Der Sommer nähert sich dem Ende und so langsam kehrt die Zeit nach den Open-Air-Festivals zurück. Bei uns war es diesen Monat nur eine kleine Runde, die sich am Kreuzfeuer beteiligt hat. Das Ergebnis könnte nicht verrückter sein. Platz 1 wurde gleich dreimal vergeben und Platz 3 wurde doppelt belegt, jedoch lagen Bands alle sehr nah bei einander, sodass kein richtiger Favorit raus stach.

Diesen Monat mit dabei: Delirium, Kings Winter, Lvcifyre, Third Storm, Thorns Of Grief, Tormentor Bestial und Vehementor.

Und gewonnen hat: Vehementor und Tormentor Bestial und Kings Winter

Phil S.Maurice K.Stephan B.Thomas W.Thies F.Tom L.
Vehementor3,1724125,54,5
Tormentor Bestial3,172433,52,54
Kings Winter3,174322,534,5
Lvcifyre3,0832531,54
Third Storm2,754430,523
Delirium2,75333232,5
Thorns Of Grief2,423221,515

Im weiteren Verlauf könnt ihr die einzelnen Kommentare lesen und via Klick auf die Links gelangt ihr zu den Bandcamp- oder Facebookseiten und könnt euch selber ein Bild machen. Viel Spaß!

Vehementor – Dungeons Of Grotesque Symmetrie

P.S.: Nicht schlecht, aber es fehlen echte Höhepunkte. Meistens plätschern die Songs nur so vor sich hin.

M.K.: Man hört selten soviel Potential heraus, da kann etwas sehr großartiges entstehen. Aber hier fehlt leider noch das letzte bissel, um völlig zu überzeugen. Folgewerk ist jetzt schon vorgemerkt.

S.B.: Diese angegroovten Sachen kommen nicht bis zu mir durch, auch wenn hier und da ganz gute Elemente zu finden sind, die das wieder aufbrechen…erinnert mich irgendwie zu oft zu sehr an Sepultura aus der Ära, die mir nicht mehr gefällt. Keine Lust auf mehr.

T.W.: Naja. Ganz nett, viel bleibt nicht hängen.

T.F.: Geht gleich top los, geiles Riffing mit Melodie, recht clean gehaltene Death-Growls, groovt im Midtempo, sehr cool! Im weiteren Verlauf durchaus mal Tempoverschärfungen…Gitarrensoli, die gar an Maiden und Co. erinnern…mal feine Bolt Thrower-Grooves…knackig kurz gehaltene Songs, sehr atmosphärisch…es wird nicht schlechter! Diese halbe Stunde überzeugt mich vollkommen, alles drin für jeden melodischen Death-Thrash-Fan und ein echter Leckerbissen! Mein Gewinner des Monats und absoluter Tipp!

T.L.: Death/Thrash-Debüt der Band. Ziemlich catchy. Für das Einstiegswerk ein mehr als anständiges Ergebnis.

Tormentor Bestial – Supplicium

P.S.: Mensch, bei dem Bandnamen hatte ich derbes Steinzeit-Gebolze à la early Sarcófago erwartet, aber das hier klingt ja richtig zivilisiert. Leider finde ich die Riffs und die Vocals eher so mittel. Schade eigentlich…

M.K.: Stilsicher und zielgerichtet wird hier abgefeiert und mitgerissen. Die wissen wie es geht.

S.B.: Fetzige Mischung, klingt auch gar nicht so richtig nach Brasilien, trotzdem nicht übel, aber für Thrash klingt‘s mir zu sauber und für Heavy nicht sauber genug.

T.W.: Ganz ordentlich, thrashig und melodisch. Die Riffs sitzen, sind insgesamt aber Standardkost. Werde ich trotzdem mal im Auge behalten.

T.F.: Schneller Thrash im Bay-Area-Style, der ein wenig an Exodus erinnert, ergänzt um Death-Einschübe in Form von Growls. In der Mitte dann auch mal melodische Schlenker Richtung klassischerem Heavy Metal. Trocken produziert und nicht uncharmant, aber ich kann mit diesen „klassischen“ Ami-Thrash-Metal-Stimmen leider nicht viel anfangen.

T.L.: Wirklich gelungene Verehrung der alteingesessenen Heavy/Thrash-Ikonen, gepaart mit der lateinamerikanischen Aggression. Aber auch nichts Weltbewegendes.

Kings Winter- Forging The Cataclysm

P.S.: Die Sängerin ist echt gut und die Songs können sich höre lassen. Mit dem Schmalz wird’s auch nicht übertrieben, im Grunde gibt’s also erstmal nix zu meckern. Höre ich mir auf jeden Fall nochmal an.

M.K.: Muss unbedingt mal wieder den “Live and Let Die”-James Bond anschauen, permanent diese Assoziation. Gradlinig produziert, so manchem vermutlich zu glatt, aber mir machts Spaß. Tipp zum Abschluss, mal den Spotify Upload korrigieren lassen.

S.B.: Klassischer Rock trifft…ja, was genau? Melodic Metal? Klassischen Metal? Na ja, sowas halt, dazu noch Female-Fronted. Alles in allem „trotzdem“ ganz angenehm, wird nie mein Favorit werden, aber da wird’s Freunde für geben.

T.W.: Keine Ahnung, was ich davon halten soll. Die 80er-Vibes wissen durchaus zu gefallen, das Riffing ist auf den Punkt und die Soli stimmig. Die moderneren Parts und der Gesang überzeugen mich auf der anderen Seite leider nicht wirklich, den Songs fehlen außerdem die Höhepunkte.

T.F.: Total klassischer Heavy Metal mit einer Schippe Symphonic-Melodic Metal dazu. Weiblicher, an Doro erinnernder Gesang, klingt sehr nach einer verlorenen Warlock-Platte aus den 80ern. True German Heavy Steel sozusagen. Irgendwie sympathisch, aber ist mir damals schon immer einen Tick ZU traditionell gewesen. Handwerklich für diese Zielgruppe aber top und mehr als ein Ohr wert!

T.L.: Leviathan-Gitarrist Tobias Dahs schnappt sich seine Frau Jule und spielt als neugegründetes Nebenprojekt-Duo eine starke Melodic-Platte ein. Erinnert leicht an die junge Doro Pesch, ist aber auch weitaus weniger abgedroschen als die einstigen Warlock-Sachen.

Lvcifyre – Sacrament

P.S.: Wenn richtig geballert wird, machen Lucifyre am meisten Spaß. Die atmosphärischen Parts sind zwar auch nicht übel, mir persönlich aber etwas zu langatmig.

M.K.: Chaotisch oder eher athmo? Zu viele Ansätze werden hier versucht und nicht sauber zu ende geführt. So entsteht kein Hörgenuss. Immerhin schnell vorbei.

S.B.: Chaotisch, düster, atmosphärisch und rasend, intensiver Death-Metal Brocken mit gehörntem Hintergrund, Wertmutstropfen: Nur `ne EP

T.W.: Tiefschwarzer Death Metal mit jede Menge Blast-Gewitter und pfeilschnellen Riffs. Am Anfang kommt einem das Machwerk ziemlich chaotisch vor, hat man sich einmal dran gewöhnt, sind die Songs aber durchaus eingängig. Nicht ganz mein Fall, aber auch nicht schlecht.

T.F.: Dieses trve „v“ im Bandnamen nervt mich schon mal gewaltig – ich hasse das, albern! Außerdem – nennt mir eine gute Band mit einem trven „v“ im Bandnamen? Siehste! (Her mit den Kommentaren…) So auch hier: Nach überflüssigem Intro erwartet die Hörerschaft verhallter, konfuser, hektischer Black-Death ohne roten Faden. Siehste. Wieder nix mit einer guten Band mit trven „v“. V wie verkackt.

T.L.: Black/Death-Scheibe, die gut ins Ohr geht. Sonst überwiegend ziemlich durchschnittlich.

Third Storm – The Grand Manifestion

P.S.: Gelungenes, abwechslungsreiches Black-Death-Geprügel mit viel Schmackes und ohne neumodischen Firlefanz. Find` ich gut!

M.K.: Zunächst verschreckt durch das klasssische BM Geboller kristalisiert sich doch eine angenehme Scheibe heraus mit vielen verwobenen Stimmungen.

S.B.: Irgendwie 20 Jahre zu spät, klassischer Black/Death mit Genre-einsprengseln, gut in Szene gesetzt, aber dann doch irgendwie, naja, 20 Jahre zu spät um zu begeistern. Allerdings schön Abwechslungs-reich auf Albumlänge.

T.W.: Langweiliger, eintöniger Black Metal. Riffs wiederholen sich quasi in Dauerschleife und der Frontmann ist absolut unfähig. Für die Leadgitarre gibt’s einen halben Punkt, die macht teilweise einen ganz guten Job.

T.F.: Harscher Black Metal mit Blasts trifft auf rhythmischen Death, auch Doom inklusive Gitarrensoli wird mit eingebettet. Zwar ein interessanter Mix und abwechslungsreich, aber noch nicht wirklich aufeinander abgestimmt, die Summe der Teile wird kein Ganzes. Mit zunehmender Spieldauer immer nerviger.

T.L.: Nach dreißig Jahren das erste Full-Length Album – im Grunde klingt es auch so, als hätte es die ganze Zeit über ein unveröffentlichtes Dasein gefristet.

Delirium – Urkraft

P.S.: Nettes, gut hörbares Pagan-Teil. Nicht meine Baustelle, für Genre-Fans aber ancheckenswert.

M.K.: Insgesamt eine gute Produktion, der Gesang geht leider zu sehr unter. Musikalisch kommt hier nichts neues zustande, genretreu wird hier im Galopp geritten.

S.B.: Pagan Metal halt, nicht schlecht gemacht, und immerhin auch Nicht peinlich oder nervig dudelig. Solide Kost in diesem Genre, mir schmeckt’s nicht.

T.W.: Ziemlich nichtssagender Pagan Metal. Die Melodien sind teilweise ganz, die Gitarrenarbeit dafür oft ziemlich unsauber und der Gesang bestenfalls Durchschnitt. Im fränkischen Dorf-JUZ sicher ganz nett, mehr aber auch nicht.

T.F.: Recht hymnischer Pagan Black mit deutschen Texten. Könnte alles ein bisschen tighter sein, im Fortlauf der Scheibe zeigen sich immer mal wieder Timingprobleme. Der deutsche Growl-Krächz-Gesang ist ein großer Minuspunkt, für mich gibt das dem Ganzen immer einen etwas dumpfen, unangenehmen Touch, und wenn ab und an die Chöre dazu kommen wird’s ganz schlimm. Zwiespältige Sache, musikalisch ganz gut, textlich und gesanglich mies, in der Summe Durchschnitt.

T.L.: Klingt ein bisschen wie Manowars „Herz aus Stahl“, nur etwas angeschwärzt und gestreckt auf Albumlänge. Etwas weniger klischeehaft hätte es durchaus sein dürfen…

Thorns Of Grief – Anthems To My Remains

P.S.: Coole Atmosphäre und nicht zuuuu lahmarschig. Für Funeral Doom-Verhältnisse echt hörbar.

M.K.: Funeral ist in meinen Ohren zu oft nicht zielführend, sondern eher ein Schlendern von hier nach da. Die Polen bestätigen diesen Eindruck.

S.B.: Ganz schön düsteres Teil, aber gut, muss es ja auch als Funeral-Finstertrauermukke; mir gefällt’s immer dann am besten, wenn – ein wenig – an Tempo aufgenommen wird, ansonsten mir zu lahm.

T.W.: Fader Funeral Doom mit unmotiviertem Gesang. Als Hintergrundbeschallung vielleicht noch okay.

T.F.: Soll Funeral Doom sein…ist aber den Meisterwerken dieses Genres (ich denke da beispielsweise an AHAB) meilenweit unterlegen, weil das alles komplett zahnlos und schlecht produziert dahin plätschert und außer Langeweile nichts hervorruft. Große Enttäuschung

T.L.: Mit ihrem Erstling lassen die Polen düstere Totenstimmung über den Zuhörer walzen und schauen dabei Doom-Veteran Tony Iommi mehr als nur einmal auf die Finger. Musik, die den Namen „Funeral Doom“ definitiv verdient!