemlich gut. Jedoch ist es auch so, dass Dream Theater in den letzten Jahren immer mehr experimentierten und sich neuen Hörgruppen öffnete, um gleich wieder aus einem Subgenre zu verschwinden. Das kann man gutheißen oder nicht, interessant wurde jedes neue Album so auf jeden Fall. “Dream Theater” ist das nicht, absolut nicht. Alles hat man schon mal gehört, manche Parts sind sogar wirklich genau so auf früheren Alben erschienen, was besonders enttäuscht.

Insgesamt hinterläßt das Album…. gar keinen Eindruck. Es plätschert vor sich hin, wenn man gerade vorm Rechner hängt, optimal um die Ohren mit Hintergrundgedudel zu beschäftigen. Dass man aus seiner Konzentration gerissen wird, passiert äußerst selten.

Nichtsdestotrotz, sollte mich jemand fragen wer Dream Theater ist und was sie so tun, dann kann man ohne einen Gedanken verlieren dieses Album empfehlen. Als besonderes Schmankerl ist hier “Enigma Machine” zu erwähnen. Wer noch keinerlei Berührung mit der Kapelle hatte, wird hier sicherlich schnell glücklich und weiß was ihn oder sie auf all den anderen Alben erwartet.

Eine Art perfekter Rückwärtsteaser für Unwissende.

http://www.dreamtheater.net/