Rebellion Interview

Rebellion haben mit ‘Stardust’ ein komplexes, atmosphärisches und vielschichtiges Metalalbum geschaffen, daß sich nur (trotz erkennbarer Death/Black-Roots) schwer einordnen läßt und für die Zukunft Großes hoffen läßt. Also machte ich mich auf, um Florian Lüdeke (dr.) ein wenig auszuquetschen. Nach einigen Problem mit Computern klappte es dann doch noch. Aber lest selbst….

Fühlt ihr euch eher der Black- oder der Death-Szene zugehörig? Oder keiner oder beiden?
Florian: Nein, unsere musikalischen Vorlieben sind nach wie vor im Death/Black-Bereich angesiedelt. Früher hörte man fast alles, was grunzte und schepperte. Über die Jahre entwickelte jeder seine individuelle Geschmacksrichtung, die sicherlich auch unsere Musik beeinflußt. Old school muß sein! Auf jeden Fall landen alte norwegische Black Metal Scheiben oder CD’s wie Dismembers ‘Like an ever…’ mit einer gewissen Regelmäßigkeit in unseren CD-Playern. Renaissance bedeutet soviel, wie die Wiederentdeckung alter Werte. Es gibt sicherlich wieder viele extremere Bands, aber seit Anfang der neunziger entwickelten sich die Dinge und viele Bands fanden ein eigenes Niveau. Damals war der Death Metal noch relativ jung, heute wissen Bands sich zu entwickeln bzw. an ihrem Stil zu feilen. Death Metal ist halt Death Metal, aber es gibt immer die feinen Unterschiede. Es tut gut zu sehen, wie der Black Metal sich tot läuft und daß die Death Metal Maschinerie wieder rollt. Wie wir das sehen, gibt es zur Zeit viele gute Death Metal-, aber nur wenig gute Black Metal Scheiben. Aus Tschechien kommen die individuellen und phantastischen ‘Lykathea Aflame’ und aus Österreich die old schoolen asskicking ‘Cephalic’ (Schönen Gruß auch!). Aber damals gab’s kaum Zeitungen in denen man mal Undergroundbands kennenlernte und wir hatten auch keine Kontakte; wie auch? ’92 war unser Durchschnittsalter ca. 14, da konnten wir kaum lesen und schreiben, nur saufen und Metal hören! Wir denken zwischen Florida und Schweden liegt’ne Menge.

Wie entstehen denn eure Songs? Gibt es einen ‘Chef’, der alle Songs schreibt und alle Ideen hat oder seid ihr eine demokratische Band?
Jeder von uns bringt mal ein Anfangsriff oder feilt auf seinem Instrument zu einem Riff vom Anderen rum. Teilweise entstehen die Parts vom ein oder anderen zuhause, teils im Proberaum spontan. Es gibt keinen Hauptsongwriter! Im Moment sieht es aus, als funktioniert Rebellion als Einheit oder gar nicht! Erst wenn die Lieder stehen kommen die Texte. Wir haben nicht immer Lust uns über Texte Gedanken zu machen und da sie uns gefallen müssen, dauert es länger bis sie feststehen. Das wichtigste ist die Musik, erst dann kommen die Lyrics, auch wenn sie zum Gesamtbild gehören. Eigentlich wollten wir die Texte zusammen schreiben, was sich jedoch als gar nicht so einfach herausstellte. So sind sie hauptsächlich von Jan, Flo und Hannes. Meist Textfragmente zu einem Thema, die dann zusammengefügt werden.

Der Track ‘Dichter Nebel’ ist ja ein wenig anders, als der Rest des Materials. Wieso?
‘Dichter Nebel’ ist ‘Frauen-Metal’! Meistens stehen Weiber auf dieses ‘wunderschöne’ Lied. Sowas kommt so schnell nicht wieder. Der Text war zu sozialkritisch. Kein Bock mehr auf Moralpredigt! Blut, Dreck, Sex, Mord und Totschlag, vielleicht die Vernichtung des gesamten menschenverseuchten Planeten ist doch viel schöner! ‘Unseen Life’ und ‘False Humility’ gefielen uns besser. ‘Aivorab’ ist aus der ‘Mortem-Ära’. Übrigens haben wir keinen Frauengesang auf ‘Stardust’.

Wie steht ihr zum Christentum und seiner organisierten Form, der Kirche?
Dass Volksverhetzer und Mörder wie Hitler tot sind und die Parteien verboten, ist gut. Die Kirche mordet auch. Sie wirkte selbst unter Hitler. Scheißegal, wie toll und endlos voll Liebe sie heute ist; weg damit! Jeder Mensch sollte seinen Weg für sich selbst entdecken, sein eigener Herr sein und nicht dem primitiven, heuchlerischen Vorgegaukle der Weltreligionen Beachtung schenken. Kirchen sind zwar schöne Gebäude, aber sie schlagen auch wunderschöne Flammen, denken wir. Wenn das Feuer langsam den Kirchturm erklimmt, dass muß wunderschön sein…

Wo konnte man euch denn bisher schon live bewundern?
Wir spielten bisher nur auf selbstorganisierten Konzerten. Manchmal mit bis zu sechs Bands + Skaja. Da kamen auch schon mal über 400 Leute und es fiel auch mal was für uns ab. Gage ist für uns belanglos! Es sollte nur alles plus/minus Null laufen. Bisher wurden wir noch nicht eingeladen, aber sollte dies eines schönen Tages doch geschehen, so wären uns Bier, Brötchen und Spritkosten genug. Naja, ‘n paar Nutten eventuell, für wen auch immer! Die neuen Stücke haben noch nicht so richtig gesessen, so daß wir uns teilweise dabei verspielten. Im Januar diesen Jahres bewiesen wir jedoch, daß es anders laufen kann.

Ihr habt ja ’ne coole Homepage. Hältst du das Internet denn für wichtig?
Ja, auf jeden Fall. Die haben Hannes und Flo gemacht. Richtet eure metalverseuchte Aufmerksamkeit doch mal auf unsere Homepage. Wir bieten Bands, die uns gefallen an, sie über die DarkBoundpage zu vertreiben. Wenn wir Konzerte organisieren, laden wir Bands ein. Werden wir eingeladen, so ist das Wichtigste: Spaß, ein Schlafplatz und die willigen Jungfrauen, die wir Darth Vader opfern. Gigs haben wir für dieses Jahr noch keine. Wir überlegen aber, ein paar Bands einzuladen und eine Art DarkBound-Festival aufzuziehen.

Werden eure neuen Songs sich mehr back to the roots bewegen oder eher komplexer werden?
Nicht unbedingt! Die Parts sind aggressiver und schneller, direkt in die Fresse! Die Musik ist direkter als das zu erkennen, was sie sein soll: Death Metal. Wir schrauben den melodiösen Anteil ein wenig zurück und gewinnen an Brutalität. Da jedoch die Strukturen der gesamten Songs durch weniger sich wiederholende Parts bzw. in sich verschachtelte, variierte Parts auszeichnet, ist es schon komplexer. Es macht auf jeden Fall mehr Spaß die neuen Sachen zu spielen und zu hören. Jedenfalls uns. Die neuen Sachen fallen uns immer schwerer, weil sie immer aufwendiger werden und geben uns mehr, da sie sind, wie sie sind. Das stellt sich zwar oft erst auf den zweiten Blick für uns heraus, aber es ist so. Sagen wir mal, wir sind wild und roh im Blut oder sowas, aber gleichzeitig komponieren wir, bzw. machen uns Gedanken über einen etwas, sagen wir mal, abstrakten oder bizarren Songaufbau.

Gibt es Bands/Musiker, die ihr bewundert, die euch beeinflußt haben?
In der Musiszene kennen wir die Leute doch nur durch Interviews. Um sie zu bewundern, müsste man sie persönlich kennen. Aber es gibt sicherlich eine Bewunderung für Leute, die nur tun was sie wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. ‘Belphegor’ ziehen seit Jahren ihr eigenes Ding durch. Sie stoßen dabei sicher oft auf Ärger, scheißen aber auf alles und rammen ihre Death/Black Metal Fäuste tief in die Ärsche der Zensur, der Kritik oder der verweichlichten Harmony Metal Szene und reißen mit ihren Nietenarmbändern alles auf, so daß sie dann Blut scheißen! Das ist schon ziemlich bewundernswert. Wir wissen allerdings, daß wir selbst harmonischen Death Metal spielen. Aber Leute, wir wollten nie weicher klingen, nur härter. Und ‘Stardust’ ist unser erstes Demo!

Ein paar Worte, deine Meinung, über den deutschen Underground?
Erst waren wir dem deutschen Underground gegenüber nicht sehr positiv eingestellt, da auf so vielen Sampler-CD’s zum Großteil nur Scheiße drauf ist. Schaut man aber genauer hin und sucht selber nach Kontakten, wird einem bewußt, daß die Szene sehr stark ist und noch verdammt viel zu bieten hat. Schade ist jedoch, daß es im Underground keine Fanbasis gibt, da auf dem Sektor der großen Bands so ein Overkill herrscht, daß sich kaum einer um den Underground schert. Also Augen auf und dem Underground mehr Beachtung schenken! Wir denken/glauben, daß die deutsche Szene in Zukunft noch stärker und größer wird. Neben den Kontakten in unserem direktem Umfeld haben wir gelegentlich Kontakt mit Bands wie Infernal (Köln), Centaurus A (Bonn) und Cephalic (Österreich).

Es gibt einen Sampler mit Northeimer Bands, eine lobenswerte Sache, wie ich finde. Wo kann man das Teil kriegen?
Den Sampler kann man direkt bei uns bestellen. Entweder schriftlich über die DarkBound-Adresse oder per eMail. Das findet man alles aufder Homepage. Der Sampler kostet 8DM (inkl. P+V) oder zusammen mit einer anderen DB-CD (siehe Programm auf der HP) für 5DM.

Wie gingen denn die Aufnahmen zu ‘Stardust’ vonstatten?
Die Aufnahmen zogen sich lange hin. Im Grunde dauerte es alle vier Jahreszeiten über ’98/’99 verteilt. Wir haben uns unser Equipment von unserem mühselig ersparten Geld gebraucht zusammengekauft. Als wir bereit waren in Eigenregie in unserem 8-Spur-Studio aufzunehmen, nannten wir es kurzerhand ‘Cave’. Das Mischen übernahm Hannes, da er es gut kann, wie wir finden. Wir jedenfalls sind mit dem Sound sehr zufrieden, wenn man bedenkt, daß es eine 8-Spur-Aufnahme ist. Einmal haben wir bis 3.30 Uhr Gesang aufgenommen, obwohl Jan um 6.00 Uhr bei der Arbeit sein mußte. Wir haben oft bis spät in die Nacht gearbeitet. Es war für uns alle neu, wir haben vorher nie in diesem Rahmen aufgenommen. Bandkontakt: e-mail: Rebellion@gmx.de, www.darkbound.de.vu

Namensänderung: Die Band hat sich in Nonhumental umbenannt!

www.rebellion.de.vu
www.darkbound.net

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*